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Das iPhone im Schulalltag

Nach der kurzen Vorstellung oft verwendeter Tools lenken wir heute den Blick auf das iPhone.

Meine iPhone Bildschirme sehen wie folgt aus:

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  • BeejiveIM (App-Store)
    Um zwischendurch online gehen zu können oder bei Tagungen und Aktionen in der Schule schnell ansprechbar zu sein nutze ich BeejiveIM. Der Messenger unterstützt Push-Dienste und verrichtet seit dem letzten Update vollkommen problemlos seinen Dienst. Auch der Wechsel von WLAN zum GSM-Netz funktioniert tadellos.
    Für meinen öffentlichen Account, den auch viele Schülerinnen und Schüler kennen, habe ich mir dazu als Statusmeldungen die Raumnummern eingerichtet. Auf diese Weise wissen die Kontakte schnell, wo man mich ggf. auffinden kann.
  • Tweetie (App-Store)
    Als Twitter-Client der Wahl kristallisiert sich gerade Tweetie heraus – nachdem es vorher lange Zeit Twitterfic gewesen war. Was ist an Tweetie mag: sieht schick aus, lädt zügig und hat den Vorteil, dass man Nachrichten auch zwischenspeichern kann. Tweetie merkt sich die letzte Ansicht beim Verlassen des Programms und lädt exakt die gleiche Stelle wieder. Dass das Programm nicht ständig im Hintergrund läuft merke ich daher gar nicht.
  • Wikipanion (App-Store)
    Schon oft hatte ich im Unterricht die Situation, dass man einige Daten (Geschichte), Formeln (Chemie) oder Zahlen (Politik) nicht parat hatte. Dann ist es ungemein praktisch, wenn man „Google (hier: Wikipedia) in der Hosentasche hat“ (@cervus)
    Meine letzen Sucheinträge: Weinbrand, Tortilla, Exekutive, Citronensäure, Weltbevölkerung, Brasilien, Vandalen, schwarze Oliven, Porzellantiegel.
  • DownTime (App-Store)
    Das kleine Programm macht einen Countdown. Genial für kurze Arbeitsphasen, die zeitlich begrenzt werden. Hält man das iPhone waagerecht erscheint die Anzeige größer, sodass man die Zeit auch an den hinteren Gruppentischen erkennen kann. Vorne an der Tafel positioniert ersetzt es die magnetische Eieruhr.
  • TeacherTool (App-Store)
    TeacherTool 1.5 ersetzt seit diesem Schuljahr meine Kurs- und Klassenbücher. Sowohl Notenlisten, Wiedervorlagen wie Themenübersichten verwalte ich mit dem Programm. Das Aufkommen von Papierlisten hat sich seitdem erheblich reduziert.
  • Byline (App-Store)
    Mein RSS-Reader mit GoogleSync. Bisher habe ich keinen anderen Reader gefunden, der schnell arbeitet und elegant ausschaut. Was mir leider noch fehlt: die Instapaper Integration. Hoffentlich kommt das bald. Solange helfe ich mir mit diesem (http://gettingsoftware.posterous.com/google-reader-instapaper-killer-combo-for-pro) Trick aus.
  • Instapaper (App-Store)
    Während der Woche komme ich oft nicht dazu, interessante Artikel immer gleich zu lesen. Daher notiere ich mir die Artikel in Instapaper. Der Sync zwischen iPhone-App und Webseite funktioniert gut. Vorteil iPhone: Die Daten werden beim Synchronisieren komplett geladen, sodass man auch offline arbeiten kann.
  • OmniFocus (App-Store)
    OmniFocus gehört seit mehr als zwei Jahren zu dem am meisten genutzten Programmen und hat meinen Alltag maßgeblich verändert. Es synchronisiert über einen Server die Todo Listen vom MacBook direkt aufs iPhone und arbeitet – wenn man denn möchte – nach den Ideen von GTD.

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  • Circulator (App-Store)
    Verliehene und ausgeliehende Bücher, Arbeitsmaterialien & Co. notiere ich mir in Circulator. Praktisch: Direkte Anbindung ans Adressbuch, sodass man die Personen schnell kontaktieren kann.
  • SplashID (App-Store)
    Passwörter und Zugangsdaten gibt es privat und in der Schule genug. SplashID synchronisiert sich mit dem entsprechenden Programm auf dem Laptop über eine WLAN-Verbindung. Man muss also nicht alle Daten auf dem iPhone eintragen und kann im Notfall alles als Tabellendokument exportieren.
  • DropBox (App-Store)
    Endlich auch nativ fürs iPhone verfügbar! Habe bereits an anderer Stelle beschrieben, wie wir in den Arbeitsgruppen damit arbeiten.
  • MindMeister (App-Store)
    MindMeister ist ein webbasiertes, kollaboratives MindMapping Angebot. Normalerweise kann man es über den Browser bedienen – mit dem App läuft es auch vollständig auf dem iPhone. Praktisch, da wir in der Schule Projektplanungen damit machen und man unterwegs die ein oder andere Idee schnell eintippen kann. Dazu gibt es auch die Funktion „Geistesblitz“. Da die Daten synchronisiert werden, kann man die MindMaps auch offline ansehen.
  • iTranslate (App-Store)
    Vokabeln gängiger Sprachen hin und her übersetzen. Muss man nicht mehr zu sagen. Wer das Widget von Mac OS X kennt, wird sich sofort zurechtfinden.
  • The Chemical Touch (App-Store)
    Obligatorisch für den NW-Lehrer. Das Periodensystem mit allerhand zusätzlichen Infos immer in der Jackentasche.
  • Solutions (App-Store)
    Eine Lösung mit eine bestimmten Konzentration ansetzen ist mit Solutions kein Problem mehr. Erleichtert die zeitlich oft knappe Vorbereitung vor der Stunde.
  • Convertbot (App-Store)
    Umrechnung von Meilen in Kilometern und allerhand mehr.

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  • Prowl (App-Store)
    Prowl ist die Verbindung zwischen Growl auf dem Desktop mit den Push-Diensten vom iPhone OS. Genial, wenn man sich sowohl den aktuellen Status vom Server, fertige Up- und Downloads oder geänderte Dateien in der DropBox direkt anzeigen lassen kann. Wer gerne über neue Twitter-Nachrichten informiert werden möchte, kann dies auch mit Prowl und dem Dienst Prey Fetcher erledigen.
    Einfacher ist dies aber über die App Boxcar, die neben Twitter noch Infos aus Facebook und neue E-mails aufs iPhone pushed.
  • StarMap (App-Store)
    Exzellente App für den virtuellen Sternenhimmel, um die in der Schule gelernten Sternbilder in einer – seltenen – sternklaren Nacht aufzufrischen.
  • MacTracker (App-Store)
    Da wir an der Schule verschiedene Generationen von Geräten haben, ist MacTracker ein hilfreiches Tool. Die Datenbank listet alle je gebauten Apple Rechner mit ihren technischen Spezifikationen auf.
  • Feiertage (App-Store)
    Mit dem Progrämmchen habe ich schnell einen Überblick über die Lage der Feiertage und Ferien innerhalb des Schuljahres. Das geht leider mit dem integrierten Kalender auf dem iPhone nicht ganz so komfortabel.

Twitter im Unterricht: Nein, bitte nicht!

Wir versuchen wieder, neue Technologien in ein System zu drücken, das dafür nicht geschaffen ist. Mit der Überlegung von Twitter im Unterricht reduzieren wie nicht nur Twitter in seinen Möglichkeiten enorm, sondern überstrapazieren auch die Schule in ihrer derzeitigen Struktur (was natürlich durchaus wünschenswert sein kann).

Twitter_Was tust du

Twitter ist ein „Was tust Du gerade“ Dienst, der sich in den letzten Monaten verstärkt als politisches und persönliches Sprachrohr entwickelt hat.

Das, wofür man Twitter jedoch in der Schule einsetzen möchte, wie zum Beispiel hier bei LehrerOnline vorgeschlagen, ist nichts anderes als ein Chat. Warum dann nicht direkt auf dieses Medium setzen? Vorteil: Man muss sich nicht anmelden (natürlich anonym! ist ja Schule und wir müssen die Schüler schützen) und braucht sich nicht mit sowas seltsamen wie Hash-Tags auseinanderzusetzen, die dann ggf. sogar noch doppelt verwendet werden und Irritationen schaffen. Immerhin soll Twitter ja innerhalb des Klassenzimmers bleiben.

Solange wir inszenieren ist die Thematisierung im Unterricht immernoch ein gutes Mittel, um den Schülerinnen und Schülern die Lust an einem Werkzeug zu nehmen.

Lasst also Twitter, solange es die Twitterer selber nicht richtig verstehen, aus den Schulen raus. Nutzt Chats für das Feedback und die zeitlich begrenzte Kommunikation im Klassenraum. Das ist einfacher. Allerdings gewinnt man dabei auch bei keinem Bingo.

Kristallisationspunkt für das Posting ist der Beitrag von Melanie, mit dem Titel „Ist Twitter für den Unterricht geeignet?“. Dort hat sich eine spannende Diskussion ergeben.

Digitaler Arbeitsalltag

Es gehört zu einer guten Sitte, dass man hin und wieder über seine täglichen Tools berichtet. Einen gerade gelesenen Beitrag möchte ich daher gerne zum Anlass nehmen und meine eigenen Arbeitsmittel kurz vorstellen:

  • DropBox: Mit der DropBox arbeiten wir inzwischen in drei Arbeitsgruppen eng zusammen und pflegen zur Zeit in vier Fächern gemeinsame Ordner für Unterrichtsmaterial. Das Ganze läuft so nahtlos ineinander, dass ich auf diese Art der Kollaboration inzwischen nicht mehr verzichten könnte. (Wer die DropBox selber mal testen möchte kann das hier tun und bekommt dann direkt noch 250 MB dazu.)
  • iCal: Meine Verwaltung von Terminen und Stundenplänen läuft über iCal, den ich mit dem iPhone abgleiche. Dadurch habe ich überall Zugriff und kann kurzfristig Änderungen eintragen, die über MobileMe und Push direkt auch auf dem MacBook sichtbar werden. Vorteil: Da iCal mit dem vCalendar-Format arbeitet, kann man sich mit vielen Kollegen digitale Einladungen zusenden und so Terminankündigungen vereinfachen.
  • OpenOffice: Obwohl Pages viel schicker aussieht haben wir uns in den Arbeitsgruppen darauf geeinigt, primär mit OpenOffice zu arbeiten. Dies ist dann nötig, wenn man die Dateien über die DropBox austauschen möchte (wenn doch mal Pages, dann auf jeden Fall ein PDF beilegen). Es ist keine Liebe, aber man gewöhnt sich dran und genießt die Vorteile, dass man ein offenes Dokumentformat verwenden kann (.odt) und so kaum Formatierungsprobleme auftauchen.
  • TeacherTool: Für die gesamte Unterrichtsdokumentation, die überlicherweise über Notenlisten und Kursbücher abläuft, verwende ich seit letztem Schuljahr TeacherTool. Dieses Programm läuft auf dem iPhone und funktioniert inzwischen ohne größere Probleme (Version 1.5 – kommt in ein paar Tagen über iTunes). Ich genieße es, dass ich schnell Feedback über die letzten Wochen geben kann (gegenüber Kollegen und Schülern) und mit der Wiedervorlage nicht so schnell vergesse, wenn noch etwas abgegeben oder ein Referat besprochen werden muss. Habe damit alle Infos immer in der Tasche.
  • moodle: Für die Oberstufe habe ich in den letzten drei Jahren sehr intensiv neben dem Unterricht ein moodle geführt und dort neben Aufgaben auch die Themen dokumentiert und alle Arbeitsblätter und Quellen hinterlegt. Im laufenden Schuljahr habe ich darauf vorerst verzichtet, da mit der Format zu eng erscheint.
  • Blog: Für die Kommunikation in und mit der eigenen Klasse verwende ich ein WordPress Blog, welches mit ‚authenticator‚ nach außen hin geschlossen ist. Hier werden aktuelle Notizen hinterlegt, die Elternbriefe gesammelt oder Berichte aus der Woche oder von spannenden Unterrichtsprojekten von den Schüler/innen verfasst.
  • Wiki: Anstelle eines moodles versuche ich zur Zeit in einem 11er Kurs ein Wiki einzusetzen. Dies erscheint bisher deutlich attraktiver für die Schüler/innen zu sein und bietet eine größere Flexibilität bei der Gestaltung der Inhalte. Da ich auf den Service von wikispaces.com zurückgreife, erspare ich mir außerdem die Wartung eines zusätzlichen Wikis auf dem eigenen Server.
  • MindMeister: Sowohl für Unterrichtsplanungen mit den Schüler/innen, als auch für ie Dokumentation von Projekten oder als rudimentäre ToDo-Liste in einer Arbeitsgruppe setze ich sehr gerne MindMeister ein. Die Oberfläche ist ansprechend und selbsterklärend und die Ergebnisse lassen sich gut exportieren oder unterwegs auf dem iPhone ansehen und bearbeiten. Seamless.
  • lo-net2: Nein, mögen tue ich diese Plattform nun wirklich nicht. Und daher setze ich sie auch im eigenen Unterricht nicht ein. Da wir aber als Schule vor ca. drei Jahren entschieden haben, dass die Fachkonferenzen dort ihre Protokolle und Dokumente hinterlegen, ist es einer Erwähnung wert. Immerhin kamen darüber viele Kollegen erstmalig in den Kontakt mit Online-Lernplattformen.
  • OmniFocus: Auch ohne strenges GTD-Prinzip ist mir OmniFocus eine große Hilfe für die ganzen Kleinigkeiten, die am Tag erledigt werden müssen. Ich spare mir so das Papier und kann sowohl unterwegs (iPhone) wie auch am Rechner komfortabel Notizen eintragen und als erledigt abhaken. Den Twitter-Beitrag von macmind vor ein paar Tagen unterstütze ich voll…
  • GoogleReader & Instapaper: Um die tägliche Flut an Nachrichten zu organisieren setze ich GoogleReader und Instapaper ein, die sich mit ein paar Tricks hervorragend ergänzen. Auf diese Weise kann ich nicht nur den interessanten Diskussionen folgen, sondern finde auch den ein oder anderen Artikel für eine Klausur. Auf dem iPhone genauso wie im Web oder auf dem Mac.
  • DevonThink: Mein zentraler Datensammler ist DevonThink Pro Office. Alles, was als Interessantes von außen kommt, wird dort hinterlegt (ausgenommen Unterrichtsmaterial). Mit den integrierten Import-Optionen werden sowohl Papier wie auch Webseiten verarbeitet und wegsortiert.
  • MobileMe: Der Sync der Kalender, Adressen und Bookmarks läuft über MobileMe.

Über Feedback und Anregungen bin ich dankbar.

Bildungskongress 2009

Anschließend an den Bildungskongress ‘09 (http://www.bildungs-kongress.de) mit der Vorstellung der aktuellen Studie von Prof. Peter Kruse (http://www.scribd.com/doc/19117661/PeterKruse-Bildungskongress-09) hat sich über die Tweets (http://search.twitter.com/search?q=%23bk09) während der Veranstaltung und das Aufgreifen der Gedanken im Blog der Initiative D21 (http://www.blog.initiatived21.de/?p=2754) und bei Hokey (http://wordpress.blokey.de/2009/09/02/von-sehr-altem-und-sehr-neuem/) eine lebendige Diskussion ergeben. Da diese auch bei mir einiges durcheinander gewirbelt hat, möchte ich gerne meine Gedanken etwas geordnet wiedergeben. 140 Zeichen reichen dafür nicht aus…
Wie ich bei der Initiative-D21 schon geschrieben hatte, scheint das eigentlich „Problem“ eher darin zu liegen, welche pädagogischen Grundannahmen ich für meine Arbeit wähle. Diese Kontroverse hat die Pädagogik seit Anbeginn – sei es das Technologiedefizit (Luhmann, Schorr) oder Behaviorismus und Konstruktivismus. Natürlich prägt sich dies in der alltäglichen Arbeit nicht in diesen Begrifflichkeiten aus, aber ich denke schon, dass jeder Lehrer seine eigene Vorstellung davon hat, wie Lernen funktionieren könnte.
Solange wir auf der rein technischen Ebene bleiben und über „modernen Unterricht“ immer unter Bezug auf Blog, Twitter und Wikis sprechen, umgehen wir die eigentliche Frage. Hier sehe ich eine Gefahr der „Technokratisierung“, dass nämlich Bildung vor allem aus der Perspektive der Effektivität technologischer Entwicklungen gesehen wird und wir uns damit in Sachzwänge begeben, in die ich mich lieber nicht begeben möchte. Der Ausfall des Gmail Servers zum Beispiel darf keinen Einfluss darauf haben, ob ich mich mit anderen Menschen über Gedanken austauschen kann.
Twitter alleine wird keinen Unterricht gut machen, genausowenig wie eine hervorragende Methode in meinen Händen zum totalen GAU führen kann (oder vice versa). Hier besteht aber sicherlich Einigkeit, dass Methoden keine Kausalität für Qualität in sich bergen – auch LdL nicht. 😉
Wenn Hokeys Bedenken also in die Richtung gehen, dass zur Zeit die technologischen Möglichkeiten in den Himmel gelobt werden und mit ihnen ein Automatismus entsteht, Schule zu verbessern, so gebe ich ihm recht: Das geht so nicht.
Schule ist kein Raum, in dem keine Kontoversen ausgetragen werden – und Schule war dies sicherlich auch nie. Von daher kann und wird eine neue Technologie die Schule nicht wachrütteln. Sie wird vom System Schritt für Schritt adaptiert werden und für die Lernenden und Lehrenden eine weitere Möglichkeit bieten, Ziele zu erreichen.
Ob damit ein Paradigmenwechsel innerhalb der Schul-Pädagogik einhergehen kann, wie beispielsweise Jean-Pol Martin erhofft, wird sich zeigen. Ich möchte dies hoffen. Dafür ist jedoch keine Notwendigkeit gegeben – rein aus der Sicht des Systems „Schule“. Dieses hat auch schon andere Umwälzungen in der Gesellschaft verkraftet und wird wohl auch Computer im Klassenzimmer überstehen.
Es vermischen sich also mindestens zweierlei Ziele in der aktuellen Diskussion: 1) Die Integration von neuen Kommunikationsformen in der Schule als Konsequenz einer neuen Generation von SchülerInnen, die diese als Selbstverständlichkeit ansehen und
2) eine versteckte Hoffnung, dass bestehende Strukturen in der Bildungslandschaft durch eben diese Technologie aufgebrochen und neu gedacht werden können.
Zu 1: Diese Entwicklung wird kommen, ob wir wollen oder nicht. Ob man das Problem generational löst oder durch Fortbildungsmaßnahmen eine schnelle Durchdringung bewirkt ist im Grunde nebensächlich. Beratung der Schulen tut gut, wird Geld generieren und am Ende auch – irgendwie – Erfolg haben. Die Rolle der sich zur Zeit so bezeichnenden “digital inhabitants” (im Schuldienst!) ist es, sich blutige Nasen zu holen und erste Schritte zu gehen. Man wird aber nicht lange allein bleiben.
Zu 2: Die Notwendigkeit, Schule zu verändern, wird von vielen wahrgenommen. Im Detail unterscheiden sich die Vorstellungen dann aber doch. Und da diese Vorstellungen sehr persönlich sind, wird es emotional.
Dies betrifft nicht nur die inhaltliche Eben (Paradigmen des Lernens), sondern auch das Problem “Theorie & Praxis”. Wer sagt da eigentlich wem was? Ich kann in gewisser Weise nachvollziehen, wenn man sich nach 30 Jahren Berufs-Erfahrung nicht von jungen Leuten ohne wirkliche Unterrichtspraxis erklären lassen muss, wie das jetzt richtig geht und dass man bisher eigentlich alles falsch gemacht hat.
Es geht nicht darum, wer die plausibleren Argumente vorlegt. An dieser Stelle wird die Auseinandersetzung emotional und durch fehlende Sensibilität (auf beiden Seite) kann ein großer Schaden angerichtet werden.
Meine Devise für die nächste Zeit lautet: Kein Missionieren, kein Überzeugen. Dafür aber  versuchen, im Kleinen meine eigene Arbeitsumgebung zu gestalten, so wie ich gerne arbeiten möchte. Und wenn jemand ruft und mehr möchte, überleg’ ich`s mir :).

Anschließend an den Bildungskongress ‘09 mit der Vorstellung der aktuellen Studie von Prof. Peter Kruse (Präsentation) hat sich über die Twitter (#bk09) während der Veranstaltung und das Aufgreifen der Gedanken im Blog der Initiative-D21 und bei Hokey eine lebendige Diskussion ergeben. Da diese auch bei mir einiges durcheinander gewirbelt hat, möchte ich gerne meine Gedanken etwas geordnet wiedergeben. 140 Zeichen reichen dafür nicht aus…

Kruse@Bildungskongress09

Wie ich bei der Initiative-D21 schon geschrieben hatte, scheint das eigentlich „Problem“ eher darin zu liegen, welche pädagogischen Grundannahmen ich für meine Arbeit wähle. Diese Kontroverse hat die Pädagogik seit Anbeginn – sei es das Technologiedefizit (Luhmann, Schorr) oder Behaviorismus und Konstruktivismus. Natürlich prägt sich dies in der alltäglichen Arbeit nicht in diesen Begrifflichkeiten aus, aber ich denke schon, dass jeder Lehrer seine eigene Vorstellung davon hat, wie Lernen funktionieren könnte.

Solange wir auf der rein technischen Ebene bleiben und über „modernen Unterricht“ immer unter Bezug auf Blog, Twitter und Wikis sprechen, umgehen wir die eigentliche Frage. Hier sehe ich eine Gefahr der „Technokratisierung“, dass nämlich Bildung vor allem aus der Perspektive der Effektivität technologischer Entwicklungen gesehen wird und wir uns damit in Sachzwänge begeben, in die ich mich lieber nicht begeben möchte. Der Ausfall des Gmail Servers zum Beispiel darf keinen Einfluss darauf haben, ob ich mich mit anderen Menschen über Gedanken austauschen kann.

Twitter alleine wird keinen Unterricht gut machen. Auch eine hervorragende Methode kann in meinen Händen zum totalen GAU führen (oder vice versa). Hier besteht sicherlich Einigkeit, dass Methoden keine Kausalität für Qualität in sich bergen – auch LdL nicht. 😉

Wenn Hokeys Bedenken also in die Richtung gehen, dass zur Zeit die technologischen Möglichkeiten in den Himmel gelobt werden und mit ihnen ein Automatismus entsteht, Schule zu verbessern, so gebe ich ihm recht: Das geht so nicht.

Schule ist kein Raum, in dem keine Kontoversen ausgetragen werden – und Schule war dies sicherlich auch nie. Von daher kann und wird eine neue Technologie die Schule nicht wachrütteln. Sie wird vom System Schritt für Schritt adaptiert werden und für die Lernenden und Lehrenden eine weitere Möglichkeit bieten, Ziele zu erreichen.

Ob damit ein Paradigmenwechsel innerhalb der Schul-Pädagogik einhergehen kann, wie beispielsweise Jean-Pol Martin erhofft, wird sich zeigen. Ich möchte dies hoffen. Dafür ist jedoch keine Notwendigkeit gegeben – rein aus der Sicht des Systems „Schule“. Dieses hat auch schon andere Umwälzungen in der Gesellschaft verkraftet und wird wohl auch Computer im Klassenzimmer überstehen.

Es vermischen sich also mindestens zweierlei Ziele in der aktuellen Diskussion:

  1. Die Integration von neuen Kommunikationsformen in der Schule als Konsequenz einer neuen Generation von SchülerInnen, die diese als Selbstverständlichkeit ansehen und
  2. eine versteckte Hoffnung, dass bestehende Strukturen in der Bildungslandschaft durch eben diese Technologie aufgebrochen und neu gedacht werden können.

Zu 1: Diese Entwicklung wird kommen, ob wir wollen oder nicht. Ob man das Problem generational löst oder durch Fortbildungsmaßnahmen eine schnelle Durchdringung bewirkt ist im Grunde nebensächlich. Beratung der Schulen tut gut, wird Geld generieren und am Ende auch – irgendwie – Erfolg haben. Die Rolle der sich zur Zeit so bezeichnenden “digital inhabitants” (im Schuldienst!) ist es, sich blutige Nasen zu holen und erste Schritte zu gehen. Man wird aber nicht lange allein bleiben.

Zu 2: Die Notwendigkeit, Schule zu verändern, wird von vielen wahrgenommen. Im Detail unterscheiden sich die Vorstellungen dann aber doch. Und da diese Vorstellungen sehr persönlich sind, wird es emotional.

Dies betrifft nicht nur die inhaltliche Eben (Paradigmen des Lernens), sondern auch das Problem “Theorie & Praxis”. Wer sagt da eigentlich wem was? Ich kann in gewisser Weise nachvollziehen, wenn man sich nach 30 Jahren Berufs-Erfahrung nicht von jungen Leuten ohne wirkliche Unterrichtspraxis erklären lassen muss, wie das jetzt richtig geht und dass man bisher eigentlich alles falsch gemacht hat.

Es geht nicht darum, wer die plausibleren Argumente vorlegt. An dieser Stelle wird die Auseinandersetzung emotional und durch fehlende Sensibilität (auf beiden Seite) kann ein großer Schaden angerichtet werden.

Meine Devise für die nächste Zeit lautet: Kein Missionieren, kein Überzeugen. Dafür aber  versuchen, im Kleinen meine eigene Arbeitsumgebung zu gestalten, so wie ich gerne arbeiten möchte. Und wenn jemand ruft und mehr möchte, überleg’ ich`s mir.

Informationsüberflutung

Prof. Peter Kruse stellt die Entwicklung der letzten Jahrzehnte im Internet in drei Etappen dar: 1. Der Informationsboom (Wow! ich kann alles im Internet machen!) – 2. Der Beteiligungsboom (Cool! Dann veröffentliche ich jetzt auch noch eine Klowand als Blog) – 3. Der Empfehlungsboom (Grrr! Und was mache ich jetzt mit den ganzen Infos?).

Ein interessantes Interview, vor allen Dingen im Hinblick auf die Entwicklungen rund um Twitter als soziales Netzwerk. Dort spielen Empfehlungen und die Zuschreibung von Relevanz eine ganz besondere Rolle. Twitter ist eine kleine Abbildung der Blogosphäre – eben Microblogging.

via timoheuer

Twitter und Schule

Wenn ich von etwas begeistert bin, möchte ich diese Begeisterung auch an Andere weiter geben. Und natürlich sollen Werkzeuge, die man für sich entdeckt hat, möglichst vielfältig eingesetzt werden und die Arbeit erleichtern/innovieren.

twitter-logo

Zur Zeit ist ist Twitter en vogue. Lässt sich dieses Tool, eine Mischung aus E-mail und der Begrenzung auf 140 Zeichen einer SMS, auch in der Schule nutzen? Wenn ja, wie und wo?
Bei D21 hat sich dazu eine spannende Diskussion ergeben, auf die ich gerne hinweisen möchte: Twitter-Tool für Schule & Unterricht.

Let´s wordle

Taggen geht auch im Unterricht.

Mit wordle.net lassen sich aus Texten oder Stichwortlisten ruck-zuck Textwolken erstellen. So lassen sich Einsstiege oder abschließende Betrachtungen in textlastigen Phasen abwechslunsreicher gestalten.

René hat sich dem Thema auch schonmal angenommen und bei lehrer-online einige Einsatzszenarien skizziert.

Ich habe mal Becks Text „Das normale Chaos der Liebe“ ins wordle geworfen. Raus gekommen ist dabei das:

Shift happens

Das Video ist von 2007. Und obwohl es so alt ist lohnt es sich immer wieder – auch wenn es irgendwann nerven sollte – Geschichten wie diese anzusehen.

Welche Aufgabe hat Schule?
Geht es um die Tradierung von Wissen nach klassischer Vorstellung?
Geht es um Erziehung, die nicht mehr im doppelt-berufstätigem Elternhaus vollzogen wird?
Geht es darum, die Schüler/innen im Umgang mit Tools der Kommunikation fit zu machen („Web 2.0“)?
Oder geht es um Grundlagen und Einblicke in das, was war, um die Zukunft zu gestalten?
Was ist mit Büchern – spielen diese noch eine Rolle? Oder machen wir in Zukunft nur noch Wiki?
Was ist mit geschützen Räumen, in denen man König sein darf (Kinderzimmer)?
Wie bildet sich ein kritischer Geist?

Bevor ich die Fragen vertiefe mache ich lieber für morgen mal den Unterricht fertig und bringe den Schülern bei, wie man das MWG in Gleichgewichtsberechnungen nutzt. Das braucht man.

Wissenscontainer

Nach der Idee des LdL Pädagogen J-P. Martin, und spontanen Kontakten über Twitter entsteht ein realer, wenn auch kleiner Wissenscontainer über das Thema Web 2.0 und Schule in der Wikiversity. Das Projekt ist jetzt knapp 1 Woche alt und ich bin sehr gespannt, was sich daraus noch entwickeln wird.

Für meinen Teil hat Twitter damit ein weiteres Mal bewiesen, dass es nicht nur eine Zeittotschlagmaschine ist, sondern auch Kontakte ermöglichen kann, die ich in klassischen Medien wahrscheinlich nicht bekommen hätte.