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Bildungsrevolution Bologna?

Auf der gerade beendeten GMW Tagung 2007 hat Professor Dr. R. Schulmeister in seiner Eröffnungsrede die aktuelle Situation des Bildungswesens (hier Schwerpunkt Hochschule) beschrieben. Er nimmt sich dazu den Bologna-Prozess vor und stellt fünf „unzeigemäße Behauptungen“ auf, die die ganze Tragweite und Dramatik der aktuell laufenden Bemühungen beschreibt.

Schulmeister auf der GMW Tagung

(Video ab Minute 19 ff.)

Was passiert, wenn der „utopische Überschuss“ der Universitäten langsam aber sicher verloren geht?

Berufsausbildung statt wissenschaftliche Bildung?

Auch die Schulen werden davon nicht verschont… Und sei es sekundär durch die Lehrerausbildung.

 

Quelle: http://www.gmw07.de/Archiv/videoarchiv_mi.php

200 Jahre Universität

Anküpfend an die Notiz zu einem Artikel bei SpOn nun ein schöner Kommentar in der Onlineausgabe der Süddeutschen Zeitung über die letzte Phase des Bologna Prozesses: Ende einer Lebensform.

Vielleicht hat es seit dem Ende der platonischen Akademie in Athen ein so einschneidendes Datum in der Geschichte der menschlichen Bildung nicht mehr gegeben.
G. Seibt

Obwohl wir heute scheinbar vieles bewusst inszenieren, vollzieht sich hier eine einschneidende Wende im Bildungswesen, die in ihrer ganzen Dimension von einer kritischen Menge der Bevölkerung nicht wahrgenommen wird. Der Bologna Prozess wirkt sich im Besonderen auf die deutsche Bilundungslandschaft aus, die bisher von den angelsächsisch-ökonomischen Strukturen relativ unangetastat geblieben ist (Diplom). Das ändert sich nun.

Vielleicht schauen wir in ein paar Jahren auf diese Zeit und erkennen, was dort geschehen ist… Die hoffnungslosen Romantiker einer „alma mater“ müssen ja nicht recht behalten. Eine Universität als zielgerichtete Berufsvorbereitung passt vielleicht besser. Wo aber sammeln sich die Suchenden und Irrenden?

Bologna ist gut für Menschen, die mit zwanzig schon wissen, was sie werden wollen. Humboldt war gut für Suchende und Irrende. Ein ganzer Menschentypus, ja eine Lebensform wird heimatlos.

Das von bürokratischen Technokraten oder technokratischen Bürokraten konzipiertes Modell „Bologna“ birgt, wollen wir es als anschlussfähig annehmen für zukünftige Entwicklungen, viele Kristallisationspunkte für neue Gedanken.

Weiterführendes:

  • Im GEO Magazin – 09 | September 2006 – wird, ausgehend von der Frage „Welchens Wissen braucht der Mensch?“ die aktuelle Diskussion zwischen Kompetenzen und Inhalten aufgespannt. Steht der Bildungskanon Humboldts wieder vor einer Renaissance?
  • Humboldt’sches Bildungsideal und heutige akademische Bildung | PDF @ http://www.empa.ch

“Ein Bachelor-Arzt? Niemals!”

Nach langen Jahren interner Diskussionen an den Hochschulen, die ich als Student begleiten durfte, wird die Diskussion jetzt auch wieder mal in der Öffentlichkeit aufgefrischt. Bachelor & Master werden in Zukunft die Basis jeden Hochschulstudiums sein. Auch die Staatsexamensfächer wie Arzt, Jurist oder Lehrer sind davon betroffen. Zwar läuft aktuell noch das Staatsexamens als offizieller Abschluss, aber wie lange sich das noch halten wird? An der Uni Wuppertal haben ‚wir‘ bereits das konsekutive Studienmodell für Lehramt übergreifend eingeführt. Ab WS 07/08 kann man kaum etwas anderes studieren. Lehramt selber geht also nur im Master, Schwerpunktsetzung zwar auch im Bachelor, aber unverbindlich.

Ist das gut? Eigentlich hinfällig, hier eine Bewertung zu machen. Es ist eben so, und der Illusion, den Bologna Prozess jetzt noch zu stoppen, will sich doch keiner wirklich hingeben, oder? Zu sehr sind die dort angedachten und verabschiedeten Ideen inzwischen angestossen worden, sowohl in der Schule wir auch an den Universitäten. Das dauert wohl noch wieder mindestens 15-20 Jahre, bis wieder ein neuer Ansatz zu Tage tritt.

Und bei aller Kritik: Bei der Umsetzung dürfen sich auch die Fächer an den Hochschulen nicht auf die Position zurückziehen, sie hätten das Optimale herausgeholt. Aus meinen Beobachtungen wurden die alten Studienordnungen oft einfach übertragen, umgeschrieben und umgemodelt, sodass sie auf das Bachelor System passen. Selten nur wurde richtig ausgemistet und neu komponiert. Wäre eine Chance gewesen.

Der Vorwurf bleibt, dass es um mehr Praxis und weniger Wissenschaft geht. Zumindest für den Bachelor. Aber war das nicht immer die Forderung der Wirtschaft, die von vielen Anderen getragen wurde? Gerade die Studierenden  haben das immer wieder bemängelt, zumindest was das Lehramtsstudium angeht: „Was bringt mir das denn? Wie soll ich denn dann in der Schule reagieren? Was mache ich denn, wenn ein Schüler…“.

Jetzt haben wirs.

Wissenschaftlichkeit, kritische Auseinandersetzung mit dem status-quo, die „Befreieung aus der selbstverschuldeten Umündigkeit“: Wer studiert denn schon mit diesem Gedanken! Es geht darum, schnell fertig zu werden um a) wenig Studiengebühren zu zahlen und b) schnell in den Beruf zu kommen. Ich arbeite um zu leben. Verübeln kann mans keinem.

Wie ich darauf komme? Gerdade den Artikel gelesen und wollte nur mal kurz kommentieren:

Neue Studienabschlüsse: „Ein Bachelor-Arzt? Niemals!“ – UniSPIEGEL – SPIEGEL ONLINE