Schlagwort-Archive: Wissenschaft

Zu Rückriems „Lernen ohne Pflichtschule“

In einem Blogbeitrag hat sich Georg Rückriem Gedanken über das Verhältnis von Schule, Sinn und Invidividuum gemacht. Sein Artikel: „Lernen ohne Pflichtschule – Ist das überhaupt möglich?“ findet sich hier. Lesenswert!

Interessant an seiner Ausführung ist das Verhältnis von Individuum und dem Lernkonzept, welches wir in der Schule institutionalisiert haben.

Das bisherige Konzept des sich zur Eigenständigkeit entwickelnden Individuums – mit dem immanenten Widerspruch zwischen absichtsvoller Erziehung und selbstreferentiellen Subjektkonzepten – ist ein zentrales Problem der Pädagogik. Luhmann/Schorr lösten das damit einhergehende „Technologiedefizit der Erziehung“ durch die „taktvolle Kommunikation“ [mehr…] und attestierten der Pädagogik damit ein Technologieverdikt. Weiterlesen

Vortrag: Urheberrecht für Wissenschaft & Bildung

Am letzten Donnerstag habe ich an der Uni Oldenburg auf der offenen Tagung „Fair, open & sustainable: Ein Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft!“ des Aktionsbündnisses „Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft“ über den Schultrojaner und den Leitmedienwechsel gesprochen.

Nicht wissend, um welches Publikum es sich handeln würde, habe ich im Vortrag sowohl wissenschaftliche Bezüge wie auch alltägliche Beobachtungen einbezogen. So ließ sich – hoffe ich – für alle Anwesenden etwas mitnehmen.

Die zentralen Theses des Vortags: Weiterlesen

Über die Freiheit im Interaktionssystem Unterricht

Niklas Luhmann hat seine Theorie sozialer Systeme gerne und ausführlich auf das System ‚Schule‘ und die ‚Pädagogik‘ angewendet. Sichtbar wird dies u.a. in seinen „Schriften zur Pädagogik“ [Luhmann2004 | Link: amazon]. Neben den Büchern gab es zwischen N. Luhmann/K. E. Schorr und D. Benner einen längeren Diskurs über das „Technologiedefizit“ der Erziehung in der „Zeitschrift für Pädagogik“ [Ausgabe 3/1979 ff.].
Die folgenden Gedanken beziehen im Wesentlichen sich auf diese beiden Schriften.

Wird die Freiheit der Schüler eingeschränkt, wenn der Lehrer sie als Trivialmaschinen behandelt?

Über die Intention der Pädagogik

  • Intention der Pädagogik ist es, durch beabsichtigte Sozialisation, also Erziehung, eine Transformation des Schülers zu bewirken.
  • Aus systemischer Perspektive ist diese Veränderung nicht unproblematisch.

Über das Konzept der Trivialmaschinen

  • Maschine bedeutet, das eine bestimmte Transformationsfunktion durchgeführt wird. Trivial ist die Maschine deshalb, weil die Kausalität zwischen Input und Output an eine starre Regel geknüpft ist.
  • Ein Beobachter des sozialen Systems Unterricht wird das Interaktionsgeschehen als eine black box sehen, die nach einen input output Mechanismus verfährt, ohne die Tranformationsprozesse zu kennen. Allerdings stellt dieser Beobachter auch fest, dass es sich um keine Trivialmaschine handelt, denn die dafür notwendige Regelmäßigkeit ist nicht gegeben. (Luhmann2004, S. 18)
  • Psychische Systeme sind keine Trivialmaschine, da sie selbstreflexiv handeln und Ihre Reaktionen immer in Selbstreferenz an vorheriges anpassen. Sie reagieren selbstbestimmt und “frei”.
  • Im System Unterricht werden psychische Systeme jedoch als Trivialmaschinen behandelt und als solche geformt. In soziologischer Perspektive ist dies deutlich ersichtlich und unausweichlich, wenn eine Planbarkeit der Unterrichtssituation ermöglicht werden soll. Gleichzeitig widerspricht es das dem Programm der Pädagogik, den Schüler zu Freiheit zu Erziehen.

Zum Problembereich der Freiheit

  • Die analytischen Aussagen der Soziologie stehen  der Selbstbeschreibung der Pädagogik gegenüber.
  • Der Erziehung wird von den Pädagogen unterstellt, dass sie dem Adressaten zu Gute kommt. Im Unterricht angebotene Informationen sind bereichernd  und sollen in einem selbstgewollten Sinn in das eigene Leben integriert werden. Dabei  soll die Freiheit des Schülern respektiert und erweitert werden.
    → Für Luhmann ist dies eine offensichtliche Selbstbeschreibung des Systems, die vor allem für die Verwendung im eigenen System verwendet wird.
  • Problem der Pädagogik ist nicht die Systemdifferenz. Es fällt ihr vielmehr schwer, die Theorie zweier geschlossener Systeme zu vertreten, weshalb ihr Paradox eher das Verhältnis von Kausalität und Freiheit ist. (Luhmann2004,  S. 245).
  • Gelöst wird dieses Paradox in der Pädagogik durch die “taktvolle Kommunikation”, die man auch als paradoxe Kommunikation bezeichnen könnte. In Ihr geht es um den Versuch, Einfluss zu nehmen (auf die Freiheit einzuwirken) ohne die freie Selbstbestimmung öffentlich in Frage zu stellen, also das Grundparadox der Erziehung zu tarnen.
  • Das Problem ist, dass taktvolle Kommunikation als solche erkennbar ist und man daher selber entscheiden kann, sich an ihr zu beteiligen oder sich gegen sie zu stellen. „Den Beteiligten wird ein abweichendes Bewusstsein freigestellt“. (Luhmann2004, S. 248)
  • Im Interaktionssystem Unterricht reagieren die Schüler scheinbar auf die Anforderungen und lassen sich auf das Spiel des richtigen und falschen Wissens ein. Dahinter geht es aber auch bei den Schülern um Selbstdarstellung: das Vorführen positiver und Verdecken negativer Leistungen.
    Und dieses ‚Können‘ scheint denn auch das zu sein, was man in der Schule fürs Leben lernt.“ (Luhmann2004, S. 247)
  • Die Schule ermöglicht also die Kompetenz, in der gegebenen Gesellschaft handlungsfähig zu sein und Erfolg und Misserfolg erleiden zu können.
  • „Auf die offenkundige Absicht des Erziehers und auf ein dafür bereitgestelltes Sondersystem reagiert der Schüler wiederum in der Weise der Sozialisation: er lernt es, mit den entsprechenden Tatsachen und Wahrscheinlichkeiten zu rechnen und ihnen über konformes und über abweichendes Verhalten Rechnung zu tragen.“
  • Für Soziologen ist die Erziehung im Vergleich zur Sozialisation eine unwahrscheinliche, gesteigert problematische Errungenschaft. Dies liegt an Ihrer Absicht, zu erziehen.
    In der Familie werden pädagogische Absichten nicht offen als solche bezeichnet, wovon sich der Lehrende in der Schule nicht freimachen kann. Er ermöglicht den Schüler/innen neue Möglichkeiten des Verhaltens, indem diese sich „in die Freiheit hineinsteigern, mit der Schule rein opportunistisch und taktisch umgehen und sie als System des Erwerbs von Positionen und Berechtigungen behandeln (können, FS)“. (Schrif.z.Päd, S. 13).

Fazit: Die Lösung der Paradoxie von Schule zwischen Freiheit und Zwang führt bei Luhmann über die ‚taktvolle Kommunikation‘, also der stillschweigenden Vereinbarung beider Akteure, dass etwas gewollt wird, was eigentlich nicht gewollt werden darf, aber das dennoch als gesellschaftlich relevantes Ziel angesehen wird: Erziehung zur Freiheit und Selbstständigkeit durch die Institution „Unterricht“. Dabei entwickeln die Schülerinnen und Schüler vor allen Dingen ein „Können“: Das Vorführen positiver und Verdecken negativer Leistungen.

Dynamische Vorlesung

Die dynamische Vorlesung von Prof. Jean-Pol Martin ist inzwischen stark gewachsen. Ich möchte die Gedanken hier im Blog nicht erneut aufgreifen (kommentiert habe ich dort bereits), sondern einfach dem geneigten Leser, der Interesse am Lernen, der Schule und der Weltverbesserung hat, freundlich darauf hinweisen.

Wo sonst hat man – befreit von CPs und Vorlesungszeiten – die Gelegenheit, sich weiter kritisch mit seinem schulischen Handeln auseinanderzusetzen. Es lohnt sich.

Die dynamische Vorlesung.

Science on stage

Vom Donnertag bis Sonntag der kommenden Woche (23.10. – 26.10.) findet in Berlin das „Science on Stage Festival 2008“ statt. Der Kongress wird sich unter anderem mit der Frage beschäftigen: Alleinunterhalter oder Moderator? Der Nawi-Lehrer von morgen.

Wir haben uns von der Gesamtschule-Barmen mit dem seit einem Jahr laufenden Projekt „KiD – Kursinterne Differenzierung im Chemieunterricht“ beworben und sind eingeladen worden, das Konzept dahinter vorzustellen und dabei vor allem auf die neue Rolle des Lehrenden einzugehen.

Mit einer im Projektantrag verbrieften Differenzierung in zwei Leistungsniveaus – die auch auf dem Zeugnis ausgewiesen werden – kann die Rolle des Lehrenden nicht mehr so zentral sein kann wie man das von klassischen Unterrichtsformen oft gewohnt war. Wir agieren mehr als Arrangeure, bereiten das Lernumfeld vor und stehen während der Arbeit den Lernenden mit Rat zur Seite.

Bei dem Projekt hat sich für uns selber deutlich gezeigt, wie wichtig im Schulalltag die gemeinsame Arbeit in einem Team ist. Trotz aller Zeit, die die Planung verschlingt, bringt es am Ende ein Mehr an Spaß bei der Arbeit. Und im weiteren Verlauf ergibt sich auch wieder eine Zeitersparnis, da man die gemeinsamen Arbeitswerkzeuge mit neuen Erkenntnissen etwas anpassen und erneut einsetzen kann.

Finden sich zufällig weitere Leser in Berlin auf dem Kongress ein?

Rotthaus über die Erziehung

In der letzten Veranstaltung im laufenden Schuljahr von „schule anders denken“ wird am Dienstag den 03.06.2008 Herr Dr. Rotthaus in Wuppertal über das Thema „Erziehung gestern, Erziehung heute – Erziehung von gestern für heute?“ referieren.

Einen Einblick in seine Thesen finden sich auch bei podcampus. (Sowas sollte es öfter geben!)

Nach den Erfahrungen der letzten Vorträge sind diese zwar immer gut besucht, jedoch bekommt man in der Regel an der Abendkasse noch Karten.

Klimawandel Hype

Cicero hat eine Übersicht über die kritischen Fragen zum „Klimawandel“ erstellt – und die FdoG haben es gleich aufgegriffen. Aufklärung und Erklärung tut bei diesem Thema sicherlich besonders not. Nicht nur, um den Hype entgegenzuwirken.

Leider arbeitet der Autor nach ähnlichen Prinzipien wie jene, die er eigentlich entkräften möchte.

Warum wird eine solche Frage formuliert?

Ist Kohlendioxid ein Schadstoff?

Kohlendioxid ist kein Schadstoff, sonst müsste man dem Menschen das Atmen verbieten. Der Mensch ist selbst eine Verbrennungsmaschine. Schon wenn er den Brennwert seines Frühstücks umwandelt, emittiert er Kohlendioxid. Wenn sich 100 Menschen in einem vier Meter hohen Raum von 200 Quadratmetern versammeln, dann ist die CO2-Konzentration in diesem Raum nach einer Stunde etwa zehnmal höher als in der Erdatmosphäre. Gefährlich ist das aber nicht. Wie die Sonne, das Wasser oder der Sauerstoff hält Kohlendioxid den planetaren Kreislauf in Gang, es dient zur Ernährung der Pflanzen. In Gewächshäuser wird daher sogar zusätzliches Kohlendioxid hineingeblasen. 97 Prozent der jährlichen Kohlendioxidemissionen entstammen der Natur, etwa drei Prozent aus der Verbrennung fossiler Rohstoffe durch den Menschen.

Die Frage ist doch schon Humbug. Und die Antwort vermittelt, dass man sie ernsthaft beantworten könne.

Nach dem Text ist Kohlenstoffdioxid nicht nur kein Schadstoff, sondern gar ein nützliches Gas, das unseren Planten am Wachsen hält. Für die Pflanzen gilt das sicherlich. Für Lebenwesen sind hohe Konzentrationen von CO2 allerdings tödlich – nicht umsonst wird an Höhleneingangen oft davor gewarnt, Hunde auf dem Arm zu tragen. Die CO2-Pfützen in den Mulden könnten sonst unangenehme Folgen haben. Immerhin bekommt man davon kaum was mit: CO2 ist geruchslos.
Diese Konzentrationen finden sich freilich nicht in der Atmosphäre.

Die Absicht des letzten Satzes dieser Erklärung finde ich ebenfalls zweifelhaft. Natürlich ist der Anteil des anthropogenen Kohlenstoffdioxids am gesamten Kohlendioxidhaushalt relativ gering. Wenn man allerdings bedenkt, dass das „natürliche“ CO2 in einem geschlossenen Kreislauf arbeitet, aus dem seit Millionen von Jahren Biomasse – die heutigen fossilen Brennstoffe – herausgetrennt wurde und nun innerhalb von einigen Jahrzehnten wieder hineingeblasen wird, dann werden die restlichen 3 Prozent plötzlich sehr relevant. Sie sind nämlich auf der sensiblen Waage zusätzlich im Spiel.

Wenn man die feinen und mehrfach gekoppelten Gleichgewichte der Atmosphäre kennen lernt, dann ist klar, dass man keine 1:1 Übereinstimmung herleiten kann, dass das CO2 als einziger Grund für den erhöhten Treibhauseffekt verantwortlich ist. Aber man kann es auch nicht ausschließen und die Indizien wiegen schwer.

Ich hätte mir eine etwas gemäßigtere Form der Informationen gewünscht.

Kurzgefasst: Al Gore

Al Gore hat seine bereits 1000fach gehaltene und dann auch verfilmte Präsentation zum Klimawandel gekürzt und aktualisiert.

Zielgruppe ist ganz klar die amerikanische Bürgerschaft. Die Ansprache ist teilweise etwas sehr pathetisch und zu weit hergeholt. In 1000 Jahren werden Dichter darüber schreiben, dass „unsere Generation“ jene gewesen wäre, die die Klimakrise erkannt hat und Änderungen in Gang gebracht hat? Sind da nicht – in Anbetracht eines Ölzeitalters von zur Zeit ca. 100 Jahren – die Dimensionen übertrieben gewählt? 
Naja. Al Gores Message ist trotzdem klar und deutlich und kann von Fall zu Fall (rhetorisch) entamerikanisiert werden. Dann passt es schon. 

Im Rahmen der TED Talks wurde die Show aufgezeichnet und lässt sich kostenlos ansehen:

Im Web: 
TED | Talks | Al Gore: New thinking on the climate crisis video

Direkt in iTunes

Quellen aus dem Internet zitieren

Peter Baumgartner hat den Dienst Webcite® in seinem Blog ausführlich vorgestellt. Mir war der Dienst bisher auch nicht bekannt und ich werde bei den nächsten Facharbeiten der Schülerinnen und Schüler darauf hinweisen, um das sinnlose Kopieren von CDs oder das Ausdrucken von ganzen Webseiten zu vermeiden.

Quelle: Webcite® – Zitieren von Internetquellen