Schlagwort-Archive: Utopie

Was kann Schule in Zukunft leisten?

Was wäre, wenn alles anders kommt? Wenn sich Dinge grundlegend ändern? Welche Folgen kämen auf uns zu? Und wie hat darin etwas, was wir bisher als ‚Schule‘ gekannt haben, eine Zukunft?

Um mich den Fragen zu nähern, könnten möchte ich ein Gedankenexperiment vorschlagen.

Dafür versetzen wir uns in eine Zukunft, die es so oder so ähnlich geben könnte. Angelehnt ist sie an die Insel-Utopie-Romane, die mit unterschiedlichen Nuancen die verschiedenen Autoren immer wieder hervorzuholen wissen. Zuletzt ist mir die Idee in dem Roman von P.M. „Manetti lesen ODER Das gute Leben“ begegnet.

Die kapitalistische Wirtschaft ist an sich selber zu Grunde gegangen. Die Konsumgesellschaft musste sich endgültig eingestehen, was spätestens seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts vorhersehbar war: Die Vorstellung von unendlichem Wachstum auf einem endlichen Planeten ist gescheitert.

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Gedanken zum „Changing Paradigms“

Sir Ken Robinson hat wieder gesprochen und alle stimmen fröhlich in den Chor der Befürworter ein: “Er hat Recht” – “Gut, dass er es mal sagt” und vor allem die Hoffnung: “Jetzt wird es sicherlich einen Ruck geben”. Ich gehöre auch dazu – dabei ist die Frage, warum…? Eigentlich gibt es keinen guten Grund, außer an einem Hype teilzunehmen.
Ich versuche das letzte Video zum Anlass zu nehmen und ein paar Gedanken dazu zu notieren.

Vor ein paar Tagen wurde von RSA-Animate ein Teil einer Rede von Robinson aufgearbeitet, die er bereits am 16. Juni 2008 gehalten hatte. Audio, Video und Transcript des Vortrages gibt es bei theRSA.


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Schule muss den Frühling finden

In seinem letzten Interview bei AllThingsDigital D8 hat der Apple CEO Steve Jobs eine schöne Metapher genutzt, um das Vorgehen von Apple in seiner bisherigen Geschichte zu beschreiben.

Oft genug haben sich die Leute über den Computerhersteller lustig gemacht und Apple für „verrückt“ erklärt, wenn man harte Schnitte vollzogen habe. Dies sei bei der Einführung der 3,5″ Diskette ebenso der Fall gewesen wie bei der Absage an die serielle und parallele Schnittstellen beim iMac, der stattdessen als erster Rechner komplett auf USB setzte und damit Neuland betrat.

Heute steht Apple vor allem wegen seiner Entscheidung in der Kritik, Flash auf ihren mobilen Endgeräten nicht zuzulassen. Als Grund nennt Steve Jobs, dass die Technologie einfach nicht mehr zeitgemäß ist und es bessere Werkzeuge gäbe, um Videos im Internet wiederzugeben. Apple müsse sich aufgrund knapper Ressourcen für ein Pferd entscheiden, auf das man setze. Es bringe nichts, verschiedene Ziele zu verfolgen, wenn einem klar ist, um was es eigentlich geht. Dies sei bei dem USB Anschluss der Fall gewesen und nun auch bei Flash.

Jede Technologie erlebt die vier Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Es sei für ein Unternehmen wie Apple entscheidend, die Technologien zu erkennen, die sich im Frühling ihrer Entwicklung befänden.

Wörtlich:

The way we succeed is by choosing what horses to ride really carefully – technically. We try to look for this technically vectors, that have a future, that headed up. Technology can go in cycles. They have their spring, and summers and autumns and then they go to the graveyard of technology. And we try to pick things in their spings. And if you choose wisely, you can save yourself a enormous amount of work  versus trying to do everything. And you can really put energy in making this new merging technologies be great on your plattform, rather to be just ok. […]

We have to get rid of things. […] And sometimes, people call us crazy. But sometimes you just have to pick the things that look like the right horse to ride forward. […]

Die Umstellungen von alten Technologien auf „neue Pferde“ war nicht einfach für Apple. Der Umstieg von System 9 auf Mac OS X sei hier nur erwähnt, ebenso wie die Umstellung von PowerPC auf X86 Prozessoren. Man hat sich dennoch jedes Mal für eine harte Zäsur entschieden – und dabei sicherlich den ein oder anderen auch zurücklassen müssen. Am Ende aber war diese Strategie erfolgreich – egal wie kritisch man dem gegenüberstehen kann. Das Prinzip Microsoft, alles immer wieder in allem zu unterstützen (DOS in Windows Vista) ist nicht aufgegangen.

KönnenMüssen wir diese Erfahrungen nicht auch auf die Schule übertragen? Wäre es nicht an der Zeit, alte und überholte Konzepte, die vielleicht gerade den Herbst ihrer Existenz erfahren (Industrialisierung…) über Board zu werfen und uns den neuen Möglichkeiten zu öffnen? Wo stecken die Konzepte, die gerade ihren Frühling erleben? Sie scheinen noch nicht fertig formuliert zu sein. Ich glaube, dass beispielsweise in der Diskussion um den Leitmedienwechsel etwas steckt, was für die Schule noch prägend werden wird.

Sir Ken Robinson: Evolution ist nicht genug

Das Video wird bereits an vielen Stellen zitiert, obwohl es erst seit etwa einem Tag online verfügbar ist. Und man kann es nicht oft genug erwähnen, damit mehr und mehr Menschen in Kontakt mit Sir Ken Robinsons Vision kommen, was man mit dem Bildungssystem machen muss.

Es reicht nicht mehr aus, von einer Evolution zu sprechen. Sir Ken Robinson fordert die Revolution – anschließend an seinen ersten TED-Vortrag vor vier Jahren, bei dem es vor allem um die Kreativität ging, die in der Schule systematisch verhindert wird.

Es gibt Momente, in denen es nicht mehr reicht, an Stellschräubchen zu drehen. Manchmal müssen die Dinge ganz neu gedacht werden.

Wir erleben gerade einen Leitmedienwechsel, den es in dieser Art seit der Erfindung des Buchdrucks nicht gegeben hat. Das gedrucke Wort wird zunehmend durch digitale Formen ersetzt. Wir kommunizieren mehr, schneller und weiter als jemals zuvor. Gleichzeitig entsteht ein globales Bewusstsein, das die Notwendigkeit mitsichbringt, dass die Probleme dieser Welt eben nicht ausgesessen oder im lokalen Kontext gelöst werden können.

Es mag sein, dass es meine eingeschränkte Sicht auf eine Welt ist, die mich in seine These nach einer notwendigen Revolution einstimmen lassen. Es mag sein, dass es daran liegt, dass ich vor 30 Jahren noch nicht auf der Straße war und die letzte gesellschaftliche Revolte mitbekommen habe. Ich formuliere mein Gefühl eines Umbruchs dennoch, weil ich den Wandel für notwendig halte und nicht überrascht werden möchte, wenn ich einmal zurückblicke und erschrocken feststellen muss, eine Chance für Verbesserung verpasst zu haben.

Das Problem in der Schule, der Lehrerausbildung oder in einem anderen Bereich der institutionalisierten Bildung zu sehen, greift entschieden zu kurz. Auf diesem Wege macht man vielleicht aus dem Industriebetrieb einen schönen Industriebetrieb, beginnt aber keinen florierenden Ackerbau (um in den Bildern von Robinson zu bleiben).

Einen Wandel brauchen wir nicht nur in der Bildung. Es geht um eine kulturelle Neuausrichtung, für die der Vortrag von Sir Ken Robinson ein Plädoyer sein kann.

The dogmas of the quiet past, are inadequate to the stormy present. The occasion is piled high with difficulty, and we must rise — with the occasion. As our case is new, so we must think anew, and act anew. We must disenthrall ourselves, and then we shall save our country.
(A. Lincoln)

Die Bildung hacken

Kommende Woche startet am Donnerstag die UnKonferenz „Die Bildung hacken„, initiiert von Martin Lindner (@martinlindner) und Basti Hirsch (@cervus) in Anlehnung an den Eduhack ’09 in New York.

Das erste Mal bin ich mit den Hackern auf dem EduCamp in Ilmenau in Kontakt gekommen und war etwas irritiert. Auch jetzt noch kann ich mich mit dem Begriff nicht so ganz anfreunden. Dabei ist die eigentliche Intention durchaus sympatisch, nämlich durch koordinierte Aktivitäten in ein scheinbar geschlossenes System einzudringen, es zu öffnen und so ein wenig unter die eigene Kontrolle (zurück?) zu bringen.

Die Notwendigkeit besteht:

Lisa Rosa (@lisarosa), ebenfalls vor Ort dabei, hat in einem Kommentar in ihrem Blog shiftingschool die Herausforderung so formuliert:

Diejenigen, die im System drin sind bzw. neu hineinkommen, müssen wissen, dass sie eine Transformations- und keine bloße Reformaufgabe haben und trotzdem können wir uns dabei nur in Auseinandersetzung mit den dortigen Widersprüchen zu den Systemregeln bewegen.

Welche Rolle spielt Schule in Zukunft?

Im März ’09 hatte ich im Anschluss an den Shift-Film diese hier formuliert:

  • Welche Aufgabe hat Schule?
  • Geht es um die Tradierung von Wissen nach klassischer Vorstellung?
  • Geht es um Erziehung, die nicht mehr im doppelt-berufstätigem Elternhaus vollzogen wird?
  • Geht es darum, die Schüler/innen im Umgang mit Tools der Kommunikation fit zu machen (”Web 2.0?)?
  • Oder geht es um Grundlagen und Einblicke in das, was war, um die Zukunft zu gestalten?
  • Was ist mit Büchern – spielen diese noch eine Rolle? Oder machen wir in Zukunft nur noch Wiki?
  • Was ist mit geschützen Räumen, in denen man König sein darf (Kinderzimmer)?
  • Wie bildet sich ein kritischer Geist?

Inzwischen würde ich noch ergänzen:

  • Wenn Stundenraster wegfallen: Wo und wann kann Lernen überall stattfinden?
  • Wie begegnen wir der immer stärker werdenden Frage nach dem Sinn des Lernens?
  • Wie schaffen wir ein Selbstverständnis von Schule, dass diese keine Angst vor „Neuem“ haben muss, sondern jede neue Entwicklung und jedes neue Werkzeug bereichernd in ihr bisheriges Konzept aufnehmen kann?
    Wünschen würde ich mir ein Arbeits-Klima bei dem der Spruch „die nächste Sau wird durchs Dorf getrieben“ kein Manko ist. Schule als Organisation, die für neue Entwicklungen offen ist und wo „Neues“ nicht immer alles bisherige in Frage stellen muss sondern ergänzt. (Quelle)
  • Welche Rolle spielen die Inhalte in Zukunft, wenn wir alle mit dem mobilen Internet in der Tasche herumlaufen und es kaum noch ein Monopol auf Wissen gibt.

Zukunft? Ist die nicht eigentlich schon da, wenn man sich die Schülerinnen und Schüler ansieht? Mobiltelefone mit Internet oder WLAN, auf jeden Fall aber mit Kamera haben sie alle dabei. Schule heute nimmt darauf kaum Rücksicht – im Gegenteil, sie versucht es oft sogar durch Verbote zu verhindern. Verständlich, ist ihr Selbstkonzept doch in Gefahr.

Ich freue mich, dabei zu sein und bin gespannt, was das Zusammentreffen in Berlin alles katalysieren wird.

Was wäre wenn: Stundenplan

Hatte mir vor knapp einem Jahr mal überlegt, wie man eigentlich einen „Stundenplan“ gestalten könnte, bei dem ich als Schüler selber gerne mitmachen würde und dem ich auch aus der Sicht des Lehrers etwas abgewinnen könnte.

Einige Ideen kamen – meine ich mich zu erinnen – aus den Lernbüros der MBS, die wir auch für unseren Chemieunterricht (Kursinterne Differenzierung | KiD) aufgegriffen haben.

Utopie und Spinnerei? Sicher. Aber warum nicht mal drüber nachdenken.

Wie sähen denn die Stundenplan-Utopien von Euch aus? Bin neugierig.