Seit mehr als zwei Wochen besteht meine morgendliche Schultasche nur noch aus der Laptophülle. Darin befindet sich neben dem Laptop noch ein paar weiße Blätter – für den Notfall für mich und die Schüler/innen -, ein Stift und meine Champagner-Schulkreide.

Das Vorhaben einer vollständig digitalen Schultasche reift seit mehr als einem halben Jahr und scheint jetzt peu a peu vollständig umsetzbar zu sein. Nach dem letzten Beitrag zu diesem Thema (Das digtiale Lehrerzimmer) habe ich heute eine Anregung von @monsieurbecker bekommen, doch mal über die Dateiverwaltung schreiben.
Mit zunehmender Digitalisierung muss man sich Gedanken machen, wie man die Dokumente sinnvoll auf dem Rechner speichert. Für mich war das Studium dafür eine prägende Phase, da ich in der Examensarbeit Unmengen an Dokumenten und Informationen auswerten und einsortieren musste. Die Arbeit war primär themen- und projektorientiert und ließ sich daher gut organisieren.
In der Schule kam dann eine neue Dimension hinzu: Man arbeitete nicht an einem “Projekt” (Unterrichtseinheit), sondern wiederholte dieses zu einem späteren Zeitpunkt, überarbeitet es in Kleinigkeiten und oder auch als Ganzes. Damit konnte man nicht mehr streng chronologisch arbeiten, sondern musste eine weitere – zeitliche – Ebene einziehen, sodass der relativ gleichbleibende Inhalt (Arbeitsblätter, Bücher etc.) einerseits und die jeweilige Lerngruppe andererseits berücksichtigt wurde.
Ich habe dazu folgende Unterteilung vorgenommen.
- Ordner “Schule”: Dokumente, die die Lerngruppe betreffen
- Ordner “Sammlung”: Dokumente, die lerngruppenübergreifend genutzt werden
Im Ordner “Schule” finden sich die einzelnen Jahrgänge als Ordner wieder, und darin wiederum die einzelnen Kurse. Innerhalb der Kursordner speichere ich Testergebnisse, angepasste Reihenplanungen etc. ab. Außerdem findet sich in diesem Ordner ein Verweis (Alias) auf die im Sammlungsordner liegenden Wochenpläne, Arbeitsblätter und Bücher, mit denen im Unterricht gearbeitet wird. Neue Informationen, die ich während einer Reihe finde, werden erstmal in diesem Kursordner gespeichert und quasi im Einsatz evaluiert. Wenn ich die Materialien als sinnvoll empfinde, wandern sie beim Abschluss der Reihe in den Ordner “Sammlung” zu den anderen Materialien.
Vorteil des Systems ist, dass ich nicht 1:1 die alten Themenplanungen der vorherigen Jahrgänge übernehme, aber als Orientierung einen Blick in die alten Unterlagen werfen kann. Weil die Arbeitsmaterialien nicht selber in dem Ordner liegen, sondern nur auf die Dokumente mittels “Alias” verwiesen wird, hält sich die Größe dieses Verzeichnisses in Grenzen. Wenn ich alle verwendete Dokumente jeweils in jeden Jahrgang speichern würde, würde die Festplatte nach ein paar Durchgängen aus allen Nähten platzen.
Im Ordner “Sammlung/Unterrichtsmaterial” finden sich alle Materialien wie Arbeitsblattsammlungen, Themenübersichten, Reihenplanungen, Filme, Anleitungen etc. Eben alle Dokumente, die nicht individualisiert für jede Lerngruppe angepasst werden, sondern immer wieder eingesetzt werden können. Der Ordner “Unterrichtsmaterial” ist unterteilt in die jeweiligen Fachordner, die wiederum Klassenweise unterteilt sind. Ganz oben steht immer der Ordner “_Arbeitsblätter”, in dem sich nicht nur digitale Arbeitsblattsammlungen finden, sondern auch das ein oder andere digitalisierte Werk.
Wie man auf dem Bild sieht, fehlen in GL noch einige Jahrgänge, da ich die Materialien dafür gerade im Verzeichnis “Schule” erarbeite und erst am Ende des Schuljahres in diesen Ordner packe.
Für die Unterrichtsvorbereitung verwende ich zwei Programme.
- Die grobe Reihenplanung erledige ich in OmniOutliner. Die jeweilige Reihenplaung liegt im Order Unterrichtsmaterial und dient zur groben Orientierung der zu erarbeitenden Inhalte. Oft sind zusätzlich Kompetenzen und zentrale Fachinhalte vermerkt, sodass man ggf. auch einzelne Elemente austauschen und überspringen kann.
- Notizen zum täglichen Unterricht erledige ich im lokalen Wiki VoodooPad, welches ich ins Netz synchronisiere, um von überall Zugriff zu haben (iPhone). Wie dieses Wiki ausschaut hatte ich hier schon verlinkt. Über die “Backlinks” innerhalb des Wikis kann man schnell sehen, wann man sich welche Notizen zu einer Lerngruppe gemacht hat.
Alle Ordner werden über die DropBox synchronisiert, sodass ich auch unterwegs übers iPhone Zugriff auf die Dokumente habe.
Grundsätzlich möchte ich bei der ganzen Verwaltung und Dokumentation einen Gedanken erwähnen, den ich mir damals von XYZ (auf Wunsch wurde der Namen wieder aus dem Beitrag gelöscht) aufgegriffen habe:
Er hat in regelmäßigen Abständen die Dokumentationen der Unterrichtsreihen entsorgt, um sich selber dazu zu zwingen, die Unterlagen neu zu durchdenken, zu verbessern und an die jeweiligen Lerngruppen anzupassen. Vielleicht sollte man sich daran auch gewöhnen… Sonst läuft man Gefahr, dass man zur Vorbereitung nicht die Ordner aus dem Schrank holt, sondern auf der Festplatte öffnet.
Gestern Abend gabs erst das:
Wie viele bloggende Lehrer/innen gibt es eigentlich, die NICHT Deutsch als Unterrichtsfach haben?less than a minute ago via web
Felix Schaumburg
schb
dann das:
@schb hmm, das weiß ich nicht. Aber eine Liste mit bloggenden Lehrern die auch Schulform, Bundesland und Fächer listet wäre sicher spannend.less than a minute ago via Echofon
Ralf Appelt
ralfa
und dann das:
http://www.bit.ly/bloggendelehrer
In Köln sind am letzten Wochenende zum ADZ-BarCamp zwei Gruppen zusammen gekommen, die bisher kaum zusammengearbeitet haben. Skeptisch war ich vorher, aber es war wunderbar. Nach anfänglichen Berührungsängsten kam es am Ende des ersten Tages dann zu der Aussage:
“Schön, dass ich mal so Leute, die im Internet sind, kennengelernt habe. Die sind ja eigentlich ganz normal…”.
Es stellte sich schnell heraus: Wir brauchen keine Brücken zwischen den Generationen zu bauen. Die neuen Medien erklären sich von selber, wenn sie sinnvoll in den Arbeitsalltag integriert werden und einen Mehrwert produzieren. Letzterer wird früher oder später offensichtlich, wenn man die Kongresse über Twitter vernetzt und über GoogleDocs gemeinsam vor- und nachbereitet.
Die Gemeinsamkeiten überwiegen dahingehend, dass Schule sich in einem Veränderungsprozess befindet oder zumindest in diesen getrieben werden muss. Daran kann man arbeiten.

CC by Johan Larsson (flickr)
- Die eine Gruppe umfasst die Reformpädagogen. Dieser hat sich schon vor Jahrzehnten mit den Strukturen und Grenzen des bestehenden Schulsystems auseinandergesetzt und Lücken und Freiräume gesucht, um seine eigene Vorstellung von „gutem Lernen“ zu verwirklichen. Viele Schulgründungen landauf, landab zeugen von diesen kleinen Aufbrüchen und zeigen, dass es auch anders geht.
Dieser Prozess des Ausbrechens war nicht immer einfach und mit vielen Reibungsverlusten verbunden. Motivation für seine Arbeit hat sich der Reformpädagoge aus den gegenseitigen Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen geholt, die ebenfalls ihre kleinen pädagogischen Gärten hegten und pflegten. Als Beispiel für diese institutionalisierten Netzwerke zwischen den Reformpädagogen sei auf „Blick über den Zaun“ (http://blickueberdenzaun.de/) und das „Archiv der Zukunft“ (http://www.archiv-der-zukunft.de/) hingewiesen. - Der neuere Typus des Reformpädagogen lässt sich grob als Bildungshacker oder EduCamper umreißen. Ihn treibt der gleiche Wunsch nach einer besseren, lebenswerteren und schöneren Schule an. Für seine Netzwerke nutzt er aber nicht zuerst den Austausch über Kongresse und Bücher, sondern vor allem digitale Netzwerke wie Twitter, Blogs & Co.. Er entwickelt Ideen, verwirft sie und bestätigt sich trotz großer Entfernungen immer wieder, dass man auf einem guten Weg ist. Auf diese Weise schöpft er den Mut, weiter an seinen Ideen zu arbeiten. Aus dem direkten Kreis von Personen, die ihm täglich begegnen, erhält er kaum Verständnis, sondern oft Unverständnis und den Stempel der Nervensäge.
Von außen gesehen kann man diesen Bildungshacker der jungen Generation der „digital natives“ zurechnen. Sein Bild in der Öffentlichkeit ist oft so geprägt: Er sitzt den Tag am Computer, ist ständig abgelenkt und kaum in der Lage, sich längere Zeit mit einer Sache zu beschäftigen. Ergo sind wertvolle Impulse nicht zu erwarten. Er strebt nach kurzzeitiger Aufmerksamkeit. (Warhol: „In Zukunft kann jeder Mensch für 15 Minuten Berühmtheit erlangen“).
Meine Erfahrungen vom vergangenen Wochenende lassen mich zu der Überzeugung kommen, dass die Kluft zwischen digital natives und denen, die die neuen Technologien nicht nutzen, nicht besteht. Der Bruch, der oft angenommen wird, ist keine Frage der Mediennutzung, sondern eine Frage der Einstellung:
Glaube ich daran, dass man die Welt durch seine Aktivitäten gestalten kann – und versuche dies auch zu tun? Oder verwalte ich mein Leben, um die schon genügend komplexen Alltagssituationen für mich erträglich zu machen – zu vereinfachen?
Nicht die „digital natives“ und „digital immigrants“ stehen sich in der Schule gegenüber, sondern ein Kontrollbedürfnis und die Risikobereitschaft.
Daher setzt jede Diskussion, die „neuen Medien doch endlich auch den Lehrern durch Fortbildungen nahe zu bringen“, an der falschen Stelle an. Es scheint so als wenn jene, die bereit sind, ein Risiko einzugehen, auch offen und interessiert den neuen Kommunikationsmedien gegenüberstehen: Nothing venture, nothing win.
Wenn wir Schule anders denken wollen, müssen wir uns gemeinsam auf den Weg machen. Jeder mit seinem Werkzeug (wobei zukünftig die digitalen Medien durch ihre Möglichkeit der schnellen Vernetzung ohne Zweifel Vorteile mit sich bringen).
Am Wochenende hat in Köln an der iFK eine Konferenz stattgefunden, die ich mir in dieser Form schon lange gewünscht habe. Die mit Erfahrung und Ideen voll bepackten “Reformpädagogen” aus dem ADZ Netzwerk sind auf Personen getroffen, die sich bisher vor allem auf BarCamps und EduCamps herumgeschlagen haben.
Das konnte nur spannend und reibungsvoll werden; und wurde es auch und das war gut so.
Ich habe an folgenden Sessions teilgenommen:
- Die Blogschule
Die KAS (in Person von Roman Deeken und André Spang) hat ihr Blog-Projekt, welches zuletzt auch auf der re:publica für Aufsehen sorgte, vorgestellt. Die scheinbare “Dramatik”, die sich hinter der Einführung von Blogs in den Unterricht und in die Schulorganisation verbirgt, war mir im Vorfeld nicht so bewusst. Dass dieser Prozess nur mit einer Öffnung einher geht, ist verständlich. Ebenso, dass sich Lehrenden eine Öffnung oft nur ungern aussetzen und gerne kontrollieren, bewerten und alles im Überblick behalten wollen. Dass die Diskussion in einer Phase der Session aber so fundamental geführt wurde, hat mich doch erstaunt. Dank einer feinfühlenden Moderation (@ViktoriaHD) ist die Grundsatzdebatte zum Glück (?) nicht vollständig ausgebreitet worden, sodass man zurück zum Thema gekommen ist: praktische Beispiele für den Einsatz im Schulalltag. - Alternative Bildungsabschlüsse
Scarlett Schenk hat ihre Gedanken und Ideen zu alternativen Bildungsabschlüssen vorgestellt. Brauchen wir noch das Abitur? Ist das nicht viel zu einseitig? Können wir das Abitur abschaffen, um individuellere Abschlüsse zuzulassen und aufzuwerten? Brauchen wir überhaupt Abschlüsse für eine Schule? Welche Möglichkeiten gäbe es noch, schulische Leistung zu begrenzen oder zu zertifizieren?
Die Diskussion war vor allen Dingen nach der ersten Session gut, weil man sich angenähert hat an die bestehende Stuktur von Schule und diese – wenn nicht gänzlich, so aber doch in Ansätzen – in Frage stellen konnte. Es hat sich eine nachdenkliche Diskussion entwickelt. Leider war die Dokumentationskultur der Sessions noch nicht so ausgeprägt, dass die Ergebnisse nachlesbar wären. - Web 2.0 in der Schule
Auf eine Anregung im Plenum hin habe ich Tools vorgestellt, die ich im Unterricht und in der Zusammenarbeit mit anderen Kollegen/innen einsetze. Dabei haben vor allen Dingen Doodle und GoogleDocs großes Interesse geweckt. Besonders die Idee, über Doodle die Elternsprechtage zu organisieren. - Wie können digitale Medien neues Lernen fördern?
Direkt im Anschluss an die Session zu den Web 2.0 Tools hat Guido Brombach über die neue Lernkultur gesprochen, die durch digitale Medien nötig wird (Präsentation bei Prezi.com). Ausgangspunkt war der Film “Information R/evolution” von Michael Wesch. Durch diese Session wurden die Tools, die vorher nur angerissen wurden, in einen größeren Zusammenhang gestellt.
Guido Brombach formulierte sieben Thesen zum Einsatz von digitalen Medien in der Bildung:- Der Einsatz digitaler Medien verlangt einen turn-around weg von der Frontalpädagogik
- Medienkompetenz heisst, die digitalen Medien gestaltend und kooperativ nutzen zu können
- Nicht die Anhäufungvon Wissen, sondern der Prozess seiner Konstruktion ist entscheidend
- Wissen vermehrt sich bei der Nutzung, aber nur wenn es lizenzoffen zur Verfügung gestellt wird
- Lernen braucht Alltagsrelevanz
- Lernen heisst forschen und entdecken am Einzelfall, Reflexion und dann Induktion
- Lernen geschieht alleine, die Konstruktion von Wissen ist immer Teil eines sozialen Prozesses
- Lernen und Wissenschaffen
Kurzversion einer ausgesprochen intensiven Session: Welt erschließt sich immer aus einer bestimmten Perspektive. Diese Perspektive – nennen wir sie “Brille” – umfasst auch immer eine bestimmte Wahrheit. Konflikte und Krisen entstehen oft daraus, dass man die “Wahrheit” des anderen nicht anerkennt. Bedeutet dies, dass die Formulierung der Relativität keinen eigenen Standpunkt mehr zulässt und alles im Ungewissen hält? Oder ist durch die Bewusstwerdung der anderen Sicht auch eine Reflexion auf die eigene, bevorzugte “Brille” möglich? Wann und zu welcher Zeit sind Modelle als Gegenstand mit den Schülerinnen und Schülern zu thematisieren? Ist es eine Aufgabe der Sekundarstufe I oder erst für die Wissenschaftspropädeutik der Oberstufe? - Lernbüro & kursinterne Differenzierung
Dorothea Vielmetter stellt die Lernbüro vor. Die iFK hat in den Fächern Deutsch und Mathematik Lernbüros installiert, die der Idee nach den Konzepten der MBS in Hamburg angelehnt sind. Ausführliche Notizen dazu wurden während der Veranstaltung in das gemeinsame GoogleDocs eingepflegt. Bitte dort bei Interesse nachlesen. - Experimentelles Lernen
Abschließend gab es eine Session über die Erfahrungen, wie sich Schulen auf den Weg machen, um – nicht nur im Unterricht, sondern auch als Organisation – Lernen als Experimentieren zu begreifen. Angelehnt waren die Thesen in meinem Verständnis an das Prinzip “always beta“, welches man auch als Schule begreifen und im Alltag umsetzen muss. “Einfach mal probieren….!”
Während der Session habe ich folgendes getwittert und würde es als Fazit stehen lassen: “Ein neues Lernen stellt Kontrolle und Beweisbarkeit grundlegend in Frage. Bildung ist frei und verbindet sich mit dem Leben.”
Neu bei Twitter sind nach dem Treffen folgende ADZler/innen:ViktoriaHD, ScarlettHMiro, Flora298, Steffifk, rpifk, peace2blossom.
(Hinweis: Dies ist kein Bericht oder eine Zusammenfassung der Diskussionen der Tagung, sondern eher eine kleine Notiz meiner ersten Eindrücke)
Am 27. April 2010 findet an der Gesamtschule Barmen in Wuppertal eine Diskussionsveralstaltung zum Thema Kopfnoten statt.
Um gesammelte Unterschriften und zaghafte Absprachen zwischen den Schulen zu einem intensiveren Dialog zu verbinden, werden nach jetzigem Stand folgende Personen über den (Un-)Sinn von Kopfnoten im pädagogischen Umfeld diskutieren:
- Heide Köhler (Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule)
- Prof. Anna Maria Kreienbaum (Pädagogik, Uni Wuppertal)
- Kai-Uwe Hollmann (Landesschülervertretung-NRW)
- Rainer Dahlhaus (Schulleiter GE-Langerfeld)
Das Plakat zum Aushang findet sich hier. Für größere Versionen bitte mich kurz kontaktieren oder Kontakt über die Webseite www.kopfnoten-weg.de aufnehmen.
Dort finden sich auch weitere Informationen rund ums Thema Kopfnoten
- Steinbruch mit Argumentationen gegen die Vergabe von Kopfnoten
(http://www.kopfnoten-weg.de/argumente.htm) - Download einer zur Zeit im Umlauf befindlichen Unterschriftenliste
(http://www.kopfnoten-weg.de/download.htm) - Ein gelegentlich aktualisiertes Blog
(http://kopfnotenweg.wordpress.com/)
Ich selber habe Schule ohne Noten erlebt und stehe heute als Lehrender in der Rolle, Noten geben zu müssen – obwohl ich weiß, dass sie zwar motivationsfördernd und damit auch lernfördernd sein können, aber dies noch lange keine Kausalität ist.
Vielmehr sehe ich bei vielen Schülerinnen und Schülern, dass die Note als (letzter?) Strohhalm angesehen wird, um die schulischen Aktivitäten irgendwie zu greifen. Es geht nicht um Interesse und um Motivation. Das System hat von früh auf Schülerinnen und Schüler dazu herangezogen, auf die Kriterien für die weitere Zertifikatsvergabe zu schauen. Es spielt keine Rolle, ob man sich für ein Thema begeistern konnte oder nicht. Was zählt ist, ob am Ende der Lehrer den Eindruck hatte, dass man “was gelernt” hat und die 1 oder 2 auf das Zeugnis schreibt.
Wenn ich diese Erfahrung der hohen Motivation mit gleichzeitiger Irrelevanz für die Note reproduzierbar erlebe, stumpfe ich ab und werde zum Turnierpferd (das nur so hoch springt wie gerade nötig).
Viele Lehrenden fehlt die Erfahrung und damit das Vertrauen, dass es auch ohne Noten geht. Sie sehen in den Noten den einzigen Leistungsanreiz für Lernende. Schaut man sich die Abgangsklassen 10 und 13 an, so gibt ihnen die selbst produzierte Wirklichkeit ja auch immer recht. Schöne Welt.
Textzeugnisse sind offener, ehrlicher und bieten Raum für die Eigenheiten und kreativen Potentiale der Schülerinnen und Schüler. Allerdings auch hier nur dann, wenn man die Textbausteine nicht im Sinne einer Vergleichbarkeit standardisiert. Das ist leider zur Zeit das A und O in allen bildungspolitischen Debatten. Man fordert Individualität und standardisiert (kontrolliert) auf der anderen Seite so stark, dass kaum Freiheiten möglich werden. Die “neue” Form der Outputorientierung wird falsch verstanden und die Möglichkeiten einer Umformung sind verschenkt worden. Idealtypisch zu sehen an den Universitäten.
Andererseits kann man aber auch anmerken, dass die Rolle der Lehrenden gerade in der Notengebung ihre Professionalität erfährt. Der Prozess der Notengebung ist so komplex und indivuell, dass selbst Lehrende untereinander kaum in einen Austausch darüber kommen können. Gleichzeitig wird die Notengebung gesellschaftlich als so bedeutend angesehen, dass man Lehrende durch zwei Staatsexamen schickt, bis sie justiziable Noten geben dürfen. Stellen wir Lehrenden mit der Notenfrage nicht auch die Frage nach der Legitimation unseres Berufsstandes? Bleibt am Ende, wenn sich die Noten erledigt haben, nur das Leben als Coach? Berater zwar, aber ohne Anerkennung und jederzeit auswechselbar?
Ich wünsche mir wie @ciffi mehr Mut, dass sich kleine und starke Gruppen an den Schulen finden werden, die die Notengebung grundsätzlich in Frage stellen. Nicht nur nach Optimierungen suchen, sondern die Sinnfrage stellen.
Wir kämpfen bei uns gerade gegen die Kopfnoten und stoßen dabei auf interessante Argumentationslinien. Aber das führt hier jetzt zu weit.
Aufhänger für den Beitrag:
Matthias Heil hat in seinem Blog über das Webinar von Sir Ken Robinson geschrieben und dazu seine Gedanken formuliert: “Von der summativen zur formativen Evaluation: Das Ende der Notengebung?“.
Mit Barbarei meine ich [...] das Äußerste: wahnhaftes Vorurteil, Unterdrückung, Völkermord und Folter; darüber soll kein Zweifel sein. Dagegen anzugehen, ist – so wie die Welt im Augenblick aussieht, in der, zumindest temporär, keine weiter reichenden Möglichkeiten sichtbar sind – vor allem anderen an der Schule. Deshalb ist es, trotz aller theoretisch-gesellschaftlichen Gegenargumente, gesellschaftlich so eminent wichtig, daß sie ihre Aufgabe erfüllt und dazu hilft, daß sie des verhängnisvollen Erbes an Vorstellungen sich bewußt wird, das auf ihr lastet.
Th. W. Adorno: Tabus über den Lehrberuf (PDF)
Warum ist das hier blogge? Weil ich den Text vor kurzem gefunden habe und ihn trotz seines Alters (1965) für hinreichend halte, um über die weiterhin bestehenden strukturellen Begebenheiten, die Schule heute noch prägen, aufzuklären und eine Perspektive zu eröffnen, wie damit umzugehen sei.
Daher mein Tipp, ihn zu lesen. Sind ja (bald) Osterferien.
Der Unterschied zwischen kritischen und dann resignativen Äußerungen zur Verwendung der IKT (Informations- und Kommunikations-Technologien) an der Schule ist oft fließend. Auch ich verfalle immer mal wieder in diese Rolle und bin hinterher nicht glücklich, wenn es wieder passiert ist.
Fest steht, dass meine persönlichen Kommunikaitonsroutinen im schulischen Alltag oft wenig anschlußfähig sind und ich gerne sehen würde, dass sich dies ändern. Leider bewegt sich die Institution aus meinen Augen viel zu langsam und ich neige dazu, frustriert zu reagieren. Nimmt man jedoch etwas Abstand ein und hört sich um, so kann man Mut schöpfen, dass sich gerade etwas beginnt zu bewegen.
Auch an den Unis, in der Wirtschaft und im privaten Umfeld scheint eine zarte Aufbruchstimmung erkennbar zu sein. Man scheint aufmerksam zu werden, dass „das Internet“ wohl doch keine vorübergehende Sache ist (schulisch gerne bezeichnet als „neue Sau, die durchs Dorf getrieben wird“).
Positiv stimmen mich zum Beispiel die Prozesse an der Kaiser-Augusta Schule in Köln, die nach einer Fortbildung zu Web 2.0 Tools inzwischen mehrere Blogs führt und sogar ihre Ergebnisse der Steuergruppe in einem Blog dokumentiert. Und all dies war nicht von langer Hand geplant, sondern ist spontan entstanden und erweist sich scheinbar als erfolgreich.
Im Bekanntenkreis wie auch im Kollegium beobachte ich mehr und mehr Personen, die plötzlich mit einem Laptop daherkommen und sich für das, was man so im Internet tut, zu interessieren beginnen. Was ist ein Blog? Kann man das auch machen? Wie kann ich den Schüler einen Film bereitstellen? Wie kann ich meinen Schülern Arbeitsblätter zuschicken? Können wir nicht die Dateien austauschen?
Technik, die bisher als exotisch galt, wird Normalität: Videokonferenzen sind keine technologische Hürde mehr, sondern ersetzen mehr und mehr das Telefongespräch auch im Privaten.
Schule wäre aber nicht Schule, wenn sie sich den Übergang zu den neuen IKT nicht schwerer machen würde als nötig. Sie möchte kontrollieren und stößt hier an ihre Grenzen…
Interessant wird beispielsweise die Diskussion werden, ob man die die Schüler überfordert, wenn man Web-Tools (Wikis, Blogs und Co.) in den Unterricht integriert. Verlieren die Schüler die Übersicht, wenn unterschiedliche Lehrer, unterschiedliche Fächer und unterschiedliche Jahrgangsstufen unterschiedliche Plattformen verwenden? Sollte man dies nicht schulintern oder sogar als Schulträger vereinheitlichen und auf einen gemeinsamen Standard bringen, der für alle gilt? Auch um den Übergang von Schulformen zu ermöglichen?
Meine bisherigen Beobachtungen scheinen eine Überforderung der Schülerinnen und Schüler nicht zu bestätigen. Wiki, Blogs und moodle werden mal gut, mal schlecht angenommen – Klagen über zu viele Angebote oder verwirrende Informationsquellen hat es aber noch nicht gegeben. Eher scheint eine gewisse „Dankbarkeit“ erkennbar zu sein, dass es überhaupt Kanäle aus der Schule ins Netz gibt. Der Umgang der Jugendlichen mit sozialen Netzwerken zeigt, dass man durchaus auf vielen Inseln gleichzeitig aktiv sein kann. Sich „einen Account“ anlegen ist für Schüler nichts dramatisches – was man durchaus aus kritisch hinterfragen kann.
Vielleicht werden durch die Äußerung zur Überforderung eher die eigenen Bedenken der Lehrenden formuliert. Versuche ich mich mal von meiner Position als jemand zu entfernen, für den die Arbeit mit dem Computer in Schule und Uni schon immer normal war, dann kann man ein wenig Verständnis dafür aufbringen, wenn ältere Kollegen/innen nicht direkt in Jubel ausbrechen. Immerhin haben sie ihre akademische Laufbahn oft noch ohne intensiven Computereinsatz absolviert und ihr Selbstkonzept funktioniert auch ohne ständige Verfügbarkeit von Rechnern und Internet.
Im letzten Amtsblatt „Schule NRW“ gibt es einen – leider nicht öffentlich verfügbaren – Artikel „Veränderte Routinen durch neue Medien“, in dem die Web 2.0 Technologien vorgestellt werden. Freilich noch zaghaft wird in dem Artikel aufgezeigt, wie die IKT in Schule zum Einsatz kommen kann. Deutlich wird am Ende auch auf die Verantwortung für eine erfolgreiche Umsetzung hingewiesen: „Die größten und schnellsten Effekte [die Prozesse und Routinen einer neuen Arbeitskultur einzuführen (Anm.)] sind natürlich zu erwarten, wenn das gesamte Kollegium, an der Spitze die Schulleitung, die neuen Wege der Kommunikation und Kooperation nutzt.“
Auch wenn ich hin und wieder gerne mit dem Füller schreibe und nicht ohne den Taschenbegleiter in die Schule gehe: Der digitale Workflow ist nicht mehr wegzudenken. Ich versuche im Folgenden ein paar Szenarien zu skizzieren.
Notizen und Schnipsel im Fach
Im Lehrerzimmer liegen handschriftliche Notizen und Briefe zur Kenntnisnahme in meinem Fach. Wenn es mit der Kenntnisnahme getan ist, wandern diese direkt in den Papierkorb. Sollten aber weitere Aktionen nötig sein oder eine Notiz gehört in die Akten, dann mache ich entweder direkt im Lehrerzimmer ein Foto der information oder stecke die Notiz in den Taschenbegleiter. Mit Klausurterminen und wichtigen Ankündigungen am “schwarzen Brett” verfahre ich ebenso: erstmal als Foto festhalten oder fix eine Kopie anfertigen.

Vom iPhone wandern die Fotos meist direkt in die Inbox. Auf der Dropbox habe ich dafür einen entsprechenden Ordner angelegt, in den ich die Bilder vom iPhone lade. Angenehmer Vorteil: Ich habe das Bild danach direkt auf dem Rechner verfügbar und kann es problemlos weiterverarbeiten.
Sollte ich das Bild nicht direkt in die Inbox laden, dann geschieht dies später über die Importfunktion am Rechner. Die Notizen aus dem Taschenbegleiter werden am Abend gesammelt eingescannt und dann wegsortiert.
Erinnerung: All das wäre nicht nötig, wenn man sich auf eine Kommunikationskultur über E-mail oder Wikis einigen könnte….
Ablage auf dem Rechner
Dank DevonThink Pro und der Dropbox habe ich fast alle Unterlagen digital vorliegen und überall verfügbar. So kann ich einerseits Dokumente schneller finden und habe andererseits im Schrank kein Chaos von Papieren, welche man sich ohnehin kein weiteres mal durchsehen wird.
Meine Dokumente habe ich im Wesentlichen in drei Kategorien getrennt:
- Externe Dokumente
- Eigene Arbeiten und Unterrichtsreihen
- Schülerakten
Artikel und Schnipsel aus dem Web, die ich für interessant halte oder die gespeichert werden müssen (wie zum Beispiel rechtliche Vorgaben rund ums Thema “Schule”) werden in einer DevonThink Datenbank gesammelt. Damit ist DevonThink vor allem ein Input Kanal, in dem ich “auf Vorrat” sammle und Recherchen dokumentiere.
Meine eigenen Dokumente (Unterrichtsreihen, Aufsätze, Fortbildungen, Briefe….) landen in der Dropbox und werden dort – je nach Bedarf – Mitarbeitern verfügbar gemacht. Auf diese Weise entsteht beispielsweise das Unterrichtsmaterial für die Klassen 9 und 10 im Fach Chemie seit 3 Jahren in gemeinsamer Arbeit.
Die notwendige Dokumentation von Schülerdaten erledige ich in einer gesonderten DevonThink Datenbank. Dort notiere ich Vorfälle und sortiere sie nach “Personen” und “Datum”. Die dortigen Dokumente sind in der Regel ein Doppel und werden weiterhin nach alter Art in einem Ordner in der Schule abgelegt (darum kümmert sich aber dankenswerterweise eine Kollegin).
Unterrichtsplanung
Die Notizen zum Unterricht mache ich seit den Herbstferien komplett in einem lokalen Wiki (VoodooPad), das ich mir ebenso aufs iPhone synchronisiere. So habe ich auch ohne Rechner in der Schule die Möglichkeit, einen kurzen Blick auf das zu werfen, was ich noch ansprechen wollte. Meist steht jedoch der Rechner offen auf dem Arbeitsplatz.
Warum das Ganze:
Angestoßen wurde der Artikel von alextee mit seiner Frage auf Twitter.
Lisa Rosa (@lisarosa) hat für das im Februar stattfindende EduCamp in Hamburg ihr Statement für die Podiumsdiskussion abgegeben. Ich halte dieses Statement auch außerhalb der EduCamp Community für unglaublich informativ, sodass ich es hier verlinken möchte und neben dem Video unbedingt die Lektüre empfehle. Der Artikel bietet einen Überblick zur Diskussionen über den Medienwandel und seine Bedeutung für Bildung und Schule.
Zum Artikel:
http://shiftingschool.wordpress.com/2010/01/15/educamp-2010-in-hamburg-ec10hh/
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