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Die Zukunft des Schulbuchs – oder: Wie begrenzt wollen wir lernen?

Schule gehört zu unserem Leben dazu. Sie ist kulturell fest verankert und für öffentliche Debatten stets ein Thema mit großem emotionalen Potential. Offenbar hat „Schule“ dabei für uns eine ganz besondere Bedeutung. Wie sich dieses „Besondere“ im Alltag zeigt, welche Rolle das Schulbuch spielt und warum wir uns an den Gedanken gewöhnen sollten, dass es so nicht weiter geht, versuche ich im Folgenden zu entwickeln.

Das System „Schule“

Die Struktur von Schule hat System. Es ist nicht zufällig – oder gar „natürlich“ – so, dass ihr Alltag strukturiert ist, wie er es ist: in Fächer, Unterrichtsstunden und Pausen, dass die Inhalte auf Jahrgangsstufen bezogen entwickelt werden und alle die gleichen Prüfungen ablegen müssen: Schule strebt nach Vereinheitlichung. Nicht erst nach Pisa werden „einheitliche Bildungsstandards“ definiert, nach denen die SchülerInnen unterrichtet werden sollen. Schon vor Pisa haben wir uns über mangelndes „Allgemeinwissen“ lustig gemacht. Wir gehen offensichtlich davon aus, dass ein bestimmtes Pensum an Wissensbausteinen erworben sein muss, um als vollwertige/r BürgerIn am Leben teilnehmen zu können.

Die Schule hat diese Anforderungen nicht erfunden, sondern sie wurden als Notwendigkeit zum Bestehen in einer damals neuen Kultur formuliert. Das dominante Medium, unter dessen Zeichen die Idee der heutigen Schule entstand, ist das Buch. Die Entwicklung der beweglichen Buchstaben haben im 15. Jahrhundert zu Umwälzungen geführt, die zu einer Neuorientierung gesellschaftlicher Strukturen geführt haben.

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Anhörung beim BMBF über Open Educational Resources

Gestern war ich auf Einladung des „Bundesministeriums für Bildung und Forschung“ bei einer Anhörung zum Thema OER im berliner Gartenhaus des Ministeriums.

Bisher bin ich nicht dazu gekommen, meine Notizen durchzuarbeiten und eine Zusammenfassung der Ergebnisse zu formulieren. Anders Leonhard Dobusch, der übrigens in einer unglaublichen Virtuosität und Geschwindigkeit die Tastatur seines Laptops bedient. Er hat bereits für die werkstatt.bpb.de eine Zusammenfassung formuliert, auf die ich hier als Lesetipp verweise.

Angehört: Fachgespräch zu Open Education des Bildungsministeriums

Auf Einladung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sowie der Kultusministerkonferenz (KMK) fand am gestrigen 8. November im Gartenhaus des BMBF ein Fachgespräch zu Open Educational Resources (OER) statt. […]

Als Ziele für das Fachgespräch von Seiten des BMBF formulierte Eckart Lilienthal zum Einstieg drei Punkte, die in der Folge auch größtenteils eingelöst wurden:

  • Informationen zum Thema, um als Ministerium den Auftrag der                               Politikberatung besser wahrnehmen zu können
  • Feststellung von Meinungsverschiedenheiten und Unklarheiten im Diskurs um OER
  • Antworten auf die Frage, was eine Rolle der öffentlichen Hand in diesem Zusammenhang sein könnte?

Die daran anschließende Debatte startete mit Fragen nach bildungspolitischen Potentialen, gefolgt von rechtlichen, ökonomischen und technischen Anforderungen an OER. Den Abschluss bildete eine Runde mit konkreten Vorschlägen für die nächsten Schritte bei der Behandlung der Thematik.

In dem Artikel ist auch die Liste der anwesenden Experten verlinkt [PDF].


Update: Meine Stellungnahme zu den vorbereitenden Fragen kann hier als PDF eingesehen werden.

Medien im Unterricht

In der Zeitschrift „kjl&m – forschung.schule.bibliothek“ erschien vor kurzem ein lesenswerter Bericht von Ricarda Dreier über ihre Erfahrungen mit dem digitalen Schulalltag und dem iPad im Unterricht. Ricarda hat den Artikel zur (Neu-)Veröffentlichung hier freigegeben. Danke!

„Bring your own devices“

Nicht nur aus der Perspektive der Schüler(innen), sondern auch aus der Sicht der meisten Lehrer(innen) gilt, dass sich private und schulische Medienwelten fundamental unterscheiden. Während Computer und Internet zu Hause ganz selbstverständlich zu den unverzichtbaren Werkzeugen der Unterrichtsvorbereitung gehören, werden digitale Medien im konkreten Unterrichtsalltag weitaus seltener eingesetzt. Das liegt häufig immer noch daran, dass es in der Schule gravierende infrastrukturelle, technische und organisatorische Probleme gibt: Denn brauchbare Hard- und Software ist – wenn überhaupt – nur in einigen speziell eingerichteten Computerräumen zu finden, die umständlich und oft lange im Voraus reserviert werden müssen und deren Nutzung häufig ineffektiv ist, wenn man lediglich ein kurzes Video bei YouTube anschauen oder rasch eine Internetrecherche starten möchte. Weiterlesen

Gedanken zum #oercamp

Am Wochenende fand in Bremen an der Uni ein BarCamp zum Thema „Open Educational Resources“ (kurz: OER) statt. Das Ambiente in der Mensa der Uni ist hervorragend geeignet, offene Tagungen durchzuführen. Ich bin – nach dem EduCamp Bremen – das zweite Mal dort und habe mich wohlgefühlt. Die offenen Räume und verschiedenen Ebenen des Baus machen es allemal wett, dass man den Gang zur Toilette sehr bedacht planen muss, um nicht eine Session zu verpassen…

Ein paar Notizen und Gedanken zum #oercamp in loser Reihenfolge. Weiterlesen

OER Camp im September

Vom 14. bis 16. September findet an der Uni Bremen das erste „OERcamp“ statt. Veranstalter sind das Internet & Gesellschaft Co:llaboratory, die Universität Bremen und der EduCamp e.V.

Die offene Konferenz in Form eines BarCamps wird sich u.a. mit den Fragen des Urheberrechts, der Zukunft der Schulbücher und der Qualitätssicherung von digitalem Unterrichtsmaterial beschäftigen und möchte so die Debatte um die Open Educational Resources voranbringen. Der Schwerpunkt wird auf dem Bereich „Schule“ liegen, aber nicht darauf beschränkt bleiben.

Weitere Informationen und die Anmeldung finden sich hier: http://www.oercamp.de.

Das langsame Sterben des Schulbuchs

Warum im digitalen Wandel das Urheberrecht das verbietet, was pädagogisch geboten ist. Den Schulen droht ein Kulturkampf.
oder:

Das Schulbuch, König der alten Schulmedien, stirbt. Sein Nachfolger steht bereit – wird aber vom aktuellen Urheberrecht blockiert.

Ungekürzte Version des Artikels in der taz vom 2.5.2012.
Von Felix Schaumburg und Jöran Muuß-Merholz

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Das Schulbuch und Apple – ein erstes Fazit

Apple hat soeben seine Ideen für Schulbücher auf einem education announcement [Keynote Aufzeichnung] vorgestellt. Dass diese Ideen digital sind und natürlich auf dem iPad basieren, ist nicht überraschend.

Eigentlich war die gesamte Veranstaltung nicht überraschend – und genau deshalb wäre es möglich, dass sie sehr nachhaltig wirken wird. Wenn die Strategie von Apple aufgeht, könnte sich die Art, wie wir Bücher konsumieren, bald ändern. Das betrifft natürlich in erster Linie die in der Schule genutzten Bücher und „Materialien“.

Was wurde vorgestellt:
• iBooks 2 (App Store Link)
• iBooks Author (Mac App Store Link)
• iTunes (App Store Link)

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Schultrojaner und Leitmedienwechsel

Ist der Schultrojaner eine Antwort auf den Leitmedienwechsel?

Die von den Schulbuchverlagen angedachte Software zur Durchsuchung von schulischen Computern – allgemein als „Schultrojaner“ bezeichnet –  ist der zunehmenden Digitalisierung des schulischen Alltages geschuldet und eine verständliche Antwort. Über diese – seltsam anmutende – Maßnahme versuchen die Verlage offenbar, ihre Pfründe zu sichern.

Wir leben aber in einer Zeit des Wandels, in dem für alle spürbar wird, dass durch den Computer und das Internet unzählige Veränderungsprozesse angestoßen werden, die unsere kulturellen Errungenschaften in Frage stellen und unsere Kreativität herausfordern.
Von diesem Wandel sind die Verlage ebenso betroffen wie auch Schulen und die Vorstellung von Lernen. Weiterlesen

Museumsrundgang digital

Weg mit Folien und OHP Geräten oder dicken, schweren Büchern, die man sich unter teuren Epidiaskopen anschaut. Google hat nicht nur die Erdoberfläche und Straßen abgelichtet, sondern auch begonnen, einzelne Museen mit einem speziell dafür entwickelten Wagen abzufahren und die Gemälde hochauflösend zu archivieren.
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Digitale Schulbücher

Vor ein paar Tagen habe ich zwei deutsche Schulbuchverlage angeschrieben, deren Werke wir im Unterricht jahrgangsübergreifend einsetzen, ob ich als Lehrer die Bücher als PDF beziehen könnte, um damit dem Projekt „papierfreie Lehrertasche“ noch etwas Schwung zu geben.

Heute kam von beiden Verlagen die knappe Rückmeldung:

Unsere Bücher werden weder in PDF-Form angeboten, noch ist dies künftig in Planung. (Schöningh)

Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass unsere Schülerbände bisher nicht als pdfs bezogen werden können. Auch eine digitale Version für das iPad ist bisher nicht geplant. (Schroedel)

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