Schlagwort-Archive: leitmedienwechsel

Die digitalen Medien führen zu Umwälzungen, wie wir sie seit der Verbreitung des Buchdruckes nicht mehr erlebt haben.

Die Zukunft des Schulbuchs – oder: Wie begrenzt wollen wir lernen?

Schule gehört zu unserem Leben dazu. Sie ist kulturell fest verankert und für öffentliche Debatten stets ein Thema mit großem emotionalen Potential. Offenbar hat „Schule“ dabei für uns eine ganz besondere Bedeutung. Wie sich dieses „Besondere“ im Alltag zeigt, welche Rolle das Schulbuch spielt und warum wir uns an den Gedanken gewöhnen sollten, dass es so nicht weiter geht, versuche ich im Folgenden zu entwickeln.

Das System „Schule“

Die Struktur von Schule hat System. Es ist nicht zufällig – oder gar „natürlich“ – so, dass ihr Alltag strukturiert ist, wie er es ist: in Fächer, Unterrichtsstunden und Pausen, dass die Inhalte auf Jahrgangsstufen bezogen entwickelt werden und alle die gleichen Prüfungen ablegen müssen: Schule strebt nach Vereinheitlichung. Nicht erst nach Pisa werden „einheitliche Bildungsstandards“ definiert, nach denen die SchülerInnen unterrichtet werden sollen. Schon vor Pisa haben wir uns über mangelndes „Allgemeinwissen“ lustig gemacht. Wir gehen offensichtlich davon aus, dass ein bestimmtes Pensum an Wissensbausteinen erworben sein muss, um als vollwertige/r BürgerIn am Leben teilnehmen zu können.

Die Schule hat diese Anforderungen nicht erfunden, sondern sie wurden als Notwendigkeit zum Bestehen in einer damals neuen Kultur formuliert. Das dominante Medium, unter dessen Zeichen die Idee der heutigen Schule entstand, ist das Buch. Die Entwicklung der beweglichen Buchstaben haben im 15. Jahrhundert zu Umwälzungen geführt, die zu einer Neuorientierung gesellschaftlicher Strukturen geführt haben.

Weiterlesen

Schulkultur im Wandel

Unsere Schulen sehen sich heute einer Zerreißprobe ausgesetzt. Ihre tradierten Vorstellungen geraten mit immer mehr gesellschaftlichen Entwicklungen in Konflikt, angetrieben durch eine Digitalisierung aller Lebensbereiche. Was ist da los? Haben wir etwas verschlafen?

Beginnen wir mit einer kleinen Bestandaufnahme einer allgemeinen deutschen Schule. Trotz Föderalismus sind die wesentlichen Bedingungen überall gleich und bedürfen keiner gesonderten Unterscheidung.
Das höchste Ziel, die höchste von der Schule auszusprechende Weihe, ist das Abitur, die allgemeine Hochschulreife. Mit diesem Zertifikat wollen wir an den Schulen die kulturelle und organisatorische Fähigkeit bestätigen, das Leben zu meistern. In nicht wenigen Abiturreden wird es in den nächsten Montagen wieder heißen, dass die SchülerInnen nun bereit seien „ins Leben entlassen zu werden“.

Ist es bereits seit jeher fraglich, warum hier Leben und Schule als zwei unterschiedliche Bereiche angesehen werden, so muss man heute feststellen: Das, was Schule vorbereitet, hat mit dem Leben und dem Beruf immer weniger zu tun. Weiterlesen

Zu Rückriems „Lernen ohne Pflichtschule“

In einem Blogbeitrag hat sich Georg Rückriem Gedanken über das Verhältnis von Schule, Sinn und Invidividuum gemacht. Sein Artikel: „Lernen ohne Pflichtschule – Ist das überhaupt möglich?“ findet sich hier. Lesenswert!

Interessant an seiner Ausführung ist das Verhältnis von Individuum und dem Lernkonzept, welches wir in der Schule institutionalisiert haben.

Das bisherige Konzept des sich zur Eigenständigkeit entwickelnden Individuums – mit dem immanenten Widerspruch zwischen absichtsvoller Erziehung und selbstreferentiellen Subjektkonzepten – ist ein zentrales Problem der Pädagogik. Luhmann/Schorr lösten das damit einhergehende „Technologiedefizit der Erziehung“ durch die „taktvolle Kommunikation“ [mehr…] und attestierten der Pädagogik damit ein Technologieverdikt. Weiterlesen

Das langsame Sterben des Schulbuchs

Warum im digitalen Wandel das Urheberrecht das verbietet, was pädagogisch geboten ist. Den Schulen droht ein Kulturkampf.
oder:

Das Schulbuch, König der alten Schulmedien, stirbt. Sein Nachfolger steht bereit – wird aber vom aktuellen Urheberrecht blockiert.

Ungekürzte Version des Artikels in der taz vom 2.5.2012.
Von Felix Schaumburg und Jöran Muuß-Merholz

Weiterlesen

OER – Stand März 2012

Seit Ende vergangenen Jahres erfreuen sich die Open Educational Resources, kurz „OER“, einer größeren öffentlichen Aufmerksamkeit. Grund dafür war die Diskussion um den „Schultrojaner„, in deren Folge auch die Problematik der Lizenzierung von Materialien, die an Schulen und Universitäten für „Bildungszwecke“ eingesetzt werden, thematisiert wurde.

Im März diesen Jahres haben Jöran Muuß-Merholz, Mirjam Bretschneider und ich uns die Situation rund um das Thema OER an Schulen genauer angeschaut und eine Bestandsaufnahme gemacht. Das „Whitepaper Open Educational Resources (OER) für Schulen in Deutschland“ ist im Auftrag des Internet & Gesellschaft Co:llaboratory entstanden. Weiterlesen