Warum im digitalen Wandel das Urheberrecht das verbietet, was pädagogisch geboten ist. Den Schulen droht ein Kulturkampf.
oder:
Das Schulbuch, König der alten Schulmedien, stirbt. Sein Nachfolger steht bereit – wird aber vom aktuellen Urheberrecht blockiert.
Ungekürzte Version des Artikels in der taz vom 2.5.2012.
Von Felix Schaumburg und Jöran Muuß-Merholz
Seit Ende vergangenen Jahres erfreuen sich die Open Educational Resources, kurz “OER”, einer größeren öffentlichen Aufmerksamkeit. Grund dafür war die Diskussion um den “Schultrojaner“, in deren Folge auch die Problematik der Lizenzierung von Materialien, die an Schulen und Universitäten für “Bildungszwecke” eingesetzt werden, thematisiert wurde.
Im März diesen Jahres haben Jöran Muuß-Merholz, Mirjam Bretschneider und ich uns die Situation rund um das Thema OER an Schulen genauer angeschaut und eine Bestandsaufnahme gemacht. Das “Whitepaper Open Educational Resources (OER) für Schulen in Deutschland” ist im Auftrag des Internet & Gesellschaft Co:llaboratory entstanden.
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Am letzten Donnerstag habe ich an der Uni Oldenburg auf der offenen Tagung “Fair, open & sustainable: Ein Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft!” des Aktionsbündnisses “Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft” über den Schultrojaner und den Leitmedienwechsel gesprochen.
Nicht wissend, um welches Publikum es sich handeln würde, habe ich im Vortrag sowohl wissenschaftliche Bezüge wie auch alltägliche Beobachtungen einbezogen. So ließ sich – hoffe ich – für alle Anwesenden etwas mitnehmen.
Die zentralen Theses des Vortags:
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Ist der Schultrojaner eine Antwort auf den Leitmedienwechsel?
Die von den Schulbuchverlagen angedachte Software zur Durchsuchung von schulischen Computern - allgemein als “Schultrojaner” bezeichnet - ist der zunehmenden Digitalisierung des schulischen Alltages geschuldet und eine verständliche Antwort. Über diese – seltsam anmutende – Maßnahme versuchen die Verlage offenbar, ihre Pfründe zu sichern.
Wir leben aber in einer Zeit des Wandels, in dem für alle spürbar wird, dass durch den Computer und das Internet unzählige Veränderungsprozesse angestoßen werden, die unsere kulturellen Errungenschaften in Frage stellen und unsere Kreativität herausfordern. Mehr lesen »
Von diesem Wandel sind die Verlage ebenso betroffen wie auch Schulen und die Vorstellung von Lernen.
Im letzten Artikel über die “Schulreform von innen – oder außen?” habe ich über den Leitmedienwechsel und seine Auswirkungen auf die Schule gesprochen. In diesem Beitrag möchte ich nun die Zusammenhänge von Schule und Buchgesellschaft etwas genauer darlegen. Dabei beziehe ich mich auf das Buch “Lernen und Lerntätigkeit” von Bernd Fichtner und ein Vorwort von Georg Rückriem [amazon-link].
Ein neues Leitmedium führt zu einer tiefgreifenden Veränderung des gesellschaftlichen Gefüges. Es bleibt nur das Problem, dass wir in den Anfangstagen noch nicht darauf schließen können, welche Veränderungen es sein werden und wann genau diese offensichtlich werden. (via)
Auf Twitter hatte ich nach einer längeren Diskussion zwischen Sabine Czerny und Christian Füller eingeworfen, dass der Systemwechsel von Schule zwar eine schulische Angelegenheit ist, er aber nur kulturell, also von außen, angestoßen werden kann. Daraufhin hat Christian Füller in seinem Blog pisaversteher.de in der ihm eigenen Art der liebevoll gesetzten Provokation beschrieben, wie es sich mit dem “innen” und “außen” von Schule verhält.
Er ist zu dem Schluss gekommen, dass es ein Zusammenspiel von gesellschaftlicher Entwicklung und schulischen Strukturen geben muss, wenn sich Schule verändern wird:
“Schulreform oder, grundsätzlicher, Systemwechsel, entsteht durch ein wechselseitiges Aufschaukeln der Reformer drinnen und draußen, oben und unten.”
Wie kann man dem widersprechen? Mehr lesen »
Mit ihren Statements haben Jöran Muuß-Merholz und Lisa Rosa im Hyperland Blog des ZDF das Thema “Medienkompetenz? WTF?!” bereichert. Es geht in dem Beitrag um eine “neue digitale Gesellschaft”, die Rolle der Medienkompetenz als Lebenskompetenz und darum, dass die Lehrenden den Lernenden ins Netz folgen müssen.
Den Netzspirit kann man nicht vermitteln, den muss man gemeinsam erleben.
(Lisa Rosa)
In den letzten Tagen, auch nach dem EduCamp 2011 in Bremen, hat sich vieler Orten eine angeregte Diskussion um den Leitmedienwechsel und seine Folgen für das Schulsystem entwickelt. Es kommt ganz offensichtlich Bewegung in die Diskussion. Im Folgenden möchte ich eine unvollständige Sammlung an Links zu Artikeln notieren, die ich in dem Kontext für beachtenswert halte und mir in den letzten Tagen in die Hände gefallen sind. Ergänzungen gerne als Kommentar! Mehr lesen »
Wie gehen wir mit den neuen “Neuen Medien” um? Welche Rolle spielen sie in der Schule? Und welche Bedeutung schenken wir ihnen? Sind sie nur ein Tool wie andere auch, mit dem die Schüler lernen müssen, zu arbeiten? Wie ein Füller beispielsweise oder das Reagenzglas. Oder wohnt ihnen etwas inne, das mehr ist als eine digitale Form von etwas, das auch irgendwie analog ginge?
Mit dieser Fragestellung hängt direkt zusammen, welchen Begriff wir von Kommunikation haben und welche Bedeutung wir der Kommunikation schenken, die sich unterschiedlicher Kommunikations-Mittel bedienen kann. Schafft der Computer in dieser Hinsicht eine neue Qualität?
Kurz zum Kontext: Gunter Dueck wurde von Ulrike Reinhard in einem fast zweistündigen Interview zu verschiedenen Aspekten der gesellschaftlichen Veränderungen interviewt. Bei dem Gespräch ging es in erster Linie um die Veränderungen im Wirtschaftssystem und wie das Management auf die absehbaren Umbrüche der Dienstleistungsgesellschaft reagieren kann. Dueck fordert dazu auf, eine neue Gesellschaft zu konzeptualisieren: Die Exzellenzgesellschaft. Er geht dabei auch auf die Rolle der Schule ein.
Während des Videos habe ich getwittert und würde gerne die kurzen Tweets aufgreifen und weiter ausführen.
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