Ein BarCamp als Teil der Schulentwicklung I

Was ist ein BarCamp?

Ein BarCamp ist ein offenes Konferenzformat, bei dem der Anteil des „selber Denkens“ und sich Einbringens gegenüber klassischen Konferenzen einen viel größeren Teil einnimmt. Weil man auf einem BarCamp immer aktiv ist, spricht man auch nicht von „Teilnehmer_innen“, sondern von den Teilgebern, die ihren Anteil am Gelingen einer Veranstaltung haben.

Das Format eines BarCamps lässt sich nicht einfach durch einen Text beschreiben und lesend erfassen: Man muss es selber erlebt haben. Oft entwickelt sich auf einer Veranstaltung eine eigene Dynamik, die in Worte zu fassen schwer ist und meist vorher nicht absehbar oder gar planbar war.

BarCamps gibt es zu den unterschiedlichen Themen inzwischen überall – sicherlich auch in der Umgebung. Empfehlenswert zum Reinschnuppern ist zum Beispiel ein EduCamp, das sich mit allem beschäftigt, was analoge und digitale Bildung so interessant macht. Im Herbst findet das nächste EduCamp in Berlin statt. Ebenfalls in Berlin startet das OERcamp 2013 im Rahmen der OERde13-Konferenz der Wikimedia. Beides eine gute Gelegenheit, ein BarCamp zu erleben.

So frei und gestaltbar der Inhalt, so klar sind die Vorgaben für den Ablauf eines BarCamps:

  1. Man stellt sich kurz vor. Kurz – am Besten mit Namen und drei Stichwörtern.
  2. Gemeinsam erstellt man einen Sessionplan für den aktuellen Tag. Jede_r die/der möchte, stellt ein Thema vor und fragt nach, ob es Interessenten gibt. Danach wird dem Thema eine Zeit und ein Raum zugewiesen. Wichtig: Auf dem ersten Barcamp sollte man selber ein Thema anbieten.
  3. Während des Tages gilt das Gesetzt der Füße: Sessions können auch während jederzeit gewechselt werden. Die Personen, die da sind, sind die richtigen. Wenn es langweilig wird, kann man gehen. Oder man bleibt noch ein wenig länger dabei, weil es spannend war und findet im Anschluss einen Platz im Flur, um das Thema zu vertiefen.
  4. Jede Session sollte dokumentiert werden. Am Besten durch die Teilgeber_innen während der Session durch ein kollaboratives Tool wie ein Etherpad (bspw. www.unserpad.de) oder durch ein kurzes Video.

Die erweiterten Regeln des Barcamps hatte ich hier mal notiert. Eine kurze Übersicht hat Ralf Appelt (@ralfa) erstellt:

Die Vorteile des Veranstaltungsformates sind offensichtlich:

  • echte Partizipation durch aktives Einbringen Aller,
  • der klare Rahmen ermöglicht inhaltliche Kreativität,
  • wer da ist, ist motiviert,
  • keine_r geht enttäuscht nach Hause, weil man sein Interesse nicht anbringen konnte,
  • jede_r hat Menschen kennengelernt, die ähnliches antreibt.

Ein BarCamp als Teil der Schulentwicklung?

Die Vorteile eines BarCamps haben wir uns in der  Schule an einem Samstag im Frühjahr zu Nutze gemacht, als wie den Startschuss für die Ausgestaltung des ersten Schuljahres gegeben haben – zusammen mit den Eltern und Kindern.

Wir haben im Vorbereitungsteam in den Wochen und Monaten zuvor vor allem organisatorische Arbeit geleistet sowie das pädagogische Rahmenprogramm entwickelt. Diese Ergebnisse wurden den Eltern und Interessierten auf zwei Infotagen im November und Februar präsentiert und diskutiert.

Jetzt ging es darum, mit allen Beteiligten einen Prozess zu initiieren, bei dem „Gutes“ entstehen kann. Dafür ist ein BarCamp im Besonderen geeignet.

Herausforderung dabei: Die Eltern, Kinder und Lehrer_innen, zusammen fast 130 Personen, hatten bis auf zwei Ausnahmen bisher noch nicht von einem BarCamp oder OpenSpace gehört. Spannend war für mich, ob es trotzdem gehen würde… Was würde passieren, wenn man die Sessionplanung öffnet, und sich keiner traut?

Die ersten, die nach vorne liefen, um ihre Sessions (wir haben sie „Foren“ genannt) anzubieten, waren die Kinder. Es war toll zu sehen, mit welcher Überzeugung und ohne jede Scheu die 4-Klässler_inen vor über 100 – meist unbekannten – Personen ihre Ideen vorbrachten und fragten, ob es Interesse daran gäbe.
Die Eltern zogen mit und innerhalb von nur 15 Minuten war der Forenplan voll. Einzelne Themen haben wir dann noch in offene Räume gesetzt, sodass keine Ideen verloren gegangen sind.

In zwei Runden je 7 Foren haben sich Eltern und Schüler_innen dann selbst organisiert zusammen gefunden und Ideen ausgetauscht, miteinander gesprochen und Ergebnisse und Planungsskizzen auf Plakaten festgehalten. Vierzehn Ideen für Projekte und Arbeitsgruppen sind so an einem Nachmittag zusammen gekommen. Und erste Ergebnisse werden aktuell ganz konkret umgesetzt: Ein gemeinsames und kurzfristiges Sommerfest zum Kennenlernen vor den Ferien.
Absolut erfreulich!

Die Kollegen_innen habe sich dezent im Hintergrund gehalten, um nicht durch ihre „Autorität“ den selbstorganisierten Verlauf der Foren zu stark zu strukturieren und damit möglicherweise kreatives Potential zu verbinden.

Von den Eltern und Schüler_innen kam sehr viel positives Feedback. Man sei überrascht gewesen, weil man es bisher nicht kannte, auf diese Form in die Prozesse eingebunden zu werden und so intensiv mitmachen zu dürfen. Es sei – vor allem für die Kinder – toll, dass sie ihre Ideen, für die sie brennen, vortragen durften. Und man habe einander kennengelernt und sogar schon neue Freundschaften geknüpft.

Für die Schule wird es wohl nicht die letzte Veranstaltung gewesen sein, die als BarCamp durchgeführt wird.

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