Medien im Unterricht

In der Zeitschrift “kjl&m – forschung.schule.bibliothek” erschien vor kurzem ein lesenswerter Bericht von Ricarda Dreier über ihre Erfahrungen mit dem digitalen Schulalltag und dem iPad im Unterricht. Ricarda hat den Artikel zur (Neu-)Veröffentlichung hier freigegeben. Danke!

„Bring your own devices“

Nicht nur aus der Perspektive der Schüler(innen), sondern auch aus der Sicht der meisten Lehrer(innen) gilt, dass sich private und schulische Medienwelten fundamental unterscheiden. Während Computer und Internet zu Hause ganz selbstverständlich zu den unverzichtbaren Werkzeugen der Unterrichtsvorbereitung gehören, werden digitale Medien im konkreten Unterrichtsalltag weitaus seltener eingesetzt. Das liegt häufig immer noch daran, dass es in der Schule gravierende infrastrukturelle, technische und organisatorische Probleme gibt: Denn brauchbare Hard- und Software ist – wenn überhaupt – nur in einigen speziell eingerichteten Computerräumen zu finden, die umständlich und oft lange im Voraus reserviert werden müssen und deren Nutzung häufig ineffektiv ist, wenn man lediglich ein kurzes Video bei YouTube anschauen oder rasch eine Internetrecherche starten möchte.
Hinzu kommt, dass die Einrichtung und Gestaltung vieler Computerräume durch die Technik dominiert werden, so dass beispielsweise Bildschirme wie Sichtblenden im Raum stehen und dialogisch-kollaboratives Arbeiten erschweren, wenn nicht gar unmöglich machen. Aus didaktischer Sicht sind Computerräume daher aus vielerlei Gründen kritisch zu bewerten und es ist verständlich, dass sie von vielen Kolleg(inn)en konsequent gemieden werden.

Doch welche Alternativen gibt es zum Konzept des „klassischen“ Computerraums? Eine Antwort lautet, dass mittlerweile – und von vielen unbemerkt – nahezu jeder Klassenraum zu einem Computerraum geworden ist, da sehr viele Schüler(innen) leistungsfähige Multimedia-Rechner stets in ihren Hosentaschen haben: Die Rede geht von modernen Smartphones, die den spontanen Zugriff auf das Internet erlauben, mit denen man rasch ein Tafelbild fotografieren, eine Spielszene auf Video aufnehmen oder einen Gedichtvortrag als Tondatei speichern kann etc.

Im Netz wird zurzeit unter dem Akronym „BYOD“ („Bring your own device“) sehr engagiert über die Möglichkeiten diskutiert, die sich im schulischen Kontext ergeben, wenn Schüler(innen) ihre eigenen Geräte (Smartphones, Laptops, Tablets) im Klassenraum benutzen (vgl. z.B. http://bit.ly/KBTBAC). Dass gerade im Hinblick auf die Nutzung von Smartphones im Unterricht große Skepsis, Verunsicherung und Angst vor einem Kontrollverlust herrscht, ist zumindest auf den ersten Blick nachvollziehbar: Sind Handys nicht zu Recht in vielen Schulen verboten, weil sie zum Täuschungsversuch während einer Klausur geradezu einladen? Stellen sie darüber hinaus nicht auch ein beständiges und unkalkulierbares Ablenkungspotenzial dar? Werden Smartphones nicht immer wieder als Cybermobbing-Instrument missbraucht? Und wie stellt man sicher, dass die Schüler(innen) während des Unterrichts keine pornografischen oder rechtsradikalen Webseiten ansteuern?

Es werden vermutlich noch Jahre vergehen, bis diese und andere Fragen einvernehmlich geklärt sind und bis überzeugende Konzepte vorliegen, wie die Hard- und Software, die die Schüler(innen) selbst in den Unterricht mitbringen, didaktisch angemessen und rechtlich unbedenklich genutzt werden kann. Hervorzuheben sind darüber hinaus noch zwei problematische Aspekte der BYOD-Strategie: Erstens haben zwar viele, aber längst nicht immer alle Schüler(innen) ein eigenes digitales Gerät, das sie auch in der Schule nutzen können. Aus Gründen der Gerechtigkeit muss daher in der Schule auf der einen Seite dafür gesorgt werden, dass Schüler(innen) ohne eigene Geräte nicht benachteiligt oder diskriminiert werden, und auf der anderen Seite darf der Besitz eines digitalen Gerätes nicht zu unterrichtlichen Privilegien führen. Ein zweites Problem des BYOD-Konzepts besteht in der zu erwartenden Heterogenität der Soft- und Hardware: Denn wenn Schüler(innen) ihre eigenen Smartphones, Laptops und Tablets verwenden, ist davon auszugehen, dass es innerhalb eines Klassenraums sehr viele verschiedene Geräte mit je unterschiedlicher Software gibt, so dass im ungünstigsten Fall eine binnendifferenzierte Aufgabenverteilung von der Technik vorgegeben wird, auch wenn sie didaktisch gar nicht angemessen erscheint.

Solche Schwierigkeiten treten nicht auf, wenn man eine ganze Klasse mit Laptops oder Tablets wie dem iPad ausstattet. Doch derartige Modellprojekte scheitern in der Regel an der Finanzierung, da die Schulen alleine die Kosten nicht tragen können und Sponsoren selten sind. Und wenn es einzelnen Schulen – wie z.B. der Realschule am Europakanal in Erlangen – gelingt, mehrere iPad-Klassensätze von den Eltern finanzieren zu lassen, treten sofort die skeptischen Kritiker auf den Plan und stellen die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit. Wird es modern ausgestattete Schulen bald nur noch dort geben, wo gut betuchte Eltern ihren Sprösslingen die notwendige Hard- und Software bezahlen können?

Viele technische Probleme, die in der unterrichtlichen Praxis immer wieder dazu führen, dass digitale Medien nicht eingesetzt werden (können), ließen sich durch das sogenannte „Lehrerraumprinzip“ einfach lösen: Denn wenn man als Lehrer(in) einen eigenen Raum zur Verfügung gestellt bekommt, in dem man – wie zu Hause – die technische Ausstattung unter Kontrolle hat und nicht befürchten muss, dass ständig Passwörter oder Zugriffsrechte geändert werden, notwendige Kabel fehlen oder Schränke plötzlich verschlossen sind, kurz: Wenn man in seinem Lehrerraum ganz selbstverständlich davon ausgehen kann, dass die Technik funktioniert, dann wird sie auch häufiger und selbstverständlicher genutzt. Doch leider ist das Lehrerraumprinzip bislang auch nur an wenigen Schulen etabliert.

Wer als Lehrer(in) nicht das Glück hat, an einer Schule zu arbeiten, an der iPad- oder Laptop-Klassen bereits existieren, muss also andere Wege suchen, um die private Praxis des selbstverständlichen Umgangs mit digitalen Medien auch in den Unterricht zu übertragen.

Der folgende – sehr subjektive – Erfahrungsbericht soll verdeutlichen, wie man sich zumindest ein wenig von der oft defizitären und nicht zuverlässig funktionierenden Ausstattung der Klassenräume unabhängig machen kann, indem man als Lehrer(in) die BYOD-Strategie anwendet und digitale Geräte, mit denen man zu Hause regelmäßig arbeitet, auch im Unterricht nutzt.

Simplify your (school)life

Das iPad im Unterrichtsalltag: ein persönlicher Erfahrungsbericht

Eine typische Situation aus dem Unterrichtsalltag an einem (medial gut ausgestatteten) Gymnasium: Für den Deutschunterricht in einer 9. Klasse hat ein Schüler eine Powerpoint-Präsentation vorbereitet. Zu diesem Zweck muss einen Tag zuvor ein Raumwechsel angemeldet werden, damit statt des regulären Klassenraums ein anderer Raum genutzt werden kann, in dem ein PC mit Beamer vorhanden ist. Der Rechner wird hochgefahren und erst nach einigen Minuten stellt man fest, dass der Beamer nicht funktioniert. Ein Schüler wird losgeschickt, um nachzusehen, ob ein anderer Raum frei ist, nach etwa fünf Minuten kommt er zurück, die gesamte Klasse zieht in den Computerraum um, was weitere fünf Minuten in Anspruch nimmt. Dort funktioniert dann zwar der Beamer, aber leider sind die Zugangsrechte für den Rechner so stark eingeschränkt, dass YouTube-Videos nicht abgespielt werden können, und somit ein wichtiger Bestandteil der Schülerpräsentation umsonst vorbereitet wurde. Wertvolle Unterrichtszeit ist vergangen, die Schüler werden immer unruhiger, Aufwand und Ertrag stehen in keinem vertretbaren Verhältnis mehr.

Vor dem Hintergrund solcher und ähnlicher Erfahrungen reifte in mir zunächst der etwas radikale Entschluss, sich nicht länger von den Gegebenheiten in der Schule abhängig zu machen, sondern stattdessen einen eigenen (Mini-) Beamer für den Einsatz im Unterricht anzuschaffen. Mein Wunsch war es vor allem, flexibler reagieren zu können, wenn z.B. Schüler(innen) auf eine interessante Internetseite verweisen möchten oder man als Einstieg „nur mal schnell“ ein Video zeigen will. Auch die Möglichkeit, spontan eine Präsentation nachzuholen, die man in der letzten Stunde nicht mehr geschafft hat, sollte gegeben sein – ohne dass man zunächst mit 30 Schüler(innen) mehrere PC- Räume testen muss.

Angeregt durch den Erfahrungsbericht eines Gesamtschullehrers aus Wuppertal, Felix Schaumburg, der in seinem Blog (http://www.edushift.de) u.a. über den Workflow im „digitalen Klassenzimmer“ schreibt, ergänzte ich die mediale Ausstattung durch ein Tablet (iPad 2), um so den Unterrichtsalltag in vielerlei Hinsicht zu vereinfachen bzw. zu organisieren. Ganz nebenbei verringerte sich so im Laufe der letzten Monate mein Papier- und Folienumsatz erheblich.

Warum musste es das iPad sein? Zunächst gilt, dass das iPad momentan in technischer Hinsicht anderen Tablets (noch) überlegen ist. Darüber hinaus bietet es auch viele Vorteile gegenüber dem Einsatz eines Laptops: So ist das Gerät durch die Instant-On-Funktion ohne lästiges und zeitraubendes Hochfahren stets sofort einsatzbereit, was im Unterrichts-alltag von entscheidender Bedeutung ist. Ein weiterer Entscheidungsfaktor ist sicher auch die handliche Größe und das geringe Gewicht des iPads, das außerdem über eine Akkulaufzeit (etwa 10 Stunden) verfügt, mit der kaum ein Laptop mithalten kann. Das Betriebssystem ist sehr stabil, das Risiko, dass das Tablet während einer wichtigen Anwendung plötzlich abstützt, eher gering.

Das iPad bietet neben der Möglichkeit, viele verschiedene mediale Angebote mit einem einzigen Gerät zu nutzen, eine Vielzahl an nützlichen Apps, die unten exemplarisch erläutert werden und deren Nutzung dank intuitiver Steuerungskonzepte, die viele Schüler(innen) bereits von ihren Handys oder iPods vertraut ist, sehr einfach fällt.

Natürlich sollen auch die Nachteile nicht ungenannt bleiben: Neben den hohen Anschaffungskosten kann man nicht immer davon ausgehen, dass die vorhandenen Geräte in der Schule (z.B. VGA-Beamer) mit dem iPad kompatibel sind. Häufig sind weitere Adapter nötig oder eben der eigene Beamer. Will man das Bild des iPads kabellos auf den Beamer übertragen und somit standortunabhängig (im Klassenraum) das iPad nutzen (oder von einzelnen Schülern nutzen lassen), funktioniert dies mithilfe von AppleTV. Ist kein WLAN in der Schule vorhanden, lässt sich dies „künstlich“ mit AirPort Express her- stellen – allerdings entstehen so weitere Anschaffungskosten. Weitere mögliche Nachteile sind die nicht für jeden in Frage kommende Bindung an Apple, außerdem legt das geschlossene Betriebssystem (iOS) dem Nutzer gewisse Einschränkungen auf.

Worin aber bestehen nun die konkreten Verbesserungen für den Arbeitsalltag oder für einzelne Unterrichtsphasen? Welche Applikationen sind nötig, um Arbeitsschritte zu vereinfachen, Materialien zu erstellen und sinnvoll zu verwalten, aktiv im Unterricht mit Schüler(innen) zu arbeiten, zu recherchieren, zu produzieren und zu präsentieren?

Neben den Anwendungen YouTube und dem Safari-Browser, die sich standardmäßig auf den Geräten befinden, werden von mir folgende Apps benutzt:

  • Evernote: Unterrichtsvorbereitung und Sicherung der Stundenergebnisse (Tafelbilder, Standbilder), Einbinden von Fo- tos, Videos und Tondokumenten
  • Dropbox: Cloud Computing zum Speichern und Organisieren von Materialien, Bereitstellung für und Austausch mit Kolleg(inn)en, Synchronisation zwischen mehreren Rechnern, Bereitstellen einzelner Dateien oder Ordner für Schüler(innen) (z.B. via Mail oder über Soziale Netzwerke)
  • TeacherTool: Schüler- und Notenverwaltungsdatenbank
  • GoodReader: Lesen, Organisieren und Bearbeiten von PDF-Dokumenten
  • Pages: Sicherung der Arbeitsergebnisse einzelner Schüler(gruppen), Erstellen von Arbeitsblättern, Einbinden von Tabellen und Fotos, Import und Export von anderen Dateiformaten (Textverarbeitung)
  • JotNot Pro: Dokumentenkamera, Ablage in Dropbox oder Evernote)
  • Recorder HD: Tonaufnahmen
  • Prezi Viewer: Ansehen von Prezis
  • Keynote: Erstellen von Präsentationen,
    Export und Import von PPP möglich
  • iTunes: Filmausschnitte im Rahmen von Filmanalyse
  • iMovie: Erstellen von Filme, die mit dem iPad gedreht wurden
  • Kindle/iBooks: Bereitstellen und Lesen von Lektüren

Ein Beispiel:

Die Schüler erarbeiten Standbilder zum dritten Bild des Dramas Andorra von Max Frisch, diese werden mit dem iPad fotografiert und in Evernote oder Pages eingefügt. Dann können die Bilder entweder direkt in der Stunde zur weiteren Diskussion über den Beamer gezeigt, mit Beobachtungsnotizen versehen und per Mail oder mithilfe der Dropbox verschickt werden. Die überaus sinnvolle Methode des Szenischen Interpretierens mithilfe von Standbildern wird auf diese Weise so effektiv wie möglich genutzt, da die Kurzlebigkeit der Momentaufnahme aufgehoben und um die Option des direkten Vergleichs zwischen verschiedenen Interpretationsansätzen erweitert wird.

Die Möglichkeit des kollaborativen Arbeitens kann insofern genutzt werden, als das iPad von einzelnen Schüler(innen) zur Bearbeitung gemeinschaftlicher Aufgaben genutzt werden kann. So kann z.B. bei einer Stunde zur Stadtlyrik eine Lerngruppe eine mögliche Gedichtanalyse erarbeiten, direkt in das iPad eintippen und bereits Textstellen markieren, die noch Fragen aufwerfen. Der Text wird über den Beamer der restlichen Klasse präsentiert und im Unterrichtsgespräch werden Lösungsansätze für Formulierungsprobleme oder Analyseschritte gefunden.

Neben kooperativen Verfahren dient der Einsatz von Tablets auch der individuellen Förderung, so kann man einzelnen Schüler(innen), die schneller arbeiten als die anderen, die Aufgabe geben, weitere Recherchen im Internet zum aktuellen Thema durchzuführen oder evtl. bei YouTube nach einem passenden Video zu suchen.

Es hat sich als sehr sinnvoll erwiesen, in jeder Klasse einen „Mediendienst“ zu bestimmen, zwei Schüler(innen), die sofort zu Beginn der Stunde den Beamer aufbauen und mit dem iPad (bzw. AppleTV) verbinden. Dies geschieht mittlerweile in weniger als einer Minute. Es würde län- ger dauern, in den Nebenraum zu gehen, wenn der OHP im eigenen Klassenraum mal wieder nicht funktioniert.

Sicher lassen sich die Kritiker nicht ganz überzeugen, die vor allem die hohen Kosten (die ja nicht abzustreiten sind) monieren oder vielleicht auch der Meinung sind, man dürfe als Lehrer(in) nicht aus privaten Mitteln auch noch die technische Infrastruktur für den eigenen Unterricht finanzieren. Dennoch sollte man berücksichtigen, dass ein Umdenken in vielerlei Hinsicht auf lange Sicht nicht nur den Unterrichtsalltag erheblich vereinfachen kann, sondern auch das eigene unterrichtliche Handeln um immer wichtiger werdende mediale Dimensionen erweitert, die ein zeitgemäßer Unterricht erfordert. Entscheidend ist jedoch, dass man bei aller Medienaffinität die wichtigste didaktische Prä- misse nicht aus den Augen verlieren darf: Denn die Medien bzw. die Methoden sollten niemals die Inhalte und Ziele überlagern und bei jeder Entscheidung, die es im Rahmen der Unterrichtsvorbereitung oder im Klassenraum zu treffen gilt, muss die Frage, welcher Schritt, welches Medium, welcher Impuls genau in diesem Moment für genau dieses Ziel sinnvoll ist, adäquat beantwortet werden können.

Weiterführende Links


Creative Commons Lizenzvertrag
Medien im Unterricht [kjl&m] von Ricarda Dreier steht unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported Lizenz.

17 Gedanken zu „Medien im Unterricht

  1. Andreas Hofmann

    Ich schmunzele! Ich wurde gebeten, einen Artikel über selbiges Thema zu schreiben und sitze gerade am iPad und hatte mich aufgerafft zu starten. Nun kommt es mir vor, als würde jeder Satz eine Kopie Ihres interessanten und sich mit meiner Meinung deckenden Berichtes werden. Viele Dinge hatte ich vor, genauso zu verfassen und brauche nun einen Abend Abstand, damit ich keinen Klon erzeuge. ;)
    Morgen, ganz sicher, schreibe ich weiter. Dann ist heute also doch Tatort Abend. Danke für diesen Feierabend.
    Falls Sie Interesse haben, schauen Sie mal vorbei, auch wir führen ein 1:1 Modell mit Notebooks, Netbooks und nun iPads durch.
    waldschulpads.wordpress.com
    Viele Grüsse
    Andreas Hofmann

    Antworten
  2. Sebastian Seitz

    Ein sehr interessanter Post, der mich an an einigen Punkten hat nachdenken lassen. Spontan fallen mir vier Dinge ein, die ich gerne anmerken würde.

    1. Was noch immer fehlt, ist eine wirkliche Qualifikation für (angehende) LehrerInnen, damit diese die vielen neuen Möglichkeiten auch effektiv in ihren Unterricht einbinden können. Die meisten Kenntnisse stammen ja (wie auch im Text erwähnt) aus dem privaten Bereich. Vielleicht ist das noch wichtiger als das (verfrühte?) Anschaffen von geeigneter Hardware.

    2. Die Anschaffungskosten eines iPads sind in meinen Augen nicht die vorrangigen Probleme, wenn es darum geht digitale Medien im allgemeinen oder Tablets im Speziellen in die Schule zu bringen. Entscheidender ist die Kompatibilität und der Fuktionsumfang. Bekanntermaßen “funktioniert es auf Apple-Geräten einfach”, was sicherlich bei einer 45-Minuten-Stunde ein wichtiger Faktor ist. Was jedoch fehlt sind die offenen Standards. Kommunikation ist sonst nur mit Geräten/Software der selben Marke einwandfrei möglich. Das kann auch einen sozialen Ausschluss mit sich brignen.

    3. Gleiches gilt für Präsentationen (oder auch Texte, Tabellen, …) die ja, ähnlich wie bei Taschentuch und ‘Tempo’, hauptsächlich als ‘Power Points’ bezeichnet werden. Auch hier sollte doch eigentlich ein Offener Standard genutzt werden (in diesem Fall ODP), damit eine vollständige Kommunikation zwischen unterschiedlicher Software überhaupt möglich wird.

    4. Deutschen SchülerInnen fehlt es noch immer in einem hohen Maße an informatischer Bildung. Damit ist nicht gemeint, dass jemand weiß wie man die Schriftgröße ändert oder wie man die Galerie-App startet (Stichwort ‘PC-Führerschein’). Viel mehr geht es um das grundlegende Verständnis, was die uns all umgebende Informatik eigentlich tut und wie sie dies vollbringt. Die ITG (Informationstechnische Grundbildung) stirbt langsam aus und soll in bestehende Fächer integriert werden. Es ist fraglich ob dies noch möglich ist, wenn man dafür Endgeräte nutzt, die (aus Usability-Gründen) nicht einmal den Zugriff auf das Dateisystem erlauben.

    Zum Thema ‘Informatische BIldung’ gibt es in NRW übrigens ein tolles Schülerlabor. Das Infosphere an der RWTH Aachen. Dort bekommen SchülerInnen einen hoch interessanten Einblick in die Welt der Informatik.

    Beste Grüße
    Sebastian Seitz

    Antworten
    1. Felix Schaumburg Artikelautor

      ad 1.: Das “Problem” der digitalen Werkzeuge ist, dass es nicht nur eine Technologie ist, sondern auch eine Einstellung. Man kann das Web 2.0 nicht beibringen, sondern nur erleben. Hier wird eine Sollbruchstelle der verschulten und standardisierten Lehrerausbildung erkennbar. Wir können aber Angebote schaffen, damit einzelne – und immer mehr – mit vernetzten und offenen Werkzeugen arbeiten.
      Ich werde beispielsweise gelegentlich in das örtliche Studienseminar eingeladen und stelle digitale Werkzeuge vor. Es tut sich was.

      ad 2.: Jede Plattform krankt an der Geschlossenheit. Man könnte aber auch sagen: Die Entwicklung zu geschlosseneren Plattformen bringt endlich Sicherheit bei der Nutzung und erweitert den Einsatz von Devices über die Tekkie-Szene hinaus.
      Die meisten Inhalte werden heute über HTML ausgeliefert… Dieser Standard wird uns auch noch lange erhalten bleiben. Bin daher relativ entspannt, wenn es um die Diskussionen um die richtige “Plattform” geht. Es ist nur Hardware.

      ad 4.: Es gibt nicht nur bei der informatischen Bildung Defizite – auch in der politischen Bildung hakt es an vielen Stellen – obwohl seit mehr als 30 Jahren “etabliert”. Vielleicht muss man an das System der vorgeschriebenen und standardisierten Lehrpläne ran, um von der Inhaltsfixierung zu einem kreativen und kritischen Umgang mit sinnstiftenden Themen zu gelangen?
      Dass dies nicht durchsetzbar ist, ist aber leider kein Geheimnis. Cui bono?

      Antworten
  3. Pingback: Medien im Unterricht | EduShift | Moodle and Web 2.0 | Scoop.it

  4. Jens Schwoon

    Sehr interessanter Artikel wie ich auch finde. Die APPS sind auch wirklich mal praktikabel. Es gibt eine Reihe weiterer Apps die ich empfehlen würde. Bei Bedarf kann ich die auch gerne mal durchschicken.

    Was mich aber an der Diskussion “bring your own devices” verwundert, ist die Tatsache, dass alle Gedanken sich um Sicherheit, Datenschutz usw. gemacht wird, aber irgendwie jeder verdrängt oder vergisst, dass die meisten Lehrer nur ihre privaten Email-Adresse zum Verschicken von sensiblen Daten benutzen.
    Und nicht nur das, sondern auch gerne mal die Email-Adresse von ihrem Mann, da sie selber keine Email-Adresse haben.

    Soviel zum Thema “Medienkompetenz” und “Sicherheit”…..

    Aktuell werden viele Gemeinden von lokalen Firmen der jeweiligen Stadt / Kreis betreut, die dann die Rechner der Schüler und Lehrer in der Schule konfigurieren und warten.
    Vom Prinzip her ist das sicherlich richtig und gut gedacht, jedoch in der Praxis oftmals zu behäbig, zu langsam und zu schlechter Kundenservice. Bis hier Programme installiert wurden oder man auf irgendwelche Dokumente den Zugriff bekommt, haben die interessierten Lehrer ihren eigenen Laptop mitgebracht und machen alles selber.

    Leider fehlt es an Schulen in den meisten Fällen an einer individuellen Beratung. Es wird oftmals nur im 2 Jahresturnus eine Rechnerbestellung durchgegeben und das war es dann….

    Antworten
    1. Felix Schaumburg Artikelautor

      Bis hier Programme installiert wurden oder man auf irgendwelche Dokumente den Zugriff bekommt, haben die interessierten Lehrer ihren eigenen Laptop mitgebracht und machen alles selber.
      …Es wird oftmals nur im 2 Jahresturnus eine Rechnerbestellung durchgegeben und das war es dann….

      Ich bin mir aber sicher, dass es an jeder Schule jemanden gibt, der sich darum kümmern würde und gute Ideen hat. Nur: Wie lockt man ihn, sich auf diese Aufgabe zu stürzen, die nicht frei von programmierten Konflikten ist? Du hast ja selber welche genannt (Datenschutz, Mediennutzungkompetenz, Viren, Verantwortung…)

      Wer kümmert sich besser um ein Gerät, als diejenige, der es gehört? Daher ist BYOD eine Lösung für dieses Problem. Es entlastet die Schulträger aber nicht von Investitionen. :)

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  5. Pingback: IPad Apps speziell für Lehrer

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  7. Uwe Pfütze

    Hallo,

    ich habe die Kommentare mit großem Interesse gelesen.

    Ich denke auch das die erforderliche Hardware nicht das entscheidende ist. Vielmehr geht es um interessante und emotional gestaltete multimediale Literatur, die sowohl vom Lehrer bzw. von der Lehrerin und den Schülern phasenweise in den Unterricht integriert werden können. 45 Minuten am PC, Laptop oder dem iPad bzw. Pads generell zu sitzen ist auch anstrengend. Dann doch lieber Abwechslung in den Unterricht bringen.

    Lernen muss Spass bereiten. Dies aber nicht nur den Schülern, sondern auch den Lehrern. Abwechslung hilft auch dem Gehirn wieder zu entspannen sowie neue Strukturen und Verknüpfungen zu bauen. Gehörtes, Gelesenes oder bereits Umgesetztes mit einem Videoclip aus der bereits erlebten “Welt” den Kindern/Jugendlichen näher zu bringen, halte ich für sehr wichtig. Möglichst viele Sinne zu nutzen, einzeln oder in Kombination, zum intensiven Lernen oder um Verknüpfungen zu schaffen, aber auch zur Entspannung das bietet sich mit dem Einsatz von digitalen Medien sehr gut an.

    SchülerInnen lernen durch fortlaufend angewande Praxis im Computerunterricht auch ein Word- bzw. Excel-Dokument zu öffnen, erstellen oder zu bearbeiten. An dieser Stelle braucht man für alle dann die Hardware, aber nicht für den allgemeinen digitalen Unterricht.

    Grundsätzlich geht es mir darum das digitale Lernen in allen Fächern so zu integrieren, dass es nicht notwendig ist überall für jede/n SchülerIn eine eigene Hardware haben zu müssen. Irgendwie soll doch der Lehrer bzw. die Lehrerin auch die “Unterrichtsfäden” in den Händen behalten und nicht die Hardware bestimmen was und wie gelernt wird.

    Damit sind wir auch bei der Medienkompetenz der Lehrerschaft. Häufige Nutzung der digitalen Medien im Unterricht hilft den Lehrern sicherer und einfacher damit umzugehen. Denken wir doch nur selbst daran, wenn wir uns neue Software auf einen Rechner laden, dann benötigen wir immer wieder den Umgang mit der Software bis es ganz einfach von der Hand geht. Die Praxis hilft uns die Abläufe zu verinnerlichen. So ist dies auch bei der Nutzung von digitalen Medien.

    Beste Grüße
    Uwe Pfütze

    Antworten
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  12. Paul

    Ich setze das iPad als Ersatz für den Collageblock schon seit reichlich einem Jahr für die Uni ein und muss sagen, dass es sich bewährt hat. Ich habe Vorteile gegenüber den anderen Studierenden, allein durch die Diagramme/Bilder, die ich mir aus dem Internet laden kann und nahtlos in die Vorlesungsmitschriften integrieren kann.

    Antworten
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