Reflexionen im Schulalltag

In einer kleinen – inzwischen abgeschlossenen – Blogparade warf Torsten die Frage nach den reflektierenden Praktikern auf. Find ich gut, daher mache ich mit.

Bei mir finden wesentliche Reflexionen über den Unterricht und das Curriculum in den Fachgruppen und den Jahrgangsteams statt. Außerdem spielt „Kaffee und Kuchen“ eine besondere Rolle.

Fachgruppe

Ich habe das Glück, dass wir in der Fachgruppe Chemie in den letzten vier Jahren eine sehr enge Kooperation etablieren konnten, die durch die Einführung des binnendifferenzierten Chemieunterrichtes bei uns an der Schule notwendig geworden ist. Im Rahmen des Projektes wurden für die Jahrgangsstufen 9 und 10 die Curricula überarbeitet und dann auf dieser Basis von den KollegenInnen Unterrichtsmaterialien erstellt. So haben wir nun durchgehend differenziertes Material, das auch methodische Aspekte berücksichtigt und an mehreren Stellen lerngruppenübergreifende Projekte möglich macht. Sowohl bei der Vorbereitung der einzelnen Einheiten (das Material für Experimente und Versuchsreihen wird dann von mehrern KollegenInnen/Lerngruppen gemeinsam genutzt) wie auch in der Nachbereitung (was ist schief gelaufen? wo traten Schwierigkeiten auf? an welchen Stellen müssen wir das Material überarbeiten?) haben wir eng zusammengearbeitet.

Weil wir mit dem Vorstoss des binnendifferenziertes Unterrichts (E und G Kurs haben gemeinsam Unterricht) an unserer Schule das erste Fach gewesen sind, lag ein Schwerpunkt der Reflexion auch auch der Frage, ob die angebotenen Leistungsniveaus passend konstruiert worden sind. Begleitet wurde das Vorhaben durch eine Langzeitevaluation der Uni Wuppertal durch Frau Dr. Fußangel (inzwischen Uni Bonn). Die Ergebnisse liegen seit ein paar Wochen vor und werden im kommenden Schuljahr in der weiteren Planung eingarbeitet und in der Fachkonferenz ausgewertet.

Jahrgangsteams

Die Klassenleitungen sind bei uns immer doppelt besetzt. Hier findet ein Großteil der pädagogischen Arbeit statt, da man nicht nur fachlich, sondern in erster Linie erzieherisch/beratend tätig sein muss. In den letzten 4 Jahren hatte ich das Glück, mit einer ebenfalls jungen Kollegin zusammen gemeinsam Erfahrungen der Klassenleitung zu sammeln.
Für die notwendigen Absprachen und Reflexionen bieten sich verschiedene Zeiträume an, die nicht alle institutionalisiert sind. Wir haben uns (fast) ritualisiert vor dem Unterrichtsbeginn kurz zusammengesetzt und wichtige Dinge für den aktuellen Tag besprochen. Für größere Absprachen konnte man dann ggf. einen Termin am Nachmittag vereinbaren oder Aufgaben deligieren. Positiv für die Arbeit mit der Klasse ist die gemeinsame Klassenlehrerstunde, in deren Anschluss kein Unterricht mehr stattfinden und damit Zeit bietet, um Gespräche zu führen.

Durch unser Verständnis einer gemeinsamen Klassenleitung war die stetige Abgleichung der Vorstellungen und Überlegungen notwendig. Dies war gerade in den ersten 1,5 Jahren nicht immer konfliktfrei. Mit Hilfe eines Coachings konnten wir die „Mißverständnisse“ aufarbeiten und eine ausgesprochen vertraute und angenehme Zusammenarbeit über fast 4 Jahre erleben. Leider hat uns die Kollegin mit dem letzten Schuljahr verlassen – mit der Verabschiedung „unserer“ 10. Klasse.

Kaffee und Kuchen

Oft findet eine „Tagesbesprechung“ nach der Schule bei Kaffee und Kuchen (… da muss man langsam aufpassen) statt. Wenn man so gemeinsam beisammen sitzt, können Probleme kurzfristig erkannt, Strukturen identifiziert und Lösungsstrategien durchdacht werden. Sommers findet so eine Nachbesprechung auch gerne im Café statt – allerdings war das im letzten Schuljahr selten der Fall.

Insgesamt würde ich festhalten, dass für die schulischen Reflexionen folgende Punkte förderlich sind:

  • Eine gemeinsame wissenschaftliche Basis (Pädagigik, Fachwissenschaften).
    Wenn ich ähnliche Referenzen habe und im Gespräch darauf verweisen kann, lassen sich Mißverständnisse leichter aufklären und Überlegungen theoriegleiteter durchführen.
  • Regelmäßigkeit.
    Nur wenn ich regelmäßig zusammen komme, kann ich auch alltägliches besprechen, oft beiläuftig. Eine Situation, in der man sich verabredet und meist einen speziellen Anlass für ein Gespräch hat, hat die Gefahr, dass ein Anlass pathologisiert werden kann. „Ich muss mal mit Dir sprechen, heute ist was seltsames in der Klasse passiert. Wann hast du Zeit??“ v.s. „Und? Wie ist es bei Dir gelaufen?“.
  • Öffentlich?
    Reflexionen müssen nicht zwangsweise öffentlich sein. Ein vertrauter Rahmen ist oft sinnvoll, weil oft Abstimmungen und Positionssuche betrieben wird.
    Eine andere Art der Reflexion kann dagegen durchaus öffentlich sein, wenn es um Projekte oder Empfehlungen geht. Viele LehrerInnen-Blogs zeigen dies ja: mensch tauscht sich aus, diskutiert und lässt sich inspirieren.

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