Die digitale Schultasche – August 2012

Nach den Berichten aus 2010 und 2011 gibt es ein kurzes Update über die digitale Schultasche. Im letzten Beitrag zum Thema sind in den letzten Tagen zwei Fragen in den Kommentaren aufgeschlagen:

Einmal von Andreas:

  • Datensync mit Mac oder PC?
  • Was geht wirklich alles Papierfrei im Unterricht bzw. ruderst du an einigen Stellen wieder zurück
  • Nimmst du noch Schulbücher mit bzw. scannst du sie selbst
  • Wie viel Speicher im Ipad ist emfehlenswert 16 GB, 32 GB oder sogar mehr

Und ergänzend von Nicola:

Ich bin gerade dringend auf der Suche nach einer Möglichkeit das Schul(halb)jahr digital und übersichtlich planen zu können.
Bisher habe ich das in Excel gemacht und auch schon mal Omni-Outliner angetestet, frage mich aber, ob es da nichts speziell für Lehrer gibt…?

Ich nehme das mal zum Anlass, ein paar Gedanken zu notieren.

Datensync?

Die meisten Daten (also Unterrichtsplanungen, Notizen und selbsterstellte Arbeitsblätter etc.) werden über die “Wolke” abgeglichen. Sowohl Evernote wie auch die Dropbox und jetzt iWork synchronisieren sich mehr oder weniger selbstständig. Ich habe damit bisher keine Probleme gehabt, empfehle aber dringend, sich nicht allzu sehr auf die “Wolken” zu verlassen und ein vernünftiges Backup vorzuhalten.

Die Notizen für die Notengebung mache ich in Teachertool. Sie werden nur auf einem Gerät (verschlüsselt) gespeichert und nicht synchronisiert (nur in einem verschlüsseltem Backup gespeichert).

Unterrichtsplanung?

Die Unterrichtsplanung mache ich auf drei Wegen:

  1. Die gaaanz grobe Planung: Die großen Themen des Schuljahres sortiere ich in einem Jahreskalender (hier habe ich darüber mal geschrieben). So habe ich eine ungefähre Übersicht, wieviele Wochen zwischen den Ferien und Halbjahren liegen und wie ich die Themen sinnvoll verteilen kann.
  2. Die Reihenplanung im Abgleich mit den curricularen Vorgaben mache ich in OmniOutliner. Hier sind die Themen strukturiert, Ideen eingetragen und alternative Herangehensweisen notiert. Nach jedem Schuljahr ergänze ich die Infos in diesen Dokumente mit den Erfahrungen aus dem vergangenen Schuljahr. Auf diese Weise sind die Übersichten immer wieder als Orientierung für den Unterrichtsverlauf verwendbar.
  3. Die konkrete Unterrichtsvorbereitung geschieht auf Basis der letzten Stunde (nicht mit einem Vorlauf von 4 Wochen – ich nehme die Fragen und Ansätze der letzten Stunde als Ausgangspunkte für die nächsten Schritte) und wird mit den Reihenplanungen abgeglichen. Die Notizen dazu kommen in ein Notizbuch in Evernote – inkl. der Tafelbilder am Ende einer Stunde. Die Unterrichtvorbereitung wird am Ende des Jahres archiviert und dient nicht als direkte Vorlage für das kommende Jahr.

In den Klassen der Oberstufe haben wir ein Wiki, in dem die Themen chronologisch notiert werden und Projekte, Referate, Tafelbilder, Plakate oder ausführliche Unterrichtsnotizen vermerkt werden. Mit diesen Daten haben die SchülerInnen und ich eine gemeinsame Übersicht, wie wir und durch die Inhalte gearbeitet haben.

Papierfrei – wirklich?

Ja: Mein Workflow ist digital und ich bin dankbar über jede Mail, die einen Zettel ersetzt. Aber manches muss halt analog laufen, weil die Papierverwendung so habitualisiert ist oder die technischen Möglichkeiten noch verhindert werden.

Nein: Meine Umgebung arbeitet vielfach analog. Dies gilt auch für die Lernsituationen, wo die meisten SchülerInnen eben noch kein Tablet oder Notebook in die Schule mitnehmen – auch wenn sie es könnten (Reaktion Schüler: “Mein Notebook mitnehmen – nur für ein Fach? Ach nö… wir müssen ja schon die ganzen Bücher für die anderen Fächer schleppen.”)

Schulbücher

Dazu ist genug geschrieben worden. Es gibt die Schulbücher noch nicht digital – sie sind aber angekündigt. Warten wir es ab. Der Zeitplan, dass die ersten digitalen Schulbücher zum neuen Schuljahr zur Verfügung stehen würden, wie von den Verlagen auf der didacta angekündigt, scheint sich nicht zu erfüllen.

Hinweis:
Grundsätzlich gilt: Die eigenhändige Digitalisierung von Schulbüchern ist verboten. Mit dem Weg, den Beat Döbeli für wissenschaftliche Werke rechtmäßigerweise zeigt (“Digitalisierung auf die harte Tour“), begibt man sich daher bei Schulbüchern in einen sehr grauen Bereich (auch wenn die c’t das in der letzten Ausgabe pragmatischer gesehen hat: “Eine Kopie auf dem Tablat ist ok, so lange das gedruckte Buch daheim ungenutzt im Schrank steht”. Rechtliche Relevanz hat der Artikel aber sicher nicht.).

Speicherplatz

Wieviel braucht man auf dem iPad? Ich bin mit 16 GB vortrefflich ausgekommen. Da viele Programme aber durch das Retina-Display größer werden, würde ich schon 32 GB empfehlen. Wer darüber aber preislich ins Stolpern kommt, ist auch mit 16 GB gut bedient. Man muss ja keine Filme und Fotoarchive der letzten Jahre täglich mit sich herumtragen.

Software

Auf folgende Software möchte ich nur noch sehr ungern verzichten:

  • GoodReader (Dateien, Synchronisierung mit dem Desktop auch ohne Dropbox, PDFs kommentieren etc.)
  • Scanner Pro (Digitalisierung von Totholz-Notizen)
  • Evernote (Ablage für Notizen aller Art)
  • Noteshelf (hat UPad ersetzt für handschriftliche Notizen)
  • Reeder & Instapaper (nur indirekt relevant für den Unterricht)
  • TimerOnFire
  • TeacherTool (pssst, bald auch mit Desktop-Anbindung… stay tuned)
  • OmniFocus (Projektplanung und Todo-Liste)
  • AirServer (auf dem Macbook, um eine AppleTV zu simulieren und darüber mit dem iPad drahtlos den Beamer zu füttern).

Was vergessen?

30 Gedanken zu „Die digitale Schultasche – August 2012“

  1. Danke für die Übersicht. Sehr viel verändert hat sich aber wohl nicht bei dir, schätze ich.

    Ich selbst setze weiterhin auf ein iPad und nutze dort primär GoodReader, iTunes und Circus Ponies Notebook. Mit letzterem Programm plane ich den Unterricht und das synct dann im Idealfall auf das iPad (klappt aber nicht immer so wie ich das will). In die Klasse nehme ich sonst noch Arbeitsblätter mit. Das ist dann aber das einzige Papier, welches ich in der Tasche habe.
    Noten verwalte ich mit TeacherTool auf dem iPhone. Die Version auf dem iPad ist zwar übersichtlicher, für mich aber in der Bedienung nicht so gut wie die iPhone Version. Leider synchronisieren sich die beiden Geräte nicht automatisch.
    Mittlerweile gibt es endlich Lehrermail Adressen und die Schulleitung verschickt viele Infos per Mail. Papier reduziert sich auch hier.
    Wer auf dem Pfad der Tugend bleiben möchte, der kann auch in der nächsten Zeit eine komplett digitale Schultasche (von Handouts abgesehen) nicht verwirklichen. Schade!
    In meiner Schultasche befindet sich täglich auch ein MacBook Air 11″, welches ich in der Schule aber nur für Verwaltungsaufgaben und administrative Zwecke nutze. In der Klasse bleibt es in der Tasche.

  2. Ich habe die folgende Strategie für meinen Informatikunterricht (Fachraum) erfolgreich erprobt: Das MacBook Air 13 habe ich immer dabei, auch im Unterricht. Alle Materialien eines Themengebiets (meist viele einzelne Arbeitsblätter) habe ich in VoodooPad verlinkt, das ist ein DesktopWiki für den Mac. Die ABs bzw. Folienvorlagen gehen direkt auf das interaktive Whiteboad, dessen Interaktivität ich allerdings kaum nutze. Sehr schön für den Informatikunterricht ist, dass ich in VoodooPad auch die unzähligen Programmierprojekte verlinken kann – auf Knopfdruck öffnet sich z.B. BlueJ mit dem gewünschten Projekt. So habe ich alle Materialien kompakt verfügbar.

  3. Mich würden einige Screenshots aus Evernote und Omnioutliner interessieren. Damit wäre es noch etwas konkreter. Wäre das möglich?

    1. @Jörg Schofer:

      Wie es in Evernote ausschaut, hatte ich hier im Blog von Evernote mal beschrieben. Oder gibt es eine ganz spezielle Situation, die abgebildet werden soll?

      In OmniOutliner sieht es so aus:
      Oben notiere ich in der Sek2 zuerst die Obligatorik, sodass ich diese immer im Blick habe und sie ggf. auch abhaken kann.
      Darunter ist die Reihenplanung mit den einzelnen Themen, Unterthemen und Quellen. Meist auch mit einer kleinen Auswahl an Aufgaben, die sich als “gut” für die Arbeit im Unterricht gezeigt haben.

      Foto: http://www.edushift.de/wp-content/uploads/2012/08/Bildschirmfoto-2012-08-20-um-17.17.35.png

      1. Ich arbeite seit über einem Jahr so ähnlich wie du mit Evernote (Mac & iPad/iPone). Jetzt überlege ich mir, inwiefern ich mir noch OmniOutliner kaufen soll. Es ist ja nicht gerade günstig.
        Die Planung der U-Reihen kann man ja auch in Evernote als Text machen, oder?
        Könnte OmniOutliner Evernote komplett ersetzen (Unterrichtsnotizen, PDFs einbinden, etc)?

  4. Zur Unterrichtsvorbereitung und -planung nehme ich Planbook. Gibt es sowohl für das iPad als auch als Mac- und Windowsprogramm (Windowsversion kenn ich nicht). Der einzige Nachteil ist, dass es das Programm nur auf englisch ist. Nach einer Einarbeitungsphase ist Planbook richtig gut.

    1. Planbook teste ich gerade, allerdings finde ich bisher vieles recht umständlich (funktioniert Drag-and-Drop bei dir?). Ansonsten läuft bei mir vieles so, wie hier beschrieben. Am wenigsten verzichten möchte ich übrigens auf meinen Dokumentenscanner!

  5. Hallo echt super dein Beitrag.

    Ich habe mir die Testversion Air Server für Windows runtergeladen. Leider ist die Übertragung recht träge und auch noch ohne Ton.
    Hast du eigentlich erfahrungen mit Jailbreak? Ich habe im Internet gelesen, dass hier sehr einfach das Ipad Display auf jeden beliebigen PC geworfen werden kann. Und das alles kostenlos

    1. @Andreas:

      AirServer: Unter Windows habe ich das nicht getestet. Eine stabile WLAN Verbindung wird aber gebraucht. Vielleicht hilft es, wenn man den Rechner am Beamer als Hotspot konfiguriert und sich dann mit dem iPad in das WLAN einloggt?

      Jailbreak: Für das iPad 1 brauchte man noch ein Jailbreak, um den Bildschirm auf einen Beamer zu spiegeln. Seit dem iPad 2 ist das nicht mehr nötig. Mit dem entsprechenden Adapter (zum Beispiel iPad/VGA) kann man das iPad-Display über jeden Beamer an die Wand “werfen”.

  6. Ich hätte eine Frage zu Evernote:

    Wenn ich z.B. so vorgehe:
    Notizblatt in Evernote:
    Einstieg: Video verlinken
    Hauptteil: PDF bzw. word Datei
    Schluss: wieder ein Video.
    Und ich sync das ganze, dann ist alles schön auf meinem iPad aber wenn ich es nicht zu hause öffne ist nicht wirklich am iPad – hoffe das ist verständlich.
    In der Schule habe ich kein Wlan und mein iPad ist ohne 3G also UMTS
    Kann man in Evernote irgendwie einstellen, dass beim syncen die Dateien auch runtergeladen werden damit ich sie offline vor der Klasse öffnen kann?
    Danke

    1. Du kannst in den Einstellungen unten links in Evernote einstellen, welche Ordner offline bereitgehalten werden sollen (Offline Notizbücher). Darüber sollte sich das ‘Problem’ lösen lassen, wenn man morgens einmal Evernote öffnet, während man noch im WLAN ist.

  7. Danke, ich versuchs mal.

    Ich bin noch verzweifelt auf der Suche nach ner speziellen App:
    Und zwar wenn ich früher ne Folie hatte dann wars so:
    Folie rauf mit Blatt abdecken und schrittweise runterschieben. Gibts sowas fürs ipad auch?

    1. Mit einer Präsentation kann man das animiert machen. Oder man erstellt ein schwarzes Rechteck, welches man dann über der Grafik verschieben kann. Ebenfalls mit Keynote.app – oder auch mit der ‘Explain Everything.app’.

  8. So das Schuljahr beginnt morgen (Bayern) heute erste Lehrerkonferenz mit meinem ipad.
    Jetzt bin ich am überlegen die Termine in Evernote verwalten oder in Ical? Also wann die und die Klasse weg ist auf Klassenfahrt im Schultheater ….
    Wie machst du das Felix in die Tagesnotiz bei Evernote rein?

  9. Wie machst du das eigentlich mit den Dokumenten. Dropbox Word Dateien und ipad das haut bei mir nicht so recht hin da verschiebt es mir immer alles. Und immer zusätzlich ein PDF erstellen da wird’s schnell unübersichtlich in der cloud

    1. @Andreas:

      In der Tat noch ein Problem. Ich lege mir inzwischen von den meisten Dokumenten, die ich in der Schule brauche, eine Version als PDF an – zumindest bei .odt oder .doc Dateien. Bei Pages funktioniert die Ansicht ganz gut.

      Alternativ kann man probieren, die Dokumente direkt online zu erstellen. Zum Beispiel bei GoogleDocs. Allerdings sind dort die Formatierungsmöglichkeiten noch eingeschränkt. Gerade Mathematiker werden damit aber sichlich nicht glücklich, haben sie durch den Formeleditor doch nochmal besondere Ansprüche.

  10. Hallo Herr Schaumburg,

    Was läuft bei Ihnen in Omnifocus als Projekt und was als Kontext (z.B. in Bezug auf Klassen und Kurse)? Habe gerade mit dem Programm angefangen, bin aber noch ein wenig überfordert.

    Viele Grüße aus Berlin
    Andreas B.

    1. Hallo,

      die einzelnen Kurse habe ich nicht in OmniFocus abgebildet. Das wäre zu viel. Man muss bei OmniFocus und allem GTD-Zeugs darauf achten, dass man die Einstellungsmöglichkeiten nicht zu fein einstellt. Sonst wird die Organisation der Kontexte und Projekte so viel Zeit einnehmen, dass sich das ganze nicht lohnt. So zumindest meine bisherige Erfahrung.

      Meine Kontexte sind:

      Mail
      Telefon
      Web
      Home
      – Schreibtisch
      – Wohnung
      Schule
      – Bibliothek
      – Orga
      – Lehrerzimmer
      – Abteilung 1
      – Abteilung 2
      – Abteilung 3
      – Büro
      Unterwegs
      (verschiedene Einkaufsmöglichkeiten und Orte in der Umgebung)

      Die Projekte sind:
      Privates
      (verschiedene private Projekte…)
      Schule
      – Verschiedenes
      – Unterricht
      (verschiedene Aufgaben, die man in der Schule übernommen hat).

      Die Projekte bestehen fast alle aus “Einzelaufgaben”, sodass man sie als Sammelbecken benutzen kann und nicht gefragt wird, ob das Projekt beendet wird, nur weil gerade keine Todo eingetragen ist.

      Die Unterrichtsplanung selber mache ich in Evernote. In OmniFocus stehen die Abgaben für die Noten, Klausurtermin etc.

  11. Vielen Dank für die Übersicht! Mein Verständnis von “Projekt” und “Kontext” reichte nicht soweit. Ich hatte schon versucht, tatsächlich alle Klassen und Kurse als Projekt zu definieren und dann alles in Unterprojekte usw. Das hätte aber, wie Sie anmerken, wohl wirklich mehr Tipparbeit als Zeitersparnis gebracht.

    Gruß und Dank
    Andreas B.

  12. Guten Tag,

    was gibts so neues an der Papierfreifront?
    Ich als Papierfrei-novice mache ständig kleine Fortschritte. Mein größtes Problem liegt in den Unterrichtsmaterialien. Hier 30 Arbeitsblätter da 15 in Din A5 dort ne Ex in der Tasche …
    Seit dem ich mit diesem Experiment begonnen hab nervt mich eigentlich, bis auf die Zeitung, jede Form von Papier.
    Viele Grüße

    1. Man könnte sich ja in der Schule einen Drucker/Kopierer so konfigurieren, dass man vom iPad drucken kann. Dann braucht man das Papier nicht zur Schule zu tragen.

      Funktionieren könnte das mit einem RaspberryPi. Oder man nutzt ein uraltes iBook und schaltet dort das Printersharing an (für AirPrint braucht man dann noch ein Zusatztool). Letzteres mache ich aktuell.

  13. Ich nutze ebenfalls Evernote (ähnlich wie oben beschrieben).
    Jetzt überlege ich mir, ob ich mir OmniOutliner zulegen soll. Meine Frage ist, welchen Mehrwert OO hat. Kann ich meine komplette Unterrichtsvorbereitung (U-Verlauf, Notizen, PDFs, …) in OmniOutliner einpflegen – und ist das sinnvoll?

    Gruß
    h.w.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>