Der Kindle

Ein Kindle erweitert seit Kurzem auch hier den digitalen Leseraum mit einem tollen eInk Display. Wie Thomas Knüwer aber schon so treffend schrieb, gestaltet sich das Verhältnis zum Kindle sehr ambivalent. Einerseits ist das Display für längeres Lesen ausgesprochen angenehm und unterscheidet sich für die Augen nicht mehr von einem Papierbuch. Andererseits ist das Handling und das Gehäuse – also das ganze Produkt um das Display herum – noch echt entwicklungsfähig / grottig.

Das Füttern des Kindle funktioniert über verschiedene Mails oder direkt. Archiviert wird, was gelöscht wird – oder auch nicht – mal auf dem Kindle, mal auch nicht. Eine Tastatur fehlt, sodass man per Cursor Eingaben tätigen muss und einen stufenloser Zoom für PDFs gibt’s auch nicht. Grrr.

Das Ganze fühlt sich an wie der Palm m100 vor vielen Jahren, als man zwar mobil seine Daten verarbeiten konnte, aber doch alles noch sehr technisch war. Der Sync war immer ein Wagnis. Erst mit dem iPhone hat sich das geändert, als es ein Produkt gab, dass alles durchdacht und einfach angeboten hat. Wenn Amazon nicht nachlegt, hoffe ich darauf, dass es jemand anderes tut.

Zum vermaledeiten DRM der eBooks äußere ich mich jetzt nicht, sondern verweise auf Maik Riecken: DRM – Zweitkontakt.

Bücher

Bücher kommen auf den Kindle komfortabel über den Amazon Kindle-Store. Dieser ist direkt vom Gerät aufrufbar, kann aber auch mit einem richtigen Browser genutzt werden. Alle Bücher, die man kauft, landen innerhalb kürzester Zeit über WLAN auf dem Kindle.

Wenn man andere eBooks lesen möchte, so kann man diese als .mobi oder PDF Datei speichern und auf den Kindle über USB kopieren. Alternativ kann eine spezielle @kindle.com E-mail eingetragen werden. Schickt man an diese Adresse eine Mail mit einem Anhang, kommt die Datei auch auf dem Kindle an. Das funktioniert ganz passabel, wenn man die Formate beachtet (.doc, .rtf, .html, .txt, .mobi)

Zeitungen

Die Sueddeutsche, ZEIT und Co. bieten für das Kindle spezielle Monatsabos an. Kostenpunkt ca. 30 €. Dafür wird ein kaum formatierter Schwung an Texten jede Nacht auf den Kindle geschickt. Rudimentär, aber die gestalteten Versionen auf dem iPad machen da einfach mehr Spaß – bei gleichem Preis. Das kann man sich also gut schenken.

Blog & RSS

Die RSS-Feeds lese ich auch weiter primär auf dem iPad und Rechner. Es ist aber fraglos praktisch, wenn auch auf dem Kindle die letzten Beiträge verfügbar sind. Längere Artikel kann man so handlicher und fürs Auge angenehmer lesen. Außerdem ist der Kindle auch als Abendlektüre näher dran am normalen Buch und damit kein „Fremdkörper“.

Instapaper (instapaper.com)
Instapaper bietet an, dass man seine Bibliothek markierter Artikel täglich geliefert bekommt. Nachdem man die E-mail Adressen von Instapaper und @kindle.com gegenseitig eingetragen hat, kommt die erste Ausgabe auf den Kindle:

Die Artikel kann man aus der Ausgabe heraus archivieren oder markieren. Das kommt keinem echten Sync gleich, da die Ausgabe auf dem Kindle nicht direkt aktualisiert wird, ist aber immerhin etwas mehr als eine Einbahnstraße auf den Kindle.

kindlefeeder (kindlefeeder.com)
Mit dem Service kindlefeeder kann man sich bis zu zwei Mal täglich seine RSS Feeds schicken lassen.
Ich lasse mir die Feeds jeden Morgen gegen 6 Uhr schicken.

Am Wochenende kommt auch noch eine Ausgabe abends um 18 Uhr dazu. Die Ausgaben werden archiviert, sodass die neue Ausgabe immer automatisch die letzten Ausgabe ersetzt und damit in einen eigene Ordner „Zeitschriften: Ältere Ausgaben“ verschiebt.

Sehr schön ist das Feature, dass man sich die Artikel aus dem kindlefeeder auch an Instapaper schicken kann. Das Ganze ist nicht ganz komfortabel und läuft über ein sich öffnendes Browserfenster – aber es geht.

Tipp: Hat man die „Archiv“-Funktion nicht eingeschaltet, so hat jede neue Ausgabe von Kindlefeeder einen eigenen Namen und man muss die einzelnen Ausgaben manuell löschen. Damit aber nicht genug, da nach dem Löschen die Dokumente erstmal ins Archiv kopiert werden… Zwischen den ganzen Ausgaben von kindlefeeder und instapaper finden sich dann vereinzelt die gelesenen Bücher, was wirklich unübersichtlich ist.
Damit der Kindle das Archivieren der Ausgaben nicht automatisch erledigt, habe ich das Feature bei amazon.de unter „Mein Kindle“ – „Persönliche Dokumente-Einstellungen“ deaktiviert. Artikel, die man per E-mail auf den Kindle schickt, werden nicht nochmal gespeichert. Bücher & Co., die man über amazon gekauft hat, bleiben unabhängig davon erhalten.

Der Kindle ist kein schlechtes Gerät. Es hat seine Berechtigung und wird als Lesegerät seinen Platz finden. Ein bisschen mehr Flair darf das Gerät aber schon noch bekommen!

11 Gedanken zu „Der Kindle

  1. tommdidomm

    🙂 Bei der Billigkeit des Geräts stimme ich dir zu – habs selbst seit einigen Monaten. War überrascht, wie plastös das Ganze ist. Andrerseits, so denke ich, ist es dadurch auch der ideale Bettpartner, weil er locker mit einer Hand zu halten und zu bedienen ist, jedenfalls zum Blättern.

    Und als Ergänzung: willst du mal sehen, wie das Ding von innen aussieht?

    http://www.tested.com/how-to-take-apart-an-amazon-kindle-4th-generation/47-589/

    Schönen Wochenanfang morgen.

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  2. Damian Duchamps

    Der 99€ Kindle ist noch mal deutlich leichter als der Vorgänger. Das ist angenehm. Ich war überrascht, wie gut man auch ohne Tastatur mit dem neuen Kindle zurechtkommt. Mich persönlich stört der Kunstoff nicht.

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  3. Felix Schaumburg Beitragsautor

    Update: Die TAZ kann man übrigens als MOBI über ifttt auf den Kindle bekommen. Ich lade sie aus dem RSS-Feed herunter (Anmeldung wird benötigt) und schiebe das Dokument ein einen DropBox Ordner. Wenn die Datei dorthin gelegt wird, nimmt sich iftt diese und schickt sie via Mail ans Kindle.

    Wie man das ohne Umwege direkt machen kann, weiß ich nicht. RSS Feed über kindlefeeder geht nur schwer, da man dann auf dem Kindle das Passwort eingeben muss. Das ist mit der Tastatur nicht erträglich.

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  4. Daniel

    Bisher lasse ich mir die taz als ePub per Mail zuschicken, um Sie direkt am iPad in iBooks übernehmen zu können.

    Ich habe heute mal die taz angeschrieben, ob sie auch die MOBI-Version per Mail ausliefern.
    Absenderadresse (digiabo@taz.de) im Kindle-Konto hinterlegt, die Mailadresse des Kindle an die taz weitergegeben und wenn alles klappt, müsste die taz direkt auf dem Kindle landen.

    Werde berichten, ob es funktioniert bzw. ob die taz überhaupt die MOBI-Version per Mail ausliefert.

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  5. Rudi

    Ich besitze schon seit letztem Sommer einen Kindel und bin total begeistert davon. Vorbei sind die Zeiten als ich bei einem Umzug 2 Kisten Kleider und 10 Kisten Bücher zu schleppen hatte. Allerdings eignet sich der Kindle wirklich nur für das Lesen von Büchern, soll heißen, für lange Geschichten,die man von vorne bis hinten durchlesen mag. Für Zeitungen und andere Informationsträger ist der Kindle noch zu langsam. Da ich aber ein Literaturjunkie bin ist das gerade das richtige Gerät für mich.

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  6. Olga

    Ich liebe meinen Kindle (mit Tastatur)! Am meisten nutze ich die Wörter-Nachschlag-Funktion – das Dictionary – wenn ich englische Bücher lese. Leider fällt es mir sehr schwer, trotz Kindle und Laptop, papierlos zu studieren. Die meisten Dozenten stellen die Texte in ungeeignetem Format online. Wenn ich, arme Studentin, dann wieder für 5 Cent die Seite drucken muss nervt mich das sehr… Da ist noch viel Spielraum nach oben!

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    1. Felix Schaumburg Beitragsautor

      @Olga:
      In der Tat. PDF geht ja, kann aber relativ klein sein. Außerdem fehlen die Notizen…

      Für Texte und Annotationen nehme ich inzwischen fast immer GoodReader auf dem Tablet. Für die Uni vielleicht praktikabel?

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  7. Olga

    „PDF geht ja“ – aber das war’s auch schon, gebrauchen kann man es nicht. Wie Du sagst, Notizen fehlen und der Zoom ist nicht sinnvoll umgesetzt. Ich habe leider nur das alte iPad und mag das große Ding nicht noch zusätzlich zum Kindle und Laptop und der ein oder anderen Mappe mit durch die Gegend schleppen.
    Dein Blog finde ich spannend! Mal schauen, wohin die weitere Entwicklung der Digitalisierung führt 🙂
    Mein Artikel zu eBooks vs. print books: http://schulsportblog.de/2011/11/ebooks-vs-print-books/ Just in case you are interested 😉
    Good Reader werde ich mal testen – danke für den Tipp!

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  8. Moritz

    Ich habe auch noch den Kindle 3 mit Tastatur. Dass das Plasikgehäuse billig aussieht, finde ich nicht. Es ist sehr gut verarbeitet und vor allem sehr leicht – im Gegensatz zu dem ganzen Glas und Aluminium an einigen Tables und Smartphones. Zeitung lesen finde ich darauf mittlerweile auch sehr angenehm, wobei da sicher noch mehr drin ist. Nichtsdestotrotz ist mir der Kindle schon jetzt lieber als eine unhandliche Papierzeitung.

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    1. Felix Schaumburg Beitragsautor

      @Moritz:
      In der Tat erweist sich das Gehäuse bei längerer Benutzung als Vorteil – auch wenn der Eindruck erstmal billig ist. Aber einen dicken Schmöcker am Strand liegend mit einer Hand lesen können: das geht nur mit dem Kindle.

      Mit der Zeitung bin ich noch nicht warm geworden. Das Layout ist zu wenig geeignet, Texte quer zu lesen. Gerade das tue ich aber bei einer Tageszeitung sehr gerne.

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