Gebt den Schülern ihre Informationsquellen

Eine kurze Momentaufnahme hat mir eben wieder vor Augen geführt, wie abgeschnitten von allen Informationen die SchülerInnen im Unterricht sitzen und “lernen” müssen.

Wir hatten in der Stunde vorher noch mit dem Notebooks an Artikeln geschrieben. Weil einige SchülerInnen mit dem Einbinden von Fotos in die Blogs noch Schwierigkeiten hatten, haben wir uns dem Problem am Anfang der nächsten Stunde angenommen.

Das eigentliche Thema der Stunde waren die Arbeiten von Bertolt Brecht in der Phase zwischen Nationalsozialismus und DDR. Die Rechner blieben, weil es keinen harten Phasenwechsel gab – oder ich es einfach vergaß? – auf den Tischen stehen.

Nach einer kurzen Wiederholung der politischen Situation haben wir das “Einheitsfrontlied” von Bertolt Brecht gehört – und im Anschluss in seinen Aussagen und politischen Bezügen besprochen.

Dabei bei war ich verwundert, dass einige SchülerInnen einzelne Strophen zitieren konnten und souverän zwischen den einzelnen Abschnitten hin und her springen konnten. Wie war das möglich, hatten sie das Lied doch gerade zum ersten Mal gehört?

Die SchülerInnen hatten, während das Lied lief, schon im Internet den Text gefunden und mitgelesen. So einfach und so selbstverständlich. Mache ich doch zu Hause auch, wenn es darum geht, einen Liedtext zu verstehen. Zu Hause haben die SchülerInnen und ich aber auch einen Rechner…

Wenn wir den SchülerInnen doch auch in der Schule zugestehen würden, dass sie – wann immer sie wollen – ihre externalisierten und digitalen Denkspeicher (Computer/Smartphones) nutzen dürfen… Unterricht könnte so viel überraschender, aktiver und sinnhafter sein.

Ein Schüler fragte am Ende, ob die Melodie von Ton-Steine-Scherben wäre, das stünde auf einer Webseite. Nein, ist sie nicht; aber über Youtube gab es dennoch eine Kostprobe.

Hätten alle ruhig gesessen und nach vorne geschaut: ich glaube es wäre weniger hängen geblieben. Auf jeden Fall wäre es langweiliger gewesen.


4 Gedanken zu „Gebt den Schülern ihre Informationsquellen

    1. tommdidomm

      Sorry, war knapp, wollte nur Sympathie bekunden (Daumen hoch ohne FB)…und wollte noch ergänzen, dass ich manchmal bei meinen leider auch das Gefühl habe, dass sie mit dem Internet etwas phantasielos sind. Ich erzähle ihnen oft, dass ich manchmal Suchbegriffe nicht nur bei Google eingebe, sondern auch bei youtube, vor allem, wenn es um Literatur geht. Leider tun sie das noch immer nicht. Gerade jetzt, wo ich Literaturreferate höre (erleide?), muss ich sie immer erst ermutigen, auch mal nachzuschauen, wie ihr Werk heutzutage eventuell verarbeitet wird. Youtube liefert da ´ja manchmal ganz gute Erkenntnisse.
      Aber, aber – ja, vielleicht sollte ich sie öfter drauf stoßen, damit sie das dann auch allein machen.
      Andrerseits habe ich vor, sie demnächst wieder über Handy arbeiten zu lassen. Mal sehen, wie schnell sie da recherchieren können.
      Welche Klasse waren die hier?

      Antworten
      1. Felix Schaumburg Artikelautor

        @tommdidomm:
        Eigentlich ist das Geschilderte nichts besonderes… Ich hätte die Liedtexte ja auch kopieren und auslegen können. Dann wäre alles da gewesen – vorbereitet.

        Das eigentlich lebendige war, dass die SchülerInnen aktiv wurden und sich selber die Infos gesucht haben, die sie dazu interessierten. Es ist also weniger die Info selber, sondern der Weg, an sie zu kommen. Fantasielos fand’ ich das nicht – kommt das bei mir im Beitrag so raus?

        Antworten
  1. Pingback: Lehrerzimmer » Archiv » Handys an Schulen

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>