Ein BarCamp und die Arche Nova des ADZ

Am Wochenende hat in Begenz der Kongress ‚Arche nova‘ stattgefunden, der vom Archiv-der-Zukunft ausgerichtet worden ist. Erstmalig ist neben der klassischen Konferenz mit vorangekündigten Veranstaltungen dabei auch ein BarCamp durchgeführt worden, das von Guido Brombach organisiert und von mir begleitet wurde. Ein Dank an Reinhard Kahl und sein Team, dass dieser Versuch ermöglicht wurde.

Wie verträgt sich ein BarCamp mit einer ’normalen Konferenz‘?

Am Freitag, also vor dem offiziellen Beginn, haben wir das BarCamp fast im eigentlichen Sinne durchführen können. Wir hatten dafür im Festspielhaus Bregenz zwei große Räume zur Verfügung und konnten so vier ‚offene Räume‘ nutzen, die ähnlich wie beim EduCamp Bremen durch Trennwände etwas eingeteilt wurden, aber flexibel blieben. Neben den Sessionräumen gab es noch die PlanBar als Plenum und für größere Sessions und die SozialisierBar mit Twitterwall und Raum für spontane Gespräche. WLAN war überall verfügbar und immer gut erreichbar.
Über den Tag hat sich die Teilnehmerschaft von anfänglich 40 Personen auf über 130 Personen in der Abschlussrunde gesteigert.
Das Feedback für diesen Tag war durchgehen positiv. Es wurde vor allem formuliert, dass man – nach der Kritik vom letzten Mal – nun sehr erfreut wäre, auf dem AdZ Kongress mitreden und seine eigenen Geschichten einbringen zu können. Das BarCamp wurde als ein Ort der ‚Intelligenz der pädagogischen Praxis‘ gesehen und dafür zahlreich genutzt.
Guido Brombach und ich waren am Ende des Tages erschöpft, aber wirklich glücklich über den Verlauf.

Der Samstag würde schwieriger werden, das wussten wir schon bei der Vorbereitung. Weil das offizielle Konferenzprogramm schon bekannt war, hatten viele ihre Tagesplanung im Vorfeld fertig und waren für die Themen der TeilnehmerInnen im BarCamp nicht mehr offen. Dennoch wurde auch am Samstag einen Sessionplan erarbeitet, der bis auf den letzten Platz gefüllt war. Die Teilnahme war über den Tag hinweg unterschiedlich, von Sessions mit drei bis zu 20 TeilnehmerInnen. Ausgefallen ist keine Session, die Formen gingen über Präsentationen, Gespräche bis zu tanzender Mathematik.

Das Feedback am Abend, nach der gut besuchten letzten Runde, war differenzierter als Freitag. So wurde die hohe Intensivät der Gespräche innerhalb der Sessions herausgestellt, ebenso wie die große Kompetenz jedes/r Teilnehmers/in. Andererseits wurde aber auch kritisiert, dass die Parallelität mit dem Tagungsprogramm nicht immer einfach war. Die ‚großen Denker‘ zogen die Menschen scharenweise in die Vorlesungen und ließen am Ende wenig Raum für Gespräche. Weil die Veranstaltungen jedoch so eng gelegt waren, konnte man auch nicht einfach so ins BarCamp zur Diskussion wechseln. Schade.

Hier müssten sich die Verantwortlichen nach dem ersten Experiment auf jeden Fall zusammensetzen und nach einer vernünftigen Koexistenz suchen, wie man das feste Konfenzformat für Input und die ‚großen Würfe‘ kombinieren kann mit offenen Räumen und Partizipationsmöglichkeiten. Dass das Ergebnis nicht mehr unbedingt ‚BarCamp‘ genannt werden wird, ist wahrscheinlich – aber auch egal. Es geht nicht um den Namen, sondern darum, sich einbringen zu können.

Ein Ansatz wäre zum Beispiel, dass man viel weniger Großredner im Programm fixiert. So wäre es möglich, dass man Remo Largo und Manfred Spitzer von 9.00-11.00 Uhr anhören kann und im Anschluss daran in ‚offenen Räumen‘ über die neuen Eindrücke aus den Vorlesungen spricht – oder auch anderen Themen nachgeht. Nach zwei Stunden bzw. zwei Sessions gäbe es dann wieder die Möglichkeit einer zentralen Veranstaltung; usw.
Der Kongress und das ‚BarCamp‘ würden also nicht parallelisiert, sondern aufeinander bezogen und zeitlich synchronisiert. Sie schließen sich nicht mehr aus, sondern ergänzen sich.

AdZ und BarCamp?

Obwohl nur eine Handvoll der TeilnehmerInnen vorher das Format ‚BarCamp‘ erlebt hatte, war es für die Anwesenden kein Problem, sich in das Format einzuleben. Diejenigen, die Lernen und Schule schon immer anders gesehen haben (‚Reformpädagogen‘), scheinen sich in den partizipativen Formen schnell wiederzufinden. Die Menschen im AdZ und die Web2.0-erInnen sind sich – bis auf die Nutzung der digitalen Kommunikationsformen – sehr nahe.
Wir sollten diese Schnittmenge nutzen! Man kann voneinander lernen: Den Nerds kann man zeigen, dass Schulen nicht von Natur aus einem Gefängnis gleichen müssen und den Pädagogen kann man das neue Leitmedium erklären, dass auch für das Lernen ganz neue Möglichkeiten bietet.
Die ‚Reformpädagogik‘ könnte auf diesem Weg zu einem neuen Sinn finden, der durch die Zerwürfnisse des letzten Jahres spürbar gelitten hat.

3 Gedanken zu „Ein BarCamp und die Arche Nova des ADZ

  1. Sylva Jürgensen

    Ich habe während des Arche Nova Kongresses das Format des BarCamps kennengelernt und bin fasziniert, wie offen die einzelnen Sessionanbieter für Zusammenarbeit waren. Die Kompetenzdichte war unglaublich. Die Sessions waren geprägt von gegenseitiger Wertschätzung, lebendigem Dialog und konstruktiver Kritik. Teilgebender zu sein war hier keine Worthülse. Es hat Freude gemacht, sich praktisch auszuprobieren und das auf sehr hohem Niveau. Auch die informellen Gespräche mit den anderen Menschen, die ich so sehr schnell kennenlernen durfte, wirken nachhaltig! Vorträge bringen Wissen- Barcamp bringt Bildung! Ein großer Dank an Guido und Felix!

    Antworten
  2. Pingback: Rückblick und Auswertungen zum Barcamp des AdZ #adz11

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*