iPad Klasse an der Effey in Ennepetal

Vor ein paar Wochen habe ich die Gemeinschafts-Hauptschule Effey in Ennepetal besucht und ein ausführliches Gespräch mit Herrn Hillebrandt über das Medienkonzept seiner Schule führen können. Ein paar Infos zur Schule und Gedanken, die mir dabei durch den Kopf gegangen sind, möchte ich gerne vorstellen.

Seit einem Jahr setzt die Effey als eine der ersten Schulen in Deutschland eine iPad Klasse ein. Noch bevor die ersten iPads in Deutschland verfügbar waren, wurde ein Konzept gemeinsam von der Schule und dem Medienzentrum der Stadt Ennepetal entwickelt und die entsprechenden Vorbereitungen getroffen. Mit der Verfügbarkeit des iPads startete dann eine Klasse mit einer 1to1 Lösung mit iPads. Das bedeutet, dass jede/r SchülerIn der Klasse sein eigenes iPad besitzt.

Im Gegensatz zu einer Lösung über eine zentrale Ausleihe, bei der mehrere SchülerInnen einen Computer gemeinsam nutzen, verwaltet bei einer 1to1 Lösung jeder sein eigenes Gerät und ist für Dateien und Ordnung selber verantwortlich.

Konzept
Welche Vor- und Nachteile ergeben sich bei eine 1to1 Lösung? Inwieweit unterscheidet sie sich von einer 1-to-many Lösung, bei der ein Rechner im Laufe eines Schultages von mehreren Schülern genutzt wird.

Bei dem Einsatz von ’normalen‘ Desktop Computern ist die Grenze zwischen 1to1 und 1-to-many vor allem eine Frage der Finanzierung. Kann man in der Schule und im Schulumfeld genügend Kapital aktivieren, um ganze Klassen mit einem eigenen Schul-Laptop auszustatten.
Die Frage der eigenen Daten ist bei beiden Überlegungen auf ähnliche Weise lösbar. Der persönliche Datenbestand einer/s jeden Schüler/in kann lokal auf dem Rechner, über USB-Sticks oder – eleganter – über Server-Accounts geregelt werden. Letzteres ermöglicht, dass der Nutzer an jedem Computer seine eigene Daten vorfindet, egal an welchem Rechner er sich anmeldet.

Mit den iPads hat sich die Situation nun grundlegend geändert, da Apple mit dem iPad ein geschlossenes System präsentiert. Alle Tablets sind als PersonalComputer im eigentlichen Sinne ausgelegt, also nur mit einem Account bestückt.
Die Idee hinter der Entwicklung ist konsequent: Es ist ein Gerät, dass ich alleine nutze und meinen eigenen Bedürfnissen anpassen kann.

Damit ist auch klar, dass nur in einer 1to1 Lösung ist ein Mindestmaß an Vertraulichkeit gegeben sein kann, da die SchülerInnen ihre eigenen Daten auf ihrem eigenen iPad verwalten. Wird das gleiche iPad von mehreren Personen genutzt, kann ich kaum mein eigenes Personal-Learning-Enviroment aufbauen. Twitter, DropBox oder Facebook & Co. müssten bei jeder Nutzung zuerst angemeldet werden und mein Nachfolger kann – wenn ich den Logout vergesse – alles sehen.

Damit ist – wenn nicht erstmal andere zwingende Gründe dagegen sprechen (siehe Kaiserin-Augusta-Schule in Köln) – eine 1to1 Lösung die beste Art, Tablets in der Schule einzuführen.

An der Effey sind die ersten iPads von der Schule und der Stadt finanziert worden und stehen den SchülerInnen vorerst nur innerhalb der Schulzeit zur Verfügung. Der Transport nach Hause ist aber angedacht – und ein notwendiger Schritt. Ein Kommunikationsgerät ist nur dann sinnvoll in den Lernprozess einzubinden, wenn es möglichst oft/immer zur Verfügung steht.

Technisches
Die Verwaltung der iPads läuft an der Effey Hauptschule über einen im Klassenraum stehenden iMac. Hier werden auch die (ggf. kostenpflichtigen) Programme auf allen iPads installiert und Backups angelegt. Am iMac hängt auch die digitale Tafel und der Beamer. Letzterer kann für Präsentationen über den VGA Adapter auch von den iPads genutzt werden.

Der Austausch der Daten zwischen den Schülern und der Lehrenden läuft bisher über E-mail. Jede/r SchülerIn hat auf ihrem iPad eine eigene E-mail Adresse, die von der Schule angelegt worden ist. Auf diese Weise kann das Arbeitsmaterial eingesammelt, Informationen ausgetauscht oder Absprachen getroffen werden.

In Zukunft will man auch die DropBox (affiliate) verstärkt nutzen und über den Dienst DropDAV die Anbindung der DropBox an Pages, Numbers und Keynote lösen.

Nebenbei: Mit den iPads hat die Effey auch die anderen Computerräume und die Verwaltung auf Mac OS X umgestellt und fühlt sich mit der Entscheidung bisher ausgesprochen wohl – obwohl kaum ein Kollege vorher viel Kontakt mit dem Mac hatte.

Weitere Informationen:
– Webseite Effey: http://www.hs-effey.de
– Über die iPad Klasse: http://www.ipad-klasse.de/
– Die Effey als Regionales Trainingszentrum: http://www.rtc-ennepetal.de

Informationen über die iPad Nutzung an der (bloggenden) Kaiserin-Augusta-Schule in Köln findet sich hier: http://ipadkas.wordpress.com

7 Gedanken zu „iPad Klasse an der Effey in Ennepetal

  1. Felix Schaumburg

    Ergänzend dazu der gerade veröffentlichte Artikel von Beat Döbeli Honegger über seine Erfahrungen mit dem iPad – auch im Schulkontext: http://wiki.doebe.li/bin/view/Beat/WasIstDennNunMitdemiPadhttp://wiki.doebe.li/bin/view/Beat/WasIstDennNunMitdemiPad

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  2. Pingback: Cyberwizard – Bildung und Digitale Medien » Airplay im (Klassen)Raum

  3. Pingback: Pads im Unterricht « ohgpads

  4. Tim Bormann

    Auch wenn dieser Artikel schon in die Jahre gekommen ist möchte ich einen Kommentar los werden, nachdem ich nun einige Artikel auf Ihrem Blog überflogen und gelesen habe.

    Zunächst, den Punkt der Vernetzung und den Punkt der Nutzung der aktuellen erprobten Lösungen kann ich aus meiner Schulpraxis als Schul-IT Berater und Systembetreuer nur unterstreichen/ unterstützen!

    Als Studienrat „aD“ beschäftigte ich mich ständig mit der Ideen Technik und Schule sinnvoll zu verbinden. Die iPad-/Tablet-Klassen (-Räume | Schülerausstattung) sind aus meiner Erfahrung nur eine Frage der Zeit und von Ressourcen. Die Wahl der Vernetzung, d.h. LAN/WLAN-Netzwerk in den Räumlichkeiten bis hin zu Plattform des Datei-Austausches, muss aber gut geplant sein. Und hier Dropbox, iCloud oder andere Fremdanbieter-Systeme einzuführen ist kurzsichtig und technisch unbedarft gedacht. Wir brauchen Strukturen, die über Jahre und Jahrzehnte verlässlich arbeiten, an eigene Ideen sowie Bedürfnisse angepasst werden können und die nicht eines Tages weg || teurer || unzugänglich sind.

    Auch Ihr kleiner Seitenhieb, wenn ich das so sagen darf, gegen M$ bzw. für die Einführung von MAC OS Geräten, zeigt mir, dass Sie Produkt bezogen und nicht systemisch bei diesem Thema denken. Nur soviel, es spielt keine Rolle, ob eine Schule Windows, Mac OS oder Linux (oder iOS, Anfroid, Ubuntu …) als Betriebssystem auf Arbeitsplätzen (beispielsweise in der Verwaltung) einsetzt. Es geht darum, dass die Hilfsmittel den Anforderungen der Situation sowie den Fähigkeiten der Mitarbeiter || Schüler entsprechen und insgesamt einen organischen sowie ökonomischen Arbeitsweise erlauben. Außerdem reiten Sie die Schule wieder in die nächste Abhängigkeit mit Apple bzgl. geschlossenen Ökosystem, das dazu noch in Sachen Rentabilität der Investitionen (Stichworte: Anschaffungspreis, Lebensdauer, Garantie) für die Schule ein Höllentrip werden kann.

    Entschuldigen Sie, dass die Kritik so ausufert bei einem ansonsten interessanten Artikel.

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    1. Felix Schaumburg Beitragsautor

      Absolut richtig! Falls der Artikel so verstanden worden ist, dass ich persönlich die Lösung über Dienste wie eine Dropbox begrüßen würde: Nein, dem ist nicht so. Es mag unter pragmatischen Gesichtspunkten ein erster Weg sein, aber kann mit Sicherheit kein Weg in einer langfristigen Strategie schulischer Infrastruktur sein.

      Gerade für die nachhaltige und flexible Nutzung der Infrastruktur – auch bei dem Wechsel von Systemen und / oder Plattformen – kommt man um die standardisierten Services nicht herum (LDAP, Apache, xDAV). Insellösungen, die ganz auf proprietäre Lösungen einzelner Anbieter setzen, sind immer mit Vorsicht zu genießen. Zum Glück kann man aber viele Server-Systeme mit offenen Schnittstellen ausstatten, sodass eine mögliche Monokultur innerhalb der Schule zwar ein schöner Zustand ist (administratorisch), aber kein Muss.

      Bzgl. Abhängigkeit und Apple: Ich sehe da (leider) keinen Unterschied, ob man nun bei Tablet-Lösungen auf Android oder Apple setzt. Eher ist hier Apple zur Zeit klar im Vorteil, weil die Wartung der Geräte in Form von Systemaktualisierungen des Herstellers sichergestellt ist. Ubuntu auf Tablets ist aktuell nicht mal ein Nischenprodukt – ob es sich durchsetzen wird, ist noch offen.

      So „ausufernd“ war die Kritik doch gar nicht 😉

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