Leitmedienwechsel und …

In den letzten Tagen, auch nach dem EduCamp 2011 in Bremen, hat sich vieler Orten eine angeregte Diskussion um den Leitmedienwechsel und seine Folgen für das Schulsystem entwickelt. Es kommt ganz offensichtlich Bewegung in die Diskussion. Im Folgenden möchte ich eine unvollständige Sammlung an Links zu Artikeln notieren, die ich in dem Kontext für beachtenswert halte und mir in den letzten Tagen in die Hände gefallen sind. Ergänzungen gerne als Kommentar!

Auf dem EduCamp hatten Lisa Rosa und ich in einer Session gefragt, wie das Bild eines bisherigen Lehrers in Zukunft beschrieben werden kann. Da wir begrifflich weder beim „Lehrer“, noch beim „Coach“ oder „Lernbegeleiter“ glücklich wurden, haben wir uns auf die Suche nach dem „Dings“ gemacht. Ergebnisse aus der Session finden sich hier im Etherpad.

Beat Döbeli fragt Wie soll die Schule auf den Leitmedienwechsel reagieren? und legt für seine Überlegungen eine nette Tabelle an. Ob man sich darauf einigen können wird, in Zukunft nur noch mit Verweis auf die Codes zu sprechen? „Ich halte ja 2b für absolut notwendig.“ „1a ist nur der Anfang.“ „Blöde Utopisten mit ihrem Level 5 Gequatsche“.

Bei Lisa Rosa gibt es gleich zwei Artikel:

  1. Im Beitrag Leitmedienwechsel und das Bildungssystem verweist sie auf die Sudbury School, in der self-directed-learning eine große Rolle spielt. Dazu gibt es ein kurzes Video, das sich anzuschauen lohnt.
  2. Im zweiten Beitrag Der Kongress der Pferdekutscher zieht sie einen Vergleich zwischen dem Leitmedienwechsel und der Einführung des Autos. Die Pferdezüchter waren froh, dass die Autos sich durchsetzten, da sie dann noch mehr Pferde züchten könnten, um die ganzen Autos aus den Straßengräben zu ziehen.
    Dort verlinkt ist ein PDF von Georg Rückriem: Pädagogik + Medien = Medienpädagogik?

Irgendwie nur im weiten Dunstkreis, aber doch auch relevant: Die Posse um das Twittern vom Regierungssprecher Steffen Seibert. Bei carta gibt es mehr: Das Unbehagen der Hauptstadtjournalisten mit dem twitternden Regierungssprecher
Der Fall macht deutlich, dass wir nicht nur im privaten Umfeld oder in der Schule die Erfahrung machen, dass die neuen Kommunikationsmittel Konflikte hervorbringen – die vielleicht noch an Härte und Empörungspotential zulegen werden. Die beiden Gruppen versucht Peter Kruse durch die digital visitors und digital residents zu beschreiben. Wer den Vortrag von der re:publica 2010 noch nicht kennt: hier reinschauen (oder direkt in media res).

Vom 13. bis zum 15. April findet in Berlin die re:publica 2011 statt, auf der auch in diesem Jahr wieder die Subkonferenz re:learn stattfinden wird (einen ganz großen Dank an Jöran!). Am Donnerstag wird im Rahmen der re:learn Gunter Dueck  über Das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem sprechen. Im Anschluss daran werden Gunter Dueck, Jöran Muuß-Merholz, Lisa Rosa, André Spang und ich darüber diskutieren, ‚wie der Leitmedienwechsel an die Schulen kommt‘ (Beyond Medienkompetenz).
Wer danach erfahren möchte, wie man ein digitales Leben in einer analogen Schule gemeistert bekommt, kann gerne noch ein wenig bleiben. Es gibt drei Kurzvorträge zu den Themen „iPaducation“, „Pauxifizierte Texte“ und die „Digitale Schultasche“.

In Instapaper notiere ich übrigens Artikel, die den Leitmedienwechsel betreffen, in diesem RSS Feed.

15 Gedanken zu „Leitmedienwechsel und …

  1. Sebastian Plönges

    Hallo Felix.

    Vermutlich tatsächlich eine ausgezeichnete Idee, mal einen zentralen Pool zu diesem gehypten Begriff anzulegen – unter dem derzeit ziemlich viel (und auch ziemlich Unterschiedliches) verstanden zu werden scheint. Ich habe in meinem Blog, nicht immer mit spezifischem Fokus auf das Erziehungssystem, entsprechende Artikel mit „Computergesellschaft“ verschlagwortet: http://sebastian-ploenges.com/blog/tag/computergesellschaft/ und eine Zusammenfassung für Pädagogen vielleicht am ehesten hier: http://sebastian-ploenges.com/blog/2009/umstellungen/

    Werde im Laufe der nächsten Tage bei Bedarf gerne noch mal ein bisschen herumstöbern; und bis dahin vorschlagen, vom „sogenannten Leitmedienwechsel“ zu sprechen… 😉

    Beste Grüße aus Hamburg,
    Sebastian

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  2. Lisa Rosa

    @Sebastian, naja was sagt schon das wort gehypter Begriff? Noch bis vor kurzem war in den hiesigen Diskussionen weder der Begriff „leitmedium“ noch der von einem „leitmedienwechsel“ zu sehen. Ich benutze sie im Gieseckeschen Verständnis. Interessant ist zu sehen, dass seit einiger Zeit wohl ein Bedürfnis entstanden ist, auf den Begriff zu bringen, was uns gerade gesellschaftlich widerfährt. Das ist mein Verständnis von dem „Hype“. Interessant ist es für mich auch, zu sehen, dass nur wenige ein Interesse zu haben, zu fragen, woher der Begriff kommt und was er bezeichnet (also das Konzept dahinter zu erfahren), sondern viele sich auf den Begriff stürzen und ihn mit dem besetzen, was sie im Kopf (oder im Bauch) haben.
    Interessant finde ich z.B. , dass viele den Begriff sofort normativ verwenden: „der notwendige Leitmedienwechsel“ (Beat Döbeli) oder: „Wie kommt der Leitmedienwechsel in die Schule?“ (Jöran) – während Giesecke eine Analyse vornimmt und befindet, dass ein Wechsel des Leitmediums stattgefunden hat, und wir dabei sind, die Folgen zu managen (zunächst in einem Übergangsegesellschafts-Modus, der in verschiedenen Etappen und Phasen stattfindet, an deren Ende erst die „Next Society“ stehen wird.)
    Wer diese Ansicht nicht teilt, der muss dann auch nicht von einem „sogenannten Leitmedienwechsel“ sprechen, denn er meint ja eigentlich „kein Leitmedienwechsel“ oder „kein Leitmedium“ oder was auch immer (also eine Ablehnung der Kategorie).

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    1. Sebastian Plönges

      @Lisa:

      Hype. Naja, das sagt in etwa ja erst einmal nur „Je mehr über einen Begriff gesprochen wird, desto unschärfer wird er“ – und genau das bestätigst Du ja auch, indem Du die Spanne von Giesecke (den ich ja auch schätze, wie Du weißt) über Beat Döbeli und Jöran schlägst. Diese Liste ließe sich reich ergänzen, jeweils mit leicht veränderter Zielrichtung und entsprechend unterschiedlichen Resultaten (man denke nur an McLuhan, Debray, Luhmann/Baecker etc.). Und Alle können, mit Fug und Recht, von einem „Leitmedium“, „Hauptverbreitungsmedium“, „dominierenden Verbreitungsmedium“ o.ä. sprechen.
      Um nicht einer babylonischen „Leitmediumverwirrung“ oder gar einer Leitmedienverwechselung anheim zu fallen, müsste man diese verschiedenartigen Zugänge m.E. zunächst mal funktional analysieren: Was leisten sie? Auf welche praktischen und theoretischen Probleme versuchen sie zu antworten? Was sind ihre jeweiligen Stärken und Schwächen? Also quasi ’ne Art Taxonomie erstellen. Eine normative Verwendung läge mir zum Beispiel sehr fern (darum ging es letztens ja auch schon mal via Twitter).

      Was das Übergangsstadium angeht, bin ich dann übrigens ganz bei dir und Giesecke.

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  3. cervus

    Die heutige FAS hatte eine schöne Doppelseite über Lernapps (…im #leitmedienwechsel). Der Artikel ist bisher leider nicht online, ich notierte mir folgenden Auszug: “Aber vielleicht bricht die Zeit der spielerischen Erschließung wissenschaftlicher Zusammenhänge erst jetzt richtig an.” (FAS 03.04.11, S. 60)

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  4. Lisa Rosa

    @Sebastian ich bin sehr einverstanden mit deinem forschungsvorhaben (funktionaler vergleich der verschiedenen „leitmedien“-konzepte. während du das machst, erlaube ich mir, schon mal mit dem Gieseckeschen konzept zu arbeiten, denn ich halte es für brauchbar genug.

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    1. Sebastian Plönges

      @Lisa:

      „ich bin sehr einverstanden mit deinem forschungsvorhaben“

      Das ist nett! Würde ich allerdings ungern alleine machen. Wäre ja auch irgendwie seltsam unangemessen, oder? Wäre hier nicht ein idealer Ausgangsort für eine erste Skizze, „in Gruppenarbeit?“

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        1. Lisa Rosa

          sorry, war grad woanders im netz beschäftigt und konnte hier nicht deinen gruppenarbeits-antrag beantworten. Ja! das wäre sicher eine gute gruppenarbeit! bloß nicht für mich. ich bin so ein theory-on-demand- theoretiker. wenn ich was gefunden habe, was mir wieder neue handlungsoptionen bereitstellt zum ausprobieren (Michael Giesecke zum Verständnis des Kulturwandels, Leo zum Verständnis vom Lernen, Systemtheorie-Versatzstücke zum Verständnis meiner System-Umwelt-Beziehungen), dann halte ich da solange fest dran, bis es wieder mal gar nicht hinhaut – erst dann suche ich nach neuer theorie.
          maw: bin grade am handlungsoptionen testen, nicht am theorie vergleichen.

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        2. Felix Schaumburg

          Ich mach‘ mit. Welchen Ansatz schlägst Du vor? Welches Vorgehen? Geht es um eine Analyse des Gieseck’schen Verständnisses? Oder wollen wir es (systemtheoretisch) neu/anders formulieren?

          (BTW: Ich bin zur Zeit gut beschäftigt… Bitte daher um Nachsicht :))

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          1. Sebastian Plönges

            Schön!

            Ich hatte (eigentlich) gar nichts Großes im Sinn – eher eine Art „knowledge base“ für Theorien, die sich mit Leitmedienwechseln beschäftigen bzw. für die Beschäftigung damit ertrag- und hilfreich sein könnten. Also eher ein funktionaler Vergleich unterschiedlicher Theorieangebote als eine (wie auch immer theoretisch fundierte) Analyse oder Kritik. Vielleicht eine kollaborativ erweiterbare Tabelle oder Matrix:

            Theorie/Theoretiker:
            Identifizierte Leitmedien:
            Theoriedesign: (deskriptiv/normativ/evolutionär/teleologisch/pragmatisch…}
            Gesellschaftliche Implikationen:
            Standardwerk/Lektüretipp für Einsteiger:

            Lisa hat oben ja schon ein paar Aspekte und potentielle Vertreter genannt. In so einer Tabelle könnte man diese und andere zunächst sammeln und gleichzeitig die Liste bzw. die Kategorien der Matrix erweitern und modifizieren. Weil wir wahrscheinlich alle latent gut beschäftigt sind, mag das ja auch ruhig nach und nach geschehen.

            Am Ende könnte aber eine informative Taxonomie und/oder ein hilfreicher erster Überblick für interessierte #Leitmediumwechsel-Interessierte stehen. So etwa?

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