In den ‚2 plus‘ Modus wechseln

Kurz zum Kontext: Gunter Dueck wurde von Ulrike Reinhard in einem fast zweistündigen Interview zu verschiedenen Aspekten der gesellschaftlichen Veränderungen interviewt. Bei dem Gespräch ging es in erster Linie um die Veränderungen im Wirtschaftssystem und wie das Management auf die absehbaren Umbrüche der Dienstleistungsgesellschaft reagieren kann. Dueck fordert dazu auf, eine neue Gesellschaft zu konzeptualisieren: Die Exzellenzgesellschaft. Er geht dabei auch auf die Rolle der Schule ein.

Während des Videos habe ich getwittert und würde gerne die kurzen Tweets aufgreifen und weiter ausführen.

‚Der normale Manager kann seine Macht nicht mehr aus einem Informationsvorsprung ziehen.‘ Wie im Management so in Schule…#letsfaceit

Wie das Monopol des Macht-Wissens verfällt auch das Monopol des Expertenwissens. Jeder kann sich heute fast alles aneignen.#leitmedienwechsel

Stichwort „Kontrollverlust“. Wir haben Google inzwischen alle in der Hosentasche. Fast 2/3 der SchülerInnen haben ein Smartphone oder einen iPod Touch. Einzig der Entzug des Internetzuganges für diese Endgeräte „schützt“ das Klassenzimmer zur Zeit noch. Steht das Internet wirklich überall zur Verfügung, ist Faktenwissen kein Expertenwissen mehr. Lehrende, die sich darüber identifizieren, kommen in Legitimationsnot.

‚Dass jmd. viel weiß, bedeutet nichts mehr.‘ – ‚Was ist professionelle Arbeit in dieser neuen Zeit?‘ #dueck #edushift #letsfaceit

Diese Frage finde ich für die Rolle des Lehrenden in Zukunft ausgesprochen spannend. Wie definieren wir „Lehrer“ in einer Übergangsgesellschaft? Wie in einer neuen, digitalen Kultur? Nehmen wir an, dass „Wissen“ nichts mehr bedeutet: Brauchen wir noch Lehrer? Können die Inhalte nicht in Eigenregie angeeignet werden? Jeder nach seinem individuellen Curriculum? Wo holt man sich zu den Wissensbausteinen aber die Kontextbildung oder eine kritische Überprüfung? Wen wähle ich mir für diese Rolle? Soll es der „Lehrer“ sein, oder kann ich das, wie Erwachsene, auch situationsbezogen entscheiden und mal diesen, mal jenen ansprechen?

Schule als Musikschule neu denken? Schüler üben zu Hause & kommen für eine Stunde Einzelunterricht, um Tipps und Inspirationen zu bekommen.

Ein interessanter Gedanke. SchülerInnen lernen nicht mehr unter Anwesenheitspflicht in der Schule, sondern an den Orten, wo sie es wollen oder sollen. Eben so, wie man auch ein Instrument spielt. Freiwillig oder auch nicht übt man täglich zu Hause je nach Ziel für 20 Minuten oder 2 Stunden ein Instrument. Einmal in der Woche geht man dann mit dem erarbeiteten Können zu der MusiklehrerIn, stellt sich einem kritischen Blick und holt sich Tipps und Ideen ab. So gerüstet, geht es in die nächste Woche selbstständigen Lernens.
Warum soll das nicht auch für viele Inhalte des Schulsystems gelten können?

Der Unterschied zwischen 2+ und 4- macht eine Geisteshaltung. http://t.co/9CZtvmU #dueck #motivation #benotung

Durch ständige Leistungsmessung provozieren wir den 4- Modus. Nicht das Gute, sondern kurzzeitige Zielerreichung zählt.

Ziele setzen, die im naiven Sinne „gut“ sind. Dann macht die Arbeit auch Spaß.

Gunter Dueck will entdeckt haben, dass es bei der Frage nach Erfolg und Misserfolg in der Schule weniger um die Note geht, als um eine Geisteshaltung. Er unterscheidet zwei Geisteshaltungen: den „2 plus“ und der „4 minus“ Modus.

2 plus Modus

Es liegt die Einstellung vor: „Ich mache alles so gut, dass es einfach ok ist. Wenn ich schon Biologie mache, sollte ich die Tiere kennen. Wenn ich schon Goethe mache, dann sollte ich eine Vorstellung haben… Wenn ich schon Englisch mache, sollte ich am Ende auch brauchbar Englisch können.“

Ergebnis: Mit dieser Geisteshaltung besitzt man eine innere Motivation und bekommt seine Sachen erledigt und erreicht das Ziel, weil ich das, was ich mache, vernünftig mache.

4 minus Modus

Ein Schüler im 4 minus Modus sagt: „Ich mache es so, wie ich es für morgen brauche. Ich will gar nicht wissen, wie der Kontext für eine Sache ist oder ob das wirklich sinnvoll ist. Mir ist das wichtig, was ich für morgen brauche. Andere Sachen lenken jetzt nur ab.“

Ergebnis: Man ist vor allem am kurzfristigen Ziel interessiert, will es gar nicht im eigentlichen Sinne gut und vernünftig machen, sondern gesetzten Ansprüchen genügen.

Das gilt nach Dueck nicht nur für einige SchülerInnen, sondern ist auch seine Diagnose für das gesamte Bildungssystem. Durch das ständige Messen und Vergleichen haben wir uns selber in einen 4- Modus gebracht. Dabei geht es stets um die Frage, wie man im Vergleich zu anderen Ländern dasteht. Man redet sich gerne ein, dass wir – so Dueck phrasierend – „bei aller berechtigter Kritik nicht darüber hinwegsehen dürfen, dass wir doch schon weiter gekommen sind, dass es Fortschritte gibt…“

Wir nehmen zu wenig die Perspektive „2 plus“ ein. Vielleicht liegt es ja daran, dass uns der Sinn für Schule abhanden kommt? Dass wir gar nicht mehr richtig wissen, warum wir es tun? Das wäre eine Voraussetzung für den 2 plus Modus.

21 Gedanken zu „In den ‚2 plus‘ Modus wechseln

  1. Thomas Kuban

    Ich komme, bei aller Sympathie, immer noch nicht mit dem Verständnis von „Wissen“ klar. So wie ich es lese und verstehe, betont er sehr stark das „Wissen“ – was man in der Hosentasche oder sonstwo mit sich herumträgt. Leider wird hier auch die Schule reduziert auf eine Anstalt der reinen Wissensvermittlung.

    Schule ist doch aber immer mehr – und, um es kurz zu machen: Was will denn der Schüler mit dem ganzen Wissen in seinem iPhone anfangen, wenn er nicht weiß, wie er es reflektieren soll etc.

    Und so mag ich bezweifeln, ob „jeder sich alles aneignen kann“, denn schließlich hängt dies ja auch von den persönlichen Voraussetzungen ab.

    Wenngleich ich konform gehe mit der Forderung / Haltung, dass Wissensvermittlung in der Schule anders aussehen kann und müsste.

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    1. Felix Schaumburg

      Könnten wir nicht Schule, wie wir sie bisher kennen, als Anstalt der Wissensvermittlung begreifen? Schule als Ort, wo man das Wissen findet und – portioniert – aufnehmen konnte? Das „Wissen“ lag zwar auch in den großen Bibliotheken, aber die Mühen, sich dort zurechtzufinden, standen nicht im rechten Verhältnis zum Ergebnis. Also ging man doch lieber in die Schule, passte dort etwas auf und las das vorausgewählte und didaktisch bereits reduzierte Buch. Zwar hatte schon Humboldt einen weiteren Begriff (Bildung…), aber auch der bezog sich vor allem auf das Selbststudium an den Universitäten.

      Ich setze jetzt mal, dass Schulen vorrangig Anstalten der Wissesnvermittlung waren:
      Wenn Schulen dieses auf Bequemlichkeit basierte Monopol des „Wissens“ nicht mehr haben, dann müsste sich strukturell zwangsläufig auch das Bild von Schule ändern. Dieser Prozess scheint im vollem Gange. Kennzeichen dafür könnten sein, dass schulintern (von außen angestoßen) die Kompetenz-Debatte bei der Curriculum-Entwicklung einen immer größeren Teil einnimmt und das Diktat der Inhaltlichen Ausgestaltung von Unterrichtsthemen zurückzudrängen beginnt.

      Die Rolle des Lehrenden wird dadurch verändert. Wie, dass versuchen Lisa und ich auch auf dem EduCamp etwas näher zu ergründen. Es könnte aber sein, dass die Rolle des Lehrers von der Last des „Allwissenden“ befreit wird und er sich damit endlich mehr seiner Arbeit als Coach, Facilitator, Lernbegleiter oder was auch immer widmen kann.

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      1. Anonymous

        Woran machst du fest, dass der „Prozess in vollem Gange“ ist? Und was sagt es wirklich aus, wenn Schulen nun gezwungenermaßen ihre schulinternen Curricula umschreiben, so dass sie den Vorgaben bezüglich Kompetenzorientierung genügen?

        In Schulen sind schon viele Konzepte in Papier gegossen, bei vorgesetzten Dienststellen eingereicht, abgenickt und vergessen worden. Ältere Kollegen erzählen gerne davon, manche mit Bitterkeit, manche mit Schadenfreude und in manchen Schulen stehen sie noch die vergilbten Ordner.

        Viel wichtiger ist, wie sich die Umsetzung im Unterricht der einzelnen Lehrkräfte durchschlägt. Mich würde interessieren, wie das z.B. in Baden Württemberg aussieht, wo man unter einer gewissen Frau Schavan die Kompetenzen in einem verordneten Kraftakt in die schulinternen Curricula einband. Gerade in BW, so scheint es mir, wenn man die sehr gut ausgearbeiteten Materialien auf deren Bildungsserver ansieht, müsste man sehr weit voraus sein. Wie schaut es nun dort heute tatsächlich aus bezüglich Kompetenzorientierung im Unterricht?

        Zur Umsetzung von kompetenzorientiertem Unterricht müssten die Lehrenden zunächst kompetent gemacht werden. Wie wir wissen, Fehlanzeige in dieser Hinsicht. Das ist eigentlich der größte Knackpunkt, meiner Ansicht nach, siehe auch mein Post vom Mai letzten Jahres Ist kompetenzorientierter Unterricht ein Papiertiger?. Bisher hat sich, so meine Beobachtungen, nicht wirklich etwas geändert an diesem Zustand.

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        1. Maik Riecken

          Aber sowas von ACK, Damian! Ich habe in meinen noch nicht einmal acht Jahren Dienstzeit gelernt, dass Regierungen kommen und gehen und mit ihnen die Konzepte.

          Was ich heute für oder ausgelöst durch das KuMi schreibe und ersinne, ist in spätestens zwei Jahren Makulatur – entweder weil es so ein Mist ist, dass es gar nicht funktioniert oder weil gewählt wird. Die Zeit ist in meinem Unterricht besser angelegt.

          Ich sehe das Verfassen von Hauscurricula eher als karikierende Schreibübung: Wie bringe ich die Buzzwords der gerade hippen Ideologie so unter, dass keiner merkt, ob ich das ernst meine oder nicht?

          Wie bekommt man mich aus dieser Konditionierung heraus? (und ich halte mich noch für einigermaßen innovationsbereit).

          Man muss es „richtig“ machen und die LuL dadurch mitnehmen, dass man z.B. qualifiziert. Dann kann man auch fordern und mir den A. aufreißen, wenn ich stumpf den alten Trott fahre.

          Und die Qualifizierung kann nicht so aussehen, dass man mich nachmittags 100km entfernt einbestellt, mich in Würgshops das Thema selbst bearbeiten lässt und dann auch noch Fahrtgeld nur rausrückt, wenn der Topf es hergibt. Das soll ja in anderen Bundesländern als dem meinigen hin und wieder vorkommen :o)…

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        2. Felix Schaumburg

          Woran machst du fest, dass der „Prozess in vollem Gange“ ist? Und was sagt es wirklich aus, wenn Schulen nun gezwungenermaßen ihre schulinternen Curricula umschreiben, so dass sie den Vorgaben bezüglich Kompetenzorientierung genügen?

          Zuerst möchte ich kurz richtig stellen, dass ich nicht gemeint habe, die schulinternen Curricula hätten bereits wesentliche Züge einer Kompetenzorientierung angenommen. Nein, das haben sie nicht. Zumeist erstrecken sich die einzubindenden Kompetenzen auf eine Spalte der Tabelle, in der sich kryptographische Nummern befinden.

          Den Prozess, den ich meine, ist der Prozess, dass man sich von der starken inhaltlichen Fixierung löst und überlegt, welche weiteren Kompetenzen (ich nutze das Wort jetzt im Sinne von „Fähigkeiten und Fertigkeiten“, die zu einer Problemlösung eingesetzt werden können) in einem unterrichtlichen Rahmen gefördert werden können.

          Konkret: Wir erstellen zur Zeit ein verbindliches Mediencurriculum für unsere Schule. Dabei haben in einem ersten Schritt alle Fächer ihre Medieneinsätze in einer gemeinsamen Datenbank gesammelt. Aus diesem Sammelbecken wurde nun eine Übersicht erstellt, welche Tools in welchen Zusammenhängen zum Einsatz kommen.
          Als nächster Schritt wird nun anstehen, die Kompetenzen beim Umgang mit diesen Tools im Rahmen eines Spiralcurriculums aufeinander abzustimmen, sodass das Schreiben der Bewerbung in der Jahrgangsstufe 9 aufbauen kann auf den Erfahrungen der SchülerInnen aus den vorherigen Klassen, in denen ebenfalls mit der Textverarbeitung in unterschiedlicher Komplexität gearbeitet worden ist (1. Dokumente öffnen und speichern, 2. Text eingeben und ausdrucken, 3. Zeichenformatierungen, 4. Absatzformatierungen, 5. Seitenformatierungen, 6. Spaltenformatierungen, 7. Tabulatoren einsetzen, 8. Grafiken einbinden etc…. [keine vollständige Liste, sondern nur als Beispiel… bitte nicht in der Luft zerreißen :)])

          Im Rahmen dieser Curriculumsentwicklung wurde vielen klar, dass die Tools, die ja keinem Fach zugeordnet werden können sondern per se fachübergreifend sind, eine enge Abstimmung erfordern. Diese kann aber nicht rein nach „Funktionen“ erfolgen, sondern muss die Kompetenzen der SchülerInnen in den Blick nehmen.

          Zurück zur Ausgangsfrage und zum Statement von Maik: Der kritische Beitrag von Damian „Ist kompetenzorientierter Unterricht ein Papiertieger“ zeigt nachvollziehbar auf, dass es mit den Kompetenzen sein könnte wie mit anderen Konzepten, die ja nach Landesregierung mal so, mal so ausfallen können. Sicher.

          Lässt sich aber nicht fernab dieser politischen Klein-Kriege feststellen, dass sich offensichtlich das Bild von der Funktion von Schule und dem Prozess des Lernens verändert hat? Ist die (wenn auch oft taktische oder aktionistische) Diskussion um die Kompetenzen nicht ein Anzeichen dafür, dass das Bild von Schule grundlegend verändert werden soll; grundlegender als nur die Einführung einer neuen, noch effektiveren Lehr-Lern-Methode?

          Durch die Digitalisierung ergeben sich Sollbruchstellen. Eine dafür ist die Verfügbarkeit der Informationen in einer neuen Qualität (Geschwindigkeit). Hierauf reagiert das System durch Umstrukturierung. Noch zögerlich, aber es wird sicherlich noch deutlich weiter gehen.
          Vielleicht können wir ja irgendwann ganz auf Lehr-Pläne mehr, deren eigentlichen Ziel immer ein verbindlicher Kanon an Themen ist, der – und das ist wichtig – standardisiert abgeprüft werden kann.

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  2. Anonymous

    Ich möchte Thomas‘ Kommentar unterstützen.
    Die edushift-/ Leitmedienwechsel-/ relearn-Debatte neigt dazu, sich selber zu widersprechen bzw. zu früh abzubrechen.
    Einerseits betonen wir immer die „ganzheitliche Bildung“, die „Nachhaltigkeit“ etc.
    Dann stellen wir die Rolle des Lehrers in Frage, denn für die „Wissensvermittlung“ brauche man ihn nicht mehr. Aber „Wissenserwerb“ ist ja nur eine unter vielen Komponenten von Bildung. Das wissen wir doch eigentlich besser! Die Position „Musikschule“ bringt die ganze Debatte in Schieflage, weil sie beim „Üben“ stehenbleibt. Zur Bildung gehört ja auch, mit anderen zusammen zu musizieren, Musik zu komponieren und der Kritik auszusetzen, Konzerte aufzuführen, die Musik anderer in Gegeenwart und Vergangenheit kennenzulernen und zu diskutieren, eine Idee davon zu haben, dass Kunst und Kultur aus mehr als Musik bestehen … Für all das sind Wikipedia und Musiklehrer nicht schädlich. Aber Co-Lernende und Pädagoginnen sind dafür imho wichtiger.
    Für „Bildung“ würde ich deswegen die Rolle des Lehrers an sich nicht anzweifeln. Wir brauchen ihn nur nicht mehr so sehr für das Lehren, sondern für die Unterstützung beim Lernen. (Aber da predige ich hier ja gegenüber Evangelisten …)

    PS: Hatte ich in diesem Zusammenhang schon mal das Buch „why do i need a teacher when i’ve got google?“ empfohlen? http://goo.gl/jkXvQ (Und wem habe ich das Buch eigentlich gerade geliehen?)

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    1. Felix Schaumburg

      Moment! Das könnte ein Missverständnis sein. Ja, ein absehbares, wahrscheinlich. Der Vergleich mit der Musikschule verleitet dazu.

      Üben ist eine (!) Perspektive der Musikschule. Aber es gehört auch dazu, sich neben dem Üben auch um die musikalische Entwicklung in Gemeinschaften zu kümmern. Ich habe meine eigenen Erfahrungen assoziiert und dazu gehörte, nachdem man halbwegs das Cello halten und Noten lesen konnte, auch der Besuch eines Orchesters. Vielfach macht das Musizieren erst hier wirklich Spaß.

      Die Perspektive der Gemeinschaft und des Austausches mit Anderen sollte also bei dem Vergleich mit der Musikschule nicht ausgelassen werden. Es ging mir (und Dueck?) mehr um die Perspektive, dass man für einige Prozesse wie der primären Wissensaneignung nicht unbedingt eine Person braucht, die einen ständig begleitet und jeden einzelnen Schritt vorgibt.

      Da Schüler von 8 – 16 Uhr in den Schulen sind und dabei bis auf etwa 1,5 Stunden beständig von Lehrenden begleitet und beobachtet werden, ergibt sich kaum Raum, um dieses im wohlgemeinten Sinne „gute Üben“ zu praktizieren.

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      1. Lisa Rosa

        vielleicht könnte man – um etwas klarheit zu gewinnen – statt primär Wissensaufnahme, oder wie auch immer – über das finden von informationen sprechen. das ist eher, was gemeint ist, nehme ich an. die Leiter: daten, informationen, wissen, weisheit … ist immer noch ziemlich nützlich.

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  3. Lisa Rosa

    das könnte eine interessante diskussion mit vielen aspekten geben!
    ich steuere bei:
    @jmm_hamburg nee, wir sind nicht der meinung, dass der Lehrer nicht mehr nötig ist! aber seine rolle muss neu definiert werden.
    @wissen: wissen ist weder überflüssig geworden, noch kann man es „vermitteln“, d.h. von einem kopf in den anderen rübertransportieren. auch wissen bekommt eine neue definition, und er wissensbegriff hat sie längst. es gibt ne menge darüber zu lesen.
    @2+ modus. Ja, der Dueck guckt da ja auch nur auf das Verhalten in Systemen wie dem Schulsystem. „Wenn ich schon dies und jenes lernen/arbeiten muss, dann wenigstens mit Interesse …“ – aber wer will denn da stehn bleiben? Das tut der Dueck ja auch nicht! In seinem Buch „Wild Duck“ jedenfalls gibt es ja noch einen Exzellenz-Modus. Und auf den kommt es an. Alle sollen lernen/arbeiten dürfen, wie ihnen ihr persönlicher Sinn (Leont’ev) steht und das tun sie dann – und nur dann! – mit dem Einsatz ihres ganzen Lebens. Das ist doch dasselbe wie Sir Ken’s „Element“ oder Mihaly Szizcentmihalys „Flow“. Hinter diese Erkenntnisse fallen wir nicht mehr zurück. Egal wie man es nennt, Exzellenzmodus, persönlicher Sinn, Element oder Flow:
    Das Erziehungssystem muss das bringen und sich dafür fundamental ändern. Jetzt ist nicht mehr die Frage, ob, sondern nur noch wie. es ist längst eine strategische Frage geworden. an dieser strategischen Frage müssen wir arbeiten.

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  4. Maik Riecken

    Dueck hin oder her: Er zeigt in dem einem oder anderem Vortrag durchaus auch Diletantismus in einer Art, die ich mittlerweile für verzerrend halte.

    Nehmen wir das Faust-Beispiel: Es ist nicht erstrebenswert, den „Universalfaust“ später zu rezipieren, sondern der Aufbau(!) dieser Aufwertung mag für den einen oder anderen erfüllend sein. Wenn ein Schüler sich dabei festbeißt un das für seine Exzellenz hält – super. Wenn das Ding nie fertig, sondern immer besser und besser wird – super.

    Dabei werde ich ihn mit meinen Fähigkeiten gerne begleiten – das geht aber nicht ohne klassisches Überblickswissen, was erarbeitet sein will. Und nein – nicht alle müssen dazu den Faust lesen.

    Wir müssen keine Systeme ändern, sondern die Menschen und Einstellungen, die diese Systeme tragen. Klar kann ich z.B. Gesamt- und Ganztagsschulen verordnen, aber wenn die bösen Lobbybürger sie gar nicht wollen? Wenn es niemanden gibt, der unter den gebotenen Bedingungen dafür arbeiten möchte und die Befürworter in der Öffentlichkeit allenfalls als Spinner wahrgenommen werden?

    Die neuen Medien ändern daran nichts – sie bieten lediglich Potential für Veränderungen. Ihr Leben mussten die Ägypter und müssen die Libyer selbst riskieren, während wir hier sitzen und die Errungenschaften des Netzes beklatschen.

    „Hinter diese Erkenntnisse fallen wir nicht mehr zurück“

    Definieren wir doch einmal „wir“. Das könnte unter institutionellen und ideellen Machtfragen böse aussehen.

    Gruß,

    Maik

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    1. Lisa Rosa

      also ich hatte in erster linie mit „wir“ einige konkrete menschen gemeint, u.a. hier Jöran und Felix. aber insgesamt meine ich eigentlich schon eine größere anzahl von leuten, die mit bildung und „Neuen Medien“ zu tun haben, sowohl praktisch als auch theoretisch.
      Sag mal, Felix, gibt es in diesem discus eigentlich irgendwo einen speicherbutton, dass man nicht bei jedem kleinen kommentar immer alle daten neu eingeben muss? ich finds nicht. oder muss ich mich tatsächlich erst bei disqus registrieren lassen? ich finds umständlich.

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  5. Guido Gallenkamp

    Jetzt will ich auch mal 🙂

    Was der Felix da beschreibt ist ja einfach „nur“ eine Änderung der Spielregeln. Die Spielsteine bleiben die gleichen.

    1. Objekt: Die Puzzleteile
    2. Aktion: Puzzleteile sammeln
    3. Aktion: Puzzleteile zusammen setzen

    Bisher wurde die Schulzeit in erster Linie dafür verwendet, die 3) durchzuführen (Wissen). Selten, wenn mal ein wirklich guter Lehrer dabei war, war die 4) im Programm und die ganzen vielen 2) ergaben ein Bild (Bildung).

    Nun liegen die 2) aber heute überall herum und die 3) wird überflüssig. Damit einher geht auch der Überfluss der Personen, die bei der 3) bisher geholfen haben. Wenn sie denn nicht zur 4) in der Lage sind (weil Sie statt eines Big Pictures nur Puzzleteile einer bestimmten Sparte kennen), dann werden sie einfach durch das Smartphone mit Zugang zum Internet ersetzt, das vielleicht sogar 4) in Form von Hyperlinks beherrscht.

    Zu was er sein Puzzle verwendet, muss der kleine Luke selbst entscheiden. Das ist zwar nicht das Thema des Leitmedienwechsels, vielleicht aber ein kleiner und doch wichtiger Nebeneffekt. Denn ich habe immer den größten Respekt vor denen gehabt, die the Big Picture kannten. Die haben mich geprägt.

    Antworten
    1. Maik Riecken

      Die 3) wird überflüssig? Das ist aber gar nicht mein Eindruck und ich unterrichte an einer „selektierenden Eliteschule“ (= Gym). Gerade Zusammenhänge und Vernetzung sehe ich in den letzten Jahren in Zeiten des Bulemielernens schwinden und schwinden. In Chemie bekomme ich kein Teil mehr an das da liegende Puzzle, bzw. besser: Den Haufen an Puzzleteilen, der da liegt.
      Das hat durchaus nicht nur etwas mit Schule zu tun, sondern auch mit einer Gesellschaft, in der iDingens, Häuser und Autos mehr Geld wert sind als Kinder.

      Vielleicht besetze ich „Puzzle zusammensetzen“ aber auch anders als du…

      Gruß,

      Maik

      Antworten
      1. Guido Gallenkamp

        Äh nein! Das habe ich falsch korrigiert. Ich hatte ursprünglich eine andere 1 und die 1 war eine 2 und die 2 war eine 3 und die 3 war die 4. Also nochmal in echt:

        (1. ist futsch)
        2. Objekt: Die Puzzleteile
        3. Aktion: Puzzleteile sammeln
        4. Aktion: Puzzleteile zusammen setzen

        Ich bitte die Verwirrung zu entschuldigen! Sehe ich nämlich alles genau so wie Du.

        Antworten
  6. Thomas Kuban

    mir brummt der schädel (könnte auch an vera liegen, die ich grad korrigiere…). aber ich würde gern noch ein, zwei gedanken äußern.

    zum einen @felix und lisa: könntet ihr ein konkretes bild zeichnen, wie schule / wissen / Lehrer / Lernender in eurem verständnis aussehen sollen? und zwar möglichst konkret. ich tu mich grad schwer mit theorie. vielleicht mal in groben stichworten den ablauf einer schulwoche schildern?

    zum anderen fiel mir bei @damian auf, was mir quer im kopf liegt, seitdem ich mich in lerherforen und -blogs herumtreibe: wir sind doch alle irgendwie in unterschiedlichsten bildungssystem sozialisiert. das, was er mit curricula und kompetenzen umschreibt, ist hier in bayern nahezu nicht angekommen. ich weiß, dass der deutschlehrplan des gym das irgendwie schon umsetzt (aber das eher in form von feigenblättchen) und die folgenden lehrpläne bis 2015 das auch umsetzen wollen. aber ansonsten sind wir z.b. an der realschule, an der ich unterrichte, von diesen themen noch weit entfernt.

    und wenn ich die verbandszeitschrift meines ex-verbandes anschaue, dann wird dieser zustand (bayern steht ja an der spitze…har har) auch mit hauen und beißen verteidigt.
    soll heißen: wir reden, aber sprechen von verschiedenen dingen, habe ich manchmal das gefühl. dies mag einerseits in den systemen verwurzelt sein, andrerseits in meiner eigenen schulerfahrung.

    und dies scheint ja schon am begriff „wissen“ zu liegen.

    at last:
    gibt es eigentlich irgendwo ein bundesländerübergreifendes gremium, welchem aktive lehrer angehören?

    Antworten
    1. Lisa Rosa

      also ein konkretes bild, wie schule, wissen, lehrer , lernender aussehen soll, … da habe ich einiges dazu, was die ebene von kommentaren sprengt. vorbilder von schulen: z.B. die sudbury valley school. meine eigenen vorstellungen haben mit mobiles und mit der auflösung von festen lerngruppen und festen stundenplänen, sowie mit der selbstbestimmung der lernenden über ihre gewünschten ziele und inhalte zu tun. der ablauf einer schulwoche? jede woche anders, an jeder schule anders und für jeden schüler und jeden lehrer anders 😉 ich meine außerdem, dass wir unterscheiden müssen, zwischen dem, was wir gerade sehen, (das ist doch ein snapshot, ein still eines sich wandelnden), und dem, was wir uns wünschen. und noch: dass sich etwas „tut“, kann man nur sehen, wenn man ein wenig zurücktritt und sich den laden mal aus der historischen hubschrauberperspektive als gesamtbild betrachtet. da kracht es an zugespitzten widersprüchen nur so. aber wie schon an anderer stelle gesagt: wichtig ist im moment Bateson: „Finding the solution is not the problem – understanding the problem is the problem.“ Es macht gar keinen sinn, verschiedene lösungsmöglichkeiten zu diskutieren, wenn man sich nicht zuvor auf eine genaue problemdefinition hat einigen können 😉

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  9. Lisa Rosa

    muss noch mal was sagen. ich finde die idee mit dem „musikschulmodus“ interessant. ich war ja auch mal musikschullehrerin und habe querflötenschüler gehabt. das tolle war immer der coaching-modus, den man einnehmen MUSSTE, wenn man sich gegenüber der Schülerin, die selbst bestimmt hat, ob und wieviel sie üben wollte, nicht mit einem dummen übergestülpten Hausaufgabenprogramm sich lächerlich machen wollte. es war eben einfach nicht normativ ranzugehen bei 1 schüler. entweder er hat geübt, oder er hat nicht. da konnte man sich aufn kopf stellen. das hat er selbst bestimmt. naja, und da hat man eben mit dem schüler das gemacht, was für diesen einen schüler gut war. und wenn es hieß: über seine probleme mit den eltern sprechen und ihn trösten und mut machen. (das war gar nicht so selten!) Es ist sozusagen das Einzelcoaching, das unbedingt durch gruppenaktivitäten ergänzt werden muss! das haben wir auch erst in den 70ern enttdeckt, dass man die instrumentalkids nicht bloß einsam ihr instrument lernen lassen, sondern auch in ensembles spielen lassen muss, damit es einen sinn für sie macht …

    So, was ich eigentlich sagen wollte: ob training (üben/practicing) oder lehrgang oder (erkundungsprojekt) als Lernform – das ist doch vor allem vom Gegenstand abhängig. Wenn Marathon oder Geige, dann vorwiegend training / üben, aber eben auch nicht nur. Und wenn Sowi (oder politik), dann vorwiegend erkundungsprojekte – aber auch da ist üben im sinne eines practicing von politischem verhalten in der schulrealität ja unerhört wichtig! (z.B. z.B. die schulcommunity rocken und ein blog für den schülerrat aufsetzen, oder sich im unterricht dafür einsetzen, dass die schülerInnen die unterrichtsgegenstände mitbestimmen dürfen!)

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