Digitale Schule 2020

Neun Jahre sind es noch bis 2020. Eine verschwindend kurze, oder viel zu lange Zeit. Es kommt auf die Perspektive an. Die Digitalisierung des Alltagslebens schreitet bis dahin mit immer größer werdenden Schritten voran. Google feiert seinen 22 Geburtstag – ist also fast doppelt so alt wie heute.
Auch in der Schule wird sich die Digitalisierung und Rationalisierung nicht verhindern lassen. Für Nostalgiker eine schwere Vorstellung, dass die Nutzung des Papiers zurück geht, der Füller nur noch als Status zählt und die Zeiten der kleinen roten Notenbücher vorbei sind. Ich möchte skizzieren, an welchen Stellen neue Arbeitsabläufe entstehen könnten, die die bisherige Praxis ablösen. Durch zentrale Datenbanken und deren Vernetzung werden sich viele Verwaltungsaufgaben in viel kürzerer Zeit erledigen lassen.

Noteneingabe

Noten werden nur noch digital in einer zentralen Datenbank verwaltet. Die Zeugnisse werden daraus auf Knopfdruck erzeugt. Konferenzen, auf denen die Noten korrigiert und ergänzt werden, sind nicht mehr nötig. Man kann die Zeit für pädagogische Überlegungen verwenden.
Eine Zeugniskonferenz, bei der alle Lehrenden unbedingt anwesend sein müssen, ist keine Notwendigkeit mehr, sondern wird nur in besonderen Fällen einberufen. Vor dem Zeugnisdruck müssen alle Lehrenden einmal ihre bisher eingetragenen Noten bestätigen oder manuell gewichten und dann die finale Note bestätigen. Die Identifikation geschieht über eine ID-Karte / via Mobiltelefon/NFC oder ähnliches.
Neben dem Ausdruck kann das Zeugnis auch als PDF zum Download zur Verfügung gestellt werden. Der Schüler kann seine Notenentwicklung über seinen persönlichen Zugang ebenso einsehen wie die Zeugnisse der vergangenen Jahre.
Die in der Sekundarstufe I wichtigen Abschlussprognosen werden automatisch quartalsweise erstellt und den Lernenden zur Einsicht freigeschaltet.

Vertretungsplan

Lehrende können krank sein oder aus anderen Gründen ausfallen. Da wir in 2020 weiter als Grundannahme von Schule haben, dass Schüler nur in Anwesenheit eines Lehrers arbeiten können, gibt es immer noch Vertretungspläne. Diese sind aber immer und überall mit einem Mobiltelefon oder Tablet einsehbar und mit den privaten Kalendern der Lehrer synchronisiert.
Fehlt ein Lehrer und ich habe gerade eine Freistunde, so kann ich über eine Push-Nachricht angefordert werden, die Vertretung zu machen. Natürlich kann ich auch ablehnen, wenn dies nötig ist.
Die jeweils aktuellen Stundenpläne findet man in einem gemeinsamen Kalender aller Lehrender und kann den Aufenthaltsort eines jeden Kollegen während der Arbeitszeit in der Schule aktualisiert sehen.

Anwesenheitslisten

Die Anwesenheit der Schüler und Lehrer wird zentral erfasst. Vorbei die Zeiten, in denen Schüler mit einer Entschuldigung zu jedem Lehrer laufen mussten, um sich zu entschuldigen. Und wenn man das mal vergaß, gab es unentschuldigte Fehlstunden. Eine Krankmeldung wird einmal abgegeben und gilt dann für einen angegebenen Zeitraum – was auch immer innerhalb des Zeitraumes liegt (Klausuren, Besprechungen…). Natürlich können Krankmeldungen auch morgens von zu Hause aus angemeldet werden.
Das System erkennt von selbst, welche Schüler fehlen und erstellt daraus, zum Beispiel bei Klausurterminen, die Nachschreibtermine. Das muss nicht mehr mit fehleranfälligen Excel-Tabellen gemacht werden.

Online Lernräume

Jede Lerngruppe hat einen digitalen Lernraum, den man partiell freischalten kann. So gibt es Bereiche, zu denen auf Wunsch nur die Lehrer / oder die Schüler Zugriff haben. Andere Teile wiederum können für  die Außenwelt geöffnet werden, um beispielsweise Blogs und Wikis zu präsentieren und einem größeren Kreis von Personen zuständig zu machen. Eine solche Community ist modular aufgebaut und kann durch einfaches drag-n-drop von Elementen individuell konfiguriert werden (Wiki, Blog, Chat, offen, geschlossen, Feedback, Umfragen, Dokumente, Mediaproduktion, andere Cloud-Dienste…). Der Support wird außerhalb der Schule erledigt, die Administration liegt bei der Schule.

Digitale Informationssammlungen (ehemals Bücher)

Bücher gehören der Vergangenheit an, sie wurden abgeschafft. Grundlagenliteratur und ausgewählte Informationswolken zu einem Thema werden den Schülern als digitale und dynamische Dokumente bereit gestellt. Diese Dateien sind untereinander verknüpft und können auch an die digitalen Lernräume angeschlossen werden, sodass in Arbeitsgruppen am gleichen Material gearbeitet werden kann. Ergebnisse von Experimenten können so direkt gemeinsam notiert und ausgewertet werden, es gibt sofortiges Feedback zu Übungen und in den Sprachen kann bei Theaterstücken auf unterschiedliche Interpretationen einer Rolle auf Videos zurückgegriffen werden (siehe dazu u.a. Gunter Dueck in seinem TEDx Vortrag).

Absprachen

Möchte ich mich mit einem Kollegen austauschen, so kann ich ihm eine Anfrage per ‚Mail‘ verlässlich zukommen lassen oder direkt in seinen Kalender schauen, ob er in den vom ihm selber definierten Zeiträumen noch frei ist. Das Konzept wird bereits ähnlich von tungle.me und doodle.com verfolgt und hat – eingebunden in die Terminverwaltung – echtes Potential.

Termine der Schulgemeinschaft

Die Termine der Schulgemeinschaft wie Konferenzen, Theateraufführungen oder Arbeitskreise werden in verschiedene Kategorien aufgeteilt (getaggt) und als einzelne Kalender angeboten. So kann ich für mich persönlich die Kalender auswählen, die für mich relevant sind und sehe sie täglich aktualisiert. Auf diese Weise gibt es einen konsistenten Terminbestand, der für die gesamt Schulgemeinschaft von der Orga der Schule abgesegnet werden kann (nicht muss).
Über die digitale Lernräume können darüber hinaus einzelne Arbeitsgruppen zusätzliche Kalendergruppen installieren und öffentlich oder geschlossen bereitstellen.

Elternsprechtage

Bei Elternsprechtagen werden zurerst die Gesprächswünsche von Eltern und Lehrern gesammelt und dann eine automatische Verteilung vorgenommen, die den Eltern einen möglichst kompakten Besuch ermöglicht und den Lehrern eine verlässliche Planung gibt. Nachzügler und weitere Besuche können von den Eltern in den öffentlichen Kalendern angemerkt werden. Der Lehrer bekommt darüber (auf Wunsch) eine Nachricht und kann dem Termin bestätigen oder verwerfen. Selbstverständlich kann er auch alle noch freien Termine ohne gesonderte Bestätigung durch die Eltern belegen lassen, sodass er am Morgen des Elternsprechtages im Kalender den letzten Stand automatisch synchronisiert erhält.

Anmerkung

Ich möchte hier keine pädagogische Vision entworfen haben, sondern nur ein paar technische Abläufe skizzieren, auf die ich hoffe, in Zukunft zurückgreifen zu können. Dass darüber hinaus hoffentlich auch pädagogisch einiges anders läuft, steht außer Frage.

Bin gespannt, wenn ich in 9 Jahren auf den Blogbeitrag zurückgreifen kann.

32 Gedanken zu „Digitale Schule 2020

  1. Lisa Rosa

    klingt, als wuerde die digitalisierung sich in der schule ausschliesslich im verwaltungsbereich niederschlagen, waehrend die paedagogik und das lernen, sowie das system „schule“ voellig unbehelligt seine form aus der industriegesellschaft aka buchkultur beibehaelt. ich glaub an trojaner. und ich glaub, dass es sogar schneller geht mit dem uebergang in eine neue lernkultur. aber ich bin vielleicht ein unverbesserlicher optimist.

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  2. Lisa Rosa

    haette deine anmerkung vor dem antworten lesen sollen. ist das jetztneu, dass mandie wichtigen sachen in anmerkungen aka fussnoten tut? #antiguttiprotestnote? 😉

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  3. Anonymous

    Im technologischen Bereich wird sich definitiv eine Menge tun. Schon seit sicherlich zehn oder mehr Jahren ist viel Bewegung zu beobachten. Nur ist diese sehr gestreut. Es gab schon immer einzelne Schulen, welche viele der von dir beschriebenen Technologien benutzen. Zentralisierte Notenverwaltung über einen Server kenne ich von einzelnen US Schulen schon seit vielen Jahren. Digitale Anwesenheitsverwaltung etc., das findet man immer wieder. Neu ist eigentlich also wenig abgesehen von den Cloud basierten Diensten etwa für Lernräume.
    Die Aufgabe der kommenden Jahre wird sein, diese Technologien in die Breite zu tragen. Vermutlich wird es vor allem Druck aus den Verwaltungsstrukturen von oben herab sein, der große Teile dieser Technologien nach unten durchdrückt. Die Zeugnisnotenverwaltung ist ein gutes Beispiel dafür.
    Inwieweit das den pädagogischen Bereich digitaler Technologien berührt, ist schwieriger abzuschätzen. Doch auch dort können äußere Zwänge, etwa durch die Verlage, zu innerschulischen Veränderungen führen.

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  4. Jan Reher

    Hm. Ich glaube ich gehöre zur Fraktion, die 9 Jahre für eine „lange“ Zeit hält 🙂 So ziemlich alles, was du beschreibst, gibt es heute schon; ich lese grade raus, dass du schlicht davon ausgehst, dass das morgen zur Selbstverständlichkeit geworden ist und überall anzutreffen ist.

    Meiner Ansicht nach werden wir in 9 Jahren schon weiter sein. Ich denke, dass die flächendeckende Verwendung von digitaler Kommunikation statt schlichten Telefonaten und Briefen schon in wenigen Jahren zum Alltag gehört, so dass die digitalen Werkzeuge von heute längst Schnee von Gestern sind und weiterentwickelt wurden 😉 Ich bin gespannt, was da noch kommt, aber es wird mit Sicherheit noch weitere innovative Ideen wie Moodle und Doodle geben, auf die wir dann bei der Verwaltung zurückgreifen. Intelligenter, für den Benutzer intuitiver, ziemlich sicher mächtiger und flexibler.

    Ich hoffe, dass die Schule Unterstützung von außen bekommt, dass wir dann wirklich auf schulspezifische Software und dynamische Schulbücher zurückgreifen können. Da habe ich meine Zweifel, dass das von selbst kommt, das klappt ja schon heute nicht, während außerhalb der Schule die digitale Entwicklung riesen Sprünge macht.
    Möglich wärs, schaun wir mal.

    Ach, und nein, über Datenschutz & Co bin ich beim Lesen gar nicht gestolpert, für mich ist schwer vorstellbar, dass sich die digitale Organisation von Schule davon aufhalten lässt. Eher sehe ich, dass die Verlage weiterhin bei den digitalen Schulbüchern blocken und wir in 9 Jahren immer noch nicht da sind, wo wir eigentlich sein könnten, weil sie um ihr Einkommen fürchten.

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    1. Felix Schaumburg

      1. alles, was du beschreibst, gibt es heute schon:
      Ja, die Technologien sind „irgendwie“ schon alle vorhanden, aber nicht vernetzt und vor allem: so gut wie ungenutzt. Ich würde mich standardisierte Schnittstellen wünschen, über die die verschiedenen Tools (halb-)automatisiert kommunizieren können, sodass ein Gesamtpaket entsteht, das unabhängig vom Betriebssystem besteht.
      Moodle und Doodle würde ich eher als Tech-Demos bezeichnen, die es in den breiten Einsatz (zumindest in Schule) bisher nicht geschafft haben – auch nicht als Einzel-Tools.

      2. Meiner Ansicht nach werden wir in 9 Jahren schon weiter sein.
      Würde ich mich sehr wünschen. Wenn ich jedoch beobachte, wie schwer es teilweise ist, jemanden Verständnis für die Verwendung eines digitalen statt papiernen Kalender zu vermitteln… Würden diese Menschen ihren kompletten Arbeitsablauf mehr oder weniger auf „Digital“ umstellen oder zumindest dahingehend öffnen? Das geht wahrscheinlich nur durch einen gewissen äußeren Stimulus…

      3. …schulspezifische Software und dynamische Schulbücher
      Schule soll bitte keine Eigenentwicklungen einsetzen, wenn es dafür bereits freie Software gibt. Das Ökosystem um Schule herum hat sich angewöhnt, dass gerne das Rad neu erfunden werden darf.
      In anderen Teilen sind in der Tat Entwicklungen für die Schule notwendig. Zum Beispiel bei den Schulbüchern. Ich war erfreut zu lesen, dass Klett wohl derzeit ein Konzept für ein digitales Schulbuch erprobt (hier die PR Meldung, Punkt 9) Immerhin!

      4. Ach, und nein, über Datenschutz & Co bin ich beim Lesen gar nicht gestolpert
      Zentrale Erfassung aller Absenzen? Von Lehrern wie Schülern? Wenn das heute nicht mehr aufstößt, hat sich in der Tat etwas geändert.
      Wird keine Kritik mehr laut, dass dies doch die pädagogische Freiheit einschränkt? Dass Schule zu einer Kontrollinstitution wird (wird?), aus der sich keiner stehen kann? Dass die Eltern jederzeit Bescheid wissen, wann ihr Kind in der Schule war und sie wieder verlassen hat? Ist diese umfassende Kontrolle gut?

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      1. Jan Reher

        Zu 1./2.: Na klar, natürlich ist da noch eine Menge zu tun. Ich stimm dir da komplett zu, mir war aber ein anderer Punkt wichtig: Wir haben halt wirklich bisher in erster Linie noch nur Tech-Demos, unausgereifte Software, etc. Die digitalen Werkzeuge sind jung, wir stehen da noch ganz am Anfang der Entwicklung. Ich bin mir sicher, dass sich da in den nächsten Jahren viel tut und sie auch immer weiter in die Gesellschaft vordringen werden. So wie heute die mobile Kommunikation à la Handy weitestgehend ausgereift ist und von der Masse benutzt wird, wette ich dass auch mobiles Internet und die Digitalisierung von Kalendern & Co sich weiterverbreiten wird, wenn sie benutzerfreundlicher und leichter zugänglich werden. Ich seh da weniger große Probleme als du und denke, dass wir das nicht bei Kollegen erzwingen brauchen, das wird sich ganz von selbst geben… So wie heute Arbeitsblätter etc. am PC geschrieben werden und nicht mehr mit der Schreibmaschine.

        Und ich denke, dass wir da in 9 Jahren ganz woanders stehen werden als heute. Ich rechne mit weiteren evolutionären Sprüngen bei den digitalen Werkzeugen, die in 9 Jahren unsere Kommunikation und Arbeitsweise prägen werden. Und diese ungewissen, aber möglichen Weiterentwicklungen fehlen mir ein wenig in der Vision, du beziehst halt nur die Entwicklungen von heute ein.

        Zu 3.: Oha, das ist mir neu, danke für den Link. Das freut mich sehr, dass Klett sich daran versucht.

        Zu 4.: Wie gesagt, ICH bin da nicht drüber gestolpert. Es wird sicher Menschen geben, die mit solchen Argumenten kommen werden. Aus meiner Sicht werden Schülerdaten bereits heute in der Schulverwaltung gespeichert, diese produktiver zu nutzen und dort weiteren Mehrwert rauszuziehen würde ich nur begrüßen. Aus deiner Vision habe ich nicht rausgelesen, dass diese Schüler- und Lehrerdaten offen ins Netz gestellt werden, ich ging beim Schreiben davon aus, dass diese schulintern in der beschriebenen Weise genutzt werden. In Lösungen wie iserv ist es doch problemlos möglich, diese Fortschritte datenschutzkonform zu gestalten. Wenn Daten den Eltern nicht zugänglich sein sollen, weil das die Rechte des Kindes verletzt, dann sind diese für Eltern halt nicht einsehbar, sondern nur für die Schulleitung, PäKos etc.

        Ich würde mich auch gegen eine digitale Version von umfassender Kontrolle sträuben, falls das die Vision war, die du zeichnen wolltest. Aber Terminabsprachen für Elternabende, Notenvergabe, Vertretungspläne und Krankmeldungen zu digitalisieren, um die Organisation effizienter zu gestalten kann positiv umgesetzt werden, ohne dass einer beteiligten Gruppe Nachteile entstehen. Ich ging von einer solchen gut gemachten Umsetzung aus 🙂

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        1. Felix Schaumburg

          Genau in diesem grundsätzlich „gutem“ Sinne war es auch gemeint. Datenschutz wird durch die digitalen Speicherungen nicht ausgehebelt, sondern neu definiert.
          Ich möchte in der Schule sicherlich nicht voreilig all das installieren, was ich politisch für fragwürdig halte (Vorratsdatenspeicherung, JMStV etc…)

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      1. Felix Schaumburg

        Glaubst Du, dass Android größere Chancen hat, als bevorzugte Plattform angesehen zu werden? Alles, was ich bisher von Entwicklern höre, geht eher in die andere Richtung. Zwar ist bei Apple nicht alles vernünftig, aber zumindest ist die Hardware-Plattform einheitlich, die Bildschirmauflösungen bekannt und vor allem: Es gibt ein funktionierendes Bezahl und DRM System. Ist das nicht das, was gewünscht wird?

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  5. Fkerler

    Die Prognose lässt alle inhaltlichen Grundannahmen unangetastet. Es kommen technische Abläufe zur Sprache. Ich hoffe auf Einsichten, die durch die Digitalisierung selbst gefördert werden: Zwischentöne, feine Wertdifferenzen, kontinuierliche analoge Betrachtung wird es schwerer haben. Die Quantisierung, die Operation der Digitalisierung, wird sich standardisierend, entdifferenzierend, nivellierend auswirken.
    Die Forderungen einer Schule als Dienstleistung kurzfristig gewünschter Ausbildungen werden lauter. Bildung wird an Bedeutung verlieren, die Entwicklung allgemeiner Fähigkeiten wird zu gunsten konkreter Fertigkeiten eingeschränkt … Kombinatorik wird als Innovation geübt, assoziative Kreativität Wenigen vorbehalten bleiben.

    Antworten
    1. Felix Schaumburg

      Die Frage ist, ob der Prozess der steten „Computerisierung“ nicht eh stattfindet und daher auch in der Schule früher oder später Fuß fassen wird. Koppelt sich Schule aus der gesellschaftlichen Entwicklung ab, verspielt sie ihre Funktion. Man kann aber berechtigt die Frage stellen: Muss denn alles durch Digitalisierung substituiert werden?
      Weizenbaum problematisiert in seinem Buch „Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft“ (http://beat.doebe.li/bibliothek/b00030.html) ganz treffend, dass sich unser Denken und Handeln mehr und mehr digitalen Strukturen angleicht und daher der Computer eben nicht in allen Bereichen eingesetzt werden darf, wo er eingesetzt werden kann.

      Die oben benannten Skizzen befassen sich in erster Linie mit Verwaltungsabläufen, die heute schon hoch standardisiert sind (Noten) und vor allem durch die langen Wege über viele Schreibtische unglaublich viel Zeit fressen. Hier ist eine Rationalisierung notwendig.

      Neben der technischen Ebene hat die „Digitalisierung“ aber auch eine kulturhistorische Komponente, die sich langfristig auf die Art, wie wir denken, auswirken wird. Ich sehe nicht, dass die neuen Werkzeuge das Denken einschränken oder zu einer ‚Entdifferenzierung‘ oder ‚Nivellierung‘ führen. Vielmehr bin ich mehr und mehr gezwungen, selber die Differenzierung zu betreiben, um in einem Strom von Informationen die Fragen der Relevanz für mich zu klären.

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  6. Fkerler

    Die Prognose lässt alle inhaltlichen Grundannahmen unangetastet. Es kommen technische Abläufe zur Sprache. Ich hoffe auf Einsichten, die durch die Digitalisierung selbst gefördert werden: Zwischentöne, feine Wertdifferenzen, kontinuierliche analoge Betrachtung wird es schwerer haben. Die Quantisierung, die Operation der Digitalisierung, wird sich standardisierend, entdifferenzierend, nivellierend auswirken.
    Die Forderungen einer Schule als Dienstleistung kurzfristig gewünschter Ausbildungen werden lauter. Bildung wird an Bedeutung verlieren, die Entwicklung allgemeiner Fähigkeiten wird zu gunsten konkreter Fertigkeiten eingeschränkt … Kombinatorik wird als Innovation geübt, assoziative Kreativität Wenigen vorbehalten bleiben.

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  7. Benjamin Heindl

    Achtung, völlig schamlose Eigenwerbung:
    http://www.iserv.eu/
    Ich habe den Blogeintrag aus meiner Twitter-Timeline eines befreundeten Lehrers gefischt, und viele der angesprochenen Dinge sind bei uns mindestens in Ansätzen, wenn nicht komplett umgesetzt. Kommunikation per Mail, Forum und Chat gehören genauso dazu wie Terminplanung per Kalender und die online Vertretungspläne – alles geordnet nach Benutzern, Lerngruppen oder der Schulöffentlichkeit.

    Ich schmeiße auch gerne eine Runde Demo-Accounts für alle, wenn die Sache interessant klingt 😉

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    1. Felix Schaumburg

      Keine Frage, dass es Lösungen bereits gibt. Und wir in Wuppertal haben ja sogar die Möglichkeit, iserv.eu zu nutzen! 🙂

      Nur: wer tuts? Bei Lo-net und vielen anderen Plattformen ist das Problem: Die GUI ist zu kompliziert, die Module nicht flexibel genug, die Plattform in sich geschlossen etc. Die technischen Entwicklungen sind oft bereits angelegt, aber es ist noch nicht „rund“.

      Das primäre Problem wird auch nicht die technische Umsetzung sein, sondern ein wirklicher und produktiver Einsatz in den Institutionen. Vielleicht wird hier mehr noch als bei der Programmierung die Schwierigkeit liegen, das Ziel 2020 zu erreichen 😉

      Beispiel: Wie sind die Reaktionen, wenn man fordert, dass „ab heute alle KollegInnen die wichtigen Unterlagen nur noch per E-mail bekommen“? Selbst auf dieser Ebene ist der Gegenwind spürbar…

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      1. Konstantin

        Es wäre doch auch schon mal ein gewaliger Sprung nach vorne, wenn es zumindest die Möglichkeit gäbe den Lehrern die das wollen die Informationen elektronisch zur Verfügung zu stellen.
        Nach dem Motto: Elektronisch? Opt in! Holz? Opt out!

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  8. Anonymous

    Kommen wird gerade im Bereich Verwaltung deutlich mehr IT. Der gläserne Schüler von der Kita bis zum Studium. Wir sind bereits auf gutem Wege dorthin. Auch Lehrer werden verwaltungstechnisch zunehmend zum gläsernen Lehrer und von der Unterrichtsstunde bis zur Endnote erfasst.
    In der Wirtschaft ist digital bereits Standard, seit Ewigkeiten. Mein eigener Versuch, einen Online Kalender an der Schule zu etablieren als Ersatz für den seit Jahrzehnten zum Schuljahresbeginn in Papierform ausgedruckten ist mehr oder weniger gescheitert. Zwar gibt es den Kalender noch, doch auch der aus Papier musste wieder her, da sich Mitglieder des Kollegiums schlichtweg weigerten, die Onlineversion zu nutzen und deswegen Termine verpassten. Die Schulleitung gab klein bei und das war es. Das Problem wird sich an meiner Schule erst lösen, wenn entweder die Schulleitung entsprechenden Druck aufbaut oder die, die den Computer nur zum Arbeitsblätter erstellen nutzen, keine Lehrer mehr sind.
    Genau das sind – mal abgesehen von der Finanzierung zunehmender Digitalisierung von Schule – die entscheidenden Faktoren, welche den Einzug digitaler Techniken (wie auch der damit verbundenen pädagogischen Möglichkeiten) in Schule bestimmen, Bereitschaft der Betroffenen und Druck von oben oder außen.
    Wären Schulen Wirtschaftsunternehmen, sähe vieles vermutlich schon heute ganz anders aus. Weigert sich in der Wirtschaft ein Arbeitnehmer, mit dem Computer zu arbeiten, E-mails zu empfangen oder Termine online zu buchen, so hat er die längste Zeit einen Arbeitsplatz gehabt. Lehrer in Schulen können sich, so erlebe ich es täglich, der Sache schlicht und einfach verweigern. Punkt. Die Deutschlehrer beispielsweise lassen Texte einfach nie am Computer schreiben und überarbeiten und die Mathematiklehrer geben ihren Schülern keine Gelegenheit, mit Tabellenkalkulationssoftware oder Geometrieprogrammen zu arbeiten. Wer mit den neuen Möglichkeiten der digitalen Medien arbeitet, bleibt weitestgehend der Beliebigkeit überlassen. Einzige Ausnahme ist die Eingabe der Zeugnisnoten, der sich keiner entziehen kann, außer er oder sie findet einen Dummen, der es übernimmt.

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    1. Maik Riecken

      „Lehrer in Schulen können sich, so erlebe ich es täglich, der Sache schlicht und einfach verweigern. Punkt.“

      Deswegen brauchen wir leider noch psychologische Tricks, um Sätzen wie „Das soll ich jetzt auch noch machen?“ bzw. der inakzeptablen Haltung dahinter zu begegnen. Bei uns ist der Vertretungsplan im Netz abends immer ein klein bisschen aktueller als der am vorausgehenden Mittag. Auch E-Mails könnte man reichhaltiger und schneller versenden als z.B. die Papiervariante.

      E-Mails – ein Relikt aus der Industriegesellschaft – wie Lisa wahrscheinlich gerne sagen würde. Ich denke zurzeit für unseren großen Kasten über ganz andere Ansätze nach, z.B. ein SocialMedia-Bolide wie Mahara/Elgg zum Informationsaustausch. Gruppen können dort geschlossen und offen sein und jeder kann sie einrichten. Schnittstellen hats auch reichlich. Timelines gäbe es zumindest bei Elgg.Das wäre die Spielwiese fürs Kollegium. Die Schulleitung braucht wahrscheinlich doch eher E-Mailverteiler.

      Gruß,

      Maik

      PS:
      LDAP ist als verbindender Standard eigentlich sehr brauchbar – kann man unglaublich viel mit machen.

      PPS:
      Der Trojaeffekt sehe ich sehr kritisch… Ist ein Bauchgefühl. Es braucht ja fundamental andere Auffassungen von „Leitung“ und „Lehren“, die nach innen durchschlagen müssen. Ein Taschenmesser aus der Schweiz mcht micht noch lange nicht zum Überlebenskünstler. Dazu muss es schon in die Wildnis gehen.

      PPPS;
      Freue mich auf Bremen (Educamp).

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    2. Jan Reher

      Ich lese bei dir irgendwie nur Druck und Zwang heraus. Solange der neue Kalender keine Vorteile für die Kollegen hat, sondern ihnen mehr Arbeit macht (Anstatt einen verteilt zu bekommen, müssen sie ihn selbst ausdrucken etc), kann ich sie verstehen, wenn sie sich dagegen sperren. Wenn Menschen keinen PC benutzen, weil sie ihn weder für ihre Arbeit noch für ihre Freizeit brauchen, versteh ich nicht, warum man sie dazu zwingen sollte.

      Was ist denn so immens wichtig an einem digitalen Kalender, dass die Schulleitung da so einen Druck ausüben soll, um ihn durchzusetzen? Wenn ich mir derzeitige Kalender anschaue, finde ich auch die aus Papier hübscher und leichter benutzbar. Die digitalen sind effizienter, lassen sich syncronisieren und können weitere Spielereien, aber ich sehe keinen Grund, warum er Menschen gegen ihren Willen aufgedrückt werden sollte?

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      1. Anonymous

        Ich denke, so ein digitaler Kalender hat viele Vorteile. Der aus Papier ist immer nur vorläufig und wird nach und nach ergänzt. Das muss dann durch Papier erfolgen, welches verteilt oder ans Schwarze Brett gehängt wird. Auch das wird immer mal wieder übersehen. Digital ist einfach flexibler und leichter zu managen, wie du selbst schreibst.
        Online Kalender bringen vielleicht nicht für jedes Individuum Vorteile, für das System insgesamt aber doch. Das zählt für mich in diesem Fall mehr.

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  9. Thomas Kuban

    Ja, einiges gibt’s schon…
    – in by werden schülerdaten ab demnächst zentral in München gespeichert und abrufbar gemacht
    – absentenlisten können schon elektronisch erfasst werden, auch über Browser
    – Elternbriefe werden elektronisch verschickt, Termine für Elternsprechabende können vorab über Internet gebucht werden
    – der Notenmanager erfasst und berechnet Noten
    – Schulaufgaben und sonstige Termine werden über eine ausgelagerte groupware ( openxchange) verwaltet…

    Der Datenschutz steht halt bei allem in der Tür … Das durfte eine Hürde sein.

    Antworten
  10. Julius Becker

    Wenn wir schon am Fantasieren sind:

    Ich begrüßte es sehr, wenn man elektronisch auch mehr Tests, Klassenarbeiten und Klausuren laufen lassen könnte. Alle natürlich kompetenzorientiert entwickelt. Die Aufgabenentwickler erhalten auf diese Weise anonymisiert Feedback zu ihren Aufgaben, der Lehrer sieht den Stand jedes Schülers (und kann ggf. noch »Förderaufgaben« empfehlen) und die Schüler wissen auch genauer, wo sie derzeit stehen.

    Zu den Vertretungsplänen. Hier möchte ich auf die Diskussion zwischen Lisa und dir zurückkommen, in der du datenschutzrechtliche Proteste erwartest. Solche Probleme sehe ich in der Tat bei den Vertretungsplänen: »Diese sind aber immer und überall mit einem Mobiltelefon oder Tablet einsehbar und mit den privaten Kalendern der Lehrer synchronisiert.«
    Ich wüsste es nicht, was es die Welt interessieren sollte, dass Lehrer XY krank ist. Das geht die Lehrer, die ihn vertreten, sowie die Schüler, die ggf. anderen Unterricht haben, etwas an. Vielleicht noch die Eltern, aber das war’s dann auch.

    Antworten
    1. Felix Schaumburg

      Ich wüsste es nicht, was es die Welt interessieren sollte, dass Lehrer XY krank ist.
      Ok, dann wäre das doch auch die Lösung des Problems: Wer schaut sich die Kalender an, wenn sie keinen interessieren? 😉

      Ich habe fremde Vertretungspläne bisher nicht beachtet… und es gibt einige Schulen, die es machen (http://www.gymnasium-parchim.de/index.php?menuid=28, http://www.go4tango.de/czg/vertretung/, http://gym-bleckede.de/vertretungsplan/, http://www.gymnasium-ueckermuende.de/seite/vertretungsplan/935.php [sogar mit vollem Namen])

      Antworten
      1. Julius Becker

        Okay, ich habe mich doof ausgedrückt: »Ich wüsste es nicht, was es die Welt zu interessieren *hat*, dass Lehrer XY krank ist.« Du und ich haben sicherlich anderes zu tun, als da nachzuschauen, aber es gibt ja auch Menschen mit weniger guten Absichten.

        Wenn man schon Lehrer-, Schüler- und Eltern-Zugänge auf die verschiedenen Informationselemente hat, dann kann man auch diesen Gruppen den Vertretungsplan freischalten. Falls man als Schule potenziellen Eltern zeigen will: »Guckt, wir haben wenig Unterrichtsausfall!«, so ließe sich das auch anonymisiert durchführen.

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  13. Educator

    Kennt ihr Educanet2.ch und Lehreroffice.ch? Damit  wurden bei uns in der Schweiz zu diesem Thema schon einige Meilensteine gelegt 🙂

    Ja, das Digitalisieren beginnt sich zu vereinfachen. In der
    Schweiz haben wir als Alternative zu TT das Lehreroffice, worin alles
    vorbereitet, abgelegt und verwaltet werden kann. Sogar die Zeugnisse werden
    direkt aus diesem Tool gedruckt.
    Für die Kommunikation und Arbeit mit den Schülern dient unsere
    Internetplattform Educanet2. Darin lassen sich neben dem E-Mail Verkehr auch
    Arbeits- und Projektgruppen organisieren – selbstverständlich mit Dateiablage,
    Wikis, Forum und Chat. Mitteilungsboard für Schüler und Lehrer sorgen für ein papierloses Arbeiten. Lernpläne können individuell angepasst werden und mit Feedback versehen werden (-> alles online!)
    Sogar  Reservationpläne für Räume und Plätze können
    darin digital eingesehen und reserviert werden. Eine tolle Sache!

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    1. Felix Schaumburg

      Ja, nicht nur die Schweizer, auch die Bayern scheinen im Bezug auf Digitalisierung schon einen Schritt weiter zu sein. 

      Ich fände es toll, wenn wir für die ganzen Datenbanken und administrativen Abläufe standardisierte APIs hätten (KMK?), die von verschiedenen Programmen angesteuert werden können. So muss man nicht auf eine zentrale Lösung setzen, sondern kann – sofern der Standard eingehalten wird – zwischen verschiedenen Lösungen wechseln. Konkurrenz belebt das Geschäft.

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