Digitale Schulbücher

Vor ein paar Tagen habe ich zwei deutsche Schulbuchverlage angeschrieben, deren Werke wir im Unterricht jahrgangsübergreifend einsetzen, ob ich als Lehrer die Bücher als PDF beziehen könnte, um damit dem Projekt “papierfreie Lehrertasche” noch etwas Schwung zu geben.

Heute kam von beiden Verlagen die knappe Rückmeldung:

Unsere Bücher werden weder in PDF-Form angeboten, noch ist dies künftig in Planung. (Schöningh)

Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass unsere Schülerbände bisher nicht als pdfs bezogen werden können. Auch eine digitale Version für das iPad ist bisher nicht geplant. (Schroedel)

Immerhin® klingt das zweite Statement schon etwas lockerer und nicht ganz so absolut wie ersteres. Im Endeffekt bedeutet es aber das gleiche: Die Verlage bieten für ein digitales Klassenzimmer (außer Arbeitsblattsammlungen) nichts an und planen auch nicht aktiv, dies zu ändern.

Warum, liebe Schulbuchverlage?

Es gäbe so tolle Sachen, die man in dem neuen Medium umsetzen könnte:

Meine spontane Vorstellung für Chemiebücher:

  • Chemiebücher mit eingebetteten Videos der Experimente und
  • Eingabemasken für die eigenen Ergebnisse, die dann mit den theoretischen Werten verglichen werden.
  • Dazu Aufgaben und Lösungen per Klick.
  • Durchsuchbar.
  • Kommentare können über einen WebServer oder im lokalen Netz freigegeben und ausgetauscht werden.
  • Individuelle Aufgaben können von einem Gerät zum anderen als Tasks versendet werden und werden als Push-Notification im entsprechenden Bereich angezeigt.
  • Bei historischen Herleitungen natürlich ein kurzer Vortrag des Theoretikers, Original mit Untertitel.

Ähnlichen Mehrwert könnte man für Sozialwissenschaften durchspielen. Wie wäre es, wenn zu den Themengebieten immer aktuelle Artikel gäbe, die verschlagwortet worden sind und so tagesaktuell über das Buch eingesehen werden können?  Und was wäre mit Grafiken und Statistiken, die nicht 10 Jahre alt, sondern vom gestrigen Abend sind.

Das geht aber doch alles auch mit dem Internet?

Dann brauchen wir ja keine Schulbücher mehr. Nein – ich glaube, dass der Bedarf an redaktionell aufgemachten Lehr/Lernwerken weiterhin gegeben ist. Geprüfte Texte, Grundlagenliteratur und bedacht ausgewählte Informationswolken um einen Themenkomplex: Das findet man zwar alles im Netz, ist aber nur schwer zu finden und zusammenzutragen. Dafür würde ich gerne die Schulbuchverlage bezahlen, damit sie sich dieser Aufgabe annehmen. Ähnlich wie Dueck, der in seinem Vortrag über den Wandel der Schule das Beispiel Faust genannt hat und sich gewünscht hat, dass das Gesamtwerk “Faust” an der Uni als Doktorandenprojekt realisiert werden sollte.

Und warum reichen dafür die normalen Bücher nicht mehr. Die Schulen kaufen sie doch noch in Massen.

Weil schon heute die SchülerInnen in den seltensten Fällen freiwillig ein Schulbuch nutzen. Informationen finden sich im Internet schneller und sind außerdem animiert. Hinzu kommt, dass die Bücher entweder zu Hause liegen oder in der Schule – aber nicht da sind, wo sie gerade gebraucht werden: beim Lernen. Würden sie digital verfügbar sein, so könnte jeder Schüler die Bits ohne zusätzliches Gewicht immer dabei haben; ob auf dem Smartphone, Notebook oder Tablet.

Nach den Notebook Klassen gibt es zur Zeit einen neuen Trend, iPad Klassen einzurichten (mehr dazu in den nächsten Wochen). Hier wird der Bedarf unübersehbar, wenn die Schülerinnen und Schüler neben ihren iPads noch drei dicke Schulbücher mitschleppen müssen. Das ist nicht nötig.

Es entsteht eine Nachfrage, die von irgendwo gedeckt werden wird. Die Frage ist, von wem?

63 Gedanken zu „Digitale Schulbücher

  1. Thomas Kuban

    Es gibt seit noch nicht allzulanger Zeit im Westermann-Verlag die Reihe Rundum. Hier gibts, für Chemie und Bio, aber auch für ein neues, schönes, sauber gearbeitetes Geschichtsbuch der bayerischen Realschule.
    Enthalten ist nicht nur das Buch (allerdings nur in einer grafischen Darstellung, aber 1:1 im Inhalt), sondern sind auch Lösungen, Tafelbilder, Arbeitsblätter und Hörszenen. Eigentlich ist die CD eher zum Vorbereiten des Unterrichts gedacht, aber mit ein wenig Übung könnte man sich das auch so hinschnitzen, dass es im Unterricht technische Anwendung findet. (Allerdings gibts leider keine Mac-Version vom Programm).

    Bsp.: http://www.westermann.de/suche/artikelansicht.xtp?id=978-3-14-192186-1

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    1. Felix Schaumburg

      Aha! Das sind ja hoffnungsvolle Ansätze. Wie sieht es rechtlich aus? Darf man die CD auch ohne Buch nutzen? Wäre es i.O., wenn jedem Schüler ein Buch zur Verfügung gestellt wird, er aber nur mit den digitalen Werken arbeitet? Steht dazu etwa in der Umschlagseite des Buches?

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      1. Thomas Kuban

        Die CD ist völlig unabhängig von dem Buch zu betrachten (ich verdiene aber nur am Buch :D). Wie das rechtlich läuft…ist mir aber auch nicht so klar. Das müsste ich bei Gelegenheit mal meinen Redakteur fragen.

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  2. Wolfgang

    Bildungsverlage sind Wirtschaftsunternehmen. Der Aufwand für die Entwicklung von digitalen Content optimiert für die unterschiedlichen Plattformen ist enorm hoch. Es gibt bisher keinen Standard, der mit dem Buch vergleichbar ist. Es gibt noch keine klaren Konzepte, wie digitaler Content honoriert werden kann. Es gab schon vor 15 Jahren sehr schöne multimediale CD-ROMs. Ich glaube nicht, dass sich die Produktion für Verlage gerechnet hat. Heute hat zwar jeder Mensch ein digitales Abspielsystem, allerdings gibt es eine größere Anzahl unterschiedlicher Plattformen. Und alle möchten bedient werden. Und wie werden die Einnahmen erzielt, wenn sich das Kopieren von digitalem Content gegenüber einen Buch so viel einfacher gestaltet? CD-ROMs leiden bereits unter diesem Schicksal. Deshalb ist dort das Preis-/Leistungsverhältnis im Laufe der Zeit stark gesunken. Die inhaltlichen Konzepte zur Aufbereitung für neue Medien liegen schon lange in den Schubladen der Verlage und Versuche zur Publikation gibt es, seitdem der Begriff “Neue Medien” existiert.
    Links zum Thema:
    http://www.goetzpartners.com/de/presse/news/details/article/studie-vom-print-verlag-zum-content-provider-die-strategie-der-verlage-2020/
    http://herrlarbig.de/2010/11/21/bildungsplattformen-schulbuchverlage-am-bsp-lo-net-und-antolin/
    http://www.media-treff.de/index.php/2010/11/17/wolfgang-bscheid-zum-hype-apple-ipad-heilsbringer-fur-verlage-und-werbetreibende-unternehmen/

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    1. Felix Schaumburg

      Die “Multimedia-CDs” sind wirklich ein Reinfall gewesen. Flash und Macromedia waren damals die Tools der Wahl – zeigen heute allerdings, was die Abhängigkeit von einem Hersteller bedeutet. Zum Glück gibt es heute standardisierte Formate, die offen und Plattformübergreifend sind: zum Beispiel HTML(5) und (fast) PDF.

      Wenn man heute ein Angebot machen würde, PDF Dokumente zu vertreiben, wäre das für mich schon willkommen. Nur Buch, kein Multimedia & Co.. Und was das Kopieren angeht: Wenn eine Schule ein Schulbuch eingeführt hat, ist das Kopieren doch eh keine Frage mehr: Es gibt genügend Exemplare für alle.

      Ist es sinnvoll, sich auf die Urheberrechtsgeschichte so zurückzuziehen, dass die Kollegien selber kreativ werden und ihre eigenen Lösungen finden – ohne die Verlage? Ich finde das nicht gut.

      Erst nachdem die Musikindustrie die digitale Distribution geöffnet hat, konnte sie ihre einbrechenden CD-Verkäufe wieder kompensieren. Die Zeitungsverlage machen gerade die gleiche Erfahrung.

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      1. Wolfgang

        Es gab/gibt viele Autorensysteme und Entwicklungsumgebungen für multimediale Anwendungen auf CD-ROM: Authorware, Toolbook, Director (Macromedia), Icon Author, usw.. Flash kam erst wesentlich später mit den ersten Web-Anwendungen und hat den Vorteil, dass die Applikationen sehr einfach plattformübergreifend für Mac und PC sowohl online als auch offline genutzt werden können. Die CD-ROM ist (oder war) nur ein Medium. Die Schuld an deren Untergang trifft keinen einzigen Softwarehersteller. Das ist der ganz nomale Fortschritt.
        Das Flash-Format ist plattformübergreifend. Bis auf iPhone und iPad wird es von annähernd allen Systemen unterstützt. Allerdings sind iPhone und iPad die besten Beispiele für die Abhängigkeit von einem einzigen Hersteller.
        HTML5 wird Flash noch lange nicht ersetzen können, auch wenn uns Steve Jobs dies vermitteln möchte. Es ist sogar in seinem Sinne, dass mit HTML5 noch lange nicht alles möglich ist. Bei Flash müssen wir auch von dem bei Enwicklern immer beliebter werdenen Flex-Framework sprechen. Übrigens ist das PDF-Format ebenfalls von Adobe .
        http://blogs.gartner.com/ray_valdes/2010/02/10/html5-and-flash/
        http://de.wikipedia.org/wiki/Adobe_Flex

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        1. Felix Schaumburg

          Danke Wolfgang für die Einblicke in das Denken in den Verlagen. Ich kann nachvollziehen, dass man sich dort vorerst zurücklehnt und darauf wartet, dass sich neue Standards bilden, auf die man dann die vorhandenen Inhalte anwenden kann.

          Wir hängen hier allerdings in einer Formatdiskussion. Eigentlich hoffe ich, dass sich diese Frage, die die letzten Jahr(zehnte) der Computerindustrie geprägt hat, langsam obsolet wird. Wir nutzen immer mehr plattformübergreifende Programme und wichtige Kommunikation wie Mail, Foren und Co. laufen in den meisten Fällen komplett ohne Kenntnis über die im Hintergrund verwendeten Formate.
          Bei digitalen Zeitschriften gilt das auch: Spiegel, National-Geographic, brandeins, ZEIT oder die FR laufen auf dem Tablet…. aber mit welchem Format ist irrelevant.

          Ich hoffe, dass die Formate kein limitierender Faktor mehr für die Verlage sind und sich durch ein kreatives Mischen von verschiedenen Standards etwas realisieren ließe. Nicht der Standard für die nächsten Jahrzehnte, das ist klar. Aber dass die Verlage nach eigenen Aussagen auch künftig nicht damit planen, ist schade. Ich würde mir hier etwas mehr Mut wünschen.

          Übrigens:
          - PDF: daher ja auch “(fast) PDF” …. :)

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          1. Wolfgang

            Das hat nichts mit Mut zu tun. Wie gesagt, die Verlage planen schon. Aber für PDF-Dokumente gibt es kein Erlösmodell und digitale Versionen für die geschlossene Plattform iPad sind aufwändig. Der Markt ist zu klein.
            Sollte sich die Politik von Steve Jobs nicht ändern, wird das iPad in Zukunft keine Plattform für Schulbuchverlage sein. Schulbuchverlage schauen sehr genau in die Zukunft und beobachten den Markt intensiv. Deshalb sollte man die Aussage “Auch eine digitale Version für das iPad ist bisher nicht geplant. (Schroedel)” etwas differenzierter betrachten und nicht als mutlos deuten.
            Apple hat mit dem iPhone dem iPad den Weg bereitet. Jeder weiß, dass Apple-Produkte sehr schnell eine hohen Absatz erreichen. Weil es eine eingefleischte Käufergruppe gibt und ein sehr geschicktes und intensives Marketing betrieben wird.
            Aber es ist auch bekannt, dass die in der Regel geschlossenen Systeme langfristig die Marktanteile nicht halten können und wieder in eine Nische gerückt werden.

          2. Felix Schaumburg

            Andererseits sind geschlossene Systeme doch das, was Verlage wünschen, um ein DRM zu realisieren. Oder verstehe ich das falsch?
            Auf einer ganz offenen Plattform ist ein Rechtemanagement viel schwieriger durchzusetzen, wenn theoretisch beliebige Programme (auch zum Aushebeln von Limitierungen) installiert werden können.

            iTunes als geschlossenes System hat sich auch deshalb bei der Musikindustrie durchgesetzt, weil es geschlossen war.

          3. Wolfgang

            Das ist ja das Dilemma. Apple hat ein geschlossenes System. Aber auch eine geschlossene Plattform.
            Apple erlaubt den Einsatz seiner Betriebssysteme nur auf seiner eigenen Hardware.

            Alle anderen Hardwarehersteller verwenden offene Betriebssysteme (selbst Apple verwendet Windows).
            Acer alleine verkauft schon wesentlich mehr mobile Computersysteme als Apple. Und es gibt noch Samsung, Asus, LG, Lenovo, Dell, HP, Sony, und und und. Keiner von denen verwendet iOS oder OS X und somit funktionieren auch keine iPad-Apps.
            Im Tablet-Markt kommen weitere neue Hersteller hinzu wie z.B. a-rival (Hersteller von Navigationssystemen) oder Amazon (Kindle). Apple definiert nicht den Markt und wird vorerst für die meisten Verlage eine Nische bleiben. Musik oder Video kann ich einfach und kostengünstig für verschiedene Plattformen aufbereiten. Komplexeren Content muss ich an die Plattform anpassen. Der Aufwand multipliziert sich mit der Anzahl der Plattformen. Wenn iOS-Apps über weitere Kanäle vertrieben und auf anderen Plattformen eingesetzt werden könnten, da würden Verlage ganz anders handeln.

          4. Felix Schaumburg

            Komplexeren Content muss ich an die Plattform anpassen. Der Aufwand multipliziert sich mit der Anzahl der Plattformen. Wenn iOS-Apps über weitere Kanäle vertrieben und auf anderen Plattformen eingesetzt werden könnten, da würden Verlage ganz anders handeln.

            Das würde heißen, dass die Verlage erst dann anfangen, Inhalte zu produzieren, wenn es ausreichend komplex ist?
            iOS gehört – zumindest bei Schülern – heute zu den meistverbreitestens Systemen. Fast jede/r hat einen iPod in der Hosentasche. Nutzen tut man dies nicht, weil zu wenig komplex?

            Mir scheint, dass die Diskussion in Richtung “für und wider iOS als Plattform für die Schule” gedrängt werden soll. Das war nicht meine Absicht – im Gegenteil. Mir ist es egal, auf welcher Plattform ein PDF oder eine Webseite betrachtet wird, wenn ich nur die Möglichkeit dazu habe.

            Der Diskussion zum iOS wurde sich ja hier angenommen: http://steuergruppe.wordpress.com/2010/11/24/ipad-im-praxistest-an-der-kas/

          5. Wolfgang

            Schulbücher sind komplexe Arbeitsmaterialien. Sie bestehen nicht nur aus Text und Bildern. Einfach nur digitalisieren wird den neuen Medien nicht gerecht. Ein Schulbuch 1:1 auf einem iPod kann das Papierformat nicht ersetzen. Für Musik und Videos oder als Arbeits-/Hilfsmittel in unterschidlichen Bereichen ist der iPod ideal. Keiner macht seine “Hausaufgaben” auf einem iPod. iOS ist nicht das Betriebssystem, auf dem für die Schule gearbeitet wird (auch aus ergonomischen Gesichtspunkten der zugehörigen Geräte).

          6. Felix Schaumburg

            Na, für die Schule alleine sollte man eh nicht lernen.

            Und ob man heute seine Lernwelten auf einem mobilen Tablet erschließen kann, kann jede/r selber entscheiden. Ich zumindest arbeite in der Schule ausschließlich mit iOS und fahre damit sehr gut. Auch unter ergonomischen Gesichtspunkten. :)

          7. André J.

            Hallo Felix
            welcome back Wolfgang :)
            Ich denke, du hast es auf den Kopf getroffen, Felix, denn wenn ich diese lange Diskussion lese ist das Ziel am Ende wieder das iOS bzw. Apple oder der Böse Steve. Wolfgang scheint da irgendwie allergisch gegen zu sein. Ich verstehe allerdings nicht warum? Geräte die funktionieren, kann man doch einsetzen. Geräte die Schüler begeistern und so eine Motivation bewirken muss man einsetzen. Ein Schüler würde eben ein Schulbuch lieber auf einem Tablet lesen. Und wenn ich den Ranzen meines Sohnes morgens hochhebe, wäre es mir lieber, alle seine Bücher wären auf einem solchen Tablet oder iPod oder was auch immer. Im Urlaub hatte ich alle meine Bücher auf meinem iPad – wunderbar! Und doch: Schüler machen ihre Hausaufgaben mit dem iPod. Schüler schreiben sich Notizen in ihren iPod. Schüler recherchieren mit ihrem iPod. Und Schüler machen Bilder und kommunizieren mit ihrem iPod. Mir wäre es auch lieber, diese Dinger kämen von Microsoft, dann könnten wir sie einfach einsetzen und müssten und nicht über Apple streiten. Punkt.
            Zum Thema Schulbuchverlage: Ich habe mich nach meinem Vortrag auf der republica mit einem Account Manager eines bedeutenden Schulbuchverlages in Berlin unterhalten. Es ging unter anderem um dieses Thema (Schulbuch als ebook), aber auch um Lehrerhandbücher über Web2.0 Einsatz in der Schule. Aussage: Ja, alles sehr wichtig und interessant, aber momentan nicht machbar, weil es der Zeit voraus ist. Klartext: zu viel Aufwand – zu wenige Käufer. Oder noch einfacher: Bringt momentan noch zu wenig Umsatz. Schade. Aber, that’s business. Schönen Sonntag.

          8. Wolfgang

            Hallo André,
            ich habe nichts gegen das iOS. Im Gegenteil. Es wäre allerdings besser, wenn es alle Hardwarehersteller nutzen dürften. Betriebssysteme wie Linux/Android oder Windows sind offen für jeden Hardwarehersteller, sogar Apple nutzt sie. Schulbuchverlage, Hochschulen und Industrie müssen erst die Entwicklung des Marktes abwarten. Im nächsten Jahr wird der Markt von Tablets anderer Hersteller überschwemmt. Das Risiko jetzt auf Apple/iOS zu setzten, ist viel zu hoch. Übrigens besitze ich noch ein Gerät von Apple – einen Newton.

          9. Wolfgang

            Richtig.

            “Für Entwickler stellt sich da die Frage, ob man eher Aufwand in HTML5-Anwendungen stecken sollte, die auf zahlreichen Geräten funktionieren, oder ob sich die Investition in Apps für die zahlreicher werdenden proprietären Plattformen lohnt.”

            … oder ob man mit z.B. Flash/Flex plattformübergreifende Browser-Applikationen entwickelt, die den betriebssystemabhängigen Apps in keinster Weise nachstehen und mit HTML5 nicht oder nur sehr aufwändig zu realisieren sind.

            http://www.flashlab.com/html5/

            Eine schwierige und spannende Zeit für Inhalte-Anbieter und Entwickler. Neben dem Trend hin zu den mobilen Geräten wird es aber weiterhin einen großen Markt für stationäre Arbeitsplatzsysteme und Serverplattformen geben.

  3. Herr Rau

    Zu den Informatik-Oberstufenbüchern in Bayern gibt es jeweils auch eine CD, mit zusätzlichen Präsentationen, den im Buch verwendeten Grafiken, Musterlösungen zu allen Aufgaben (vor allem, aber nicht nur, der Programmieraufgaben). Äußerst praktisch, wünschte ich mir von allen Büchern. — Und später natürlich wirklich digitale Schulbücher.

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  4. donaldtownsend

    Ich denke, Schulbuchverlage beobachten den Markt sehr genau und werden in dem Moment auf den Zug aufspringen, wo sie die Zeit für reif halten. Noch stehen wir sehr am Anfang.

    In der Industrie sind mit dem Wechsel von analogen zu digitalen Formen viele Fehler gemacht worden, wie die Beispiele der Musik- und Filmindustrie zeigen. Schulbuchverlage wollen diese Fehler vermeiden. Sie sind derzeit nach traditionellen Geschäftsmodellen organisiert, die vor allem durch die Produktions- und Verteilungswege der Papiermedien geprägt sind. Diese Modelle lassen sich nicht eins zu eins auf die digitale Welt übertragen. Für die Verlage bedeutet dieses eine nahezu komplette Abkehr vom alten Geschäftsmodell und eine Neustrukturierung, die vermutlich tausende von Arbeitsplätzen überflüssig machen wird nebst zahlloser Infrastruktur. Alte Strukturen haben allerdings die Tendenz, sich erhalten zu wollen (siehe Zeitungen und ihre Schwierigkeiten ins digitale Zeitalter zu wechseln).
    Bisher kontrollieren Schulbuchverlage mit ihren Geschäftsmodellen den Markt der analogen Bildungsmedien nahezu komplett. Kontrolle bedeutet sichere Einnahmen. Die Aufgabe bestehender Geschäftsmodelle kann für Verlage den Verlust der Kontrolle bedeuten und damit den Verlust von Einnahmen. Beides wollen sie nicht. Deswegen lassen sie sich Zeit.

    Dass auch Verlage das digitale Schulbuch kommen sehen, ist klar.

    Vor der Einführung digitaler Schulbücher sind allerdings noch einige Details zu klären. Anders als bei analogen Schulbüchern ergeben sich sehr viele Optionen, wie digitale Schulbücher an den Kunden gebracht werden können und zu welchen Konditionen.

    - Sollen digitale Schulbücher über DRM geschützt werden oder nicht?
    - Welches Format sollen digitale Schulbücher haben: epub, PDF, …? (denkbar wären auch völlig andere Formate, etwa auf Flash basierende)
    - Falls man sich für DRM entscheidet: wollen alle Verlage ein und das selbe DRM nutzen und ihre Produkte kompatibel machen – oder wollen Verlage (Verlagsgruppen) Kunden an sich binden und ihnen damit ihre komplette Produktlinie aufzwingen, indem sie ein proprietäres DRM verwenden?
    - Bieten Verlage selbst Lesegeräte an oder sollen digitale Schulbücher auf Lesegeräten diverser Hersteller laufen?
    - Sollen digitale Schulbücher an einen bestimmten Typ von Lesegerät gebunden sein oder auf verschiedenen Plattformen verfügbar sein (ähnlich dem Modell Amazons, welches Kindle Bücher auf dem Kindle, iOS Geräten, Androide Geräten und im Web lesen lässt)?
    - Sollen Schulen ein Lehrwerk lizensieren und damit allen Schülern und Lehrern zur Verfügung stellen können oder sollen Schüler und Lehrer ihre digitalen Kopien individuell lizensieren?
    - Sollen Lizenzen Einmal-Lizenzen sein oder an Zeiträume gebunden sein oder an Aktualisierungen? (Eine Schule zahlt jedes Jahr nach Anzahl der Köpfe/ nach Größenklasse der Schule/ nach Anzahl der aktuell verwendeten Kopien/ …)
    - Sollen digitale Lehrwerke regelmäßig aktualisiert werden (z.B. Englischbücher/ Geschichtsbücher/ Erdkundebücher/ … auf aktuelle Ereignisse/ Forschungsergebnisse/ …) und wie soll dieses geschehen (OTA/ in Verbindung mit einem Rechner/ über einen Schullizenzserver/ …?
    - Sollen Lizenzen an Schulen, Schüler oder Geräte gebunden sein?
    - Sollen Schulbücher modular angeboten werden, so dass jede Schule/ jeder Lehrer/ jeder Schüler die Bücher anpassen kann nach individuell Bedürfnissen (?
    - Zu klären ist auch die Frage, ob die Geräte auf denen digitale Schulbücher zur Verfügung gestellt werden sollen, reine Lese-/ Anzeigegeräte sein sollen, einen Funktionsumfang wie einige gegenwärtige e-reader haben sollen mit Unterstreichungen, Anmerkungen und Lesezeichen, ob sie auf zusätzliche Materialien aus dem Netz zugreifen können sollen oder gleich Geräte sein sollen, welche mit zusätzlicher Software versehen, weitere Funktionen haben können (etwa wie jetzt aufkommende Tabletts)?

    Bevor das digitale Schulbuch kommt, wird auch die Entwicklung der Geräte, auf denen sie genutzt werden sollen, noch einige Schritte weiter gehen müssen. Die Geräte müssen robuster werden, mit langen Akkulaufzeiten und Preisen von nicht mehr als 100 €.

    Ich habe hier nur mal an der Oberfläche des Themas gekratzt, hoffe aber deutlich gemacht zu haben, welche Herausforderung sich mit dem Umstieg auf digitale Lehrwerke für Schulbuchverlage ergibt.

    Derzeitige Geräte wie das iPad oder das neue Samsung Galaxy Tab oder diverse kommende e-book reader lassen ahnen, welche Richtungen die Entwicklung einschlagen könnte. Wie sich die Sache aber letztlich wirklich ausgestalten wird, sieht man vermutlich erst in den nächsten 5 bis 10 Jahren (optimistisch geschätzt).

    Antrieb könnte die Sache am ehesten dann bekommen, wenn Lehrende beginnen, eigene Lehrmaterialien für digitale Endgeräte zu konzipieren und offen zur Verfügung zu stellen, wie an verschiedenen Orten auf der Welt bereits begonnen. Das könnte die Verlage zu schnellerem Handeln zwingen.

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    1. Felix Schaumburg

      Viele Bedenken…. Erschafft sich nicht der Verlag einen Vorteil, der in einem kleinen Bereich mal neue Wege probiert?

      Zur Zeit könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Verlage abwarten und hoffen, dass das Internet irgendwann schon wieder weg geht.

      Zu Deinem letzten Vorschlag: Themenreihen als PDF und unter CC-Lizenz bereitstellen… mh.

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      1. Thomas Kuban

        Vor allem aber stehen dem doch wohl Urheberrecht entgegen. Wenn ich sehe, was für Probleme es manchmal gab bei der Arbeit am Geschichtsbuch…
        Aber bei der ganzen Reihe von Bedenken, aufgezählt werden, denke ich doch, dass es für alle diese Fragen schon Module/Versatzstücke vorhanden sind, die bei Bedarf eingesetzt werden. Nur rechnet es sich derzeit eben nicht, weil es keinen Markt gibt.
        Und einen solchen Markt gibt es nicht, weil ich noch zu vielen Kollegen erklären muss, wie man die Email-Adresse der Schule bei sich zu Hause einrichtet, bzw. ich immer wieder Fehlermeldungen der Free-Mail-Postfächer von Kollegen bekomme, weil diese voll sind und man nicht weiß, was Outlook, Thunderbird oder Pegasus ist.

        Und ich denke auch, dass es mit PDF-Materialien allein nicht getan ist, denn dieses Material einfach von einem Medium (Papier) aufs andere zu übertragen (digitaler Reader) ist doch zu wenig. Das sieht man doch auch schon bei einigen Tageszeitungen, die einfach ihre Printausgabe aufs iPad schicken…das allein bringts ja noch nicht.

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        1. Felix Schaumburg

          Hallo Thomas,

          natürlich ist es mit einem PDF nicht getan! Aber es wäre ein erster, willkommener Schritt! Meine Tageszeitung kommt auch allmorgendlich als PDF vorbei – egal bei welchem Wetter und wo ich gerade bin. Das finde ich extrem angenehm und zahle dafür gerne! Statt nur gelegentlich eine Ausgabe zu kaufen (meinst Samstag), habe ich so ein Abo abgeschlossen. Auch für die Tageszeitung ist das nicht der letzte Schritt, aber es ist einer.

          Die FR geht einen anderen Weg und baut speziell fürs iPad eine Zeitung. Die sieht besser aus, ist flexibler und multimedial unterbaut. Das macht definitiv Spaß und ich denke, dass in Zukunft soetwas in dieser Richtung Standard wird. Warum aber nicht bei Schulbüchern?
          Erste Konzepte gibt es ja in den USA mit Inkling: http://www.inkling.com/titles/

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          1. Thomas Kuban

            Hm, warum nicht mit Schulbüchern?
            Ich weiß eben nur aus der begrenzten Erfahrung, dass schon das Zusammenbasteln unserer CD für das Geschichtsbuch ein ganz schöner Act war. Wir sollten die Inhalte liefern und das wurde dann in ein System gepresst, was schon vorhanden war und eben auch für andere Fächer sinnvoll sein musste. Meiner Ansicht nach aber braucht Geschichtscontent andere Umgebungen als eine Deutsch-CD. Mit Filmchen zeigen und Hörbeispielen ist es ja nicht getan. Und das mehr, ja das kostet.

            Und ja, das Beispiel mit der FR ging mir auch durch den Kopf. Der Spiegel arbeitet ja zumindestens auch in die Richtung.

            Und dann mal wieder heute in der Realität gelandet, wenn ich mein iPad an den Beamer bringe, froh bin, dass es läuft…und ich merke, dass ich den Raum nicht so dunkel bekomme, dass man alles erkennen kann…arghl…

  5. donaldtownsend

    Hallo Felix,
    mit dem “kleinen Bereich” ist das auch nicht ohne Probleme, denn es lohnt sich nicht. Für Verlage wird die Sache erst interessant und finanziell attraktiv, wenn sie in großem Stil einsteigen können. Mal einen einzelnen Band eines Biologiebuches auf den Markt zu werfen und zu schauen, wie das ankommt, das klappt so nicht. Wer würde sich als Lehrer / Schüler / Schule schon die notwendige Hardware anschaffen, wenn es nur für ein einzelnes Biologiebuch wäre?
    Verlage werden erst einsteigen, wenn es eine rund um stimmige Lösung gibt und sie etwa einen größeren Teil ihrer Produktpalette digital anbieten können. Das könnte wie die Einführung eines neuen Lehrwerkes erfolgen, etwa mit dem Band für Klasse 5, dann aber für mehrere Fächer zugleich. Im Idealfall steigen dann zeitgleich andere Verlage auch ein – falls man sich auf einen gemeinsamen Standard einigen kann. Einen kompletten Alleingang wird, so vermute ich, kein Verlag riskieren, da Schulen nicht dazu tendieren alle Lehrwerke von einem einzigen Verlag zu beziehen.

    Eine Ausgabe von Schulbüchern in PDF Form übertragen, ist natürlich nicht genug. Es lohnt nicht einmal. Da stimme ich Thomas zu. Es muss mehr sein, so wie etwa mit dem Biologiebuch Projekt der E. O. Wilson Biodiversity Foundation ( siehe Wired Beitrag http://www.wired.com/wiredscience/2010/10/wilson-free-biology-textbook ) demonstriert.

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  6. Lisa Rosa

    schönes post. über dein plädoyer muss ich nachdenken, denn eigentlich habe ich schon die selbstabschaffung der schulbücher / textbooks für garantiert gehalten. aber so, wie du die möglichkeiten und vorzüge beschreibst, ist noch was dran als grundlagenwerk, handbuch, manual für den einstieg in eine domäne. jedenfalls für den übergang ganz bestimmt. und wenn die verlage jetzt ganz plietsch sind, dann versuchen sie sich zu beeilen, denn der erste, der auf solche bücher umstellt, macht das rennen, und die anderen werden nicht überleben. zum durchsuchen und annotieren: hast du schon mal die software PAUX gesehen? die ist genau dafür: texte auf satz- sogar wortebene zu speichern und für die autoren und die leser annotierbar zu machen: Single Source Content Management! http://www.paux.de/

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    1. Felix Schaumburg

      Paux habe ich über die Berichte vom bibru (?) gesehen und habe es auf den ersten Blick als ziemlich kompliziert – aber vom Konzept sehr cool – in Erinnerung. Man müsste es sich mal mit etwas Ruhe ansehen und vielleicht auch präsentieren lassen. :)

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  7. Maik Riecken

    @donaldtownsend
    Die von dir zitierten Fragen skizzieren in meinen Augen ziemlich gut das Problem der Verlage: Alle Fragen zielen im Kern auf eine Transformation alter Geschäftsmodelle ins digitale Zeitalter. Das wird höchstwahrscheinlich in die Hose gehen.

    Ich z.B. akzeptiere keine Tools mehr, die mehr Software als einen Browser benötigen und setze auch keine proprietären Verlagslösungen in meinem Unterricht mehr ein. Kompetenz heißt für etwas anderes als User auf “ein System” zu erziehen. Im Web gibt eine eine Menge Standards, die betriebssystemübergreifend verfügbar sind. Alles was in Schulbüchern steht, finde ich im Web für meine Fächer in weitaus besserer Qualität und medialer Aufbereitung.

    “Ein Warten” auf die mit Sicherheit gewinnbringende und weitverbreitete Lösung zeigt doch nur, dass die Verlage nichts, aber auch gar nichts gelernt haben – schon allein, dass sich die gleichen Frage seit Jahren gestellt werden, zeugt von der in meinen Augen totalen Handlungsunfähigkeit und Überforderung vieler Verlage. Das Web ist in in Bewegung, ständig. Es gibt “die wirtschaftliche Sicherheit” nicht mehr.

    OpenSource funktioniert z.B. so, dass an der Software nicht verdient wird, wohl aber an den Zusatzleistungen zu dieser Software – da lebt z.B. Big Blue ganz gut mit obwohl sie maßgebliche Ressourcen dazu einsetzen Dinge zu entwickeln, die sie “herschenken” müssen. Eine Menge Kernelcode für Serveranwendungen (was verkauft IBM nochmal?) kommt von Big Blue.

    An Inhalten wird m.E. ein Verlag bald nichts mehr verdienen können.

    Alle Verlags-Angebote, die m.E. gut laufen, verdienen an dem Mehrwert zu den Inhalten – der wird hier ja auch mehrfach angesprochen und eingefordert.

    Fassen wir zusammen:
    Verlage warten auf “das” System, welches ihnen mit Sicherheit Gewinne beschert.
    Verlage bieten Autorenverträge an, die oftmals keinen fairen Ausgleich zwischen Verlags- und Autoreninteressen bieten – ich könnte da Passage um Passage zitieren.
    Verlage sind in Zeiten des Web für ihre frühere Kernaufgabe, die Distribution, absolut überflüssig
    Typische Nischen, die Verlage hätten besetzen müssen, werden zunehmend von jungen Startups besetzt
    Verlage horten seit Jahren die gleichen Fragen im Schrank.

    Ich weiß nicht, ob sich nicht so mancher Verlagsmensch und nicht-e-mailfähige Lehrer die Hand reichen können.

    Ich würde den Verlagen raten, sich nicht zu verändern und noch länger zu warten. Die Großen werden dann zuletzt sterben.

    Gruß,

    Maik

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  8. Anonymous

    Ich hätte noch ein paar weiterführende Links für die Diskussion. Die Plattform Inkling (http://ipony.de/?p=3140) liefert digitale Lehrbücher kapitel- oder werkweise aus. Der Nutzer hat die Möglichkeit neben interaktiven Multimedia-Inhalten zur Ergänzung des Textes sich mit Freunden über Textstellen auszutauschen und Annotation zu teilen.

    Zur Diskussion um native vs. HTML5 Apps ist das Interview von Robert Scoble mit Filipe Fortes, dem Entwickler der Treesaver Plattform, einem digitalen Publishing System auf HTML5 basierend, zu empfehlen: http://scobleizer.com/2010/12/15/treesaver-shows-html5-can-hold-its-own-against-flipboard-style-design/ Hierin wird nochmals deutlich was mit HTML5 inzwischen an Möglichkeiten abbildbar ist.

    Und ich selbst habe das Experiment gewagt und 12 kurze Texte für Leseanfänger sowohl als gedrucktes Buch als auch als browserbasierte App für’s iPad sowie Chrome und Safarie verlegt: http://www.viktorundpettl.de – Über Rückmeldungen dazu würde ich mich freuen!

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  9. Anna

    Hallo Felix, vielleicht kannst du mir weiterhelfen. Inwiefern ist es rechtlich erlaubt, Teile von Schulbüchern einzuscannen und auf dem IPAD mit Goodreader immer verfügbar zu halten?

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      1. Anna

        Ich würde gerne Auszüge aus Schulbüchern auf meinem Ipad für mich persönlich im Unterricht nutzen. Wie löst Du selbst das Problem?

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  10. Pingback: I Have a (Geographical) Dream - Monsieur Becker

  11. donaldtownsend

    Was in den Büchern der Verlage steht bezüglich Kopieren und Scannen muss nicht unbedingt absolute rechtliche Gültigkeit haben. Papier ist bekanntlich geduldig. Grundsätzlich braucht es eine Erlaubnis der Verlage zum Kopieren. Bekannt, dass in Grenzen aus Druckwerken der Verlage kopiert werden darf, auch ohne explizite Erlaubnis.

    “Die Verlage verhalten sich großzügig und erlauben das Kopieren in begrenzter Zahl, wenn es den Kauf des Originals nicht ersetzt. Bis zu 12 % eines Werkes, aber max. 20 Seiten dürfen kopiert werden.” (siehe http://bit.ly/dPPt17).

    Beim Kopieren geht es in der Regel um Vervielfältigen für den Unterrichtsgebrauch, und dafür möchten Verlage ihre Produkte natürlich nicht kopiert, sondern gekauft wissen.

    Scannen ist für mich dichter am Kopieren von CDs dran. Dort ist die private Sicherungskopie erlaubt. Gibt es einen Kopierschutz, darf dieser nicht überwunden werden (was dem Anspruch auf eine Sicherungskopie letztlich widerspricht). Wer sich also sein Buch, das rechtmäßig erworben wurde, einscannt und auf dem Rechner oder Tablett PC mitnimmt, macht sich damit eher nicht strafbar. Verbreitet man jedoch den Scan, dann begibt man sich damit in rechtlich höchst unsichere Fahrwasser.

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      1. donaldtownsend

        Wie kommst du darauf, dass dort nichts gesagt wird? Ich finde Punkt 3 im dritten Abschnitt ist bezüglich digitaler Kopien mehr als eindeutig:

        “Zulässig sind nur analoge Kopien. Die digitale Speicherung und ein digitales Verteilen von Kopien (z.B. per E-Mail) ist schon von Gesetzes wegen nicht gestattet und wird von der neuen vertraglichen Regelung ebenfalls nicht erfasst.”

        Wer also eine Seite einscannt und in digitaler Form speichert, verstößt gegen diese Regelung.

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        1. Felix Schaumburg

          Die Sprachregelung galt auch für die CD und war nicht in allen Fällen haltbar. Man müsste schon ein DRM in die Bücher bringen, um sie nicht scannen zu können. Ich habe ich das Buch ja nicht geliehen, sondern vollständig gekauft.

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        2. Philosophus

          Die Formulierung “Zulässig sind nur analoge Kopien” zeugt von Unkenntnis der Technik eines Kopierers; der fertigt immer eine digitale Kopie an; es handelt sich ja um nichts anderes als einen großen Multifunktionsscanner/drucker. Nur mit einem Matrizendrucker würde man echte ‘analoge’ Kopien hinkriegen. Die spinnen, die Römer …

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          1. donaldtownsend

            Ich denke mal, es geht um das Endprodukt des Kopiervorgangs und das ist bei der “analogen Kopie” Papier, also kein digitales Medium.
            Wer es ganz genau nimmt, müsste dann auch dieses Kopieren verbieten, da viele Kopierermodelle eine (digitale) Kopie des Scans auf einer internen Festplatte abspeichern.
            Darum geht es den Verlagen jedoch nicht. Ich denke, dass sogar diese in geringem Umfang zulässigen “analogen” Kopien auf Papier, auf welchem Weg auch immer sie zustande kommen, bereits ein Zugeständnis sind.

          2. Felix Schaumburg

            Im Urheberrecht steht das “photomechische Verfahren” noch explizit drin – ergänzt um den Passus: “oder andere Verfahren mit ähnlicher Wirkung”.

            Nach Rücksprache mit einer der Jurisprudenz kundigen Person gilt, dass man sich für den privaten Gebrauch Bücher kopieren darf, wenn dafür das oben genannten Verfahren verwendet wird. Der schulische Bereich ist dabei nicht privat, da er unsere berufliche Arbeit betrifft und dies über die Formulierung “sofern sie weder unmittelbar noch mittelbar Erwerbszwecken dienen” ausgeschlossen ist.

            Nähere Infos unter UrhG § 53:
            http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__53.html

  12. Papiertiger

    Für den Eigenbedarf bin ich da rabiater, Cutter gezückt und das Buch in eine Blattsammlung verwandelt. Das lässt sich mit einem Einzelblatteinzugsscanner digitalisieren, immer erst warten bis Ansichten in Rente oder ausgestorben sind, ist nicht so mein Ding :)

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  13. Bildung 2011

    Wir waren mal sooooo weit vorne! Aber, man muss ja nicht jeden Trend mit machen.
    Wenn alle andern Kinder aufrecht durchs Ziel gelaufen sind, mit dem iPad in der Hand, schauen sich unsere Kinder, gebeugt von zu schweren Ranzen, am Start verlegen an. Unsere Verantwortlichen geben dann sicher demütig eine neue Pisa-Studie in Auftrag und wundern sich, dass die letzten Änderungen am Bildungssystem keinen Fortschritt erzielen konnten….
    Warum ist es so schwer in Deutschland mit der Zeit zu gehen? Ein Buch als epub oder pdf zu veröffentlichen ist kein Problem, das geht sogar mit Heimmitteln! Es würde für den Anfang reichen, wenn das Buch als Buch, also ohne Film und Animation, erscheinen würde – der Rest kommt von allein! Es gibt doch auch CD-ROMs in den Schulbüchern.
    15% des Körpergewichts soll der Ranzen schwer sein. Der meines Sohnes, 10 Jahre alt, ist 15 kg (50%!!!!) schwer – jeden Tag, bei 43 Minuten Schulweg mit dem Bus und zu Fuß…….

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  14. Pingback: Entwicklungsimpule aus TechSerie „Mobile Endgeräte im Unterricht“ « Roman Deeken

  15. Janko Wellmeier

    Hallo Felix,
    nun komme ich endlich dazu hier zu antworten.
    Meine Anfrage bei Klett ergab, dass die drei großen Verlage dran sind. Auf der nächsten Didacta in Hannover (da werde ich auf jeden Fall hinfahren) soll ein System vorgestellt werden, welches plattformunabhängig sei.
    Auch jetzt sei es bereits bei Klett möglich auf Anfrage deren Schulbücher digital (PDF) zu beziehen.

    Gruß
    Janko

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    1. Felix Schaumburg

      Auch jetzt sei es bereits bei Klett möglich auf Anfrage deren Schulbücher digital (PDF) zu beziehen.

      Eine solche Information ein paar Monate früher hätte bewirkt, dass ich keine Empfehlung ausgesprochen hätte für die Werke anderer Verlage. Klett scheint hier einen gute Weg zu gehen. Danke für die Info!

      Antworten
      1. Maurice

        Einige Schulen gehen m. E. den Weg, den Verlage am besten verstehen: sie machen deutlich, dass sie das Buch des Verlages nur als Schulbuch einführen, wenn sie das Buch auch digital zur Verfügung gestellt bekommen und so nutzen können.

        Ohne den Vertrag “Gesamtvertrag
        zur Einräumung und Vergütung von Ansprüchen nach § 53 UrhG” dürften man als Lehrer gar nichts (auch nicht kopieren), wenn man das nicht mit dem Schulverlag im Einzelfall geklärt hätte. Den Vetrag kann man übrigens hier downloaden:

        Besonders interessant: § 6 Abs. 4 und 7

        Nur mal noch so ein paar Blitzlichter, die 

        * wie bereits erwähnt: analog kopieren ist erlaubt, auch wenn im Prozess digitalisiert wird, aber
        * Visualiser sind problematisch; da besteht keine einheitliche Interpretation; der VdS untersagt dies! Weitere Position: es darf nach dem Ausschalten des Gerätes nichts im Cache sein.
        * selbst analoges Kopieren ist problematisch: ein Arbeitsblatt, das aus dem Zusammenstellen von Tabellen, Grafiken, kurzer Textpassagen aus versch. Schulbüchern besteht – also klassisch zusammengeschnipselt, aufs Blatt geklebt und fotokopiert -, ist nicht erlaubt, da die Einzelteile aus ihren Gesamtzusammenhang gerissen worden

        Fazit: trotz Vertrag gibt es genug “Spielraum”, der nur durch Einzelfallentscheidungen zu lösen ist.

        Tipp: Bücher für den Lehrgebrauch (Uni) fallen nicht unter Werke für den Unterrichtsgebrauch.

        Antworten
  16. Marco

    Der Thread hier ist ja schon etwas älter, ich würde trotzdem gerne nochmal einen Punkt wieder anstoßen, und zwar das mit der Eigeninitiative und dann “Themenreihen als PDF und unter CC-Lizenz bereitstellen”…

    Ist das keine Option?

    Ich kann nur die technische Seite beurteilen, die ist aber auf jeden Fall bereit. Und es scheint mir nicht unmöglich zu sein, engagierte Lehrer eines Bereiches zu finden, die gemeinsam in der Lage sind, gutes (multimediales) Material zu erstellen. Evtl. ließen sich ja auch Schüler begeistern, innerhalb des Unterrichtes einen Beitrag zu leisten…

    Das wäre sowas von Web 2.0, das ich mich schon lange frage, warum sowas nicht im großen Stil gemacht wird. Und diese Frage hinterlasse ich mal hier.

    Antworten
  17. Marco

    Danke für die Antwort. Dann will ich auch nochmal konkretisieren, was ich sagen wollte (bzw. ergänzen worüber ich nach meinem Kommentar noch nachgedacht hatte), und dann ist es von meiner Seite aus auch gut.

    Der einfachste Weg, die Verlage zur Digitalisierung ihrer Materialien zu bewegen, wäre doch vermutlich, einen Verlag zu gründen und digitales Unterrichtsmaterial herzustellen. Und darauf basierend dann natürlich auch noch bedrucktes Papier, so weit das eben nötig ist. Wenn ich richtig gelesen habe, dann entscheiden die Schulen, bei welchem Verlag sie ihr Material kaufen – da hätte man als Lehrer ja sozusagen schon einen Fuss in der Tür. Die technische Seite sollte das heute hergeben, kaufmännisch scheint es mir zumindest nicht völlig absurd. Ob das sozusagen aus fachlicher Sicht auch möglich bzw. sinnvoll ist, kann ich nicht beurteilen.

    Ich hatte mich durch eine Hand voll Blogs gelesen, die sich mit dem Thema “digitale Schule” iwS. beschäftigt haben, und vielleicht war ich etwas zu begeistert von den engagierten Menschen und ihren Ideen. Aber wenn es einen ganz konkreten Mehrwert braucht, um das Kollegium von Nutzen digitaler Medien etc. zu überzeugen, dann müsste man diesen Mehrwert halt schaffen. Und dabei nicht z.B. auf die Verlage warten… (Und aber auch nicht den Fehler begehen, der die Digitalisierung in den Unternehmen seit 20 Jahren behindert, nämlich Informatiker entscheiden zu lassen, was für Werkzeuge entstehen und dann zwangsläufig auch “irgendwie” eingesetzt werden. Das wäre dann aber noch eine andere Baustelle.)

    So ein Wiki in der heutigen Form halte ich aber aus Gründen für nicht wirklich geeignet, um die digitale Unterrichtsmaterialienrevolution auszulösen. Ach so, und “PDF und CC-Lizenz” war natürlich beides blöd, das bitte streichen. Da gibt es ja keinen Grund für.

    So, und nun setz ich mich wieder in die letzte Reihe und quatsche mit dem Nachbarn. Danke für die Aufmerksamkeit.

    Antworten
    1. Felix Schaumburg Artikelautor

      @Marco:
      Das “Problem”: Schulbücher werden von den Kultusministerien genehmigt, bevor sie an die Schulen kommen und dort bestellt werden können (aus dem Pool der Schulbuchverlage).
      Darüber hinaus kann die Lehrkraft natürlich auch anderen Material einsetzen – selbstverständlich. Jedoch kann eine, wie von Dir angedachte, kollaborative Plattform ein “Schulbuch” wahrscheinlich kaum erstellen. Viel zu statisch wäre das Ergebnis, wenn man es durch eine Zulassung bringen müsste.

      http://www.schulbuchportal.de/default.aspx?ni=68155&s=1&v=1&docid=10071741&a=1&knp=0&&

      Antworten
      1. Jürgen Gutzeit

        @Felix Schaumburg:
        Hallo, habe gerade den Mailverkehr überflogen, sieh dir dich mal auf
        http://www.park-koerner.de unsere digitalen Schulbücher in veränderbaen worddateien an, wenn du da fündig wirst, melde dich doch bei mir zwecks Bestellung und Konditionn, Gruß Jürgen Gutzeit 0176 – 326 111 82
        AD Mitarbeiter bei Park Körner!

        Antworten
  18. Pingback: Linksammlung: Digitales Lernen | youPEC – Blog

  19. Pingback: Die Digitale Schule auf dem Vormarsch – Auf der didacta 2012 wird der Leitmedienwechsel gefeiert

  20. Pingback: Die Bildungs-CeBIT « Medienistik Blog

  21. Kathleen

    Vielleicht bietet Conceptboard (www.conceptboard.com) als Tool (ähnlich einem Online-Whiteboard) hier eine Übergangsvariante bzw. Ergänzung zum bisher noch sehr lehrbuchzentrierten Unterricht. Das Tool unterstützt interaktive Unterrichtsgestaltung, Gruppenarbeiten auf jedweden digitalen Geräten und individuelle Aufgaben/ Hausaufgaben.

    Antworten
  22. Lelala

    Digitale Schulbücher sind auch das einzige, was überhaupt sinnvoll ist, wenn man nachhaltig und langfristig denkt.
    Leidernur hängen da produzentenseitig einige Kapazitäten dran, die um ihre Pfründe bangen.
    Irgendwann werden die Leute erkennen, dass es sinnlos ist, Bäume zu pflanzen, zu ernten, Papier draus zu achen, das wegzuschmeißen und dann wieder Bäume anpflanzen…
    Grüße

    Antworten
  23. Pingback: Gedanken zum #oercamp | EduShift

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