Bildung und Mensch im digitalen Zeitalter

Nach den Gedanken zum „Leitmedienwechsel“ und zum „Changing Paradigms“, bei denen Ken Robinson und Hans-Peter Dürr aufgegriffen worden sind, ein Video von Gunter Dueck, welches in eine ähnliche Richtung stößt. In dem Vortrag auf der TEDxRheinNeckar spricht Dueck über das Bildungssystem und erklärt, warum Goethe es nicht gewollt hätte, dass wir heute Faust I und II lesen und sagt auch, was mit den Lehrern passiert, wenn sich das Bildungssystem geändert hat.

Dueck besitzt die Fähigkeit, Geschichten lebhaft zu erzählen und stößt zum Nachdenken an – unvermeidlich. Die 23 Minuten sollte man sich gönnen:

(Dank an @cervus, der das Video aufgetan und an @lisarosa, die es auf Twitter kräftig verbreitet hat).

12 Gedanken zu „Bildung und Mensch im digitalen Zeitalter

  1. Maik Riecken

    Ich frage mich, unter welchen Voraussetzungen (Menschenbild, Gesellschaft usw.) das, was er da sagt, möglich ist und ob es reicht, die Baustelle allein im Bildungssystem aufzumachen.

    Gruß,

    Maik

    PS:
    Ich muss via Noscript youtube, google, google-analytics, disqus, quantserve, flattr erlauben, um deine Seite darstellen und voll nutzen zu können.

    Antworten
    1. Felix Schaumburg

      Höre ich da Kritik durch? 😉
      Youtube ist wg. Videos.
      Google Analytics nutze ich. Finde die Auswertungen angenehm. Aber es ist kein Must-have zur Nutzung der Seite.
      Gleiches gilt für flattr.
      Was quantserve ist, muss ich mal schauen. Der Name ist mir unbekannt.
      Disqus ist das Kommentarsystem, das ich besser finde als das von wordpress selber.

      Antworten
      1. Maik Riecken

        „Höre ich da Kritik durch? ;-)“

        Ich als paranoider Mensch, weiß ja, was ich tue ;-). Aber ich fänd es fair, dem Nutzer zu sagen, dass seine Kommentardaten eben an Dritte weitergegeben werden.
        Allerdings mache ich damit auf meinem Blog recht schlechte Erfahrungen – seitdem ich darüber aufkläre, wie und in welchem Umfang ich speichere, hat die Anzahl der Kommentare gefühlt angenommen.
        Dilemma, Dilemma…

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    2. Felix Schaumburg

      Was die Voraussetzungen angeht: ich habe nicht das Gefühl, dass er das auf das Bildungssystem reduziert. Er nimmt sich halt das Bildungssystem heraus, weil er in diesem selber aktiv ist – als Professor.

      Schaut man sich die anderen TEDxTalks an, dann baut sich ein größeres Bild auf.

      Was würdest Du an der fokussierten Sichtvon Dueck kritisieren?

      Antworten
      1. Maik Riecken

        „Was würdest Du an der fokussierten Sichtvon Dueck kritisieren? “

        z.B. dass man m.E. sagen muss, woher das Geld (z.B. fünf Millionen für fünf Habilitanten für den Faust), die Leute und nicht zuletzt die Gutmenschen kommen sollen, um diese Vision umzusetzen, die im Prinzip dem TNG-Universum in Star Trek entspricht (die lernen, leben und handeln da schon so) – also erstmal nicht neu ist, obwohl es oft im Netz so klingt, als sei das alles noch nie so gedacht worden. Man unterschätzt gerade die US-amerikanischen Visionäre der 70er/80er Jahre da schnell.
        Die Vision selbst dürfte damit so mindestens 20 Jahre alt sein, sodass sich auch niemand damit herausreden kann, dass ja erstmal die Vision da sein muss – so allmählich müsste man m.E. jetzt schon auch die Kernprobleme und Kernvoraussetzung davon angehen – aber schaff‘ doch z.B. mal den Bildungsföderalismus ab und nimm‘ die jeweilige Schule individuell (= Vielfalt) die Verantwortung – das sind halt so politische Niederungen, bei denen das Warten auf eine „biologische Lösung“ (= die alte politische Kaste stirbt aus) bestimmt nochmal 20 Jahre dauern dürfte – vorausgesetzt es wachsen mehr Gutmenschen nach als früher. Aussitzen gilt nicht.

        Außerdem graut es mir davor, dass es z.B. irgendwann „die eine umfassende, multimediale Faustbearbeitung“ gibt. Ich hätte lieber ganz viele verschiedene davon. Oder eine, an der ich mitmachen kann – und dann hast du wieder die Relevanzdebatte…

        Klingt alles gut. Es ist wichtig so zu denken und es so zu verbreiten. Es ist wichtig Fragen zu stellen und darüber zu reden. Ich weiß nicht, ob es alleine reicht, eine Veränderung zu initiieren. Ich bin skeptisch, ob die „von alleine“ kommt.

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  2. Scarlett

    Hi Felix,
    mir fällt dazu eine Menge ein, worüber ich seit einiger Zeit – ganz ohne Medienhipe nachdenke: „Was sollen wir/die Kinder und die Jugendlichen lernen?“
    Wissen ist austauschbar. Früher hat man sich am Lagerfeuer die Heldengeschichten aus dem Stamm erzählt, zum Teil zur Belustigung (gegen die Langeweile) und zum Teil zur Belehrung. Das war einfach. Als es dann so viele Geschichten waren, von denen es hieß, man müsse sie behalten (das Festhalten ist ja sehr menschlich) aus rituellen, familiären oder anderen Gründen, malte man sie auf, woraus später sprachliche Zeichen wurden, um mehr zu erfassen – es ging also um Effizienz. Und wieder war wichtig, das errungene Wissen zu konservieren. Manches davon beinhaltete wichtige Infos: Was tun, wenn man schwer verwundet ist? Was tun, wenn man einen geliebten Menschen verloren hat? etc.
    Zunächst aber ist Wissen Ballast: Vergleichbar mit einem Steak, da muss ich die Nährstoffe rauslösen (Gott sei dank, kann mein Körper das von ganz allein, ich käme da sicher durcheinander) und den Rest ausscheiden oder anlegen. Für die Nährstoffe brauch ich nicht die Reste. Ich brauche kein Buch, um den Inhalt zu verstehen. Wissen muss also irgendwie verdaut sprich verarbeitet werden. Soweit, Felix, soweit stimme ich Dueck zu. Anmerkung zu Goethes Faust: Goethe hat es aufgeschrieben, damit es immer wieder inszeniert werden kann, dafür muss es von Schauspielern und Regisseuren gelesen werden. Er wollte verewigt sein, so wie alle Schriftsteller. ABER dennoch, es soll und muss inszeniert werden.
    WAS aber bleibt noch, wenn wir sagen: Mit Googleearth ein Suchspiel rund um die Erde, mit You-Tube das eigene Musical… Wenn all das keinerlei Qualität besitzt und beliebig ist? Gut, letztlich ist die Qualität sekundär, weil sich „Schlechtes“ selbst entlarvt und es um die Erfahrung geht, aber was muss denn dann noch gelernt werden?
    ICH beklage mich darüber, dass meine Kinder bei nix „Biss“ entwickeln, nie etwas richtig lernen wollen, wenn sie zweimal die Blockflöte in der Hand hatten, dann können sie das! (nach ihrer Meinung) Und ich glaube, ich übernehme die Verantwortung für ihre Entwicklung. 🙂
    Der Chor, das Üben eines Instrumentes, etc. sind alles Dinge, bei denen ich eine Fertigkeit erlerne, die über das Lesen eines Textes, das Hören eines Songs oder das Sehen eines Films hinausgeht. (Das Lesen muss ich irgendwie erwerben, sonst nutzt mir das Internet auch nicht.) Lernen funktioniert nur dann – so die Wissenschaftler –, wenn es über die Hand und über das Tun (also die Erfahrung) läuft.
    ALSO: Ich vermisse tatsächlich den Rest, etwas, was ich nicht downloaden kann, nämlich zwischenmenschliches Lernen, Gruppenlernen, Sozialtraining – um Gutmenschen zu werden! Dazu kann man unterschiedliche Fertigkeiten anwenden, wozu der Chor aber gehören kann (und eher als Mathematikgrundlagen). Sein Chorbeispiel fand ich sehr witzig, denn es erinnert mich an meine: Ich habe durch ein Jahr Chorerfahrung viel zu Kompositionen und zur Musik verstanden. DER Punkt aber ist doch: ICH wollte in den Chor, weil es mir Spaß gemacht hat und dabei hab ich erstmals gelernt, wie Musikstücke gelesen werden, wie man Noten auch als Analphabet „lesen“ kann und wieso diese alte Musik doch Spaß machen kann. Es war freiwillig und dieser eine Aspekt, der fehlt immer wieder, der wird in der Schule stets durch vorgesetzte und vorgekaute, zurechtgeschnittene Inhalte ausgeschaltet.
    Wir lernen im Kindesalter durch Vormachen und Nachahmen – Spiegelneuronen. Hier liegt mein Problem mit den Techies. Es wäre falsch, allein auf den virtuellen Sektor zu setzen, weil eben echte menschliche spiegelneuronenanregende Erfahrungen damit nicht gemacht werden kann. In Spanien zu sein, ist anders, als mit Googelearth oder Atlanten danach zu suchen; aber nicht jeder kann da hin, dann ist das Medium der Sekundärerfahrung aber wiederum egal: es darf die Realerfahrungen nicht einfach nur ersetzen.
    Unterricht mit einem Mikroskop hätte ich gern „sinnvoll“ gehabt: Eines für mich, mit jemanden, der es kann, an meiner Seite, der mir erklärt, was ich sehe und mich selbst dann etwas entdecken lässt. Wenn ich das nicht bieten kann, ist es tatsächlich leichter per Zoom zu erledigen. DA liegt das Problem von Schule. Wenn also großer Medieneinsatz, dann nicht „als (neuer) Tanz um das goldene Kalb“. Wir neigen aber dazu, der Materie zu sehr verhaftet zu sein! In jeglicher Hinsicht. Um Gutmenschen zu sein (oder zu werden) braucht es im Grunde nur viele echte, lebensnahe Erfahrungen. Ein gutes Medium ohne Downloadmöglichkeit ist es, Kunst oder Musik oder Theater oder Sport oder Experimente zu machen.
    Ich bin sofort dabei, wenn es um eine Schule geht, die von lebendigen lebensnahen Erfahrungen ausgeht. Wenn Multimedia dazu eingesetzt werden kann, finde ich das nicht falsch.
    Grundsätzlich liegt die Hürde in der Schule noch davor: Wir müssen immer das Original als unfehlbar Gesetztes würdigen.
    Ich (als Lehrer, Schreiber und Denker) habe schon immer einen prinzipiellen Fehler gemacht (den ich gern betreibe), den ein guter Deutscher (in Deutschland vor allem) nicht macht: Ich halte es für völlig unwichtig, wer wann was wo erfunden, gedacht oder angestoßen hat, wichtig ist der Kern (der Inhalt, die Info, die Botschaft, das Ergebnis) also das Steak selbst und das kann ich verändern, erweitern, ergänzen ohne immer zuvor (wie heißt das noch, wenn man immer erst die Quelle würdigen muss?) die Unantastbarkeit der Quelle zu feiern. Das ist meiner Ansicht nach der Prozess, den wir zurzeit durchlaufen. Wir müssen unsere Altäre, die Götzenbilder niederreißen und von den damit verbundenen Ritualen befreien. DOCH, wir halten so gern fest.
    Wir halten noch immer fest. 🙂

    Gr
    Scarlett

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