„BarCamp“ trifft Schule

Die Idee

Unterricht ist in seiner alltäglichen Durchführung zumeist geprägt durch Lehrpläne und inhaltliche Vorgaben. Den Veränderungen hinsichtlich einer größeren Berücksichtigung der Kompetenzen bei der Planung des Unterrichts steht meist eine lang etablierte Kultur der inhaltlichen Schwerpunktsetzung gegenüber.

In dem folgenden Konzept möchte ich einen Ansatz vorstellen, der die Eigenaktivität der Schülerinnen und Schüler und ihre Verantwortung für den Lernprozess in den Mittelpunkt stellt. Dieser Anspruch kann gesichert werden, weil den Schülerinnen und Schülern nachhaltig Gestaltungsspielraum bei der Wahl der Inhalte zugestanden wird. Dies führt nicht zu einer Vernachlässigung der inhaltlichen Anforderungen, die durch die Richtlinien und Lehrpläne gegeben sind. Diese bilden vorerst weiterhin der Handlungsrahmen von Unterricht. Gestaltungsspielraum soll den Schülerinnen und Schülern bei der methodischen Herangehensweise und der thematischen Schwerpunktsetzungen gegeben werden. Indem Schülerinnen und Schüler selber Entscheidungen treffen dürfen, werden sie in den folgenden Handlungsschritten mehr Verantwortung tragen und eine größere Motivation erfahren.

Möglich wird dies durch das Zusammenführen der in den USA populären und auch in Europa stark wachsenden BarCamp Kultur mit dem Unterricht in den Schulen.

Das Barcamp

Die Idee der Barcamps ist im Jahr 2005 aus einem offenen Konferenzformat entstanden, bei dem die Teilnehmer nachhaltig selber Verantwortung für die Ausgestaltung einer Tagung übernehmen. In ähnlicher Form werden auch Open-Spaces im Vorfeld von ‚klassischen‘ Konferenzen als Ideenwerkstatt durchgeführt.

Die Organisationsform Barcamp unterscheidet sich in ein paar Bedingungen grundsätzlich von dem Format herkömmlicher Konferenzen. Im Vorfeld wird von den Initiatoren einzig ein übergeordnetes Thema und ein Ort bekanntgegeben. Die Veranstalter sorgen nur für Versorgung, Infrastruktur und genügende Räumlichkeiten. Inhaltliche Vorarbeit darf nicht geleistet werden.

Die Tagung selber beginnt mit einer kurzen Vorstellungsrunde aller TeilnehmerInnen. Dieser Schritt ist ritualisiert und wird, um die Zeit der Vorstellung zu begrenzen, auf drei so genannte Tags beschränkt. Jede/r TeilnehmerIn nennt also ihren/seinen Namen und drei Schlagworte, die sie/ihn charakterisieren. Dies kann die Berufsbezeichnung sein, ein Projekttitel oder andere Begrifflichkeiten (die bestenfalls Netzwerkpotential und Wiedererkennungswert haben). Als Beispiel für meine Person:

„Felix Schaumburg, #lehrender, #bildunskatalysator, #edushift“.

Nach der Vorstellungsrunde stellen alle Teilnehmer, die gerne mit den anderen Besuchern über ein Thema sprechen wollen oder einen Vortrag vorbereitet haben, ihr Thema dem Plenum vor. Nach der Kurzvorstellung erfragen sie im Plenum, ob Interesse an einem solcher „Session“ besteht. Die Meldungen des Plenums sind zu diesem Zeitpunkt keine Zusage zu einem „Session“, sondern nur ein allgemeines Stimmungsbild, ob das Thema überhaupt als relevant angesehen wird.

Im Anschluss an diese Runde werden die Titel der Veranstaltung (Sessions) auf ein Blatt geschrieben und an den so genannten Sessionplan gehängt. Dieser bietet eine Übersicht über alle verfügbaren Räume und eine Zeiteinteilung in so genannte ’slots‘. In der Regel  hat ein slot eine Dauer von 45 Min. Danach schließt sich eine Pause von 15 Min. an bevor die nächste Session startet.

In kurzer Zeit ergibt sich auf diese Weise ein Konferenzplan, der jederzeit nach individueller Rücksprache angepasst werden kann. Wie bei der Wikipedia auch, hat jede/r die Möglichkeit, konstruktiv am Konferenzverlauf mitzuwirken. Da alle TeilnehmerInnen ein echtes Interesse an der Tagung haben, sind destruktive Elemente nicht zu erwarten und werden gegebenenfalls durch ein gemeinschaftliches Korrektiv schnell aufgedeckt und behoben.

Ein BarCamp im Unterricht

Ausgehend von den eigenen Erfahrungen verschiedener Barcamps und den Berichten von Palomar5 war meine Überlegung, ob man Elemente davon nicht in den regulären Unterricht integrieren kann, um Phasen hoher Lernaktivität zu schaffen und den SchülerInnen Erfahrungen in der Projektorganisation zu ermöglichen.

Außerhalb von Themenwochen, in denen eine ganze Woche Zeit für ein Projekt zur Verfügung steht, sind nur einzelne Elemente der Barcamp Kultur in den regulären Unterricht integrierbar.

Dazu gehören:

  1. Einstieg
    Themenschwerpunkt, Vorgehen und Produkt werden durch die Schülerinnen und Schüler selber bestimmt. Einzig die große thematische Einordnung wird vom Lehrenden vorgegeben.
  2. Prozess
    In regelmäßigen Abständen unterziehen sich die Schülerinnen und Schüler einem reality-check, um sich über dem Fortgang der eigenen Arbeit und das anvisierte Ziel ein Urteil von den Anderen einzuholen.
  3. Ergebnis
    Die Präsentation der Ergebnisse ist kein Vortrag, sondern eine durch die Schülerinnen und Schüler selber gestaltete Zeiteinheit: Impulsreferat, Hintergrundinformationen, Erklärungen und offene Diskussion….

Erste Erfahrungen

Im Schuljahr 2009/2010 habe ich am Ende der 11. Klasse im sozialwissenschaftlichen Unterricht im Rahmen der Reihe „Politische Partizipation“ das oben umrissene Konzept erprobt. Ich habe zur Erarbeitung des Themas weder einen Wochenplan erstellt noch Themen für Referate vorgegeben, sondern einzig in einer Einführungsrunde, nach einem kurzen Blitzlicht mit den Schülerinnen und Schülern, über bürgerschaftliches Engagement gesprochen und das bisherige Wissen aktiviert.

Im Anschluss an die Begegnungsphase habe ich das BarCamp-Konzept vorgestellt und die Anzahl der Sitzungen an der Tafel notiert. Im Anschluss daran habe ich die Schülerinnen und Schüler ermutigt, nach vorne zu gehen und irgendein Thema, welches ihnen spontan interessant oder relevant erscheint, vorzustellen.

Nach anfänglicher Unsicherheit, ob „der Lehrer das wirklich ernst meint“, wurden verschiedene Themen vorgestellt. Es haben sich insgesamt sechs unterschiedlich große Gruppen gefunden, die zu folgenden Themen arbeiten wollten:

  1. Ideen für ein attraktives Wuppertal
  2. Umfrage zu den Sparbemühungen in Wuppertal
  3. Wirkung von Medien auf Politik
  4. Liquid Democracy und die Piratenpartei
  5. Freistaat Christiania
  6. Kritik an Politikern

Um die Arbeit in den Gruppen transparent zu machen und Querverweise zwischen den autonomen Gruppen zu ermöglichen, wurden alle Ergebnisse, Protokolle und Planungen in einem Wiki dokumentiert.
Wir haben dazu auf Angebot von www.wikispaces.com zurückgegriffen.

In den folgenden drei Sitzungen (65 Minuten Stundenraster) haben die Schülerinnen und Schüler selbstständig an den Projekten gearbeitet. Nach der dritten Sitzung hatte jede/r Schüler/in die Aufgabe, auf mindestens einer Wikiseite einer anderen Gruppe einen Kommentar zu hinterlassen. Auf diese Weise erfolgte ein Übersichtswissen aller Beteiligten über die einzelnen Vorhaben und jede Gruppe erhielt Anregungen von außen.

Nach der vierten Sitzung hatten sich alle Gruppen einem „reality-check“ zu unterziehen, indem sie ihr ihr Thema, das Projektziel und die weitere Planung allen Mitschüler/innen vorgestellt haben. Im Anschluss an diese Kurzpräsentationen von max. 5 Minuten erfolgte ein spontanes Feedback aus den anderen Gruppen. In diesem Feedback wurden kritische Punkte, allzu utopische Ideen und mögliche weitere Netzwerkknoten / Kontakte benannt.

In den folgenden zwei Sitzungen haben die Schülerinnen und Schüler Ihre Ergebnisse zu einem vorläufigen Ende gebracht und „präsentiert“. Reihenfolge und zeitlicher Ablauf der beiden Präsentationsstunden (am Ende waren es drei, weil die Diskussionen lebhafter und ereignisreicher waren als zuerst geplant) wurde von den Schülerinnen und Schülern selber geplant.

Als Produkte sind aus diesen sieben Sitzungen entstanden:

  1. Bürgerhaushalt: Ideen für ein attraktives Wuppertal:
    Plakat und Flyer für eine Aktion „Wuppertal ist bunt“.
  2. Bürgerhaushalt: Umfrage zu den Sparbemühungen in Wuppertal:
    Erstellung und Auswertung eines Fragebogens. Umfrage unter ~50 Wuppertalern.
  3. Wirkung von Medien auf Politik:
    Einordnung verschiedener Tageszeitungen in die (Sinus-)Milieus und Planung und Vorbereitung eines Ausfluges zur Druckerei der Westdeutschen-Zeitung.
  4. Liquid Democracy und die Piratenpartei:
    Planung und Durchführung eines Interviews mit der Piratenpartei zur ,liquid democracy‘. Das Interview wurde zu einem Video geschnitten. Dauer: ~13 Min.
  5. Freistaat Christiania:
    Vorstellung der Geschichte des Freistaats Christiane durch filmische Sequenzen (leider als Filmprojekt gescheitert).
  6. Kritik an Politikern:
    Erstellung und Pflege eines Blogs mit „Vorurteilen“ über Politiker und deren Untersuchung.

Die Rolle des Lehrenden & Social Media

Da die Schülerinnen und Schüler sowohl die Themen wie auch die Produkte selber gewählt haben, konnte ich mich einem anderen, willkommenen Teil meiner Arbeit als Lehrer zuwenden: Ich durfte beraten.

Weder musste ich dafür sorgen, dass die Schülerinnen und Schüler ein von mir vorgegebenes Ziel erreichen noch dass ich die Werkzeuge, die ich aus meiner Perspektive für die Umsetzung als absolut notwendig erachte, allen Schülerinnen und Schülern, auch gegen ihr eigenes Interesse, erklären musste.

Durch die selbstständige Wahl eines Themas war der Sinn dessen, was die Schülerinnen und Schüler arbeiten, deutlich erkennbar und bedurfte keiner nachdrücklichen, extrinsischen Motivation.

Als Lehrer war ich Besucher in den Projektgruppen und konnte Wissen und Erfahrungen als Berater anbieten. Ich konnte auf mögliche Kontakte hinweisen, Ideen konkretisieren und helfen, scheinbar unzusammenhängende Gedanken zu sortieren.

Besonders beim Einsatz der Web 2.0 Technologien wie Twitter, WordPress und Wikis waren dabei deutliche Kompetenzunterschiede bei den Schülerinnen und Schülern festzustellen. Da man diese kommunikativen Werkzeuge zukünftig kaum ignorieren können wird, ist gerade in dieser Hinsicht das Projekt eine besondere Bereicherung gewesen.
Soziale Netzwerke lassen sich nur entdecken und nutzen, wenn ein sinnvoller Umgang gepflegt wird. Gerade die weiterreichende Sinnhaftigkeit ist aber bei klassischen Recherchen im Internet oft nicht gegeben. Daher ist ein produktionsorientierter Prozess anzustoßen, in dem die Lernenden als „Sender“ im Internet aktiv werden können.
Dies scheint durch die hier gewählte Form des „BarCamps im Unterricht“ ermöglicht worden zu sein.

Perspektiven

Das Projekt war wegen seiner Offenheit ein Wagnis – und ist in diesem Sinne erfolgreich gewesen. Die meldeten zumindest die Schülerinnen und Schüler zurück. In der Feedback Runde in der letzten Sitzung wurden u.a. folgende Aussagen getätigt:

„Ich konnte so endlich mal Sachen machen, die wirklich eine Auswirkung haben und von denen ich und auch andere was haben.“

„Es war gut, dass wir selber etwas machen konnten. Auch wenn ich am Anfang die Sache etwas komisch fand, hab‘ ich dann doch Feuer gefangen. Wir haben in den Stunden eigentlich immer heiß diskutiert und kaum rumgehangen – wie sonst bei Gruppenarbeiten…“

„Ich fand die Sache gut, allerdings war mit das Ziel am Anfang nicht ganz klar. Dadurch sind wir etwas zu spät los gekommen. Werde da wohl beim nächsten Mal drauf achten müssen.“

Gerade auf den letzten Punkt der unklaren Zielorientierung ist beim nächsten Mal ein größeren Augenmerk richten. Dabei kann es nicht darum gehen, die Ziele für die Schülerinnen und Schüler vorzugeben, sondern das Vorgehen bei der Methode „Barcamp“ noch deutlicher im Vorfeld zu klären. Es ist möglich, dass dies zu Beginn nicht allen verständlich geworden ist.

Mehr Freiheit und Selbstverantwortung fordern bei den Beteiligten natürlich auch mehr Entscheidungen. Wenn man diese nicht trifft, fällt man gerade in der Startphase von Projekten schnell zurück. Diese Gefahr sollte von Lehrenden sensibel wahrgenommen werden um unterstützend einzugreifen.

10 Gedanken zu „„BarCamp“ trifft Schule

  1. Christian Spannagel

    Das klingt nach einer schönen, intensiven Unterrichtssequenz!

    Trotzdem noch eine Nachfrage (nicht, um die Idee zu disqualifizieren, ich find’s gut, sondern weil ich’s verstehen möchte): Was genau war daran Barcamp? Es klingt wie „ganz normaler“ Projektunterricht, mit Projekten, kurzen Präsentationsphasen, zusätzlich angereichert durch Protokollierung und Diskussion im Web (das geht über klassischen Projektunterricht hinaus). Wesentliche Eigenschaften von BarCamps, wie dass man z.B. jederzeit den Raum in eine andere Gruppe wechseln kann, sich jederzeit neu entscheidet, was man tut, sich dann spontan zu neuen Gruppen zusammenschließt…. das war nicht dabei?

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    1. Felix Schaumburg

      Hallo Christian,ich verstehe die Nachfrage und hätte auch nichts dagegen, wenn Du es noch schärfer formuliert hättest: „Schreibt der da nicht eigentlich nur einfach was zusammen, was schon beliebig oft dokumentiert worden ist?“.Ja, mag sein. Und auch wieder nicht.Ich habe mir vorher Gedanken darüber gemacht und abgewogen, ob ich die Idee „BarCamp trifft Schule“ nenne oder nicht. Problematisch erschien mir, wie Du schon geschrieben hast, die Abgrenzung vom “Projektunterricht” und anderen kontextorientierte Unterrichtsformen wie Chemie-im-Kontext (ChiK). Diese Ansätze orientieren sich zumeist an einer mehr oder weniger ähnlichen Phasierung: 1. Begegnungsphase 2. Neugier/-Planungsphase 3. Erarbeitungsphase und 4. Vernetzungsphase. Diese Einteilung lassen sich wahrscheinlich auch in wesentlichen Teilen auf die oben skizzierte Unterrichtsreihe anwenden.Für mich waren drei Dinge wichtig, die ich in dieser Zusammenstellung bisher nicht in U-Methodik-Büchern gefunden hatte, und bei denen ich meine eigenen Erfahrungen aus diversen BarCamps einfließen gelassen habe: 1. Einstieg: Die Schülerinnen wählen sich nicht in vorher festgelegten Gruppen ein Thema oder verteilen sich innerhalb einer Klasse auf vorher vereinbarte Themen, sondern stellen nach ihrem Interesse ein Thema vor und versuchen, andere davon zu begeistern und Mitstreiter zu finden. Wir hatten auch Themen, die keine Mitstreiter gefunden haben – was nicht an den Personen gelegen hat.2. Prozess: Die Feedback Runde habe ich “reality-check” genannt – in Anlehnung an palomar5. Vielleicht kann man hier am ehesten auf bereits vorhandene Feedback-Strategien zurückgreifen. Für mich war die Feedback-Kultur in dieser Art des “reality-checks” insoweit interessant, dass es kein Feedback mit Blick auf eine mögliche “Bewertung” war, sondern einzig die Umsetzbarkeit einer Idee abgeklopft worden ist. Gemeinsam von allen.3. Ergebnis: Das Ergebnis habe ich gänzlich offen gehalten. Mir war es egal, wann, wo und wie die Schülerinnen und Schüler ihre Ideen und Projekte vorstellen würden. Durch eine gewisse Termindichte und das zu Ende gehende Schuljahr hat sich aber von außen eine gewisse Notwendigkeit ergeben, in einem bestimmten Rythmus zu agieren. Es wäre berechtigt zu fragen, inwieweit auf den BarCamps eine “Ergebnis-Kultur” herrscht und ob man daraus eine Idee für den Unterricht formulieren kann. Meine Idee war, die gänzliche offenen Formen der Sessions (Gesprächskreis, Vortrag, Präsentation, Brainstorming etc.) hier zu berücksichtigen.Zu Deiner Frage: Ja, die Schülerinnen und Schüler hatten freie Raumwahl. Uns standen zwei Sitzecken, zwei Klassenräume und viele mobile Rechner zur Verfügung. Und ja, die Schüler haben davon auch Gebrauch gemacht und sich in gewissen Phasen bewusst zurück gezogen, um zum einen Ruhe zu haben und zum anderen “die Anderen mit einer Idee zu überraschen”. Teilweise habe ich dadurch einzelne Schülergruppen nur kurz am Anfang einer Stunde sehen können.Konnte ich meine Intention deutlicher machen? Bin für Kritik dankbar – schärft das Denken.Gruß nach Afrika!Felix

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  2. Christian Spannagel

    Hi,

    mir Raumtausch meinte ich nicht, dass die Gruppe in einen anderen Raum geht, sondern dass man sich als Einzelperson entscheiden kann, die Gruppe (also die Session) zu wechseln. Im Endeffekt waren die Schüler ja die ganze Zeit in derselben Gruppe. Daran ist nix „barcampig“. Einzig das „Werben um Themen“ würde ich als barcampig ansehen. Dann würde ich aber nicht die ganze Methode mit Barcamp in Verbindung bringen, sondern nur die Einstiegsphase.

    Für mich bleibt auch nach deiner Erläuterung der Unterricht mehr Projektunterricht und weniger Barcamp. Aber, Namen sind Schall und Rauch und letztendlich wurscht. Hauptsache, es war gut!

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  3. Scarlett

    HI Felix,
    hab ich ja letztes Schuljahr nach „meinem“ ersten Barcamp auch gemacht. Bei uns ist es insofern etwas schwieriger durchzuführen, weil wir ja nur 45 Minuten haben. Ich habe dann jeweils 30 Min-Sessions gewählt.
    Meine Erfahrungen entsprechen den deinen (hatte ich in meinem Blog ja auch geschrieben) und ich denke auch, dass das die Form ist, die Zukunft hat an Schulen. Meine SuS waren sehr skeptisch, weil sie Sorge hatten, dass sie nicht lernen, was sie brauchen. SIe waren überrascht, dass sie genau das bekommen haben, was sie wollten.
    Dein Blog erinnert mich daran, dass ich das ausbauen wollte. Momentan kämpfe ich bei den 30 in der Oberstufe gegen zu viel Frontalunterricht an, weil ich nicht mehr den INhalt an die Leutz bringe, den sie aber für den Termindruck der Klausurtermine brauchen. Ja, ich werd mal sehen, wie wir weiterarbeiten können.
    letztlich hat Christian Spannagel recht, der Name ist Nebensache. Es ist eine Form des Projektunterrichtes, allerdings: das Ziel ist nicht durch den Lehrer gegeben. Andererseits habe ich den Schülern gesagt, was sie für die Klausur brauchen, so dass sie sich darauf eben gezielt vorbereiten.
    Am Ball bleiben.

    Gr
    Scarlett

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  4. Lisa Rosa

    is mir wurst, ob es barcamp genannt werden kann oder nicht: wichtig ist, dass Felix einen großen horizont zum selbstbestimmten lernen aufgemacht hat. Mir gefällt das hier beschriebene vorgehen sehr gut. es gibt viele möglichkeiten, 1. den persönlichen sinn beim lernen zu ermöglichen und 2. der selbststeuerung viel raum zu geben und 3. als lehrer ein guter lernberater zu sein.

    @spannagel von wegen „normaler projektunterricht“! was in der herkömmlichen schulpraxis alles unter projektlernen läuft, ist unglaublich. fast immer ist das lernziel vorgegeben (nicht immer wird es explizit genannt natürlich!!!), und fast immer müssen themen bzw. aspekte in gruppen abgearbeitet werden, die der lehrer bestimmt hat. meist geht es so: es gibt ein oberthema. die sus dürfen nennen, was sie daran interessiert und welche unterthemen sie vorschlagen. wenn dann was „fehlt“, dann ergänzt es der lehrer und alle sus müssen sich so zuordnen, dass auch alles „wichtige“ abgearbeitet wird. und da ist auch der haarfeine aber alles entscheidende unterschied zu Felix herangehensweise, der nicht die urteilsinstanz ist darüber, was gelernt werden muss, was herauskommen muss und was relevant ist.

    Antworten
  5. Scarlett

    Ergänzend: es bleibt den Schülern offen, ob sie einzeln oder in selbstdefinierten Gruppen arbeiten.
    In meinem Barcamp arbeitete eine Gruppe von 12 Leuten am selben Thema, wobei auch dann einige dabei waren, die ihr eigenes DIng vom Unterricht unabhängig gemacht haben.
    Wir sprachen später darüber in der Reflexion, die Schüler erkannten aber für sich, dass von der Methode unabhängig immer welche gäbe, die eben nicht mitmachen. Ich habe darauf hin erklärt, was ebenfalls eine Idee des Barcamps ist: Wer nichts gefunden hat, was ihn interessiert, der hat sich nicht eingebracht und kann entsprechend höchstens sich selbst kritisieren.
    Obwohl die SuS anfänglich ungemein skeptisch waren, haben sie diese Methode anschließend sehr geschätzt. Ein SuS war dabei, der meinte, es mache sogar mal Spaß, was zu lernen.
    Es war also themengesteuert, insofern das Ziel (das KLausurthema) genannt wird; aber du hast Recht Lisarosa, es ist natürlich etwas anderes, als wenn ich meinen Unterthemenblock verteile und ihn wohlmöglich der ein oder anderen Gruppe aufdränge.
    Gr
    Scarlett

    Antworten
  6. Aljoscha M. Everding

    Ich habe ähnliches im letzten Jahr im „Tech“-Unterricht ausprobiert. Ich unterrichte an einer Berufsschule ITAs. Das ist leider ziemlich nach hinten losgegangen, da viele Schüler mit dieser Freiheit absolut nicht zurande kamen und es eher so sahen, dass ich einfach nur zu faul sei, meinen Unterricht ordentlich vorzubereiten. Dass ich dadurch weitaus mehr Arbeit hatte, hatte man nicht so gesehen…

    Antworten
    1. Felix Schaumburg

      Das kann immer passieren und ist das Risiko, das man eingeht, wenn man Kontrolle abgibt. Ob die S’uS besser gelernt hätten, wenn man Frontallappenbeladung gemacht hätte? Wer weiß. Man hätte es zumindest nicht bemerkt.

      Was war denn die Aufgabenstellung/der Rahmen bei Deinem Projekt?

      Antworten
  7. Aljoscha M. Everding

    Es ging darum, mit Arduino-Mikrocontrollern kleine Dinge zu realisieren. Sie sollten sich selber ihre Projekte überlegen und aussuchen. Gruppen sollten sich nach Themen finden. Innerhalb des Unterrichts sollten sie planen, zusammenbauen und die Dinger programmieren. Wir sprechen von ITAs im Abschlussjahr, sie hatten bereits Projektmanagement, E-Technik, Programmierung etc. Es gab immer wieder kleine Zwischenberichte über den Stand der Dinge und ihre Probleme, die sie noch haben und so in Form von kleinen Präsentationen für die anderen Gruppen. Des Weiteren sollten die Schüler (kann hier von der rein maskulinen Form reden, da es keine Mädels in der Klasse gab 😉 ) alles in einem Wiki festhalten. Also Dokumentation, Protokolle jeder gemeinsamen Sitzung etc. Alles zusammen wurde dann am Ende von mir bewertet. Interessanterweise sind ausgerechnet die „schwachen“ Schüler, die von meinen Kollegen als unfähig angesehen werden, damit wunderbar klar gekommen und sind über sich hinausgewachsen. Die 1er-Kandidaten und Lieblinge vieler Kollegen waren die, die der Sache gar nicht gewachsen waren und permanent rumgenörgelt haben und mir jegliche Kompetenz absprachen. Das Ende vom Lied war, dass genau diese auch nichts gescheites abgeliefert haben und sich dann beschwerten, dsas sie eine schlechte Note bekämen. Schließlich hätte ich ja nie Klausuren schreiben lassen und nix.

    sollte natürlich als reply auf Dich sein 😉

    Antworten
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