Notiz: Distanz und Nähe in der Schule

In „das magazin“ hat es 2009 einem Beitrag mit dem Thema gegeben: „Die Schule vom Kind her denken“. Darin heisst es unter anderem:

Ein Kind muss sich geborgen fühlen, in den ersten Lebensjahren vorab bei seinen Eltern, später dann bei seiner Lehrerin. Das Kind will sich ebenso an die Lehrerin binden wie an seine Eltern.

Diese Passage wurde vor den Enthüllungen in Reform- und Klösterschulen getätigt. Sie klingt plausibel und befriedigt unser Bedürfnis nach Geborgenheit. Die Zeiten haben sich aber gewandelt, sodass man diese Aussage durchaus aus kritisch betrachten kann.

Quelle: Wikipedia.org

Robert Leicht stellt in einem Artikel ‚Distanz muss sein‚ über den Begriff „Familie“ im pädagogischen Umfeld fest:

Auch das eine irreführende Terminologie, die etwas behauptet, was gerade nicht der Fall ist: Selbst als Surrogat sind dies keine Familien, die Beziehungen in dieser Gruppe sind kategorisch andere als die in einer Familie. Pädagogen gehen einem geregelten Beruf nach, Eltern sind einfach da – ein Naturereignis. Das eine darf mit dem anderen nicht einmal verbal verwechselt werden.

Wie denken wir Schule vom Kind? Welche Bedürfnisse haben Kinder? Wie sollen Lehrende mit ihnen umgehen? Welches Berufsverständnis haben Lehrende? Brauchen wir mehr Distanz oder familiäre Verhältnisse?

Jede/r muss sich – bewusst oder unbewusst – für einen Weg entscheiden.

Anmerkung: Der Beitrag liegt seit einigen Monaten als „Entwurf“ herum; wahrscheinlich aus gutem Grund. Aber warum die Fragmente nicht als Blog-Notiz raushauen? Also.

3 Gedanken zu „Notiz: Distanz und Nähe in der Schule

  1. Scarlett

    Hi Felix.
    Interessanter Gedanken. Zwei Dinge fallen mir ein:
    1. Eine Lehrerin, die mich warnte, dass Schülerinnen sich auch mal eine Lehrerin als Vorbild nehmen könnten und dann wird man von ihnen verfolgt. (Darin sah ich aber weniger ein Problem, als die Schülerinnen in ihrer Suche nach Bindung vor den Kopf zu stoßen.)
    2. Meine Kinder duzen an der Freien Schule Bochum ihre Schüler. Viele ehemalige Schüler fühlen sich noch lange nach der Schulzeit mit dieser Schule verbunden, weil sie ihnen wie eine zweite Familie war; werden deswegen Lehrer, um dort arbeiten zu können.

    Ich verstehe, dass die Schule – wie sie zurzeit als System funktioniert (mit NOten, Leistungsdruck, Machtverhältnissen, etc.) nicht wie ein zweite Familie sein sollte. Aber andererseits ist die Frage dann: Was verstehen wir unter Familie? Sind das nur die naturgegebenen Eltern und evtl. noch die Geschwister? Ist die Familie die Sippe? Ist die Sippe das Dorf? Ist also auch das Umfeld eine Familie?
    Ich habe mich in der Schule nie „privat“ gefühlt, denn ich konnte mich dort nie entziehen. Es ist ähnlich, wie immer mit dem Handy erreichbar sein oder online sein. Aber ob meine Kinder das an ihrer Schule auch so empfinden? Meine Große entzieht sich, verlässt die Klasse ohne Rücksicht auf Geflogenheiten (bzw. Daueranwesenheit ohne Entzugsmöglichkeiten).

    Ich glaube, dass unser Verständnis von Familie ein zu enggefasster Begriff ist, wenn wir daran denken, dass es zunehmend mehr Patchworkfamilien gibt, dass die Großfamilien nicht mehr zusammenleben und stattdessen Wohngemeinschaften zunehmen (wenn auch nur allmählich). Wenn wir Familie so fassen, dass sie den Kern der Bezugspersonen ausmacht, dann hat das zunächst nichts mit Blut sondern mit Annahme zu tun. In der Kommune in Kaufungen werden die Kinder von allen groß gezogen und es gibt ein NIcht-Eltern-Kind-Wochenende, an dem die Eltern mal frei haben. Der Umgang der Kinder untereinander und mit anderen Kindern war so anders, dass sie in mancherlei Hinsicht kaum an normale Kinder erinnern – kein Hauen, Stechen und Schreien sondern vernunftgeleitetes Sprechen mit Sprechregeln und das trotz Toben und Springen, Klettern und SPielen.

    Vielleicht ist tatsächlich die Kernfrage: Wie sieht das Kind die Schule und das Schulleben? Wie kann es sich in der Schule wohlfühlen ohne nur auf die Pausen zu hoffen?

    G
    Scarlett

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    1. Felix Schaumburg

      Frag doch mal Deine Tochter: Wenn sie sich in ihrer Schule scheinbar frei bewegt: Wie fühlt sie sich? Hat sie darüber gesprochen, warum sie den „Unterricht“ verlässt? Wie reagiert sie, wenn sie mit den „normalen“ Gepflogenheiten konfrontiert wird?

      Ist das die Tochter, die auch das Schreiben nicht mit dem Stift, sondern zuerst mit der Tastatur gelernt hat?

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  2. Jerome

    Der Betrag ist ja gut und schön, aber leider passiert so etwas so gut wie NIE. Die Schüler fühlen sich meistens gar nicht geborgen in der Schule wo sie sind. Die Lehrer behandeln die Kleinen- und Großen Schüler schlecht… Das zieht sich wie ein Faden durch die gesamte Schulzeit. Natürlich muss das nicht immer so sein, aber in den meisten Fällen ist es leider Gottes so. Ich habe es mehrmals gesehen, viel zu oft leider und es tut mir unglaublich weh, dass es so, entschuldigung, dumme Lehrer gibt. Manche Kinder sind am Ende so verstört, dass sie sich nur noch vor die euroboxkg.de [Link vom Betreiber auf Anfrage entfernt] stellen und heulen. Warum dahin? Die Schließfächer stehen im Flur und da ist meist niemand. Da ist aber auch schon das nächste Problem. Dadurch, dass sie sich nicht geborgen fühlen haben sie keine Freunde und fallen immer tiefer. Es sollte dringend was an den deutschen Schulen getan werden, GANZ DRINGEND.

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