Sitzordnung für das neue Schuljahr

Für das neue Schuljahr werden wir das in den letzten beiden Jahren gewählte Prinzip für eine Sitzordnung weiter verwenden. Wir – das Klassenlehrerteam – erstellen die Sitzordnung nicht über die Köpfe der SchülerInnen hinweg. Die Argumentation „So lernt jeder mit jedem zu arbeiten und man mischt alle mal“ halte ich für nicht sehr lernförderlich. Vielmehr möchte ich, dass sich feste soziale Beziehungen finden. Aus Erfahrung weiß jede/r SchülerIn, mit wem er/sie gut zusammen lernen kann. Diese Paarbindung soll beibehalten und gestärkt werden. Gleichzeitig ist es natürlich in der Verantwortung des Lehrenden, die Bestrebungen nach Abkapselung etwas aufzubrechen. Um beides zu verbinden, haben wir uns an dem Konzept der „Freundschaftsgruppe“ von Siga Diepol orientiert.

  1. Jede Schülerin (und Schüler – ich bleibe jetzt aber bei der weiblichen Form) wählt sich eine Lernpartnerin aus. Dabei ist wichtig zu formulieren, dass die Wahl der Partnerin keine Freunschaftsansage ist – und vor allem keine Absage an eine andere Freundin. Es geht darum, einen Lernpartner zu finden, mit dem man in möglichst vielen Fächern gemeinsam lernen kann und mit dem man sich dahingehend gut versteht.
    Es gilt die feste Zusage, dass diese Zweiergruppen von den Klassenlehrern nicht angerührt werden. Hier haben die Schülerinnen vollste Autonomie.
  2. Im zweiten Schritt setzen sich alle Schülerinnen an die Gruppentische. Bei der Tischgruppenbildung muss nur die Vorgabe beachtet werden, dass an jeder Tischgruppe mindestens ein Mädchen bzw. Junge sitzt.
    Da die meisten Lernpartner homogen zusammengesetzt sind, bilden sich so gemischte Gruppen. Da die Schülerinnen sich diese Gruppen selber suchen, gibt es keine Diskussionen darum, dass man „mit dem ja überhaupt nicht zusammenarbeiten kann“. Man wählt sich auch die Tischpartner.
    Die Klassenlehrer halten sich aber in dieser Phase das Recht vor, nach Absprache eine Veränderung der Tischgruppen vorzunehmen, falls dies aus pädagogischen Gründen sinnvoll ist.
  3. Die Tischgruppen bleiben so quartalsweise oder halbjahresweise bestehen. In den letzten zwei Jahren haben die Schülerinnen gelegentlich den Wunsch geäußert, die Sitzordnung zu ändern. Wenn die Klasse damit einverstanden war, wurde dies durchgeführt.
    Jedoch bleibt jede neue Sitzordnung erstmal für mindestens vier Wochen konstant. Ein ständiger Wechsel führt nur zu großer Unruhe.

Das Vorteil der Methode: Die Schülerinnen haben entscheidenden Einfluss auf ihre Nachbarn und können sich so im Rahmen des Möglichen eine angenehme Lernumgebung schaffen. Wir haben in unserer Klasse keine Diskussionen darüber gehabt, dass der Sitznachbar ja eigentlich daran Schuld ist, dass man sich nicht konzentrieren kann und für alle Ablenkungen verantwortlich ist.

Siga Diepold formuliert als Vorteile:

  1. Eine Freundin an seiner Seite zu haben schafft ein Gefühl von Sicherheit.
  2. Die Gruppentische mit einer anderen Freundschaftsgruppe sorgt für Akzeptanz von anderen.
  3. Durch die gemischten Gruppen aus Jungen und Mädchen wird die Koedukation gefördert.

Ein flexibler Klassenraum ohne feste Sitzplätze, mit freien Plätzen, Kissen und einer kleinen Studierecke ist räumlich und personell leider nicht möglich. Man unterrichtet in einer Klasse nicht alleine und muss sich an die Wünsche der Kollegen/innen anpassen. Immerhin sind wir inzwischen so weit, dass alle die Anordnung der Tische akzeptieren, bei denen das Lehrerpult nicht zentral steht und in der Mitte viel Platz ist, um in den Stunden aktiv zu arbeiten und sich viel zu bewegen.

6 Gedanken zu „Sitzordnung für das neue Schuljahr

  1. Felix Schaumburg

    Wir haben eine gerade Anzahl Kinder in der Klasse, sodass sich immer Zweiergruppen finden können. Und jede/r findet in einer Klasse immer einen, mit der er/sie zusammenarbeiten kann. Falls das schwierig wird, wird das Gespräch gesucht. Entscheiden müssen sich aber die Schüler/innen.

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  2. Matthias Heil

    Finde den Ansatz sehr gut, habe in Klassen, die mit dem LernpartnerIn-Kriterium noch nicht viel anfangen können, auch erfolgreich rotieren lassen. Präferiere formmäßig dabei fast immer ein (notfalls gefülltes) U…

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  3. Maik Riecken

    Eure Klassenräume kommen ja echt aus einer anderen Welt – traumhaft. Wir unterrichten hier 30er-33er Lerngruppen größtenteils in Räumen, die für 24 SuS konzipiert sind – Gruppentische könnten wir uns komplett an die Backe kleben…

    Gruß,

    Maik

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  4. Felix Schaumburg

    Wir haben oft 30er Klassen, meist aber knapp darunter. Mit unseren 28 geht die obige Sitzordnung gerade so im Klassenraum. Ursprünglich waren die Räume auch mal für Frequenzen von 24 SuS ausgelegt.

    Durch die Kursbildung – auch in Chemie – schaffen wir es dann aber in den Fachunterrichten, die Kursgrößen auf 20 SuS zu reduzieren. Das ist dann wirklich angenehm und ermöglicht gerade in Chemie etwas mehr Raum für Experimente.

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