Sir Ken Robinson: Evolution ist nicht genug

Das Video wird bereits an vielen Stellen zitiert, obwohl es erst seit etwa einem Tag online verfügbar ist. Und man kann es nicht oft genug erwähnen, damit mehr und mehr Menschen in Kontakt mit Sir Ken Robinsons Vision kommen, was man mit dem Bildungssystem machen muss.

Es reicht nicht mehr aus, von einer Evolution zu sprechen. Sir Ken Robinson fordert die Revolution – anschließend an seinen ersten TED-Vortrag vor vier Jahren, bei dem es vor allem um die Kreativität ging, die in der Schule systematisch verhindert wird.

Es gibt Momente, in denen es nicht mehr reicht, an Stellschräubchen zu drehen. Manchmal müssen die Dinge ganz neu gedacht werden.

Wir erleben gerade einen Leitmedienwechsel, den es in dieser Art seit der Erfindung des Buchdrucks nicht gegeben hat. Das gedrucke Wort wird zunehmend durch digitale Formen ersetzt. Wir kommunizieren mehr, schneller und weiter als jemals zuvor. Gleichzeitig entsteht ein globales Bewusstsein, das die Notwendigkeit mitsichbringt, dass die Probleme dieser Welt eben nicht ausgesessen oder im lokalen Kontext gelöst werden können.

Es mag sein, dass es meine eingeschränkte Sicht auf eine Welt ist, die mich in seine These nach einer notwendigen Revolution einstimmen lassen. Es mag sein, dass es daran liegt, dass ich vor 30 Jahren noch nicht auf der Straße war und die letzte gesellschaftliche Revolte mitbekommen habe. Ich formuliere mein Gefühl eines Umbruchs dennoch, weil ich den Wandel für notwendig halte und nicht überrascht werden möchte, wenn ich einmal zurückblicke und erschrocken feststellen muss, eine Chance für Verbesserung verpasst zu haben.

Das Problem in der Schule, der Lehrerausbildung oder in einem anderen Bereich der institutionalisierten Bildung zu sehen, greift entschieden zu kurz. Auf diesem Wege macht man vielleicht aus dem Industriebetrieb einen schönen Industriebetrieb, beginnt aber keinen florierenden Ackerbau (um in den Bildern von Robinson zu bleiben).

Einen Wandel brauchen wir nicht nur in der Bildung. Es geht um eine kulturelle Neuausrichtung, für die der Vortrag von Sir Ken Robinson ein Plädoyer sein kann.

The dogmas of the quiet past, are inadequate to the stormy present. The occasion is piled high with difficulty, and we must rise — with the occasion. As our case is new, so we must think anew, and act anew. We must disenthrall ourselves, and then we shall save our country.
(A. Lincoln)

5 Gedanken zu „Sir Ken Robinson: Evolution ist nicht genug

  1. Damian Duchamps

    Für mich ist das schon sehr stimmig, was Sir Ken Robinson da sagt. Ich meine jedoch, dass die Veränderung in unserem Bildungssystem auch ohne die Veränderung des Leitmediums angesagt ist. Ganz ehrlich ist sie schon seit langer Zeit fällig. Nicht umsonst finden sich Bewegungen in der Bildungslandschaft, die das bereits vor Jahrzehnten erkannt haben. Es gibt im Vergleich zu früher allerdings einen großen Unterschied. Im Bildungssystem steht uns mittlerweile das Wasser bis zum Hals, auch wenn viele das nicht wahr haben wollen. Es funktioniert immer weniger. Das industrielle Bildungsmodell produziert heute keine ausreichende Qualität mehr und deutlich zu viel Ausschuss.

    Wir brauchen eine Revolution, keine weiteren Reformen, stellt Sir Ken Robinson fest. Von oben wird die Revolution garantiert nicht kommen. Von dort folgt nur eine Reform der nächsten. Revolutionen müssen von unten kommen, sind eigentlich eine Sache der jüngeren Generationen einer Gesellschaft, sollte man meinen. In der Geschichte ist das häufig so gewesen. Die 68er, die auf den Aufstand in der noch recht jungen Bundesrepublik probten und maßgebliche Veränderungen in der Gesellschaft bewirkten, waren überwiegend jung, zwischen 20 und 30 Jahren alt. Irgendwo fehlt dieser Generation gegenwärtig scheinbar etwas die Initiative. Vielleicht sind sie zu angepasst, zu konform, zu blind, zu verwöhnt (Wohlstandsmaden!), zu sehr mit sich selbst beschäftigt oder was auch immer.
    Wo, sind unsere Revolutionäre?

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  2. Felix Schaumburg

    Der Leitmedienwechsel ist im vollen Gange, von daher ist es keine Entscheidung, ob man Schule mit oder ohne ihn verändert. Man kann aber sicherlich festhalten, dass die Strukturen des Medienwechsels auch als Grundlage dienen können und sollten, wie Schule zukünftig gestaltet werden muss.

    Die Situation an den Schulen ist dramatisch – aber es funktioniert alles noch so gut, dass man sich nicht auflehnt. Warum auch. Schüler machen ihre Abschlüsse. Es gibt immer wieder neue Vorgaben über die Gestaltung von Schulstufen oder Jahrgängen, die administrativ für Beschäftigung sorgen. Die Noten werden weiter in gaußscher Normalverteilung gegeben und dienen damit als Bestätigungsinstrument für Lehrende – welches sie selber produzieren.
    Das System scheint in sich geschlossen und damit stabil.

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  3. Felix Schaumburg

    Der Leitmedienwechsel ist im vollen Gange, von daher ist es keine Entscheidung, ob man Schule mit oder ohne ihn verändert. Man kann aber sicherlich festhalten, dass die Strukturen des Medienwechsels auch als Grundlage dienen können und sollten, wie Schule zukünftig gestaltet werden muss.

    Die Situation an den Schulen ist dramatisch – aber es funktioniert alles noch so gut, dass man sich nicht auflehnt. Warum auch. Schüler machen ihre Abschlüsse. Es gibt immer wieder neue Vorgaben über die Gestaltung von Schulstufen oder Jahrgängen, die administrativ für Beschäftigung sorgen. Die Noten werden weiter in gaußscher Normalverteilung gegeben und dienen damit als Bestätigungsinstrument für Lehrende – welches sie selber produzieren.
    Das System scheint in sich geschlossen und damit stabil.

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  4. Lisa Rosa

    Ja. Wir müssen mal darüber nachdenken, was Revolution ist und wie sie funktioniert. Eine Revolution normativ fordern kann man immer gerne, davon kommt sie aber nicht. Eine gesamtegesellschaftsumwälzende Revolution so wie z.B. die „industrielle Revolution“, die ausgelöst durch die Erfindung des Buchdrucks dann die bürgerliche Gesellschaft gebracht hat, ist keine Sache des Beschlusses. Sie geschieht. Ich denke, sie ist bereits im Gange. Weil wir mittendrin sind, sehen wir schlecht, was vorgeht. Und sie geschieht auch nicht mit einem „Puff“ und mit einer Guillotine, und heute findet sie statt und morgen ist dann alles plötzlich ganz anders. Ich denke, sie dauert über einen langen Zeitraum – vllt von Generationen. jaja! Auch wenn heute alles sich so schnell und täglich verändert, dass viele davon ganz verunsichert sind: Der eigentliche gesamte Wandlungsprozess, den man eine gesellschaftliche Revolution nennt, dauert. Aber von einer Sache bin ich fest überzeugt: Der notwendige Bildungschange, nämlich von einer Kultur, die Lernen auf eine Phase der individuellen Entwicklung zum Erwachsenen beschränkt hat (in der bü Gesellschaft) zu einer Kultur, die auf Lebenslangem Lernen aller Individuen und sozialen Systeme beruht – diese Revolution gibt es nur wegen und mit den Neuen Medien.

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