Die digitale Schultasche – Materialsammlung

Seit mehr als zwei Wochen besteht meine morgendliche Schultasche nur noch aus der Laptophülle. Darin befindet sich neben dem Laptop noch ein paar weiße Blätter – für den Notfall für mich und die Schüler/innen -, ein Stift und meine Champagner-Schulkreide.

Das Vorhaben einer vollständig digitalen Schultasche reift seit mehr als einem halben Jahr und scheint jetzt peu a peu vollständig umsetzbar zu sein. Nach dem letzten Beitrag zu diesem Thema (Das digtiale Lehrerzimmer) habe ich heute eine Anregung von @monsieurbecker bekommen, doch mal über die Dateiverwaltung schreiben.

Mit zunehmender Digitalisierung muss man sich Gedanken machen, wie man die Dokumente sinnvoll auf dem Rechner speichert. Für mich war das Studium dafür eine prägende Phase, da ich in der Examensarbeit Unmengen an Dokumenten und Informationen auswerten und einsortieren musste. Die Arbeit war primär themen- und projektorientiert und ließ sich daher gut organisieren.

In der Schule kam dann eine neue Dimension hinzu: Man arbeitete nicht an einem „Projekt“ (Unterrichtseinheit), sondern wiederholte dieses zu einem späteren Zeitpunkt, überarbeitet es in Kleinigkeiten und oder auch als Ganzes. Damit konnte man nicht mehr streng chronologisch arbeiten, sondern musste eine weitere – zeitliche – Ebene einziehen, sodass der relativ gleichbleibende Inhalt (Arbeitsblätter, Bücher etc.) einerseits und die jeweilige Lerngruppe andererseits berücksichtigt wurde.

Ich habe dazu folgende Unterteilung vorgenommen.

  1. Ordner „Schule“: Dokumente, die die Lerngruppe betreffen
  2. Ordner „Sammlung“: Dokumente, die lerngruppenübergreifend genutzt werden

Im Ordner „Schule“ finden sich die einzelnen Jahrgänge als Ordner wieder, und darin wiederum die einzelnen Kurse. Innerhalb der Kursordner speichere ich Testergebnisse, angepasste Reihenplanungen etc. ab. Außerdem findet sich in diesem Ordner ein Verweis (Alias) auf die im Sammlungsordner liegenden Wochenpläne, Arbeitsblätter und Bücher, mit denen im Unterricht gearbeitet wird. Neue Informationen, die ich während einer Reihe finde, werden erstmal in diesem Kursordner gespeichert und quasi im Einsatz evaluiert. Wenn ich die Materialien als sinnvoll empfinde, wandern sie beim Abschluss der Reihe in den Ordner „Sammlung“ zu den anderen Materialien.
Vorteil des Systems ist, dass ich nicht 1:1 die alten Themenplanungen der vorherigen Jahrgänge übernehme, aber als Orientierung einen Blick in die alten Unterlagen werfen kann. Weil die Arbeitsmaterialien nicht selber in dem Ordner liegen, sondern nur auf die Dokumente mittels „Alias“ verwiesen wird, hält sich die Größe dieses Verzeichnisses in Grenzen. Wenn ich alle verwendete Dokumente jeweils in jeden Jahrgang speichern würde, würde die Festplatte nach ein paar Durchgängen aus allen Nähten platzen.

Im Ordner „Sammlung/Unterrichtsmaterial“ finden sich alle Materialien wie Arbeitsblattsammlungen, Themenübersichten, Reihenplanungen, Filme, Anleitungen etc. Eben alle Dokumente, die nicht individualisiert für jede Lerngruppe angepasst werden, sondern immer wieder eingesetzt werden können. Der Ordner „Unterrichtsmaterial“ ist unterteilt in die jeweiligen Fachordner, die wiederum Klassenweise unterteilt sind. Ganz oben steht immer der Ordner „_Arbeitsblätter“, in dem sich nicht nur digitale Arbeitsblattsammlungen finden, sondern auch das ein oder andere digitalisierte Werk.
Wie man auf dem Bild sieht, fehlen in GL noch einige Jahrgänge, da ich die Materialien dafür gerade im Verzeichnis „Schule“ erarbeite und erst am Ende des Schuljahres in diesen Ordner packe.

Für die Unterrichtsvorbereitung verwende ich zwei Programme.

  1. Die grobe Reihenplanung erledige ich in OmniOutliner. Die jeweilige Reihenplaung liegt im Order Unterrichtsmaterial und dient zur groben Orientierung der zu erarbeitenden Inhalte. Oft sind zusätzlich Kompetenzen und zentrale Fachinhalte vermerkt, sodass man ggf. auch einzelne Elemente austauschen und überspringen kann.
  2. Notizen zum täglichen Unterricht erledige ich im lokalen Wiki VoodooPad, welches ich ins Netz synchronisiere, um von überall Zugriff zu haben (iPhone). Wie dieses Wiki ausschaut hatte ich hier schon verlinkt. Über die „Backlinks“ innerhalb des Wikis kann man schnell sehen, wann man sich welche Notizen zu einer Lerngruppe gemacht hat.

Alle Ordner werden über die DropBox synchronisiert, sodass ich auch unterwegs übers iPhone Zugriff auf die Dokumente habe.

Grundsätzlich möchte ich bei der ganzen Verwaltung und Dokumentation einen Gedanken erwähnen, den ich mir damals von XYZ (auf Wunsch wurde der Namen wieder aus dem Beitrag gelöscht) aufgegriffen habe:
Er hat in regelmäßigen Abständen die Dokumentationen der Unterrichtsreihen entsorgt, um sich selber dazu zu zwingen, die Unterlagen neu zu durchdenken, zu verbessern und an die jeweiligen Lerngruppen anzupassen. Vielleicht sollte man sich daran auch gewöhnen… Sonst läuft man Gefahr, dass man zur Vorbereitung nicht die Ordner aus dem Schrank holt, sondern auf der Festplatte öffnet.

32 Gedanken zu „Die digitale Schultasche – Materialsammlung

  1. Damian Duchamps

    Eine Ordnerstruktur ist immer sinnvoll, wenn man Dateien sauber ablegen will. Benamungskonventionen helfen mir zusätzlich enorm. Meine Schule arbeitet mit dem Englischlehrwerk Let's go. So benenne ich alle Dateien, die damit zu tun haben, entsprechend. Vokabeltests heißen so vt_lg1U4, wenn sie sich auf Band 1 und Unit 4 beziehen. Schreibe ich zu einer Unit mehr als einen Test, kommt ein Buchstabe hinzu am Ende. Arbeiten heißen z.B. a_lg4U2_09_10. Diese Arbeit ist dann zu Band 4, Unit 2 und aus dem Schuljahr 09/10. Alleine das lg4U2 hilft hinterher beim Finden ungemein.
    Material, welches nicht an den Inhalt des Lehrwerks gekoppelt ist (und mit Lehrwerkswechsel obsolet werden kann), benenne ich nach Inhalt und ordne es thematisch. Im Namen vermerke ich bereits, ob es sich um einen Lückentext, einen Text, eine Lückentextlösung, eine Zuordnungsaufgabe oder ähnlich handelt. Wenn es eine Übung zur Differenzierung von do und don't ist, nenne ich das auch so.
    Ähnlich lässt sich das auf andere Fächer übertragen.
    Hat man sich einmal an seine Konventionen gewöhnt, fällt das Systematisieren leicht.
    Arbeitet man mit einer Datenbank, kann man Dateien zusätzlich mit Tags (Schlagworten) versehen, wie Posts in einem Blog. Auch das bringt eine weitere Dimension der Systematisierung.
    Kombiniert man das also, hat man mit Ordnerstruktur, Dateinamen und Tag eine dreidimensionale Systematik, die eigentlich alle Eventualitäten abdeckt.

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  2. Felix Schaumburg

    Die Datenbank habe ich noch (?) nicht im Einsatz für diese Art von Daten, da ich in vielen Fällen mit Kollegen/innen gemeinsam in den DropBox Ordnern arbeite. Leider geht das noch nicht mit DevonThink, sodass taggen und Co. wegfällt. Damit könnte man aber in der Tat noch deutlich flexibler werden.

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  3. retemirabile

    Ich gehe ähnlich vor, habe aber seit diesem Schuljahr das komplette Dateisystem in DevonThink abgebildet. Das war eine gewisse Umstellung, macht nun aber das Hinzufügen und Wiederfinden deutlich leichter. Vor allem in Fächern wie Geographie, wo ich viel Material aus dem Netz und aus der Zeitung verwende, kann ich so schnell sehen, ob es zu einem Thema Texte in der Datenbank gibt oder wo ich einen neuen Text einordnen sollte.

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  4. Damian Duchamps

    Leider nur bildet DevonThink die Dateistruktur nicht auch intern in der unterlegten Ordnerstruktur ab. Würde es das tun, könnte man auch die Ordner alleine weiter nutzen, falls man z.B. kein DevonThink mehr verwendet oder auf ein anderes System z.B. Linux oder Win wechselt.

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  5. Felix Schaumburg

    Man kann eine DT Datenbank exakt so exportieren, wie die Ordnerstruktur abgebildet ist. Falls man das System wechselt.
    Allerdings synchronisiert sich diese Struktur nicht zurück, sodass man es nicht zweigleisig nutzen kann.

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  6. scheppler

    Für die mac-User empfehle ich mal einen Blick auf Punakeea (http://www.nudgenudge.eu/punakea). Ich arbeite auch mit einer Ordnerstruktur und der bereits erwähnten Namensgebung von Dateien.
    Seit dem Web 2.0 „liebe“ ich aber das Taggen von Informationen – zumal man mehrere tags vergeben kann und sich manchmal ganz spannende, da unerwartete Querverweise/Erinnerungen ergeben auf fast vergessene Dateien.

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  7. Stef

    Hallo Felix, vielen Dank für Deine detailreiche Darstellung! Zwei Fragen habe ich da aber noch an Dich. Wenn Du ein Arbeitsblatt gescannt hast, lässt Du bestimmt eine Texterkennung drüber laufen – welche benutzt Du da? Benutzt Du auch Evernote und wenn ja, wie sind da Deine Erfahrungen? Auf jeden Fall ist Dein Blogeintrag für mich sehr interessant und transparent, lädt zum nach machen ein 🙂

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  8. Damian Duchamps

    DevonThink Office Pro auf dem Mac hat eine integrierte Version von Abbyy Finereader. Fujitsu Scansnap Scanner bringen in Windows Versionen ein eigenes Tool zum Verwalten von Dokumenten mit und eine Texterkennung.

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  9. Felix Schaumburg

    Hallo Stef,

    OCR:
    wie Damian Duchamps schreibt: Ich mach das mit DevonThink Pro. Ansonsten gibt es für den Mac noch „PDF OCR X“ für knapp 30 € (http://solutions.weblite.ca/pdfocrx/).

    Evernote:
    Nein, da ich mit DevonThink arbeite und bei allem Cloud-Computing doch gerne lokale Dateien haben möchte. Evernote kann aber als prima Inbox dienen, um Zettelchen und Fotos zu sammeln. Das passt eher zum Beitrag über den „Workflow Lehrerzimmer“: http://www.bluemac.de/blog/2010/02/13/workflow-

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  10. Felix Schaumburg

    DevonThink kann nämlich doch verschiedene Ordner synchronisieren und alle Änderungen am Verzeichnis oder in der Datenbank abgleichen – inklusiv löschen und verschieben. Sehr praktisch. Danke für den Impuls! 🙂

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  11. sdorok

    Ich lege meine Dateien ähnlich ab, scanne ebenfalls per ScanSnap und DevonThink Dinge ein, die nur als Papier reinkommen (Als Standalone-OCR-Software für den Mac übrigens auch einen Blick wert: PRIZMO) – was ich aber beeindruckend finde, ist die Idee, nur mit dem Laptop in die Klasse zu gehen. Würde ich auch gerne, sehe da aber trotz aller Digitalisierung meines Workflows diverse Hürden wie z.B.:

    Schulbücher (Student's Book, Workbook)
    Hast Du bei Deinen Fächern wahrscheinlich nicht – in Musik brauche ich das auch nicht, aber in Englisch geht's eigentlich nicht ohne, solange die Verlage das nicht als PDF rausbringen.

    Folien, Arbeitsblätter für die SuS
    Was machst Du damit? Die habe ich für jede Stunde immer schon ausgedruckt bei mir. Macht ihr das bei Euch alles digital?

    Hörbeispiele
    Hab ich auf dem iPhone, welches ich an transportable JBL-Boxen anschließe. Reicht für Listening Comprehension im FU allemal aus.

    Kurshefte
    Gibt es die bei Euch nicht? Oder überträgst Du Anwesenheitslisten und Kursinhalte dann immer zu Hause in das Heft?

    All der andere Papierkram
    Gerade als Klassenlehrer schleppt man ja immer wieder Papier(e) in die Klasse, das lässt sich wohl kaum anders handhaben.

    Derzeitiger Stand also bei mir:
    Unterrichtsvorbereitung komplett digital, Unterrichtsdurchführung eine Mischung aus digital und analog.

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  12. Felix Schaumburg

    Schulbücher (Student's Book, Workbook)
    Wenn man sie braucht, sind sie immer auch in der Schule vorrätig – zumeist stehen ein paar Exemplare im Klassenschrank. Wenn das nicht der Fall sein sollte und ich bin wirklich dringend darauf angewiesen, trage ich auch mal ein Buch mit. Das kam aber in den letzten Wochen nicht vor – was auch am Unterricht selber liegt. Stationen und Wochenpläne werden einmal konzentriert vorbereitet und die Materialien liegen dann gesammelt in der Schule.
    Trotzdem möchte ich gerne noch einen Schritt weiter gehen und werde die Digitalisierung der Bücher mal antesten. Alte Mängelexemplare werden für einen Versuch herhalten müssen.

    Folien, Arbeitsblätter für die SuS
    Folien nutze ich nicht. Wenn ich was zeigen möchte, nehme ich den Beamer mit oder bestelle mir morgens einen, den der Mediendienst dann bringt.
    Arbeitsblätter passen in Klassenstärke noch in die Laptophülle rein. Wenn nicht, kann ich auch in der Schule noch kopieren.

    Hörbeispiele
    Hab' ich nicht im Einsatz. Für Tondokumente liegt im Lehrerzimmer in meinem Fach ein JBL System bereit.

    Kurshefte
    TeacherTool (http://www.teachertool.de)

    All der andere Papierkram
    Von Notizen werden Fotos mit dem iPhone gemacht (und dann am Besten direkt in die DropBox geschoben).
    Oder sie kommen in eine Tagesmappe (Klarsichthülle, in der ich die Schnipsel während des Schultages sammel und dann am Ende des Tages wegräume).

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  13. sdorok

    Mhmm, also auf die Bücher kann ich nicht verzichten – gerade für Englisch gibt es da inzwischen wirklich gute Lehrerbände vom Schülerbuch, in den alten Versionen habe ich meine persönlichen Notizen drin.

    Mediendienst:
    Sicher, dass Du nicht doch irgendwo auf einer Insel lebst? Wir haben noch nicht einmal transportable Beamer, geschweige denn einen, der einem das Dingen vorbeibringt…

    Teachertool:
    Damit komme ich ja trotz des Betatesterstatus' nach wie vor nicht klar.

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  14. Kerstin

    Ich träume davon, meine gesamten Materialien auf dem Laptop zu haben. Wir sind zwar einigermaßen gut ausgestattet, aber so konsequent durchziehen könnte ich das nicht – das scheitert schon an unserer Windows-Monokultur und der Unmöglichkeit in den normalen Zimmern Internet nutzen zu können. Außerdem müssen Kursbücher in Papierform geführt werden.
    Bisher nutze ich Teachertool nicht, die kommende Version scheint mir aber einen erneuten Versuch wert.
    Ansonsten nutze ich eine ähnliche Ordnerstruktur wie Felix, zusammen mit Devonthink und Evernote. So richtig koordiniert bekomme ich die drei nicht. An Notebook versuche ich mich ab und zu, finde aber irgendwie nicht den richtigen Zugang. Ziel ist immer noch ein Weg/ eine Software, mit dem/der es mir gelingt, Planung und Materialien optisch und inhaltlich zu verbinden.

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  15. Kerstin

    Ja, habe ich mir auch schon durchgelesen, super Artikel. Ich werde das mal für ein Kursstufenthema testen. Aber ich stelle mich mit der Bedienung von Notebook echt an, dagegen wirkt Devonthink kinderleicht… deine Devonthink-Datenbank muss dann ja ziemlich groß sein, oder? Oder trennst du nach Fächern?

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  16. retemirabile

    Ja – die Datenbank ist ziemlich groß – obwohl ich nach Fächern trenne.

    Die Erdkunde DB hat z.B: knapp 8 GB (das ist meine Größte):

    DevonThink braucht eine Menge RAM und wird ziemlich instabil, wenn der ausgeht. Ich habe RAM aufgestockt und bin nun sehr zufrieden.

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  17. Kerstin

    Bisher hatte ich meine Schuldateien nur in indizierter Form in Devonthink, war auch schon groß genug. Ein Totalumzug wäre natürlich eine Möglichkeit den Datenmüll von 15 Jahren Schule auszusortieren, 😉

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  18. Pingback: Digitaler Workflow | schulblogger.de | dorok.info

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  20. Athibat

    Also ich bevorzuge nach wie vor handgeschriebene Arbeitsblätter! Die Arbeit am Computer bereitet mir keine Freude! Und ich bin jung, musikalisch und lebendig! Schade, dass immer mehr solche lehrer und innen dem beruf den rücken kehren… Zu viel papier!!! Da ändert auch ein compi nichts dran! Grüessli aus der schweiz!

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