1. ADZ Barcamp 2010 in Köln

Am Wochenende hat in Köln an der iFK eine Konferenz stattgefunden, die ich mir in dieser Form schon lange gewünscht habe. Die mit Erfahrung und Ideen voll bepackten „Reformpädagogen“ aus dem ADZ Netzwerk sind auf Personen getroffen, die sich bisher vor allem auf BarCamps und EduCamps herumgeschlagen haben.

Das konnte nur spannend und reibungsvoll werden; und wurde es auch und das war gut so.

Ich habe an folgenden Sessions teilgenommen:

  • Die Blogschule
    Die KAS (in Person von Roman Deeken und André Spang) hat ihr Blog-Projekt, welches zuletzt auch auf der re:publica für Aufsehen sorgte, vorgestellt. Die scheinbare „Dramatik“, die sich hinter der Einführung von Blogs in den Unterricht und in die Schulorganisation verbirgt, war mir im Vorfeld nicht so bewusst. Dass dieser Prozess nur mit einer Öffnung einher geht, ist verständlich. Ebenso, dass sich Lehrenden eine Öffnung oft nur ungern aussetzen und gerne kontrollieren, bewerten und alles im Überblick behalten wollen. Dass die Diskussion in einer Phase der Session aber so fundamental geführt wurde, hat mich doch erstaunt. Dank einer feinfühlenden Moderation (@ViktoriaHD) ist die Grundsatzdebatte zum Glück (?) nicht vollständig ausgebreitet worden, sodass man zurück zum Thema gekommen ist: praktische Beispiele für den Einsatz im Schulalltag.
  • Alternative Bildungsabschlüsse
    Scarlett Schenk hat ihre Gedanken und Ideen zu alternativen Bildungsabschlüssen vorgestellt. Brauchen wir noch das Abitur? Ist das nicht viel zu einseitig? Können wir das Abitur abschaffen, um individuellere Abschlüsse zuzulassen und aufzuwerten? Brauchen wir überhaupt Abschlüsse für eine Schule? Welche Möglichkeiten gäbe es noch, schulische Leistung zu begrenzen oder zu zertifizieren?
    Die Diskussion war vor allen Dingen nach der ersten Session gut, weil man sich angenähert hat an die bestehende Stuktur von Schule und diese – wenn nicht gänzlich, so aber doch in Ansätzen – in Frage stellen konnte. Es hat sich eine nachdenkliche Diskussion entwickelt. Leider war die Dokumentationskultur der Sessions noch nicht so ausgeprägt, dass die Ergebnisse nachlesbar wären.
  • Web 2.0 in der Schule
    Auf eine Anregung im Plenum hin habe ich Tools vorgestellt, die ich im Unterricht und in der Zusammenarbeit mit anderen Kollegen/innen einsetze. Dabei haben vor allen Dingen Doodle und GoogleDocs großes Interesse geweckt. Besonders die Idee, über Doodle die Elternsprechtage zu organisieren.
  • Wie können digitale Medien neues Lernen fördern?
    Direkt im Anschluss an die Session zu den Web 2.0 Tools hat Guido Brombach über die neue Lernkultur gesprochen, die durch digitale Medien nötig wird (Präsentation bei Prezi.com). Ausgangspunkt war der Film „Information R/evolution“ von Michael Wesch. Durch diese Session wurden die Tools, die vorher nur angerissen wurden, in einen größeren Zusammenhang gestellt.
    Guido Brombach formulierte sieben Thesen zum Einsatz von digitalen Medien in der Bildung:

    • Der Einsatz digitaler Medien verlangt einen turn-around weg von der Frontalpädagogik
    • Medienkompetenz heisst, die digitalen Medien gestaltend und kooperativ nutzen zu können
    • Nicht die Anhäufungvon Wissen, sondern der Prozess seiner Konstruktion ist entscheidend
    • Wissen vermehrt sich bei der Nutzung, aber nur wenn es lizenzoffen zur Verfügung gestellt wird
    • Lernen braucht Alltagsrelevanz
    • Lernen heisst forschen und entdecken am Einzelfall, Reflexion und dann Induktion
    • Lernen geschieht alleine, die Konstruktion von Wissen ist immer Teil eines sozialen Prozesses
  • Lernen und Wissenschaffen
    Kurzversion einer ausgesprochen intensiven Session: Welt erschließt sich immer aus einer bestimmten Perspektive. Diese Perspektive – nennen wir sie „Brille“ – umfasst auch immer eine bestimmte Wahrheit. Konflikte und Krisen entstehen oft daraus, dass man die „Wahrheit“ des anderen nicht anerkennt. Bedeutet dies, dass die Formulierung der Relativität keinen eigenen Standpunkt mehr zulässt und alles im Ungewissen hält? Oder ist durch die Bewusstwerdung der anderen Sicht auch eine Reflexion auf die eigene, bevorzugte „Brille“ möglich? Wann und zu welcher Zeit sind Modelle als Gegenstand mit den Schülerinnen und Schülern zu thematisieren? Ist es eine Aufgabe der Sekundarstufe I oder erst für die Wissenschaftspropädeutik der Oberstufe?
  • Lernbüro & kursinterne Differenzierung
    Dorothea Vielmetter stellt die Lernbüro vor. Die iFK hat in den Fächern Deutsch und Mathematik Lernbüros installiert, die der Idee nach den Konzepten der MBS in Hamburg angelehnt sind. Ausführliche Notizen dazu wurden während der Veranstaltung in das gemeinsame GoogleDocs eingepflegt. Bitte dort bei Interesse nachlesen.
  • Experimentelles Lernen
    Abschließend gab es eine Session über die Erfahrungen, wie sich Schulen auf den Weg machen, um – nicht nur im Unterricht, sondern auch als Organisation – Lernen als Experimentieren zu begreifen. Angelehnt waren die Thesen in meinem Verständnis an das Prinzip „always beta„, welches man auch als Schule begreifen und im Alltag umsetzen muss. „Einfach mal probieren….!“
    Während der Session habe ich folgendes getwittert und würde es als Fazit stehen lassen: „Ein neues Lernen stellt Kontrolle und Beweisbarkeit grundlegend in Frage. Bildung ist frei und verbindet sich mit dem Leben.“

Neu bei Twitter sind nach dem Treffen folgende ADZler/innen:ViktoriaHD, ScarlettHMiro, Flora298, Steffifk, rpifk, peace2blossom.

(Hinweis: Dies ist kein Bericht oder eine Zusammenfassung der Diskussionen der Tagung, sondern eher eine kleine Notiz meiner ersten Eindrücke)

12 Gedanken zu „1. ADZ Barcamp 2010 in Köln

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  3. Lisa Rosa

    Herzlichen Glückwunsch, das ist ja offenbar ein gelungenes Treffen der NRW-ADZler gewesen. Es freut mich, dass sovielfältig die Neuen Medien und Neue Lernkultur zusammengedacht wurden! Bietet ihr – Du, Gibro, und vllt die KAS-Leute etwas von euren Erkenntnissen auf dem Bodenseekongress des ADZ-Netzwerks im September an? Ich fände es toll, denn euer Regionalthema ist 1. etwas, was eigentlich das Gesamtnetzwerk dringend braucht, und 2. gibt es eh einen Aufruf für good-Practice-Angebote.

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  4. Damian Duchamps

    Für mich war das die erste Gelegenheit, mit Vertretern des ADZ und anderen Menschen, die sich für diese Ideen begeistern können, persönlich in Kontakt zu kommen. Das ist ein weiterer Aspekt, der dieses Treffen für mich wertvoll gemacht hat.

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  5. Lisa Rosa

    Nein, leider nicht, obwohl ich sogar wieder als Referentin in einem Konsortium zum Thema Wissensgesellschaft/Computerlernen hätte hinkönnen (was es ja immer finanziell erschwinglich macht). Ich habe just an diesem Wochenende wieder ein phasenübergreifendes Pojektseminar an der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Das läßt sich beim besten Willen nicht verschieben. Aber Du, solltest unbedingt hingehen!

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  6. A. J.

    Felix! Danke für die prompte Zusammenfassung – Schade, dass der Start etwas shaky war und ich nur so kurz Zeit hatte dieses WE. Dennoch war es gut zu präsentieren u. vllt andere ins Boot zu holen, für das Networking war es auf jeden Fall sehr gut und dich habe ich auch endlich mal persönl. kennen gelernt. Und Guido unterstützen wir jedezeit sehr gerne, denn er hat die KAS erst auf track gebracht. Bregenz? Im September habe ich Geburtstag u. den am Bodensee feiern – wunderbar: Ich bin dabei 😉 bis dort kommt man locker mit dem Jeep (kleiner Insider für Lisa). Lg. André @tastenspieler

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  7. Pingback: #Leitmedienwechsel – Schule und Lernen in digitaler Vernetzung « J&K – Jöran und Konsorten

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