Twitter im Unterricht: Nein, bitte nicht!

Wir versuchen wieder, neue Technologien in ein System zu drücken, das dafür nicht geschaffen ist. Mit der Überlegung von Twitter im Unterricht reduzieren wie nicht nur Twitter in seinen Möglichkeiten enorm, sondern überstrapazieren auch die Schule in ihrer derzeitigen Struktur (was natürlich durchaus wünschenswert sein kann).

Twitter_Was tust du

Twitter ist ein “Was tust Du gerade” Dienst, der sich in den letzten Monaten verstärkt als politisches und persönliches Sprachrohr entwickelt hat.

Das, wofür man Twitter jedoch in der Schule einsetzen möchte, wie zum Beispiel hier bei LehrerOnline vorgeschlagen, ist nichts anderes als ein Chat. Warum dann nicht direkt auf dieses Medium setzen? Vorteil: Man muss sich nicht anmelden (natürlich anonym! ist ja Schule und wir müssen die Schüler schützen) und braucht sich nicht mit sowas seltsamen wie Hash-Tags auseinanderzusetzen, die dann ggf. sogar noch doppelt verwendet werden und Irritationen schaffen. Immerhin soll Twitter ja innerhalb des Klassenzimmers bleiben.

Solange wir inszenieren ist die Thematisierung im Unterricht immernoch ein gutes Mittel, um den Schülerinnen und Schülern die Lust an einem Werkzeug zu nehmen.

Lasst also Twitter, solange es die Twitterer selber nicht richtig verstehen, aus den Schulen raus. Nutzt Chats für das Feedback und die zeitlich begrenzte Kommunikation im Klassenraum. Das ist einfacher. Allerdings gewinnt man dabei auch bei keinem Bingo.

Kristallisationspunkt für das Posting ist der Beitrag von Melanie, mit dem Titel “Ist Twitter für den Unterricht geeignet?”. Dort hat sich eine spannende Diskussion ergeben.

6 Gedanken zu „Twitter im Unterricht: Nein, bitte nicht!

  1. Christian

    Ich gebe Dir Recht. Sinnvoll ist Twitter allerdings dann, wenn Kommunikation mit der Welt da draussen stattfinden soll, Fragen ins Netz gesendet werden sollen oder Ähnliches. Solche Szenarien kann ich mir gerade im Fremdspracheunterricht sehr gut vorstellen.

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  2. lisarosa

    Es ist mit Twitter genauso wie mit allen Informations- und Kommunikationsmedien – seien sie Altholz, Web1.0 oder Web2.0 – sie werden vom Status eines Mediums in ein bloßes didaktisches Vermittlungstool abgewertet, wenn sie in unveränderte Schullogik aufgenommen werden. Das kommt, weil Schule von ihrer Systemlogik her die gesellschaftliche Realität degradiert zum didaktisierten Abbild ihrer selbst. (Aber das Medium geht davon zum Glück nicht kaputt ;-)) Bloß gelernt wird wieder mal weder das, was von der Schule intendiert war, noch das, was die Gesellschaft braucht, noch das, was die Lernenden brauchen/wollen.
    Aber was spricht denn ausgerechnet bei Twitter dagegen, diese kulturelle Realität mit den Schülern zu explorieren – genau wie es wünschenswert wäre für alles, was zur Lebensrealität gehört? Es könnte ja eigentlich beinahe alles aus der Realität (bis auf wenige Ausnahmen) Gegenstand im Unterricht werden. Das würde das Lernen der Anstaltsinsassen enorm nach vorne bringen, wenn der Unterricht das mal öfter täte.

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  3. schaumburg

    Hallo Lisa Rosa,

    mit meinem Posting möchte ich mich nicht gegen eine Öffnung des Unterrichts aussprechen! In keinster Weise! Wenn Twitter einen kleinen Beitrag dazu leistet, ist jeder Versuch wertvoll.

    Ich wollte nur auf die Gefahr hinweisen, dass die “neuen” Tools eben genau in dieser von Dir beschriebenen “Didaktik-Falle” landen und so nicht zu einer Veränderung beitragen können. Twitter im klassischen Verständnis von Schule wird degradiert in seinen Möglichkeiten. Und das den Werkzeugen wie Twitter & Co. eigentlich innewohnende “unbekannte” und “neue” verschwindet dann im Einerlei der schulischen Erfahrungswelt.

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  4. lisarosa

    Hallo Felix,
    “mit meinem Posting möchte ich mich nicht gegen eine Öffnung des Unterrichts aussprechen!” Keine Sorge, so habe ich das überhaupt nicht verstanden.
    ich habe den Eindruck, wir sind uns ziemlich einig in unserer Sichtweise. Auch mal ne schöne Erfahrung. :-)

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  5. Pingback: Twitter in der Lehre (Schule und Universität): eine kleine Literaturliste | Redaktionsblog

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