Wer kann es denn? Umgang mit digitalen Medien.

Die Schülerinnen und Schüler sind digital naives, die Lehrenden können es auch nicht besser. Wer kann es denn?

Wir befinden uns in einem Transformationsprozess. Die Gesellschaft hat da etwas Neues entdeckt und stürzt sich nun auf die Suche, irgendwelche Handlungsmuster herauszuarbeiten, wie damit umzugehen sei. Für die Schule ist dabei die zentrale Frage: Wer ist der Wissende?

Genau in dieser Frage könnte sich aber eine Bruchstelle finden, die das alte Wissens-Paradigma (begrenzt, geschlossen) vom neuen (unendlich, offen) trennt. Es geht nicht mehr darum, wer die Fakten weiss. Das zählte früher.

Das Wissen ist heute nicht mehr begrenzt, sondern steht allen uneingeschränkt offen. Merkbar wird das zum Beispiel in der Schule, wenn einem ein Schüler der 5. Klasse kurzerhand erklärt, wie das mit den Atomen in der Chemie so sei (Lehrplan: 8. Klasse). Er hat sich selber informiert und war nicht auf die Rationierung durch den Lehrenden angewiesen.

Es zählt nicht mehr das Wissen an sich, sondern die Kompetenz, wie man für sich selber in einem Neuronenstrom Orientierung finden kann.

8 Gedanken zu „Wer kann es denn? Umgang mit digitalen Medien.

  1. Herr Rau

    Mmmmh. „Das Wissen ist heute nicht mehr begrenzt, sondern steht allen uneingeschränkt offen.“ Das Wissen war vor 25 Jahren aber auch nicht begrenzt und stand auch allen uneingeschränkt offen. Da konnte ein Fünftklässler in der Stadtbibliothek auch schon ein Buch über Atome lesen. (Habe ich gemacht.) Und vor zehn Jahren hat ein Sechstklässler mir ein tolles Referat über Frequenz- und Amplitudenmodulation gehalten, ganz ohne Internet.

    Das Internet finde ich toll für oberflächliche Informationen und vor allem für das Zusammenarbeiten und Herstellen von Kontakten. Ganz klar, das Internet ist komfortabler als die Bibliothek. Aber das Interesse für Atome und Frequenzmodulation hat wenig damit zu tun, glaube ich.

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  2. Herr Rau

    Mmmmh. „Das Wissen ist heute nicht mehr begrenzt, sondern steht allen uneingeschränkt offen.“ Das Wissen war vor 25 Jahren aber auch nicht begrenzt und stand auch allen uneingeschränkt offen. Da konnte ein Fünftklässler in der Stadtbibliothek auch schon ein Buch über Atome lesen. (Habe ich gemacht.) Und vor zehn Jahren hat ein Sechstklässler mir ein tolles Referat über Frequenz- und Amplitudenmodulation gehalten, ganz ohne Internet.

    Das Internet finde ich toll für oberflächliche Informationen und vor allem für das Zusammenarbeiten und Herstellen von Kontakten. Ganz klar, das Internet ist komfortabler als die Bibliothek. Aber das Interesse für Atome und Frequenzmodulation hat wenig damit zu tun, glaube ich.

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  3. Felix Schaumburg

    In der Tat… Das Beispiel ist in dieser Art nicht unbedingt prägnant. Ich habe das vorhandene Interesse von dem Zugang zu Wissen nicht klar genug getrennt.

    Ich glaube aber schon, dass der Zugang zum Wissen heute offener ist als vor 25 Jahren. Meine einzige Quelle in der Schulzeit neben dem Schulbuch war das Bertelsmann-Lexikon und der Brockhaus. Andere Möglichkeiten, mal eben am Abend bei den Hausaufgaben eine Unklarheit zu klären, gab es nicht.
    Man konnte in die Bibliothek – keine Frage. Aber dazu gehört schon eine gehörige Portion kulturelles Kapital, um das als Normalität zu leben, oder?

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  4. Schaumburg

    In der Tat… Das Beispiel ist in dieser Art nicht unbedingt prägnant. Ich habe das vorhandene Interesse von dem Zugang zu Wissen nicht klar genug getrennt.

    Ich glaube aber schon, dass der Zugang zum Wissen heute offener ist als vor 25 Jahren. Meine einzige Quelle in der Schulzeit neben dem Schulbuch war das Bertelsmann-Lexikon und der Brockhaus. Andere Möglichkeiten, mal eben am Abend bei den Hausaufgaben eine Unklarheit zu klären, gab es nicht.
    Man konnte in die Bibliothek – keine Frage. Aber dazu gehört schon eine gehörige Portion kulturelles Kapital, um das als Normalität zu leben, oder?

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  5. Lisa Rosa

    @ Herr Rau: Der ubiquitäre und für alle (mit Internetanschluss) mögliche Zugang zu Wissen erschöpft sich ja nicht darin, dass die Informationen, die man früher in der Bibliothek hätte finden können, nun eben im Netz sind und das praktischer ist. Das besondere am Internet und v.a. Web 20 ist, dass neue Möglichkeiten entstanden sind, aus Informationen Wissen zu machen. Eine Sammlung von Daten werden zu Informationen verknüpft, indem die Daten interpretiert werden. Wissen wird aus solchen Informationen erst, wenn persönlicher Sinn diese Informationen interpretiert und mit anderen Menschen kommuniziert. Das war natürlich schon immer so. Aber neben einem viel breiteren Zugang zu Daten und Informationen sind durch Web 2.0 die Möglichkeiten, über Informationen zu kommunizieren, explodiert. Kann ich mit meinem f2f-Nachbarn im Hause, auf der Straße, in meinen Organisationen über meine speziellen Interessen kommunizieren? NO! Wer von denen möchte sich schon ewig mit mir über die Vermittlung der „Zweiten Geschichte des Holocaust“ unterhalten? –
    Im Netz finden die zusammen, die an ihrem gemeinsamen(Spezial-)Wissen arbeiten und über die ganze Welt verstreut sind. Früher brauchte man dafür die Organisationen des Wissenschafts-Systems (Unis, Kongresse, Peer-Reviews für die Publikation usw.) Hohe Hürden zur Partizipation an der Wissensgenerierung. Puh! Heute stellst Du Deinen Kram auf Deine Seite – und husch! hast Du die Leute da, die das mit Interesse lesen und diskutieren und ihre eigenen Beiträge dazu vernetzen. Keine Chance in der kleinen Dorf- oder Schulbibliothek, wo Du einsam mit dem Lexikon saßest, und niemandem sagen konntest, daß Du da einen Fehler drin gefunden hast! 😉

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  6. Lisa Rosa

    @ Herr Rau: Der ubiquitäre und für alle (mit Internetanschluss) mögliche Zugang zu Wissen erschöpft sich ja nicht darin, dass die Informationen, die man früher in der Bibliothek hätte finden können, nun eben im Netz sind und das praktischer ist. Das besondere am Internet und v.a. Web 20 ist, dass neue Möglichkeiten entstanden sind, aus Informationen Wissen zu machen. Eine Sammlung von Daten werden zu Informationen verknüpft, indem die Daten interpretiert werden. Wissen wird aus solchen Informationen erst, wenn persönlicher Sinn diese Informationen interpretiert und mit anderen Menschen kommuniziert. Das war natürlich schon immer so. Aber neben einem viel breiteren Zugang zu Daten und Informationen sind durch Web 2.0 die Möglichkeiten, über Informationen zu kommunizieren, explodiert. Kann ich mit meinem f2f-Nachbarn im Hause, auf der Straße, in meinen Organisationen über meine speziellen Interessen kommunizieren? NO! Wer von denen möchte sich schon ewig mit mir über die Vermittlung der „Zweiten Geschichte des Holocaust“ unterhalten? –
    Im Netz finden die zusammen, die an ihrem gemeinsamen(Spezial-)Wissen arbeiten und über die ganze Welt verstreut sind. Früher brauchte man dafür die Organisationen des Wissenschafts-Systems (Unis, Kongresse, Peer-Reviews für die Publikation usw.) Hohe Hürden zur Partizipation an der Wissensgenerierung. Puh! Heute stellst Du Deinen Kram auf Deine Seite – und husch! hast Du die Leute da, die das mit Interesse lesen und diskutieren und ihre eigenen Beiträge dazu vernetzen. Keine Chance in der kleinen Dorf- oder Schulbibliothek, wo Du einsam mit dem Lexikon saßest, und niemandem sagen konntest, daß Du da einen Fehler drin gefunden hast! 😉

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