Aus aktuellem Anlass

Modernisierung ist aber – um in einem Vergleich Max Webers zu sprechen – kein Fiaker, aus dem man, wenn es einem nicht passt, an der nächsten Ecke wieder aussteigen kann.

Wer wirklich die Kleinfamilie in den Formen der fünfziger Jahre wiederherstellen will, der muss die Uhren der Modernisierung zurückdrehen, das heisst: nicht nur versteckt – z.B. durch Mutterschaftsgeld oder durch Imagepflege der Hausarbeit – die Frauen aus dem Arbeitsmarkt verdrängen, sondern offen, und zwar nicht nur aus dem Arbeitsmarkt, sondern gleich auch aus der Bildung; das Lohngefällt wäre zu verstärken; letztlich müsste auch die gesetzliche Gleichstellung rückgängig gemacht werden: es wäre zu prüfen, ob das Unheil nicht schon beim allgemeinen Wahlrecht angefangen hat; Mobilität, Markt, neue Medien und Informationstechnologien usw. wären einzuschränken oder zu verbieten.

Kurz, die unhalbierbaren Prinzipien der Moderne müssten halbiert werden, und zwar dem einen Geschlecht – natürlich – zugewiesen, dem anderen – natürlich – vorenthalten werden und dies ein für allemal.

Quelle: U. Beck: Risikogesellschaft – Auf dem Weg in eine andere Moderne, edition suhrkamp, Frankfurt a. M, 1986, S. 198.

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