Eva Herman als Revolutionärin
Betrachten wir die Aussagen von Frau Hermann aus einer anderen Perspektive: Die Familie ist in der frühen Industriegesellschaft nach Beck gekennzeichnet gewesen von einem Zerfall in Moderne (Arbeitswelt des Mannes) und Gegenmoderne (Hausarbeit der Frau).
Mit einem fortschreitenden gesellschaftlichen Wandel wird zunehmend auch der Teil der Gesellschaft, der bisher durch “Liebe” und “Ehe” in ständischen Strukturen festgehalten wurde, marktwirtschaftliche durchdrungen.Ausgehend von dieser Vollvermarktung wird sich eine Gegenmoderne, wie von Frau Herman erwünscht, nicht einfach wieder herstellen lassen. Die Freisetzung in paradiesische Ursprünge – verstanden als marktwirtschaftlich nicht durchdrungene (Teil-)Gesellschaften – hat bisher noch nicht funktioniert.
Die unbezahlte Familienarbeit wird dem Grundriß der alten Industriegesellschaft nach als natürliche Mitgift qua Ehe zugewiesen. Ihre Übernahme bedeutet prinzipiell Versorgungsunselbständigkeit. Wer sie übernimmt – und wir wissen, wer das ist -, wirtschaftet mit Geld aus »zweiter Hand« und bleibt auf die Ehe als Bindeglied zur Selbstversorgung angewiesen. Die Verteilung dieser Arbeiten – und darin liegt die feudale Grundlage der Industriegesellschaft – bleibt der Entscheidung entzogen. Sie werden qua Geburtund Geschlecht zugewiesen.
Quelle: Beck/Beck-Gernsheim: Das ganz normale Chaos der Liebe, Frankfurt 1990, S. 36
Sollte Frau Herman vielleicht eine der letzten Romantikerinnen sein, die sich in dieser Hinsicht garnicht so weit entfernt von den von ihr eigentlich gescholteten ’68ern?
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