200 Jahre Universität

Anküpfend an die Notiz zu einem Artikel bei SpOn nun ein schöner Kommentar in der Onlineausgabe der Süddeutschen Zeitung über die letzte Phase des Bologna Prozesses: Ende einer Lebensform.

Vielleicht hat es seit dem Ende der platonischen Akademie in Athen ein so einschneidendes Datum in der Geschichte der menschlichen Bildung nicht mehr gegeben.
G. Seibt

Obwohl wir heute scheinbar vieles bewusst inszenieren, vollzieht sich hier eine einschneidende Wende im Bildungswesen, die in ihrer ganzen Dimension von einer kritischen Menge der Bevölkerung nicht wahrgenommen wird. Der Bologna Prozess wirkt sich im Besonderen auf die deutsche Bilundungslandschaft aus, die bisher von den angelsächsisch-ökonomischen Strukturen relativ unangetastat geblieben ist (Diplom). Das ändert sich nun.

Vielleicht schauen wir in ein paar Jahren auf diese Zeit und erkennen, was dort geschehen ist… Die hoffnungslosen Romantiker einer „alma mater“ müssen ja nicht recht behalten. Eine Universität als zielgerichtete Berufsvorbereitung passt vielleicht besser. Wo aber sammeln sich die Suchenden und Irrenden?

Bologna ist gut für Menschen, die mit zwanzig schon wissen, was sie werden wollen. Humboldt war gut für Suchende und Irrende. Ein ganzer Menschentypus, ja eine Lebensform wird heimatlos.

Das von bürokratischen Technokraten oder technokratischen Bürokraten konzipiertes Modell „Bologna“ birgt, wollen wir es als anschlussfähig annehmen für zukünftige Entwicklungen, viele Kristallisationspunkte für neue Gedanken.

Weiterführendes:

  • Im GEO Magazin – 09 | September 2006 – wird, ausgehend von der Frage „Welchens Wissen braucht der Mensch?“ die aktuelle Diskussion zwischen Kompetenzen und Inhalten aufgespannt. Steht der Bildungskanon Humboldts wieder vor einer Renaissance?
  • Humboldt’sches Bildungsideal und heutige akademische Bildung | PDF @ http://www.empa.ch

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