Bücher statt Notebooks?

Ein Artikel in der NY Times hat in den vergangenen Tagen einige Diskussionen hervorgerufen. Die Kritiker/innen fühlen sich bestätigt, die Vertreter/innen einfach falsch verstanden. Gabi Reinmann, Professorin für Medienpädagogik an der Uni Augsburg, hat den Artikel etwas durchleuchtet und kommentiert.

Wer hofft, mit einer neuen Technologie revolutionäre Änderungen in Schulen bewirken zu können, hat weder menschliches Lernen noch das Funktionieren von Schule verstanden. Medien-Initiativen, auch Notebook-Initiativen, die von solchen Prämissen ausgehen, sind von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Kritisch sehe ich dabei ihren im Weiteren formulierten und im Grunde guten Ansatz, dass man vor allem in die Fortbildung der Lehrenden investieren müsste, um dort die Medienkompetenz zu fördern, die man bei den Schüler zu wecken erhofft. Die bereits im Dienst stehenden Lehrenden sind als ‚Digital Immigrants‚ im Umgang mit den so genannten „neuen Medien“ in der Regel deutlich weniger geübt als die Heranwachsenden (‚Digital Natives‚) selber. Das schließt allerdings die Kompetenz nicht zwangsläufig ein.

Problematisch an der Fortbildung der Lehrenden ist meiner Meinung nach, dass die intendierten Kompetenzen nicht erreicht werden. Anders als bei einem reinen Fachinhalt beinhaltet ein medienkompetenter Umgang auch eine Änderung der eigenen Arbeitsweise. Flickr, Moodle, Mail und Chats können nicht nur als Blüten angesehen und mit Distanz betrachtet werden, sondern müssen, um sie zu verstehen, auch genutzt und weiter gepflegt werden. Und das lässt sich im Rahmen einer Fortbildung nicht ändern.
Einen Anstoss kann die Fortbildung geben, daher ist der Ansatz auch im vollem Umfang sinnvoll. Denn ohne es probiert zu haben kann ich mich auch nicht dafür begeistern.

Von einem Einsatz der Computer im Unterricht (und zwar am Besten wirklich in 1-to-1 Projekten) verspreche ich mir höhere Flexibilität. Fragen und Anregungen können schneller nachgegangen werden. Recherchen im Netz sind jederzeit möglich und auch eine kritische Betrachtung von Artikeln wird erleichtert, da man ohne immense Kopierkosten unterschiedliche Artikel betrachten und auswerten kann. Das Lesen von Bücher und Ganzschriften schließt das nicht aus. Computer statt Bücher? Ich wäre für die Bücher. Aber Computer gleichberechtigt neben Büchern finde ich eine tolle Vorstellung.

Vor allem als Vorbereitung auf die Lebenswelt nach der Schule ist es unabdingbar. Die Organisation der eigenen Arbeit wird in immer mehr Berufen vorausgestezt. Der Umgang mit E-mails, Austausch von Kontakten und Ideen, gemeinsames Arbeiten an Dokumenten, Sammeln von Informationen und deren Strukturierung: Alles Arbeitsfelder, die sich vor allem durch den Einsatz von Computern in den letzten Jahren verändert haben.
Nur: Wo sollen wir es Lernen, wenn nicht dort, wo Lernprozesse organisiert werden, selbstständig, in der Schule? Die Schüler können die Medienkonvergenz, die sich im Computer findet, so nicht nur zur Freizeitbeschäftigung nutzen, sondern das Handlungspotential auch wirklich einsetzen.

Schulen-ans-Netz hat ebenfalls die aktuelle Debatte aufgegriffen und lässt einzelne Akteure aus Deuschland zu Wort kommen: Medienkritik.

Hannes Beecken:

Ein zentraler Punkt für den Erfolg oder Misserfolg von Notebook-Projekten ist aber die konzeptionelle Vorbereitung des Lehrerteams unter Mitwirkung der Eltern und Schüler. Alle Beteiligten müssen die Chance haben, ihre Erwartungen an das Projekt zu formulieren – und dies muss ganz klar den pädagogischen Mehrwert des Projekts und damit der Investition umreißen. Frontalunterricht mithilfe von Notebooks, gleich ob dem Schüler ein Lehrer oder eine so genannte Lernsoftware vorgesetzt wird, lohnt die Investition nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*